Sieben Todsuenden Teil 2
Markus Lanz & Richard David Precht
Im zweiten Teil ihrer Reihe über die sieben Todsünden widmen sich die beiden der Trägheit — und der Frage, warum das Wirtschaftswunder der 50er Jahre möglich war und ob der heutige Wohlstand uns träge gemacht hat. Richard David Precht argumentiert, dass Tüchtigkeit direkte Belohnung braucht: Wer den sozialen Aufstieg vor Augen hat, wird selten träge — doch genau diese Aufstiegserzählung fehle heute.
„Wenn du lohnende Ziele vor Augen siehst, wenn es was zu tun gibt, wenn quasi alle anpacken — dann wirst du selten unter solchen Bedingungen träge Gesellschaften finden.“
Erwähnte Medien (3)
Der Pate
Mario Puzo · 2012
Ein mitreißender Mafia-Thriller Der kleine Vito entkommt als Einziger einem Massaker in seinem Heimatort auf Sizilien. Er flieht nach New York und wird als Erwachsener zum gefürchteten Paten der amerikanischen Mafia. Aber ihn beherrscht nur ein Gedanke: Er will den Mord an seiner Familie rächen. «Im New York der 30er Jahre haben einige italienische Großfamilien die Stadt unter sich aufgeteilt.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:28:03 „Ich kenne den Satz aus dem Paten. Da sagt der Pate im ersten Band, man sollte seine Feinde nicht hassen. Das trübt das Urteilsvermögen. Ich weiß jetzt nicht, ob es der Dalai Lama aus dem Paten hat oder Mario Puzo vom Dalai Lama, aber das würde ich gerne mal wissen.“
Im Gespräch über Zorn und Wut als Todsünde zitiert Lanz den Dalai Lama mit dem Satz, dass Wut die Urteilskraft raubt. Precht erkennt das Zitat wieder – allerdings aus Mario Puzos Roman 'Der Pate', wo Don Corleone sagt, man solle seine Feinde nicht hassen, weil das das Urteilsvermögen trübe. Es entsteht eine humorvolle Debatte, wer wen zitiert hat.
Lady Windermere's Fan
Oscar Wilde
Ein feines Gesellschaftslustspiel von Oscar Wilde über Moral, Lügen und Versuchung. Lady Windermere sieht sich mit der geheimnisvollen Mrs. Erlynne konfrontiert, die ihren Ehemann zu verführen scheint. Wilde verbindet scharfzüngigen Witz mit nachdenklichen Fragen über Vergebung und die Widersprüche zwischen gesellschaftlichem Schein und persönlicher Wahrheit.
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:32:52 „Oscar Wilde, wenig überraschend, schöner Satz. Die beste Art und Weise, eine Versuchung loszuwerden, ist, ihr nachzugeben.“
Im Kontext der Todsünde Wollust zitiert Lanz Oscar Wildes berühmten Aphorismus über Versuchung. Das Zitat stammt aus dem Theaterstück 'Lady Windermere's Fan', wird aber ohne Werkstitel genannt. Es dient Lanz als augenzwinkernde Überleitung zum Thema Sexualität und Tabuisierung.
Die sieben sozialen Sünden
Mahatma Gandhi
Mahatma Gandhi identifizierte sieben moralische Verfallserscheinungen, die Gesellschaften schwächen: korrupte Politik ohne ethische Grundsätze, Geschäftstätigkeit ohne moralische Grenzen, Wohlstand ohne eigene Arbeitsleistung, Bildung ohne Charakterentwicklung, wissenschaftliche Forschung ohne humanitäre Ethik, maßloses Vergnügen ohne Verantwortung und Religion ohne persönliche Opferbereitschaft. Gandhi verstand diese Sünden als Verhaltensweisen, die fundamentale Werte untergraben und das Gemeinwesen destabilisieren. Der Philosoph betonte, dass echte Stärke aus moralischem Willen entsteht und dass jeder Einzelne durch sein Handeln oder Unterlassen zur Qualität einer Gesellschaft beiträgt.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:37:48 „Mahatma Gandhi, sozusagen die moralische Instanz. Der hat eine Liste der sieben sozialen Sünden irgendwann mal erstellt. Politik ohne Prinzipien, Reichtum ohne Arbeit, Vergnügen ohne Gewissen, Wissen ohne Charakter, Geschäft ohne Moral, Wissenschaft ohne Menschlichkeit und Religion ohne Opfer.“
Zum Abschluss der Folge über die sieben Todsünden stellt Lanz Gandhis 1925 veröffentlichte Liste der sieben sozialen Sünden vor. Er sieht darin eine topaktuelle Handlungsanleitung für das gesellschaftliche Zusammenleben, die den mittelalterlichen Todsünden einen modernen Tugendkatalog entgegensetzt. Precht stimmt zu und versucht, den rätselhaften letzten Punkt 'Religion ohne Opfer' als Selbstverpflichtung und Verzichtbereitschaft zu interpretieren.