Lanz & Precht – Ausgabe Siebenundneunzig
#097

Ausgabe Siebenundneunzig

Lanz & Precht / 14. Juli 2023 / 10 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

In dieser Sommerfolge brechen Lanz und Precht ein deutsches Tabu: Sie reden offen über Geld. Beide erinnern sich an Zeiten, in denen die EC-Karte vom Automaten geschluckt wurde und die Scham danach größer war als das leere Konto selbst. Von dort aus wird es grundsätzlich — über die Demütigung, kein Geld zu haben, und die besondere Härte, die Armut für Kinder bedeutet.

„Ich habe das immer als wahnsinnig demütigend empfunden, kein Geld zu haben. Das stigmatisiert einen, kein Geld zu haben. Das macht auch definitiv unglücklich.“
🗣 Markus Lanz

Erwähnte Medien (10)

Wer wird Millionär?

Wer wird Millionär?

Günther Jauch / RTL · 1999

Seitdem die Sendung im September 1999 gestartet wurde, führt Günther Jauch als Moderator und Fragensteller durch die Show. Potenzieller Höchstgewinn ist seit 2002 die Summe von 1 Millionen Euro (vorher 1 Million DM). Gestellt werden maximal 15 Fragen, bei denen aus vier Antwortmöglichkeiten die richtige gewählt werden sollte.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:05:02 „Geld ist auch ein schönes Thema. Stimmt es, dass du mal bei Wer wird Millionär warst? Ja, das stimmt. Es geistert auch ein Foto von mir von damals, wo ich aussehen auf der Durchreise.“

Markus Lanz fragt Richard David Precht nach dessen Teilnahme bei 'Wer wird Millionär'. Precht erzählt ausführlich, wie er aus Geldnot zur Sendung ging, bei der Eingangsfrage an einem schnelleren Kandidaten scheiterte und dabei das berüchtigte Foto mit dem 'irren Blick' entstand.

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Shining

Shining

Stanley Kubrick · 1980

Der ehemalige Lehrer und Schriftsteller Jack Torrance übernimmt die Stelle des Hausverwalters in einem mit einem Mythos behafteten Berghotel in Colorado. Während der Wintermonate soll Jack das alleinstehende Gebäude im Auge behalten. Der Familienvater sieht darin die perfekte Gelegenheit, in Ruhe seinen Roman zu beenden. Auch seine Frau Wendy freut sich auf die Zeit im abgeschiedenen Hotel. Nur der sechsjährige Sohn Danny hat bei der ganzen Sache so seine Bedenken.

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:09:10 „Weißt du, wie du aussiehst? Du siehst aus wie Jack Nicholson in Schein.“

Markus Lanz vergleicht Richard David Prechts Gesichtsausdruck auf einem alten Foto von 'Wer wird Millionär' mit Jack Nicholson in Kubricks 'Shining' – wegen des irren Blicks. Es ist eine beiläufige popkulturelle Referenz im Rahmen einer humorvollen Anekdote.

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Artikel über Geld und Glück (DIW-Studie)

Artikel über Geld und Glück (DIW-Studie)

Marcel Fratscher

Marcel Fratscher, Ökonom und DIW-Präsident, bespricht eine neuere Studie, die die weit verbreitete These widerlegt, dass Geld ab etwa 60.000–75.000 Euro jährlich nicht mehr zum Glück beitrage. Die Studie zeigt, dass höheres Einkommen auch darüber hinaus mit steigendem Wohlbefinden korreliert. Fratscher ordnet die Ergebnisse volkswirtschaftlich ein und diskutiert, was das für Umverteilung und Sozialpolitik bedeutet. Der Artikel ist relevant, weil er eine populäre psychologische Faustregel – bekannt aus Kahneman/Deaton – mit aktuelleren Daten herausfordert.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:11:20 „Jetzt stellt sich raus, DWI-Studie, total interessant, sehr viel Geld macht natürlich doch glücklich. Marcel Fratscher hat darüber geschrieben in der Zeit.“

Markus Lanz spricht über die weit verbreitete These, dass Geld ab ca. 60.000-70.000 Euro nicht mehr glücklicher mache, und verweist auf einen Artikel von Marcel Fratscher in der ZEIT, der eine neuere Studie vorstellt, die das widerlegt.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Agora 42

