ZEIT Verbrechen – Die feindlichen Eltern (Teil 2)
#159

Die feindlichen Eltern (Teil 2)

ZEIT Verbrechen / 29. November 2023 / 4 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker

Im zweiten Teil über Eltern, die ihre Kinder töten, steht ein Hamburger Prozess von 1999 im Mittelpunkt: Die 31-jährige Studentin Veronika soll ihren neun Wochen alten Sohn Fred nachts mit einer Bettdecke erstickt haben. Besonders verstörend — der Vater des Kindes, der mit Veronika in einer Wohngemeinschaft lebte, trat vor Gericht als Belastungszeuge gegen die Mutter auf, obwohl die beiden anschließend gemeinsam nach Hause gingen.

„Also das Misshandeln von kleinen Leuten in der Öffentlichkeit, das wird immer als Privatsache betrachtet. Das ist mein Eigentum, da kann ich jetzt ein bisschen drauf rumtrampeln.“
🗣 Sabine Rückert

Erwähnte Medien (4)

Tote haben keine Lobby

Tote haben keine Lobby

Sabine Rückert · 2000

Journalistische Recherche über nicht entdeckte Tötungsdelikte aus einem Landgericht-Prozess in Hamburg. Das Buch untersucht Fälle wie den Erstickungstod von Neugeborenen und systematische Tötungen durch Ehepartner, die das Justizsystem lange Zeit übersehen hat. Eine Analyse der Ermittlungslücken und der Verfahrensfehler, die Verbrechen verborgen ließen.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:02:48 „Ich war in einem Prozess im Jahr 1999, also vor 24 Jahren, am Landgericht Hamburg. Da habe ich ein Buch geschrieben, Tote haben keine Lobby. Und habe da eine große Recherche über nicht entdeckte Tötungsdelikte.“

Sabine Rückert ordnet die im Podcast besprochenen Fälle in ihre eigene journalistische Arbeit ein. Ihr Buch entstand aus einer umfassenden Recherche über nicht entdeckte Tötungsdelikte, und die beiden Fälle dieser Episode – der Erstickungstod des neun Wochen alten Fred und die fünf getöteten Neugeborenen des Ehepaars F. – stammen aus genau dieser Recherche.

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Gerichtsreportage über den Prozess gegen das Ehepaar F.

Gerichtsreportage über den Prozess gegen das Ehepaar F.

Gisela Friedrichsen

Die Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen berichtet über den Prozess gegen das Ehepaar F. vor dem Bezirksgericht Magdeburg im Jahr 1990. Ihr Artikel dokumentiert den Ablauf und die Details des Gerichtsverfahrens, das später als journalistische Quelle für die Aufarbeitung des Falls diente.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:20:40 „Aber die Gerichtsbestrichterstatterin des Spiegel, Gisela Friedrichsen, die war dort und die hat darüber geschrieben. Und da werde ich gleich mal daraus vorlesen, wie der Prozess abgelaufen ist.“

Sabine Rückert war beim Prozess des Ehepaars F. vor dem Bezirksgericht Magdeburg 1990 selbst nicht anwesend, da sie damals noch Volontärin war. Sie stützt sich stattdessen auf die Prozessberichterstattung der Spiegel-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen und kündigt an, daraus vorzulesen. Später bestätigt sie: 'Ich habe das nur hier aus dem Spiegel entnommen.'

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Gerichtsreportage über den Prozess vor dem Bezirksgericht Magdeburg

Gerichtsreportage über den Prozess vor dem Bezirksgericht Magdeburg

Gisela Friedrichsen

Gisela Friedrichsens Spiegel-Reportage beleuchtet kritisch den Prozess gegen ein Ehepaar, das fünf Neugeborene getötet hat. Die Reportage kritisiert die Sachverständigenaussagen und die Prozessführung am Bezirksgericht Magdeburg 1990 scharf. Friedrichsen argumentiert, dass die Gutachten nicht dem Standard westdeutscher Gerichte entsprachen und die Angeklagten ungerecht als Kriminelle statt als Menschen in existenzieller Not behandelt wurden.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:26:28 „Das entnehme ich aber jetzt nicht ihnen selbst, das haben sie sich nicht bei mir beschwert, sondern ich habe das nur hier aus dem Spiegel entnommen. Frau Friedrichsen schreibt, die Gutachten sind eine Katastrophe über diese beiden. In ihnen wurden nicht Menschen in ihrer Not beschrieben, sondern unerwünschte Elemente hingerichtet.“

Sabine Rückert stützt sich bei der Schilderung des Prozesses gegen das Ehepaar F., das fünf Neugeborene tötete, auf eine Spiegel-Reportage von Gisela Friedrichsen. Friedrichsen kritisiert darin scharf die Sachverständigen und die Prozessführung am Bezirksgericht Magdeburg 1990 – die Gutachten hätten nicht dem Mindeststandard westdeutscher Gerichte entsprochen und die Angeklagten seien nicht als Menschen in Not, sondern als unerwünschte Elemente behandelt worden.

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Erinnerungen einer Überflüssigen

Erinnerungen einer Überflüssigen

Lena Christ · 2018

Lena Christ (1881-1920) war eine bayerische Schriftstellerin. Heute ist Lena Christ als bedeutende deutsche und bairische Autorin anerkannt. Mit Erinnerungen einer Überflüssigen, Die Rumplhanni und Matthias Bichler schuf sie drei bleibende Werke. Beeindruckend ist unter anderem die Verarbeitung ihrer eigenen Beobachtungen und Erlebnisse in ihren Büchern, die einen tiefen Einblick in das ärmliche Leben der Arbeiterklasse, der Dienstboten und der Landbevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts geben.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:34 „Und sie selber hat über ihre Mutter geschrieben, geliebt hat mich meine Mutter nie, denn sie hat mich weder je geküsst noch mir irgendwelche Zärtlichkeiten erwiesen. Das hat sie in dieser unglaublichen Geschichte Erinnerungen einer Überflüssigen geschrieben, wo sie eben erzählt, wie sie misshandelt wird von ihrer Mutter, wie ihr Stiefvater nichts dagegen unternimmt, wie ihr niemand in ihrer Not hilft.“

Sabine Rückert dreht am Ende der Doppelfolge über Kindesmisshandlung die Perspektive um und schildert das Schicksal der bayerischen Schriftstellerin Lena Christ (1881–1920) als Opfer. Das autobiografische Werk ist für Rückert offensichtlich prägend – ihre Mutter hat ihr das Buch vorgelesen, sie kann es bis heute auswendig rezitieren. Rückert nutzt es, um zu zeigen, wie lebenslang Misshandlungstraumata wirken und dass Lena Christ ihre Kindheitserfahrungen literarisch verarbeitete, aber letztlich daran zerbrach.

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