Lanz & Precht – Syrien - Assad ist weg - Und jetzt
#172

Syrien - Assad ist weg - Und jetzt

Lanz & Precht / 20. Dezember 2024 / 6 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Nach dem Sturz Assads blicken die beiden fassungslos auf das Ausmaß der syrischen Katastrophe: 200.000 Vermisste, 14 Millionen Vertriebene und tausende systematisch zu Tode Gefolterte, dokumentiert durch die berüchtigten Caesar-Fotos. Besondere Aufmerksamkeit bekommt der Koblenzer Prozess von 2022, bei dem erstmals ein syrischer Folterknecht nach dem Weltrechtsprinzip auf deutschem Boden verurteilt wurde — ein juristischer Meilenstein, den das Assad-Regime zynisch zur Propaganda gegen Überläufer nutzte.

„Mir war nicht klar, welche Hölle Syrien wirklich ist.“
🗣 Markus Lanz

Erwähnte Medien (6)

Islamische Deklaration

Islamische Deklaration

Alija Izetbegovic

Die Islamische Deklaration war ein in Jugoslawien unter dem Tito-Regime verfasstes politisches Manifest, für das einer der Autoren zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Das Dokument wurde von den kommunistischen Behörden als Bedrohung angesehen und unterdrückt. Die Verhaftung und harte Verurteilung zeigen die Repression gegenüber islamischen und religiösen Bewegungen im sozialistischen Jugoslawien der 1980er Jahre.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:05:41 „Der Mann ist damals zu 14 Jahren Haftstrafe verurteilt worden, weil er in den Iran gefahren ist und eine islamische Deklaration ausgearbeitet hat.“

Precht erzählt von seiner Zeit bei Amnesty International und seinem Engagement für politische Gefangene in Jugoslawien. Er beschreibt einen Mitstreiter von Alija Izetbegovic, der wegen der Ausarbeitung einer islamischen Deklaration zu 14 Jahren Haft verurteilt wurde. Precht ordnet das als Beispiel dafür ein, wie sehr sich das jugoslawische Regime vor dem Islamismus fürchtete.

Zum Artikel bei Alijaizetbegovic.de Details
Text über die Familie Assad

Text über die Familie Assad

Bente Scheller

Der Artikel analysiert die über 50 Jahre währende Herrschaft der Familie Assad in Syrien. Er beschreibt, wie der Clan das Land wie Privatbesitz behandelte und zwischen ideologischen Extremen zwischen Sozialismus und Islamismus operierte. Die Publikation dokumentiert die Geschichte dieser kriminellen Dynastie und deren Auswirkungen auf die Weltpolitik.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:06:47 „Und sie beschreibt auch in einem Text von ihr, den ich gelesen habe, wie sehr diese Familie Assad, dieses Syrien, wie den Privatbesitz der Familie behandelt hat.“

Lanz erwähnt einen Text von Bente Scheller, Leiterin des Nahost-Referats der Heinrich-Böll-Stiftung, in dem sie beschreibt, wie die Familie Assad Syrien wie Privatbesitz behandelte. Der genaue Titel und Erscheinungsort werden nicht genannt, aber Lanz zitiert daraus die Beobachtung über das Begrüßungsschild am Flughafen Damaskus: ‚Willkommen in Assads Syrien'.

Zum Artikel bei taz Details
Warum Nationen scheitern

Warum Nationen scheitern

Daron Acemoglu, James A. Robinson

Why are some nations rich and others poor, divided by wealth and poverty, health and sickness, food and famine? Is it culture, the weather, or geography that determines prosperity or poverty? As *Why Nations Fail* shows, none of these factors is either definitive or destiny. Drawing on fifteen years of original research, Daron Acemoglu and James Robinson conclusively show that it is our man-made political and economic institutions that underlie economic success (or the lack of it).

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:25:57 „darüber haben wir ja häufig geredet bei Acemoglu und bei Robinson, haben wir das gelernt, sind funktionierende Mittelschichten“

Precht verweist auf die Forschung von Acemoglu und Robinson zu den Voraussetzungen funktionierender Demokratien, um zu erklären, warum eine liberale Demokratie in Syrien unwahrscheinlich ist.

