#1 Ronja von Rönne - Wie überlebt man einen Shitstorm
Matze Hielscher & Ronja von Rönne
Ronja von Rönne, damals gerade als polarisierende Jungautorin bekannt, war der allererste Gast im noch namenlosen Hotel Matze — eine Baustellenbesucherin, die ins kalte Wasser springt. Im Gespräch zeigt sie sich als konsequente Verfechterin des Ehrlichseins: frei erzogen, kaum gelogen, ein einziges Paar Deichmann-Lederschuhe. Nur beim Fußball hat sie früh gelernt zu tricksen — und hält seitdem an Oliver Kahn als Lieblingsspieler fest.
„Lügen war eigentlich ein größeres Vergehen als irgendwie Kiffen am See.“
Erwähnte Medien (6)
Bella Triste
Literaturzeitschrift für junge zeitgenössische Literatur, von Studierenden der Universität Hildesheim selbst herausgegeben. Eine wichtige Publikation im deutschen Literaturbetrieb für neue literarische Stimmen. Organisiert auch das Prosanova-Literaturfestival.
🗣 Ronja von Rönne erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:16:08 „Die machen schon zum Beispiel die Bellatriss, eine große Literaturzeitschrift, die wichtig ist. Also es reicht schon so rüber. Die organisieren das Prosanova zum Beispiel, ein riesiges Literaturfestival für junge Literatur.“
Ronja von Rönne beschreibt das literarische Umfeld ihres Studiums in Hildesheim und wie der kleine Kreis von 20 Studierenden bereits in den Literaturbetrieb hineinreicht. Die Literaturzeitschrift Bella Triste wird als konkretes Beispiel für diese Verbindung genannt – die Studierenden produzieren sie selbst, und sie gilt als wichtige Publikation für junge Literatur.
Berlinale-Artikel (Sind das Models?)
Ronja von Rönne
Ronja Fursts Artikel kritisiert die Rolle von Models bei der Berlinale und sorgte bereits in der Redaktion für Aufmerksamkeit. Der Text wird als Vorbote ihrer späteren, deutlich kontroverseren Feminismus-Kolumne verstanden und zeigt erste Ansätze ihrer gesellschaftskritischen Auseinandersetzung.
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:28:05 „Ich glaube, es war dein zweiter Artikel, glaube ich, ging um die Berlinale, sind das Models oder irgendwie sowas. Da war schon so, was ist mit der los? Und ich fand das unterhaltend.“
Matze Hielscher erinnert sich an Ronjas zweiten Artikel für die Welt über die Berlinale, der in der Redaktion bereits aufgefallen war. Er ordnet ihn als Vorboten des späteren Shitstorms ein — der Artikel fiel auf, aber erst der darauffolgende Feminismus-Text löste die große Debatte aus.
Schnipo Schranke
Schnipo Schranke
Feministisches Album mit Fokus auf Geschlechterrepräsentation in der Popkultur. Das Werk kombiniert musikalische Originalität mit kritischer gesellschaftlicher Auseinandersetzung und trägt zu zeitgenössischen Debatten bei.
🗣 Ronja von Rönne referenziert bei ⏱ 00:28:59 „es gibt doch diese von, wie mit diesem Schnippo Schranke, die dann irgendwie auch gefeiert wurden als große feministische Band und die mir dann schrieben, wir sind voll deiner Meinung bei dem Feminismusartikel, wir checken es auch nicht so richtig, was los ist.“
Ronja von Rönne spricht über die Reaktionen auf ihren Feminismus-Artikel in der Welt. Sie erwähnt das Duo Schnipo Schranke als Beispiel für Frauen, die ihr zustimmten und ebenfalls die Tonlage der Feminismus-Debatte nicht nachvollziehen konnten.
Neo Magazin Royale
Jan Böhmermann · 2013
Das Neo Magazin Royale ist eine von Jan Böhmermann moderierte satirische Late-Night-Show, die in Köln-Ehrenfeld produziert und seit dem 31. Oktober 2013 wöchentlich auf ZDFneo ausgestrahlt sowie in der ZDFmediathek bereits vorab zum Abruf bereitgestellt wird. Außerdem wird die Show seitdem in einem größeren Studio produziert und Böhmermann von einer Liveband unterstützt.
🗣 Hielscher referenziert bei ⏱ 00:37:11 „Ich habe mich das gefragt bei Jan Böhmermann, als das mit ihm in Erdogan passiert ist, was da, wo plötzlich so ein ganzes Land übereinspricht“
Matze vergleicht Ronjas Shitstorm-Erfahrung mit der Böhmermann-Erdogan-Affäre. Ronja berichtet, dass Böhmermann sie anrief, als sie den Springer-Preis ablehnte.
Generation Beziehungsunfähig
Michael Nast
Michael Nasts Bestseller „Generation Beziehungsunfähig" prägte das Millennial-Narrativ entscheidend. Doch kritische Stimmen weisen auf die Ironie hin: Viele, die sich als beziehungsunfähig inszenierten, heirateten letztendlich doch und erleben nun Midlife-Krisen. Ein Buch, das die Widersprüche einer Generation offenbart.
🗣 Ronja von Rönne referenziert bei ⏱ 00:39:37 „Deswegen bin ich bei Michael Nass, wenn ich mich am liebsten mal an die Gurgel springe. Andererseits möchte ich auch am liebsten ein so erfolgreiches Buch haben. Vielleicht frage ich ihn lieber nach Tipps.“
Ronja von Rönne erwähnt Michael Nast (im Transkript als 'Nass' verschrieben) im Kontext ihrer Kritik an der Generation, die das Aushalten verlernt hat und stattdessen Entschuldigungen im Generationennarrativ sucht. Sie ist ambivalent: Einerseits ärgert sie sich über den Befindlichkeits-Duktus solcher Bücher, andererseits beneidet sie den kommerziellen Erfolg.
Feminismus-Artikel (Warum mich der Feminismus anekelt)
Ronja von Rönne
Ronja von Rönne kritisiert in diesem Artikel bei der Welt die Sprache und den Opfer-Duktus von Feminismus-Debatten. Sie hat kein Problem mit den Zielen des Feminismus, sondern mit ihrer Wahrnehmung, dass diese Diskurse zu sehr in einem Opfer-Narrativ verhaftet sind. Der Artikel löste einen massiven Shitstorm aus, den von Rönne nicht erwartet hatte. Sie lehnte später den Preis für den Text ab, da sie ihn selbst nicht für besonders gelungen hielt.
🗣 Ronja von Rönne referenziert bei ⏱ 00:48:39 „Aber ich glaube, ich war wirklich so ein bisschen mit so, boah, es reicht auch jetzt mal mit diesem, uns geht's so schlecht und es ist doch so gar nicht mehr und in der Form gar nicht mehr so und vielleicht würde es helfen, wenn man ein bisschen das Individuum stärken würde.“
Der Feminismus-Artikel in der Welt ist das zentrale Thema dieses Gesprächsabschnitts. Ronja von Rönne beschreibt, wie ihr dritter Artikel bei der Welt einen massiven Shitstorm auslöste, den sie so nicht erwartet hatte. Sie erklärt, dass sie kein Problem mit den Zielen des Feminismus habe, sondern mit der Sprache und dem Opfer-Duktus der Debatte — und dass der Artikel kein besonders cleverer Text gewesen sei, weshalb sie auch den Preis dafür ablehnte.