Ausgabe Sechsundsechzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Zur Halbzeit der WM in Katar ist Sportjournalist Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung zu Gast, der seit Jahren die Machenschaften der FIFA durchleuchtet. Bevor es um die großen Themen geht, erzählt Richard David Precht von seinem unfreiwilligen Besuch in der FIFA-Kantine in Zürich — inklusive echtem Weltpokal, absurden Trüffelmengen und einer Atmosphäre wie beim Tanz der Vampire. Thomas Kistner ordnet dann ein auffälliges Novum dieser WM ein: noch nie haben unsichtbare Videoschiedsrichter so viele Millimeter-Entscheidungen getroffen und für rekordverdächtige Nachspielzeiten gesorgt.
„Es waren mehr Trüffeln als Nudeln. Also ich habe noch nie, ich dachte, was ist das für ein Restaurant, wo so viele Trüffeln darüber gerieben werden.“
Erwähnte Medien (9)
Tanz der Vampire
„Tanz der Vampire" ist ein österreichisches Kultmusical mit Musik von Johann Strauss II, das die klassische Vampir-Mythologie auf unterhaltsame Weise inszeniert. Das Werk zeichnet sich durch eine düstere, morbide Atmosphäre aus, die von gotischem Horror und schwarzem Humor durchdrungen ist. Das Musical wurde 1997 uraufgeführt und zählt zu den erfolgreichsten Musicals im deutschsprachigen Raum. Es verbindet klassische Tanzkunst mit atmosphärischer Dramatik und schafft dabei eine einprägsame, melancholische Stimmung.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:02:19 „Das hatte schon so diese Atmosphäre, morbide Atmosphäre, so ein bisschen Tanz der Vampire.“
Richard David Precht beschreibt seine unbeabsichtigte Erfahrung in der FIFA-Kantine in Zürich. Er vergleicht die Atmosphäre – ausschließlich schlecht gelaunte ältere Männer, keine Frauen – mit dem Musical 'Tanz der Vampire'. Der Vergleich dient als humorvolle Metapher für die morbide Stimmung.
FIFA-Dossier in der Süddeutschen Zeitung
Thomas Kistner
Die Süddeutsche Zeitung stellt in ihrem Fußball-Podcast "Und nun zum Sport" eine gemeinsame Recherche vor, die Verbindungen zwischen Fifa-Präsident Gianni Infantino und den USA untersucht. Die von Claudio Catuogno, Johannes Aumüller und Thomas Kistner recherchierte Geschichte wird am 15. November auf zwei Sonderseiten veröffentlicht und befasst sich mit einem vermuteten Masterplan zwischen Infantino und den Amerikanern, die die WM 2026 ausrichten werden. Die Redakteure deuten an, dass der Fifa-Präsident gegen ermittlungsverfahren offenbar immun ist, während die umstrittene WM 2022 in Katar als fragwürdigstes Sport-Event der Geschichte charakterisiert wird. Die Geschichte soll weitere Details über schmutzige Geschäfte im Gefüge des Weltfußballs offenbaren.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:19:45 „Thomas, lass uns doch mal bitte, ich habe euer Stück dazu, wirklich großartiges Stück, habe ich schon mehrfach empfohlen, tue ich auch jetzt gern nochmal, in der Süddeutschen zu lesen. Wie ein Krimi.“
Markus Lanz empfiehlt das investigative Dossier von Thomas Kistner in der Süddeutschen Zeitung über die FIFA und die Vergabe der WM 2022 an Katar. Er beschreibt es als krimiartiges, rechercheintensives Stück, das mit einem ominösen Flug beginnt. Richard David Precht bestätigt die Qualität und nennt es ein 'richtiges Dossier'.
Spiegel-Artikel über Jack Warner
Acht Punkte umfassen die Vorwürfe gegen den ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner, darunter Betrug. Gegen 395.000 Dollar Kaution hat er nun nach einer Nacht das Gefängnis verlassen. Vor Unterstützern gab er sich kämpferisch.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:33 „Von dem man sagte, dass der Spiegel, glaube ich, schrieb, dass er noch auf dem Sterbebett die Hand aufhält.“
Im Gespräch über die systematische Korruption in der FIFA erwähnt Richard David Precht einen Spiegel-Artikel über Jack Warner, den legendären FIFA-Funktionär aus Trinidad und Tobago. Das Zitat charakterisiert Warner als Inbegriff der Sportkorruption.
