Love by Proxy
Sabine Rückert, Anne Kunze & Faraz Shariat, Henning Sußebach
In dieser Sonderfolge zur RTL-Plus-Verfilmung sprechen Anne Kunze und Sabine Rückert mit Regisseur Faraz Shariat und ZEIT-Autor Henning Sußebach über den Film *Love by Proxy* zum Thema Liebesbetrug. Shariat erklärt, wie der Film die Zuschauer bewusst in die Perspektive des Betrogenen zieht — eines etwa 65-jährigen Witwers namens Ralf, dessen Fantasiewelt mit Film-Noir-Ästhetik und überzeichneten Kostümen bebildert wird, bis der Schwindel auffliegt.
„Der Zuschauer weiß ja gar nicht, in welcher Perspektive er sich befindet. Er wird ja erst mal genasführt in einer unglaublichen Weise, bevor ihm dann so wie dem Protagonisten selber klar wird, das ist hier alles eine Riesenscheinwelt.“
Erwähnte Medien (6)
Love by Proxy
Faraz Shariat · 2012
Der ältere Witwer Ralf wird Opfer eines Romance-Scams durch einen Betrüger aus Ghana. Das Drama basiert auf einer ZEIT-Recherche und wirft einen ehrlichen Blick auf Vulnerabilität und emotionale Manipulation im digitalen Zeitalter – ein eindringliches Porträt von Liebesbetrug und dessen Konsequenzen.
🗣 Anne Kunze empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:51 „Ich finde total spannend, wie unterschiedlich ihr euch dem Thema Liebesbetrug in dem Film Love by Proxy, um mal den Titel zu nennen, beziehungsweise in dem Text genähert habt.“
Love by Proxy ist der zentrale Film dieser Sonderfolge. Er wurde von Regisseur Faraz Shariat gedreht, basiert auf einer ZEIT-Recherche von Henning Sußebach über Liebesbetrug (Romance Scamming) und wurde bei RTL Plus veröffentlicht. Der Film erzählt die Geschichte eines älteren Witwers namens Ralf, der auf einen Scammer aus Ghana hereinfällt. Er wurde auf der Berlinale im Zoo-Palast gezeigt.
Artikel über den Romance-Scamming-Fall
Andreas Sentker
Romance Scamming bezeichnet Betrug über gefälschte romantische Online-Beziehungen, meist um Geld zu ergaunern. In diesem Fall ist die moralische Bewertung komplex: Die vermeintlichen Täter agieren in strukturierten kriminellen Netzwerken und sind oft selbst Opfer von Menschenhandel oder Zwang. Andreas Sentker beleuchtet diesen Fall aus einer journalistisch zurückhaltenden Perspektive und räumt im Nachhinein ein, dass er manche Gewichtungen – insbesondere bei der Täter-Opfer-Frage – heute anders setzen würde. Der Artikel ist relevant, weil er die gesellschaftliche und ethische Dimension von Romance Scamming jenseits einfacher Schuldzuweisungen auslotet.
🗣 Faraz Shariat referenziert bei ⏱ 00:31:36 „Und ich würde zum Beispiel, was meinen Artikel angeht, heute auch einige Regler minimal anders verschieben. Also ich würde noch nicht mal behaupten, dass man wirklich sagen kann, man hat es ganz richtig oder ganz falsch gemacht.“
Andreas Sentker reflektiert selbstkritisch über seinen eigenen Artikel zum selben Fall. Er räumt ein, dass er heute einige Gewichtungen anders setzen würde – insbesondere bei der schwierigen Frage, wer Täter und wer Opfer ist, die in diesem Fall nicht eindeutig zu beantworten sei.
Foto 3
Daniel Müller
"Foto 3" ist der Erstlingsfilm des Regisseurs Daniel Müller und zeichnet sich durch einen bewusst affirmativen, harmonischen Zugang aus: Er porträtiert Geflüchtete und die zweite Generation von Migranten, die gemeinsam zusammenkommen und eine schöne Zeit verbringen. Der Film markiert einen Ausgangspunkt in Müllers künstlerischer Entwicklung, von dem aus er später zu provokativeren und gesellschaftskritischeren Arbeiten übergehen sollte. "Foto 3" zeigt sein frühes filmisches Denken und bietet damit einen aufschlussreichen Kontrast zu seinen späteren, konfrontativeren Projekten.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:32:34 „Also mein erster Film, Foto 3, das war ein Film, der hatte eine sehr affirmative, also es ging viel um Vereint und Zusammensein und es ging um Geflüchtete, aber auch um zweite Generation Leute, die hier halt einfach zusammenkommen und eine schöne Zeit haben. Sehr affirmativ. Alle Leute haben ihn geliebt.“
Daniel Müller spricht über seine Entwicklung als Filmemacher und stellt seinen Erstlingsfilm als Kontrastfolie zum aktuell diskutierten Scamming-Film dar. Während 'Foto 3' bewusst affirmativ und harmoniebetont war, wollte er danach provokantere Arbeiten machen, bei denen sich das Publikum streitet.
