Der Mann mit der Kamera
Daniel Müller, Anne Kunze & Lena Niethammer
Der preisgekrönte Kinderfotograf Achim Lippoth soll zwischen 1999 und 2021 mehrere Jungen unter 13 Jahren sexuell missbraucht haben — er bestreitet alle Vorwürfe. Bereits 2017 wandte sich ein ehemaliger Praktikant mit einem erschütternden Verdacht an die Redaktion, doch ohne laufende Ermittlungen und ohne aussagebereite Betroffene musste die Recherche zunächst auf Eis gelegt werden. Erst Jahre später gelang es Daniel Müller und Lena Niethammer, das System hinter dem Fotografen offenzulegen — eine Recherche in zwei Teilen.
„Es gab keine Ermittlungen und man kam auch nicht so richtig weiter. Ich habe wirklich viel versucht, aber es ließ sich niemand so richtig darauf ein, mir Informationen zu geben.“
Erwähnte Medien (6)
Rebecca Reusch (Podcast)
Lena Nithammer
Höre den gesamten Podcast kostenfrei bei Podimo. Keine Anmeldung & kein Abo nötig. Einfach App downloaden und "Im Dunkeln" hören: https://podimo.de/rebecca_reusch_podcast Am 17. Februar 2019 schläft die 15 Jahre alte Rebecca Reusch auf dem Sofa ihrer Schwester Jessica ein. Am nächsten Morgen erscheint sie nicht zur Schule. Für die Ermittler ist die Sache schnell klar: Rebecca wurde von ihrem Schwager Florian getötet. Doch beweisen können sie es nicht.
🗣 Anne Kunze referenziert bei ⏱ 00:00:48 „Du verfolgst lange und aufwendige Recherchen, darunter auch häufig Kriminalrecherchen. Zum Beispiel hast du zu dem Fall Rebecca Reusch auch einen ganzen mehrteiligen Podcast gemacht.“
Sabine Rückert stellt die Rechercheurin Lena Nithammer vor und verweist auf deren früheren mehrteiligen Podcast zum Vermisstenfall Rebecca Reusch als Beleg für ihre Erfahrung mit aufwendigen Kriminalrecherchen.
Kidswear
Achim Lippert
Modezeitschrift für Kinder, gegründet Mitte der 1990er von Kinderfotograf Achim Lippert. Gedacht als deutsches Pendant zur Vogue Bambini und Plattform für Lipperts fotografische Arbeit. Branchenliebling mit hohem redaktionellen Anspruch, kleinere Auflage, aber großer Einfluss in der Kindermodeszene.
🗣 Lena Niethammer referenziert bei ⏱ 00:14:33 „Achim Lippert gründete ja so Mitte der 90er, glaube ich, ein Kindermagazin, das hieß Kidswear. Das sollte so ein bisschen das deutsche Pendant zur Vogue Bambini, das soll die größte Modezeitschrift für Kinder damals sein. Und es war auch relativ erfolgreich, so keine große Auflage, aber so ein Branchenliebling.“
Im Rahmen der Recherche zum Fall Achim Lippert wird dessen Kindermodemagazin Kidswear beschrieben, das er Mitte der 90er gründete. Es diente als Plattform für seine Arbeit als Kinderfotograf und ist Teil des Systems, über das die Rechercheure berichten.
Vogue Bambini
Condé Nast hat das italienische Kindermodemagazin Vogue Bambini eingestellt, das über Jahrzehnte als Referenz in der Branche galt und ein wichtiger Partner von Playtime war. Neben Vogue Bambini wurden auch die Print-Ausgaben L'Uomo Vogue, Vogue Sposa und Vogue Accessory discontinuiert. CEO Fedele Usai begründet diese Entscheidung damit, dass der Verlag sich selektiv auf Top-Marken und digitale Entwicklung konzentrieren wird. Mit der Einstellung bleibt Vogue Italia als einziges italienisches Vogue-Magazin übrig. Der Verlag publiziert weiterhin Magazine wie GQ, Glamour und Vanity Fair.
