Von der Macht der Geschichten
Sabine Rückert & Johanna Haberer
Die Episode taucht ein in das Buch Joshua und erzählt, wie die Gibeoniter mit einer raffinierten List ihr Überleben sichern: Sie verkleiden sich mit zerfetzten Schuhen, löchrigen Mänteln und trockenem Brot als Reisende aus einem fernen Land, um Joshua einen Friedensvertrag abzuringen. Nebenbei wird eine brisante historische Pointe deutlich — Jerusalem existierte längst vor den Israeliten als Stadt der Jebusiter, denen der Glaube an Yahweh erst übergestülpt wurde.
„Sie versahen sich mit Verpflegung, haben alte Säcke zusammengepackt, alte brüchige, gepflegte Weinschläuche auf ihre Esel gepackt und zogen damit den Israeliten entgegen. Nicht mit Waffen, sondern mit alten Eseln und alten Säcken.“
Erwähnte Medien (4)
Gott. Eine Biografie
Jack Miles · 2001
Five years after his everywhere-acclaimed, brilliantly successful, Pulitzer Prize-winning book about God as portrayed in the Old Testament--God: A Biography--Jack Miles gives us his striking consideration of Christ. He presents Christ as a hero of literature based only in part on the historical Jesus, asking us to take the idea of Christ as God Incarnate not as a dogma of religion but as the premise of a work of art, the New Testament.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:11:10 „Ja, ich wollte bei der Gelegenheit eine kleine Anmerkung dazu vorlesen, was unser Freund Jack Miles, der die Gottesbiografie geschrieben hat, was der zu dieser ganzen Landnahme schreibt.“
Sabine Rückert liest aus Jack Miles' Gottesbiografie vor, in der Miles argumentiert, dass Gott durch sein Fruchtbarkeitsversprechen an Abraham unbeabsichtigt zum Kriegsgott werden musste. Miles These ist, dass die Brutalisierung während der Landnahme unter Joshua später das Volk Israel selbst zerstören wird – eine Dynamik, die sich bis ins Buch der Richter fortsetzt.
Homo Deus
Yuval Noah Harari · 2024
Step into the future with Yuval Noah Harari’s groundbreaking book, Homo Deus: A Brief History of Tomorrow. Discover how humanity’s next chapter may be defined by the pursuit of immortality, artificial intelligence, and ultimate happiness, as we attempt to transcend our biological limitations. Harari challenges everything we know about the future of humankind, revealing the possibility that we might soon become gods ourselves.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:22:19 „Dazu gibt es eine wunderbare kleine Nebenbemerkung von Yuval Noah Harari in seinem Buch Homo Deus. Du weißt ja, dass Yuval Harari ein Professor ist an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Der lehrt dort, glaube ich, Geschichte.“
Sabine Rückert liest eine längere Passage aus Hararis 'Homo Deus' vor, in der er argumentiert, dass Gott, Geld und Nationen intersubjektive Realitäten sind – sie existieren nur, weil Menschen an sie glauben. Die Stelle wird im Kontext der biblischen Szene zitiert, in der Gott Sonne und Mond stillstehen lässt, um zu zeigen, wie Menschen jahrtausendelang Naturphänomene mit Gottes Wirken erklärten. Johanna Haberer widerspricht Hararis Haltung und wirft ihm vor, nur Dekonstruktion zu liefern, ohne eine eigene sinnstiftende Gegenerzählung anzubieten.
Einen Gott, den es gibt, den gibt es nicht
Dietrich Bonhoeffer · 2016
Bonhoeffers paradoxer Satz «einen Gott, den es gibt, den gibt es nicht» fasst die theologische Spannung zusammen: Gott entzieht sich der empirischen Verifikation und übersteigt rationale Kategorien. Im Podcast wird diese Aussage als Gegenpol zu Hararis mechanistischem Gottesbegriff verwendet und zeigt, wie die jüdisch-christliche Theologie Transzendenz bewahrt, während moderner Materialismus diese ablehnt. Der Gedanke bleibt zentral für zeitgenössische Debatten über Religiosität, Wissenschaft und menschliche Sinnerfahrung.
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:29:21 „Oder, wie ich häufiger schon zitiert habe, den Bonhoeffer, einen Gott, den es gibt, den gibt es nicht. Also mit dieser Dimension setzt sich der Harari gar nicht auseinander.“
Johanna Haberer zitiert Bonhoeffers berühmten Satz als Gegenargument zu Hararis empirischem Gottesbegriff. Sie argumentiert, dass die jüdisch-christliche Theologie Gott bewusst der empirischen Fassbarkeit entzieht und Harari sich mit dieser Dimension nicht auseinandersetzt. Das Zitat stammt sinngemäß aus Bonhoeffers theologischen Schriften.
Barbarossa
Friedrich Rückert · 1866
Gedicht über die Barbarossa-Legende: Kaiser Friedrich Barbarossa sitzt in einem Berg, sein Bart wächst durch einen Tisch, und Raben umkreisen ihn. Das Werk behandelt die deutsche Sage vom eingemauerten König, der eines Tages zurückkehren wird.
🗣 Unbekannt referenziert bei ⏱ 00:34:22 „Ja, schreibt jedenfalls Friedrich Rückert. Das ist ja ein Gedicht von unserem alten Vorfahren.“
Im Zusammenhang mit dem Motiv der Höhle und des eingemauerten Königs kommt das Gespräch auf die Barbarossa-Sage — der Kaiser, der in einem Berg sitzt, dessen Bart durch einen Tisch wächst und der von Raben umkreist wird. Die Sprecherin identifiziert Friedrich Rückert als Verfasser des Gedichts und behauptet scherzhaft, er sei ein Vorfahre der Familie.