ZEIT Bühne – Das Patriarchat in afrikanischen Gesellschaften hat sich verändert
#039

Das Patriarchat in afrikanischen Gesellschaften hat sich verändert

ZEIT Bühne / 16. März 2023 / 11 Medien

Roman Pletter, Andrea Böhm & Tsitsi Dangarembga

Die simbabwische Autorin Tsitsi Dangarembga spricht mit Andrea Böhm über ihr Buch "Schwarz und Frau – Gedanken zur postkolonialen Gesellschaft": über ihre Familiengeschichte, den Wandel des Patriarchats in afrikanischen Gesellschaften und die Bedeutung von Hautfarbe. Dangarembga, die 2020 für ihre Teilnahme an einer regierungskritischen Demonstration verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, teilt außerdem ihre Sicht auf die bevorstehenden Wahlen in Zimbabwe.

„Das klingt alles nach einer unglaublichen Erfolgsgeschichte.“
🗣 Andrea Böhm

Erwähnte Medien (11)

Schwarz und Frau – Gedanken zur postkolonialen Gesellschaft

Schwarz und Frau – Gedanken zur postkolonialen Gesellschaft

Tsitsi Dangarembga · 2023

Tsitsi Dangarembga zählt zu den wichtigsten Stimmen des afrikanischen Kontinents. Ihr Werk ist unbequem, erhellend und hochpolitisch - kein Wunder, hat sie selbst doch von klein auf erfahren, wie weit die Schatten des Kolonialzeitalters noch heute reichen. Die internationale Bestsellerautorin, Filmemacherin, Friedenspreisträgerin und Aktivistin widmet ihr Sachbuchdebüt dem Kampf für soziale Gerechtigkeit. Sie spannt einen großen historischen Bogen, verankert in ihrer eigenen bewegten Biografie,

🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:00:09 „Anlass des Gesprächs war die deutsche Veröffentlichung ihres Buches »Schwarz und Frau – Gedanken zur postkolonialen Gesellschaft«.“

Das Gespräch wurde anlässlich der deutschen Veröffentlichung von Dangarembgas Essay-Band geführt.

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Nervous Conditions (Aufbrechen)

Nervous Conditions (Aufbrechen)

Tsitsi Dangarembga · 2023

Tsitsi Dangarembga zählt zu den wichtigsten Stimmen des afrikanischen Kontinents. Ihr Werk ist unbequem, erhellend und hochpolitisch - kein Wunder, hat sie selbst doch von klein auf erfahren, wie weit die Schatten des Kolonialzeitalters noch heute reichen. Die internationale Bestsellerautorin, Filmemacherin, Friedenspreisträgerin und Aktivistin widmet ihr Sachbuchdebüt dem Kampf für soziale Gerechtigkeit.

🗣 Tsitsi Dangarembga referenziert bei ⏱ 00:03:52 „Sie wissen wahrscheinlich auch, dass das erste Buch Ihrer Tambuzai-Trilogie, im Englischen war der Titel Nervous Condition, im Deutschen heißt er Aufbrechen, 2018 von der BBC zu den 100 wichtigsten Büchern gezählt wurde, die die Welt geprägt haben.“

Andrea Böhm (hier von Dangarembga wiedergegeben) stellt in ihrer Einführung Dangarembgas bekanntestes Werk vor – den ersten Teil der Tambuzai-Trilogie. Das Buch wurde 2018 von der BBC in die Liste der 100 wichtigsten Bücher aufgenommen, die die Welt geprägt haben, was seine internationale Bedeutung unterstreicht.

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Black and Female

Black and Female

Tsitsi Dangarembga · 2023

The first wound for all of us who are classified as “black” is empire. In Black and Female, Tsitsi Dangarembga examines the legacy of imperialism on her own life and on every aspect of black embodied African life. This paradigm-shifting essay collection weaves the personal and political in an illuminating exploration of race and gender.

🗣 Tsitsi Dangarembga referenziert bei ⏱ 00:10:30 „Und auch diese von Essays, die unter dem englischen Titel »Black and Female« herausgekommen sind. Ich konnte das also machen. Es war einfacher, Non-Fiction zu schreiben, denn man hat immer Gründe für seine Non-Fiction.“

Dangarembga erklärt, dass sie während des belastenden Gerichtsprozesses zwar keine lange Fiktion schreiben konnte, aber die Essaysammlung fertigstellen konnte. Es handelt sich um den englischen Originaltitel von 'Schwarz und Frau', hier separat erwähnt als eigenständige Titelnennung.

