Entwicklungszusammenarbeit – Was ist faire Hilfe - Neven Subotić und Svenja Schulze
Matze Hielscher & Gäste
Neven Subotić und Svenja Schulze diskutieren, warum die Entwicklungszusammenarbeit gerade von allen Seiten unter Beschuss steht — von Trumps Einfrieren der US-Auslandshilfen bis zur Debatte um die Abschaffung des BMZ in Deutschland. Subotić warnt eindringlich vor den konkreten Folgen: Rund 1.000 Menschen bei seinen Partnern würden sofort ihren Arbeitsplatz verlieren, und ob die Arbeit je fortgesetzt wird, ist unklar.
„Man kann nicht einfach, weil ein Projekt noch besser gemacht werden kann, sagen, dann machen wir die Projekte gar nicht mehr. Ist uns doch egal, ob die nebenan verhungern.“
Erwähnte Medien (8)
Bericht des Bundesrechnungshofs 2023
Bundesrechnungshof
Der Bundesrechnungshof hat in seinem Bericht vom September 2023 die Transparenz bei der Umsetzung von Entwicklungszusammenarbeit bewertet. Der Bericht dokumentiert Defizite in der Transparenzpflicht des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, insbesondere bei der Evaluierung und Dokumentation von Maßnahmen. Die Analyse des Rechnungshofs zeigt strukturelle Mängel in der Offenlegung von Informationen zu Effizienz und Wirksamkeit der Entwicklungshilfeprojekte.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:52:42 „weil du den Rechnungshof gerade ansprichst, der hat aber 2023, soweit ich das gelesen habe, in seinem Bericht gesagt, September 2023, es mangelt weiterhin an Transparenz“
Matze konfrontiert Svenja Schulze mit dem Befund des Rechnungshofs, der dem BMZ mangelnde Transparenz attestiert
Bemerkungen des Bundesrechnungshofes 2023
Bundesrechnungshof
Der Bericht des Bundesrechnungshofs von September 2023 kritisiert erhebliche Transparenzmängel im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Eine zentrale Feststellung ist die mehrfache Veranschlagung von Mitteln für denselben Zweck unter unterschiedlichen Haushaltstitel, was die Nachvollziehbarkeit der Mittelverwendung gefährdet. Der Bericht belegt damit strukturelle Probleme bei der Kontrolle und Verwendung von Entwicklungsgeldern und dient als wichtige Kontrollinstanz für die staatliche Haushaltsführung.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:54:07 „Der hat aber 2023, soweit ich das gelesen habe, in seinem Bericht gesagt, September 2023, es mangelt weiterhin an Transparenz. Diese muss das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung deutlich verbessern. So würden mehrfach Mittel für denselben Zweck bei unterschiedlichen Titeln veranschlagt.“
Matze Hielscher konfrontiert Neven Subotić mit den Ergebnissen des Rechnungshof-Berichts von September 2023. Er nutzt die konkreten Kritikpunkte – mangelnde Transparenz und doppelte Mittelveranschlagung –, um Subotićs Darstellung einer transparenten Entwicklungszusammenarbeit zu hinterfragen. Der Bericht wird mehrfach im Gespräch als zentrale Quelle herangezogen.
DEval-Evaluierungsbericht zum Afghanistan-Engagement
DEval (Deutsches Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit)
Der Evaluierungsbericht des Deutschen Evaluierungsinstituts (DEval) untersucht die Bilanz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan. Der Bericht kritisiert die begrenzte Wirksamkeit der Maßnahmen bei gleichzeitig außerordentlich hohen Kosten und bemängelt die unzureichende Auseinandersetzung mit negativen Wirkungen. Der Artikel dokumentiert diese offizielle kritische Bewertung durch das eigene Evaluierungsinstitut des BMZ.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:57:22 „Und da steht dann über das Engagement in Afghanistan, das BMZ und die anderen deutschen und internationalen Akteure insgesamt setzen sich nur unzureichend mit negativen Wirkungen auseinander. Es habe eine begrenzte Wirksamkeit der Maßnahmen bei gleichzeitig außerordentlich hohen Kosten.“
Matze Hielscher zitiert aus dem Evaluierungsbericht des DEval-Instituts zum deutschen Afghanistan-Engagement, um seine Kritik an der Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit zu untermauern. Er betont, dass selbst das eigene Evaluierungsinstitut des BMZ die begrenzte Wirksamkeit bei hohen Kosten feststellt. Subotić kontert, dass aus Afghanistan konkrete Lehren gezogen wurden, etwa zur besseren Koordinierung der Ministerien vor Ort.
Markus Lanz
Markus Lanz · 2008
Jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag bietet Markus Lanz in seiner Talkshow eine große Bandbreite an Gästen und Themen – politisch aktuell, gesellschaftspolitisch relevant, berührend, unterhaltsam.