Der Pate
Francis Ford Coppola · 1972
Don Vito Corleone ist der Kopf einer der einflußreichsten Mafia-Familien New Yorks. Als die anderen Familien der Stadt beschließen, neben Glücksspiel und Schutzgelderpressungen nun auch den Handel mit Drogen als Erwerbsquelle zu nutzen und sich Don Corleone diesem Vorhaben nicht anschließen möchte, wird er zum Ziel eines hinterhältigen Mordanschlags.
🗣 Thomas Kistner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:31:29 „So, und die Amis haben mit ihm einen Deal gemacht, wie man das ja da gerne macht. Du kannst jetzt aussuchen. Wir haben ihm ein Angebot gemacht, das er nicht ablehnen konnte. Das berühmte Angebot, er hat es auch nicht abgelehnt.“
Kistner zitiert die ikonische Formulierung aus 'Der Pate', um den Deal zu beschreiben, den das FBI Chuck Blazer anbot: Entweder 35 Jahre Gefängnis oder Zusammenarbeit als Informant mit verwanztem Schlüsselbund. Die Filmreferenz unterstreicht die Parallelen zwischen organisierter Kriminalität und FIFA-Strukturen.
Meuterei auf der Bounty
· 1935
Portsmouth, 1787. Die HMS Bounty begibt sich auf eine über zweijährige Reise nach Tahiti, um von dort Brotfruchtbäume zu laden, die man als billige Nahrung für Sklaven benötigt. Das Kommando führt Kapitän Bligh, ein Mann niederer Herkunft, aber ein hervorragender Seemann, der aber für seine Brutalität bekannt ist. Einer der Offiziere ist Fletcher Christian, der um Ausgleich bemüht ist.
🗣 Thomas Kistner erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:41:06 „Und nochmal eine Woche später sind alle bis auf die genannten drei, Juventus, Real und Atletico, gekommen und haben enorme Geldbußen akzeptiert und haben unterschrieben bei der UEFA, beim Europaverband, dass sie sich nie wieder an sowas beteiligen werden. An der Meuterei auf der Bounty sozusagen.“
Kistner nutzt die Referenz zur 'Meuterei auf der Bounty', um den gescheiterten Versuch der europäischen Spitzenklubs zu beschreiben, mit der Super League gegen die UEFA zu rebellieren. Wie bei der historischen Meuterei wurden die meisten Aufständischen schnell wieder eingefangen und mussten sich unterwerfen.
SZ-Artikel über Infantinos USA-Reise
Thomas Kistner / Süddeutsche Zeitung
Ein Podcast der Süddeutschen Zeitung präsentiert eine Recherche zu Gianni Infantino, dem FIFA-Präsidenten, und fragwürdigen Verbindungen zwischen diesem und den USA, die die Fußball-WM 2026 austragen. Die Redakteure Claudio Catuogno, Johannes Aumüller und Thomas Kistner haben Informationen über einen vermeintlichen „Masterplan" zusammengetragen, der bislang kaum öffentlich bekannt war. Die Recherche sollte am 15. November 2022 auf zwei Sonderseiten des SZ-Sports veröffentlicht werden. Der Podcast „Und nun zum Sport" diskutiert diese Hintergründe im Kontext des FIFA-Skandals rund um die WM in Katar, dem laut Artikel „fragwürdigsten Sport-Event der Geschichte".
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:51:55 „Und wenn ich den Artikel, den ihr gemacht habt, richtig verstehe, fängt das alles 2016 an, als Gianni Infantino 2015 eine Reise in die USA macht, einen Flug nach New York, der unter falscher Etikette deklariert, irgendwo bei der UEFA, da war ja noch UEFA-Vizepräsidentin, Generalsekretär, falsch deklariert wird.“
Precht bezieht sich auf denselben SZ-Artikel bzw. dasselbe Dossier, das Kistners Recherche über Infantinos verdächtige USA-Reise 2015 dokumentiert. Der unter falschem Vorwand deklarierte Flug nährt den Verdacht, dass Infantino sich mit Vertretern der US-Justiz traf, um einen Deal auszuhandeln.