Agora 42

Frank Augustin

Über agora42 FrankAugustin Chefredakteur Hat Philosophie und Geschichte studiert und war Redakteur beim Journal für Philosophie der blaue reiter. Kapitalismus ist für ihn ein kulturelles, nicht in erster Linie ein wirtschaftliches Phänomen – und längst zur gesellschaftlichen Normalität geworden. Was aber normal war, steht in Frage: Ohne den festen Glauben an die segensreiche Wirkung von […]

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:21:05 „Du kennst Frank Augustin, Chefredakteur von Agora 42, philosophisches Wirtschaftsmagazin. Tolles Magazin übrigens, finde ich. Ja, ich finde das großartig.“

Markus Lanz empfiehlt das philosophische Wirtschaftsmagazin Agora 42 und zitiert dessen Chefredakteur Frank Augustin mit dem Satz, eine Gesellschaft, die sich zu sehr um Geld drehe, drehe irgendwann durch. Richard David Precht bestätigt die Qualität und erzählt, dass er selbst im Beirat des Magazins sitzt.

Zum Artikel bei Agora42.de Details
Philosophie des Geldes

Philosophie des Geldes

Georg Simmel · 2014

"In The Philosophy of Money, Georg Simmel presents a discussion of the social, psychological and philosophical aspects of the money economy. He provides us with a detailed analysis of the circulation and exchange of commodities, while considering the relationship of money to the human personality, the position of women, individual freedom and other key areas of human existence.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:21:53 „Und das ist ein bisschen doch auch die Georg-Simmel-Theorie, der berühmte Soziologe, der ja dieses Standardwerk zum Thema Geld geschrieben hat. Die Philosophie des Geldes. Genau, ganz berühmtes Buch. Ganz dickes Buch.“

Markus Lanz führt Georg Simmels 'Philosophie des Geldes' als theoretischen Rahmen für die Diskussion ein. Richard David Precht erläutert anschließend ausführlich Simmels zentrale Thesen – dass Geld Moral 'nichtet' und gleichzeitig die Gesellschaft demokratisiert, indem es Standesschranken aufhebt und die bürgerliche Gesellschaft ermöglicht.

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Die Orange Pille – Warum Bitcoin mehr ist als nur neues Geld

Die Orange Pille – Warum Bitcoin mehr ist als nur neues Geld

Ijoma Mangold · 2023

Das größte Gerechtigkeitsversprechen seit Karl Marx »Mangold unternimmt eine ›Reise in den Kaninchenbau‹, die auch für den Leser zu einem intellektuellen Abenteuer wird.« Süddeutsche Zeitung Im Film »Matrix« muss sich der Held entscheiden, ob er die blaue oder die rote Pille schluckt. Die blaue lässt ihn vergessen, die rote die Wahrheit über die Welt erkennen.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:25:56 „Joma Mangold, schöne Grüße, der Foyertonist der Zeit, ist ein wahnsinnig interessanter Denker, finde ich, ein toller Schreiber. Der hat gerade ein Buch gemacht, die Orange Pille, glaube ich, heißt das, unter Zeile, warum Bitcoin mehr ist als nur neues Geld.“

Markus Lanz erwähnt Ijoma Mangolds neues Buch im Zusammenhang mit Georg Simmels These, dass die Geldwirtschaft die feudale Gesellschaft abgelöst hat. Er zieht die Parallele zu Bitcoin als neuem Geldsystem und zitiert Mangolds Erkenntnis, dass es kein Zufall sei, dass die Geldwirtschaft aufkam, als die alte feudale Gesellschaft unterging.

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Das Kapital

Das Kapital

Karl Marx

Die Serie "Meisterwerke der Literatur" beinhaltet die Klassiker der deutschen und weltweiten Literatur in einer einzigartigen Sammlung für Ihren eBook Reader. Lesen Sie die besten Werke großer Schriftsteller,Poeten, Autoren und Philosophen auf Ihrem Reader. Dieses Werk bietet zusätzlich * Eine Biografie/Bibliografie des Autors. Das Kapital.

