Treffen mit Trump - Der Weg zum Frieden
Markus Lanz, Richard David Precht
Anlass ist das Trump-Putin-Treffen in Alaska: Precht vermutet dahinter ein "Bestechungstreffen" — seltene Erden und Erdgas als Gegenleistung für US-Zurückhaltung in der Ukraine, möglicherweise sogar ein Deal über Venezuela. Die beiden streiten leidenschaftlich über die Rolle der NATO: Precht fordert eine Transformation hin zu einem europäischen Sicherheitsbündnis unter Einbezug Russlands, eine Art KSZE 2.0, während Lanz warnt, die NATO-Kritik spiele Putins Propaganda in die Hände — schließlich seien es die osteuropäischen Staaten gewesen, die aus Angst vor Russland nach Westen drängten.
„Moralisch verkommen und Weg zum Frieden, das ist kein Widerspruch. Es kann sein, dass ein sehr moralisch verkommener Weg eingeschlagen werden muss, zumindest zeitweise, um zu einem Frieden zu gelangen.“
Erwähnte Medien (2)
Lincoln
Steven Spielberg · 2012
Der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Abraham Lincoln führt 1861 bis 1865 die Nordstaaten in den Bürgerkrieg gegen die Südstaaten. Als der Sezessionskrieg dem Ende entgegen geht, legt sich der Präsident mit Abgeordneten seines eigenen Kabinetts an. In den Diskussionen geht es um die Beilegung der kämpferischen Konflikte und das Ende des Krieges, die Vereinigung des Landes und vor allem um die Herzensangelegenheit von Lincoln, die Abschaffung der Sklaverei, die er unbedingt durch...
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:09:42 „Du hast bestimmt mal den Film über Abraham Lincoln gesehen. Und da geht es darum, wie wurde die Sklaverei abgeschafft? Dadurch, dass Abgeordnete irgendwie zu Hause mit Gewalt festgehalten wurden, erpresst wurden und so weiter.“
Precht argumentiert, dass moralisch fragwürdige Wege manchmal zu historisch bedeutsamen Ergebnissen führen können. Er nutzt Spielbergs Lincoln-Film als Beispiel dafür, dass die Abschaffung der Sklaverei nur durch Erpressung und Manipulation von Abgeordneten zustande kam — ein moralisch verwerflicher Weg mit einem bahnbrechenden Ergebnis. Damit verteidigt er die These, dass auch Trumps umstrittene Diplomatie in Alaska einen Weg zum Frieden eröffnen könnte.
Die Schlafwandler: Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog
Christopher Clark · 2013
Das Standardwerk zum Ersten Weltkrieg Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass das deutsche Kaiserreich wegen seiner Großmachtträume die Hauptverantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkriegs trug. In seinem bahnbrechenden Werk kommt der renommierte Historiker und Bestsellerautor (Preußen) zu einer anderen Einschätzung. Christopher Clark beschreibt minutiös die Interessen und Motivationen der wichtigsten politischen Akteure in den europäischen Metropolen.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:38:24 „Man hat wirklich das Gefühl, und das besorgt viele Menschen, wir gehen mit so schlafwandlerischer Sicherheit. Und ich finde, der Begriff der Schlafwandler, das Bild, ist da eigentlich das genau richtige Bild, wenn wir auch mal an das berühmte Buch von Christopher Clarke denken.“
Lanz zieht eine Parallele zwischen der aktuellen geopolitischen Lage und Christopher Clarks Analyse der Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs. Er nutzt das Bild der 'Schlafwandler', um die Sorge auszudrücken, dass Europa erneut mit einer gefährlichen Sorglosigkeit in eine militärische Eskalation hineingleiten könnte — diesmal im Kontext der Ukraine-Krise und der Frage nach deutschen Bundeswehrsoldaten.