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Why Nations Fail (Warum Nationen scheitern)

Why Nations Fail (Warum Nationen scheitern)

Daron Acemoglu, James A. Robinson · 2013

Der Klassiker – von den Wirtschaftsnobelpreisträgern 2024, eine Pflichtlektüre! Warum sind Nationen reich oder arm? Starökonom Daron Acemoglu und Harvard-Politologe James Robinson geben eine ebenso schlüssige wie eindrucksvolle Antwort auf diese grundlegende Frage. Anhand zahlreicher, faszinierender Fallbeispiele – von den Conquistadores über die Industrielle Revolution bis zum heutigen China, von Sierra Leone bis Kolumbien – zeigen sie, mit welcher Macht die Eliten mittels repressiver Instituti...

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:28:12 „Und eine der wichtigsten Voraussetzungen, darüber haben wir ja häufig geredet bei Acemoglu und bei Robinson, haben wir das gelernt, sind funktionierende Mittelschichten.“

Precht argumentiert, dass liberale Demokratien extrem voraussetzungsreich sind und verweist auf die Thesen von Acemoglu und Robinson, die er und Lanz offenbar schon mehrfach im Podcast besprochen haben. Er nutzt deren zentrale Erkenntnis – dass funktionierende Mittelschichten und inklusive Institutionen Grundvoraussetzungen für Demokratie sind – als Argument dafür, warum ein demokratisches Syrien auf absehbare Zeit unrealistisch sei.

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Der Pate

Der Pate

Francis Ford Coppola · 1972

Don Vito Corleone ist der Kopf einer der einflußreichsten Mafia-Familien New Yorks. Als die anderen Familien der Stadt beschließen, neben Glücksspiel und Schutzgelderpressungen nun auch den Handel mit Drogen als Erwerbsquelle zu nutzen und sich Don Corleone diesem Vorhaben nicht anschließen möchte, wird er zum Ziel eines hinterhältigen Mordanschlags.

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:42 „Dieser Assad-Clan ist im Grunde wie Don Corleone. Die sind mutmaßlich 100 Milliarden Dollar schwer. Das war ein Narkostaat, Captagon, so eine Billigdroge, mit der sie den gesamten Nahen Osten überschwemmt haben.“

Lanz vergleicht den Assad-Clan mit Don Corleone, um die mafiöse Struktur des Regimes zu verdeutlichen: eine Familie, die durch Drogenhandel mit Captagon mutmaßlich 100 Milliarden Dollar angehäuft hat und den Nahen Osten mit Billigdrogen überschwemmte – ein Narkostaat als Herrschaftsinstrument.

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A Rose in the Desert

A Rose in the Desert

Das Vogue-Porträt von Asma al-Assad aus dem März 2011 beschreibt die syrische First Lady als glamourös, intellektuell und westlich geprägt, mit analytischem Verstand und dezenter Eleganz. Der Artikel stellt Syrien unter Bashar al-Assads Herrschaft als sicherstes und stabilstes Land des Nahen Ostens dar, betont die historischen und kulturellen Schätze des Landes und normalisiert damit das Regime. Das Profil wurde später zum Symbol für westliche journalistische Blindheit gegenüber Unterdrückung, nachdem der syrische Bürgerkrieg begann und die Brutalität des Assad-Regimes offenbar wurde. Das Beispiel verdeutlicht, wie Lifestyle-Journalismus politische Realitäten verschleiern und Diktatoren legitimieren kann.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:37:36 „Und wenn man sich dann mal vorstellt, die Frau von Assad, ich glaube, es war die amerikanische Vogue, hat so um das Jahr 2010, 2011 rum eine Geschichte gemacht. Da wurde diese Frau, die in London, glaube ich, geboren ist und die sich immer so westlich und aufgeklärt gegeben hat.“

Lanz erinnert an das berüchtigte Vogue-Porträt von Asma al-Assad, das sie als weltoffene, attraktive First Lady inszenierte – während das Assad-Regime gleichzeitig bereits ein brutales Unterdrückungssystem betrieb. Er nutzt das Beispiel, um das westliche Gut-Böse-Schema zu kritisieren, das komplexe Realitäten auf einfache Schablonen reduziert.

Zum Artikel bei Gawkerarchives.com Details
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