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:02:52 „Nevin war bei Lanz jetzt vor zwei Wochen und da ging es um Libyen. Und dass die Gelder da gar nicht vor Ort richtig angekommen sind.“
Matze verweist auf Nevens kürzlichen Auftritt in der ZDF-Talkshow Markus Lanz, wo es um die Frage ging, ob Entwicklungsgelder im Libanon vor Ort ankommen
Rede zur Afrika-Strategie
Ngozi Adachi
Eingangsrede der afrikanischen Künstlerin Ngozi Adachi zur Vorstellung einer Afrika-Strategie. Sie nutzt die Metapher eines verstümmelten Körpers, um die Auswirkungen des Kolonialismus auf Afrika zu verdeutlichen: Gliedmaßen wurden abgetrennt und durch westliche ersetzt. Eine eindringliche Analyse der strukturellen Abhängigkeiten, die aus der Kolonialgeschichte resultieren.
🗣 Neven Subotić referenziert bei ⏱ 01:26:22 „Meistens schockiert glaube ich, als wir die Afrika-Strategie vorgeschlagen hatten, hatten wir eine Eingangsrede sozusagen einer afrikanischen Künstlerin, Ngozi Adachi, die hat einfach erzählt, wie sie die Afrika-Strategie von uns sieht und sie hat dann beschrieben, sie findet, dass der afrikanische Kontinent mit einem Menschen vergleichbar sein könnte, ein Körper. Und diesen Körper haben die Kolonialherren Arme und Beine abgeschnitten, haben weiße Arme und Beine dran genäht.“
Neven Subotić schildert, wie eine afrikanische Künstlerin namens Ngozi Adachi bei der Vorstellung einer Afrika-Strategie eine Eingangsrede hielt. Sie verwendete das drastische Bild eines Körpers, dem die Kolonialherren Gliedmaßen abschnitten und weiße dran nähten, um die koloniale Zerstörung und die unrealistischen Erwartungen an die betroffenen Länder zu illustrieren. Subotić zeigt sich tief beeindruckt von diesem Bild und nutzt es, um die strukturellen Ursachen der Abhängigkeit afrikanischer Länder zu erklären.
Oxfam-Studie zur Lokalisierung der Entwicklungszusammenarbeit
Oxfam
Oxfam untersuchte, wie eine stärkere Lokalisierung der Entwicklungszusammenarbeit durch Zusammenarbeit mit lokalen Fachkräften die Effizienz verbessert. Die Studie zeigt, dass durch diesen Ansatz bis zu 40 Prozent der Kosten eingespart werden können, statt Personal aus Deutschland zu entsenden.
🗣 Neven Subotić referenziert bei ⏱ 01:37:00 „Oxfam hat eine Studie auch zu veröffentlicht, gesagt, ich glaube, dass wenn wir auf diese andere Art und Weise arbeiten würden, dass wir nicht so viele Leute aus Deutschland irgendwo hinschicken, wenn es fähige Leute gibt. Vor Ort. Vor Ort, ja, dann könnten wir bis zu 40 Prozent sparen.“
Neven verweist auf eine Oxfam-Studie, die belegt, dass durch stärkere Einbindung lokaler Fachkräfte bis zu 40 Prozent der Kosten eingespart werden könnten
ZEIT-Artikel über ehemalige GIZ-Mitarbeitende und deren Gehälter
Der Artikel behandelt die Folgen der Mindestlohnerhöhung für Unternehmen und Beschäftigte. Etwa jedes zweite Unternehmen ist direkt oder indirekt davon betroffen. Besonders Gastgewerbe-Betriebe müssen als Reaktion ihre Gehälter anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:38:11 „letzte Woche gab es in der Zeit einen Artikel darüber, dass sich inzwischen ehemalige GIZ-Mitarbeitende sagen, wir sind da eigentlich viel zu... Also wir haben viel zu viel Geld, kriegen wir als Gehalt“
Matze erwähnt einen aktuellen ZEIT-Artikel, in dem ehemalige GIZ-Mitarbeitende ihre als zu hoch empfundenen Auslandsgehälter kritisieren und berichten, teils deswegen gekündigt zu haben
Artikel über GIZ-Gehälter im Ausland
Ehemalige Mitarbeitende der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) berichten, warum sie trotz gut bezahlter Stellen im Ausland freiwillig gekündigt haben. Sie empfanden ihre hohen Expatgehälter als moralisch nicht vertretbar angesichts der Arbeitsbedingungen und Löhne vor Ort. Der Artikel beleuchtet das strukturelle Spannungsverhältnis zwischen westlichen Entwicklungshelfer-Gehältern und lokalen Realitäten. Die GIZ ist eine der größten deutschen Organisationen für internationale Zusammenarbeit und wird überwiegend aus Bundesmitteln finanziert.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:40:42 „Und in der Zeit gab es eben einen Artikel, die haben ein paar Menschen gesprochen und die von sich aus gekündigt haben, weil sie sagten, wir können das eigentlich nicht so stehen lassen, dass wir so gut bezahlt werden für diese Arbeit, die wir da machen.“
Matze Hielscher erwähnt einen Artikel aus der ZEIT, in dem ehemalige GIZ-Mitarbeitende zu Wort kommen, die freiwillig gekündigt haben, weil sie ihre hohen Auslandsgehälter als unverhältnismäßig empfanden. Hielscher verbindet den Artikel mit einer eigenen Begegnung in Tansania, wo ihm ein ehemaliger GIZ-Mitarbeiter dasselbe berichtete. Der Artikel wird zum Ausgangspunkt einer Debatte mit Subotić über faire Bezahlung in der Entwicklungszusammenarbeit.