Panama Papers
Süddeutsche Zeitung / ICIJ
Die Panama Papers sind ein massiver Leak von über 11,5 Millionen Finanz- und Rechtsdokumenten, der vom International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) enthüllt wurde. Der Leak deckt auf, wie ein globales System von geheimen Offshore-Firmen Kriminelle, Korruptionsakteure und andere illegal handelnde Personen ermöglicht. Die Dokumente stammen von Panamanian Quellen und offenbaren die Mechanismen zur Verschleierung von Vermögen und illegalen Aktivitäten weltweit. Die Veröffentlichung durch das ICIJ Netzwerk stellt einen bedeutenden Dokumentarjournalismus-Coup dar, der die Verflechtung zwischen Finanzindustrie, Rechtsanwälten und Politikern aufzeigt.
🗣 Thomas Kistner referenziert bei ⏱ 00:53:32 „Und erst als wir damals die Panama Papers im Zuge der Panama Papers auf diese Zahlung gestoßen sind, weil sie dummerweise über Panama gelaufen ist. Das war von einer völlig anderen Seite. Leben im Klischee.“
Kistner berichtet, dass im Rahmen der weltweiten Panama-Papers-Enthüllungen auch verdächtige Zahlungen im FIFA-Umfeld entdeckt wurden — konkret ein Vertrag der UEFA mit argentinischen Marketingfirmen, der über Panama abgewickelt wurde. Die Entdeckung kam also zufällig von einer völlig anderen Recherche-Seite.
SZ-Dossier über die FIFA und die Rolle der USA
Thomas Kistner / Süddeutsche Zeitung
Investigatives Dossier der Süddeutschen Zeitung von Thomas Kistner über die bislang verborgene Verbindung zwischen Infantinos USA-Reise und dem auffälligen Nachlassen amerikanischer Ermittlungen gegen die FIFA — im Gegenzug für die WM-Vergabe 2026.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:58:22 „Empfehle nochmal wirklich mit Nachdruck das Dossier, dieses exzellente Dossier über die FIFA und dieses Missing Link sozusagen, die Rolle der USA. Das war bis dahin nicht so wirklich bekannt. Es ist atemberaubend, was ihr da herausgefunden habt.“
Lanz empfiehlt zum Abschluss eindringlich ein investigatives Dossier der Süddeutschen Zeitung, das Thomas Kistner mitverfasst hat. Es beleuchtet die bisher unbekannte Verbindung zwischen Infantinos USA-Reise und dem auffälligen Nachlassen der amerikanischen Ermittlungen gegen die FIFA — im Gegenzug für die WM-Vergabe 2026.
SZ-Recherche über Schiedsrichter-Manipulation
Thomas Kistner / Süddeutsche Zeitung
Real Madrid wirft dem spanischen Schiedsrichterwesen in einem vierseitigen offenen Brief Manipulation und Wettbewerbsverzerrung vor. Anlass ist das Spiel gegen Espanyol Barcelona am Sonntag, in dem Carlos Romero Kylian Mbappé von hinten in die Kniekehle sprang und nur eine Gelbe Karte erhielt, während der Video-Schiedsrichter nicht eingriff. Real fordert eine komplette Renovierung des Systems. Im Hintergrund spielen die historischen Zahlungen von Barcelona an Schiedsrichter-Funktionäre eine Rolle, die Real-Präsident Pérez immer wieder Verbandschef Louzán gegenüber aufgreift. Die verärgerten Schiedsrichter lehnen mittlerweile Geschenke von Real ab und es wird über einen möglichen Streik spekuliert.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:58:36 „Und das andere, die Rolle dieser Schiedsrichter im dunklen Keller, auch darüber habt ihr und werdet ihr weiter berichten. Das soll sehr bald erscheinen, auf jeden Fall während der WM.“
Lanz kündigt am Ende des Gesprächs eine weitere investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung an, die sich mit der Manipulation von Schiedsrichtern befasst. Kistner bestätigt, dass die Veröffentlichung während der laufenden WM geplant ist.