🗣 Lena Niethammer referenziert bei ⏱ 00:14:33 „Das sollte so ein bisschen das deutsche Pendant zur Vogue Bambini, das soll die größte Modezeitschrift für Kinder damals sein.“
Vogue Bambini wird als Vergleichsmaßstab für Lipperts Kindermodemagazin Kidswear herangezogen. Es wird als die damals größte Modezeitschrift für Kinder beschrieben, an deren Vorbild sich Kidswear orientierte.
Fotobuch von Will McBride
Will McBride · 1992
Fotobuch des amerikanischen Fotografen Will McBride aus den 1970er Jahren mit künstlerischen Aktaufnahmen von Kindern. Das Werk war international umstritten und teilweise verboten, war aber in Deutschland legal. Der Podcast behandelt seine Bedeutung in einem Ermittlungsfall, bei dem Abzüge dieses Buches gefunden wurden und die rechtliche Unterscheidung zwischen illegalem Material und historischer Kunstfotografie zentral für die Verteidigung war.
🗣 Daniel Müller referenziert bei ⏱ 00:28:26 „Es lag zu einem Großteil auch daran, dass diese Fotos, und das konnten dann Lippert und sein Verteidiger relativ schnell glaubwürdig belegen, nicht etwa illegal erlangt waren oder von ihm selbst angefertigt, sondern die waren Abzüge eines Fotobuches des Fotografen Will McBride, der in den, ich glaube, 70er Jahren ziemlich für Aufsehen gesorgt hat damit, aber für sehr negatives Aufsehen.“
Andreas Sentker erklärt, warum die Ermittlungen gegen Lippert eingestellt wurden: Die in der Kiste gefundenen Fotos von nackten Kindern waren Abzüge aus einem Fotobuch von Will McBride aus den 70er Jahren. Obwohl die Bücher in einigen US-Bundesstaaten verboten sind, war der Besitz in Deutschland nicht illegal – was Lippert und sein Verteidiger erfolgreich als Verteidigungslinie nutzten.
Spiegel-TV-Dokumentation über Sebastian Edathy
Spiegel-TV-Dokumentation über den Kinderpornografie-Skandal des ehemaligen SPD-Politikers Sebastian Edathy. Sie war entscheidend bei der Rekonstruktion von Verbindungen zwischen verschiedenen Akteuren und diente als wichtiger Ankerpunkt für weiterführende Recherchewege.
🗣 Lena Niethammer referenziert bei ⏱ 00:32:09 „Und irgendwann schaut er dann, weil er dann halt total in diesem Thema drin war, so eine Spiegel-TV-Doku über den ehemaligen SPD-Politiker Sebastian Edati, der, wie du dich vielleicht erinnerst, ein paar Jahre vorher einen Kinderpornografie-Skandal hatte, dann zurückgetreten ist.“
Andreas Sentker schildert, wie Max Valentin bei seinen privaten Recherchen zu Achim Lippert auf eine Spiegel-TV-Dokumentation über den Edathy-Skandal stieß. Diese Doku wurde zum entscheidenden Bindeglied: Darin tauchte der Verlag Poikart auf, über den Valentin dann eine Verbindung zu Lippert herstellen konnte.
Kinder vor der Kamera
Achim Lippert
Ein Fotobuch mit skandalösen Aufnahmen von Jungen. Das Werk dokumentiert Achim Lipperts illegale künstlerische Praktiken und wurde als Beweis den Behörden angezeigt.
🗣 Daniel Müller referenziert bei ⏱ 00:33:03 „Und dieses Buch hieß Kinder vor der Kamera und der Autor, und das war das, was ihm halt so ins Auge sprang, hieß A.Lippot. Und wieder dachte Valentin, jetzt habe ich ihn, also das muss doch wenigstens illegal sein. Und dann hat er das Buch der Polizei beschrieben, weil er hat es direkt gekauft.“
Max Valentin stieß bei seiner Recherche über den Poikart-Verlag auf eBay auf ein Buch mit dem Titel 'Kinder vor der Kamera', in dem Jungen auf einem Bett ohne Kleidung posierten. Der Autor war mit 'A. Lippot' angegeben – Valentin erkannte sofort die Verbindung zu Achim Lippert und kaufte das Buch als Beweis, doch die Polizei zeigte erneut kein Interesse.