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:32:27 „Marx hat mal einen schönen Satz dazu gesagt, vom Kapitalisten, der einem Weltenentdecker gleicht, der mit jedem vorgefundenen Kontinent nur eine neue Grenze entdeckt.“

Precht zitiert Marx' Bild des Kapitalisten als rastlosen Entdecker, um die Pathologie des endlosen Geldvermehrens zu illustrieren. Die nie endende Spirale des Mehr-Wollens sei einerseits Motor der Wirtschaft, andererseits eine Krankheit, die verhindere, sich am Erreichten zu freuen.

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G Buch

Glücksratgeber

Eckart von Hirschhausen · 2010

Eckart von Hirschhausen ist einer der führenden Autoren von Ratgeberliteratur zum Thema Glück im deutschsprachigen Raum. Sein Ratgeber behandelt praktische Wege zu mehr Lebenszufriedenheit. Lanz erwähnt das Buch humorvoll als dominierende Kraft im Glücksratgeber-Markt und nutzt es als Ausgangspunkt für seine These, dass echter Lebenserfolg weniger mit optimiertem Glück als vielmehr mit persönlicher Selbstbestimmtheit zu tun hat.

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:34:38 „Und wenn du in Büchereien reingehst, dann findest du ja meterweise Regale mit Glücksratgebern. 80 Prozent davon von Eckart von Hirschhausen und der Rest dann noch von ein paar anderen, die dir erklären sozusagen, wie du zu einem glücklichen Menschen wirst.“

Lanz erwähnt Hirschhausens Glücksratgeber als humorvolles Beispiel für die Ratgeberliteratur-Industrie, ohne einen konkreten Titel zu nennen. Er nutzt die Referenz, um seine These einzuleiten, dass Glück ein flüchtiger Zustand sei und es im Leben eigentlich um Selbstbestimmtheit gehe.

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U Studie

Ultimatum-Spiel

Werner Güth

Wirtschaftspsychologisches Experiment von 1978 zur Erforschung menschlicher Fairness. Zwei Spieler verhandeln eine Geldverteilung. Das Spiel zeigt: Menschen sind egoistische Kooperateure aber altruistische Bestrafer – ihr Fairness-Sinn sinkt jedoch mit höheren Geldsummen.

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:46:08 „Und dazu gibt es ja ein ganz interessantes wirtschaftspsychologisches Spiel, das versucht zu ergründen, wie das denn eigentlich mit der menschlichen Fairness oder Unfairness bestellt ist. Und dieses Spiel hat, ich habe ja an der Uni in Köln studiert und da war Werner Güth bei den Volkswirtschaftlern. Er hat 1978 ein Spiel erfunden, das heißt Ultimatum-Spiel.“

Precht erklärt ausführlich das 1978 von Werner Güth erfundene Ultimatum-Spiel als Herzstück der Diskussion über menschliche Fairness und Geldmoral. Er nutzt das Experiment, um zu zeigen, dass Menschen egoistische Kooperateure, aber altruistische Bestrafer sind – und dass ab bestimmten Geldsummen der Fairness-Sinn schmilzt. Ernst Fehr habe das Spiel weltweit in vielen Varianten perfektioniert.

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Two Treatises of Government (Zwei Abhandlungen über die Regierung)

Two Treatises of Government (Zwei Abhandlungen über die Regierung)

John Locke

Philosophische Abhandlung über die Grundlagen legitimer Herrschaft. Locke argumentiert, dass Menschen unveräußerliche Rechte auf Leben und Freiheit haben und nicht nur das Recht, sondern die Pflicht besitzen, sich gegen Bedrohungen dieser Rechte zu wehren. Das Werk begründet die Legitimitätstheorie moderner Rechtsstaaten und Widerstandsrecht gegen tyrannische Herrscher.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:55:37 „So begründet der große englische Philosoph John Locke die Ungerechtigkeit, die durch das Geld entstanden ist. Er sagt, die Menschen lebten ursprünglich in einem Naturzustand, da hatte jeder das Gleiche und das war auch gerecht so. Und dann musste man, um weiterzukommen, tauschen.“

Precht referiert Lockes Argumentation aus den 'Two Treatises of Government', wonach die Menschen ursprünglich in einem gerechten Naturzustand lebten und das Geld einführten, um das Problem verderblicher Tauschwaren zu lösen. Lanz ergänzt, dass Locke damit die bestehende Ungleichheit im England des späten 17. Jahrhunderts legitimierte — wer heute arm ist, dessen Vorfahren hätten dem Geldvertrag eben zugestimmt.

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