ZEIT Verbrechen – Wie ein Hochstapler die feinen Hamburger narrte
#012

Wie ein Hochstapler die feinen Hamburger narrte

ZEIT Verbrechen / 25. September 2018 / 3 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker

Ein Sonderschüler mit schwerer Legasthenie, schielendem Blick und zerrüttetem Elternhaus steigt zum vermeintlichen Finanzgenie auf, das die feine Hamburger Gesellschaft jahrelang narrt: Die Geschichte von Jürgen Harksen zeigt, wie Hochstapelei funktioniert — und warum es dafür immer auch ein williges Publikum braucht. Ab 1983 beginnt der hochintelligente, aber schwer benachteiligte junge Mann sein betrügerisches Wirken, das erst 2003 vor Gericht endet.

„Ob nicht der Lügner eben dadurch erst zum Lügner wird, dass er ein Publikum vorfindet, das belogen werden will.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (3)

Tyll

Tyll

Daniel Kehlmann · 2017

Till Eulenspiegel wird in den Dreißigjährigen Krieg versetzt. Der Roman erzählt von Betrügereien und Eulenspiegeleien und zeigt, wie Betrug nicht nur vom Täter ausgeht, sondern ein Publikum braucht, das bereit ist, betrogen zu werden.

🗣 Andreas Sentker empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:07 „Liebe Sabine, hast du eigentlich Till von Daniel Kählmann gelesen? Ich kam auf Till Sabine, weil ich dieses Buch mit großer Begeisterung gelesen habe. Es ist die Geschichte von Till Eulenspiegel, die Daniel Kehlmann in die Zeit des 30-jährigen Krieges verlegt. Ein unfassbar eindrucksvolles Buch, weil es erzählt, wie Betrügereien funktionieren, Eulenspiegeleien, wie man so schön sagt.“

Andreas Sentker leitet die Folge mit seiner Buchempfehlung ein: Daniel Kehlmanns Roman 'Tyll', der die Till-Eulenspiegel-Figur in den Dreißigjährigen Krieg versetzt. Er zieht eine Parallele zwischen den Eulenspiegeleien im Roman und dem Betrugsfall Jürgen Harxen, der das Hauptthema der Episode ist — beide zeigen, dass Betrug nicht nur vom Täter ausgeht, sondern auch ein Publikum braucht, das betrogen werden will.

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Catch Me If You Can

Catch Me If You Can

Steven Spielberg · 2002

Frank W. Abagnale war nicht nur als Arzt und Rechtsanwalt erfolgreich, sondern auch als Copilot einer großen Fluglinie. Das alles erreichte er vor seinem 21. Geburtstag. Er ist ein Meister der Täuschung, aber auch ein brillanter Fälscher. Durch geschickte Scheckbetrügereien ist er zu einem Vermögen von mehreren Millionen Dollar gekommen. FBI-Agent Carl Hanratty hat ihn schon länger im Visier und macht sich zur Aufgabe, Frank zu fassen und vor Gericht zu bringen.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:33:13 „Ja, du kennst ja vielleicht die Geschichte Catch Me If You Can. Das ist ein ganz berühmter und oft gesehener Film mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle und Tom Hanks, glaube ich, oder? Da geht es ja auch um einen berühmten Hochstapler, der gibt sich als Pilot aus und sonst was.“

Sabine Rückert zieht eine Parallele zwischen dem Hochstapler Jürgen Harksen und dem berühmten Film-Hochstapler Frank Abagnale Jr. Beide nutzen äußere Statussymbole — bei Abagnale die Pilotenuniform, bei Harksen große Autos — um Autorität und Vertrauen vorzutäuschen. Der Film dient als populärkultureller Referenzpunkt, um das Phänomen des Hochstaplers greifbar zu machen.

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Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel

Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel

Hermann Bote · 2015

Till Eulenspiegel berichtet von den Erlebnissen des gleichnamigen Spaßmachers aus dem 14. Jahrhundert, der im Braunschweiger Land sein Unwesen trieb. Das erstmals 1510 erschienene Buch, das vermutlich von Hermann Bote, einem Braunschweiger Zollschreiber und Amtsvogt geschrieben wurde, wurde schnell zu einem Weltbestseller und bereits im 16. Jahrhundert in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt. Die 96 Historien des Buches berichten vom Leben Eulenspiegels.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:34:35 „Ich habe damals mir diese ganzen Schwenke von Eulenspiegel, die 96 Schwenke durchgelesen. Wir kennen ja heute alle die Kinderversion, die berühmten Geschichten, die auch an Haxen erinnern. Er bezahlt nicht mit Geld, sondern er klimpert mit der Münze und bezahlt mit dem Klimpern der Münze.“

Sabine Rückert hat ihren damaligen Artikel über Harksen auf der Eulenspiegelfigur aufgebaut und dafür alle 96 Schwänke des Originals gelesen. Sie zeigt, dass die harmlose Kinderversion den wahren Eulenspiegel — einen Fabulanten und Verbrecher, der sich als Arzt ausgab und Menschen körperlich schädigte — stark verharmlost. Die Parallele zu Harksen liegt im Spiegelvorhalten: Beide entlarven die Gier und Eitelkeit ihrer Opfer.

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