Reportage über Romance Scamming
Henning Sußebach
Herr K. wurde Opfer eines Romance-Scams im Internet. ZEIT-Reporter Henning Sußebach recherchiert die Ursprünge dieses Betrugsfalls und reist nach Ghana, wo er den jungen Romance-Scammer Yao trifft. Die vierte Folge der Serie "ZEIT Verbrechen - Spurensuche" stellt die zentrale Frage, ob sich Yao selbst als Verbrecher versteht oder ob er seine Rolle im Betrugssystem anders wahrnimmt. Die 36-minütige Krimidoku verbindet die Perspektive des geschädigten Opfers mit der Sicht des Täters und erkundet damit die Motivationen hinter modernen Internetbetrügereien.
🗣 Faraz Shariat referenziert bei ⏱ 00:35:08 „Das ging mir schon so, als ich deine Reportage gelesen habe, Henning, den Podcast gehört habe und als ich deinen Film gesehen habe, Faras. Das ist wirklich echt interessant.“
Anne Kunze würdigt die journalistische Recherche von Henning Sußebach, die als Ausgangspunkt für den gesamten Fall diente. Die Reportage lieferte die Faktengrundlage, auf der Daniel Müllers Film aufbaute – inklusive Chats, Bilder und Hintergründe zum Romance-Scamming-Betrug.
James Bond
Ian Fleming · 2012
James Bond erhält eine kryptische Nachricht aus seiner Vergangenheit, die ihn auf die Spur einer finsteren Organisation bringt. Bond muss immer mehr entdecken, dass es viele Täuschungen und Lügen gibt, die er entschlüsseln muss. Während sein Boss M mit anderen Problemen kämpft, mit politischen Kräften konfrontiert ist, die den ganzen Geheimdienst gefährden, erkennt Bond erst nach und nach die schreckliche Wahrheit hinter Spectre.
🗣 Faraz Shariat erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:41:15 „Am Ende wollte ich eigentlich, dass es sich nach großem, bisschen übertriebenem, bisschen schlecht gemachtem US-Kino anfühlt, weil ich das Gefühl hatte, das ist vielleicht am ehesten das, wie Ralf sich auch sieht, als großer James Bond.“
Daniel Müller erklärt die ästhetischen Entscheidungen für die Inszenierung der Figur Ralf im Film. Statt einer Nollywood-Ästhetik wählte er bewusst die Bildsprache übertriebenen US-Kinos, weil der betrogene Ralf sich selbst als heldenhafte James-Bond-Figur in seiner eigenen Geschichte sieht – komplett mit Trenchcoat, Sonnenbrille und Oldtimer.
The White Lotus
Mike White · 2021
The White Lotus folgt dem Aufenthalt verschiedener Gäste in exklusiven Resorts der fiktiven Hotelkette "The White Lotus". Jede Staffel spielt an einem anderen Ort und begleitet eine Woche im Leben der Hotelgäste und des Personals – von der Ankunft bis zu einem meist tragischen Ende. Hinter der glamourösen Fassade entspinnen sich persönliche Dramen, zwischenmenschliche Konflikte und gesellschaftliche Spannungen, die langsam eskalieren.
🗣 Faraz Shariat erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:58 „Und ich glaube, da wäre natürlich auch cool gewesen, so Jennifer Coolidge, White Lotus-mäßig, sie halt so eine richtige so ein Brummer.“
Bei der Diskussion über das Casting der Figur 'Early Thomas' im Film vergleicht Daniel Müller eine mögliche alternative Besetzung mit Jennifer Coolidge aus 'White Lotus'. Er erklärt, warum sie sich bewusst gegen diesen Typ entschieden haben – eine auffälligere Darstellerin hätte den Betrug zu früh verraten.