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12 Years a Slave

12 Years a Slave

Steve McQueen · 2013

Solomon Northup ist ein freier Afro-Amerikaner, der in New York als freier Tischler arbeitet. Seine wahre Leidenschaft ist allerdings die Musik, und als zwei vorgebliche Zirkus-Betreiber ihn in Washington DC als Musiker engagieren wollen, wirft er seine Bedenken über Bord. Wenig später findet sich Salomon seiner Identität beraubt in Louisiana wieder, wo er als Sklave arbeiten muss. Sollte er je seinen wahren Namen und seinen Status als freier Mann erwähnen, so sagten sie ihm, werde er sterben.

🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:15:43 „In Steve McQueens biografischem Film 12 Years a Slave von 2013 ist Patsy eine Sklavin afrikanischer Abstammung auf der Plantage von Edwin Epps. Bei ihrer Ankunft leidet sie sichtbar, weil sie von ihren Kindern getrennt wurde. Mrs. Epps befiehlt, dass Patsy etwas zu essen bekommt, damit sie schneller vergisst.“

Die Passage stammt aus der Lesung von Dangarembgas Buch. Dangarembga nutzt die Figur Patsy aus dem Film als Beispiel dafür, wie der Schmerz versklavter Menschen vom Imperium ignoriert und als bedeutungslose Dysphorie abgetan wurde – ein Muster, das sie als strukturelle Gewalt des Kolonialismus analysiert.

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Necropolitics

Necropolitics

Achille Mbembe · 2019

In Necropolitics Achille Mbembe, a leader in the new wave of francophone critical theory, theorizes the genealogy of the contemporary world, a world plagued by ever-increasing inequality, militarization, enmity, and terror as well as by a resurgence of racist, fascist, and nationalist forces determined to exclude and kill.

🗣 Tsitsi Dangarembga referenziert bei ⏱ 00:20:29 „Der Cameroonian-Philosoph Achille Mbembe hat einmal gesagt, im Grunde genommen, was Sie in einer anderen Art und Weise geschrieben haben, dass die Pflanzeneconomie, die Slaverei, das extraktive Modell des Kapitalismus, die Extrahierung von Ressourcen, Das Taufbecken unserer Moderne, the baptismal font of our modernity.“

Dangarembga bringt Achille Mbembes These ein, dass Plantagenwirtschaft, Sklaverei und extraktiver Kapitalismus das Taufbecken der Moderne seien. Sie nutzt Mbembes Formulierung, um Dangarembgas eigene Analyse des Imperialismus zu rahmen und fragt, ob sie dieser Einschätzung zustimme. Dangarembga bestätigt dies und entfaltet daraufhin ihre eigene Darstellung der stufenweisen Enteignung Afrikas – von der Versklavung über die Rohstoffausbeutung bis zur symbolischen Produktion.

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Neben uns die Sintflut

Neben uns die Sintflut

Stephan Lessenich · 2016

Uns im Westen geht es gut, weil es den meisten Menschen anderswo schlecht geht. Wir lagern systematisch Armut und Ungerechtigkeit aus, im kleinen wie im großen Maßstab. Und wir alle verdrängen unseren Anteil an dieser Praxis. Der renommierte Soziologe Stephan Lessenich bietet eine brillante, politisch brisante Analyse der Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse der globalisierten Wirtschaft.

🗣 Tsitsi Dangarembga empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:22:40 „Es gibt einen deutschen Soziologen namens Stefan Lessig, der vor ein paar Jahren ein Buch geschrieben hat. Der deutsche Titel ist neben uns die Sintflut, neben uns der Deluge. Er entwickelt diese Theorie, die Analyse der Externalisierung. Nicht nur externalisieren westliche oder industrielle Gesellschaften die Kosten für ihre eigenen Werte, sie externalisieren auch das Wissen darüber, was sie in der Welt verursachen.“

Andrea Böhm bringt Lessenichs Externalisierungsthese ins Gespräch, um Dangarembgas Analyse zu ergänzen: Westliche Gesellschaften lagern nicht nur die Kosten ihres Wohlstands aus, sondern auch das Wissen darüber. Dangarembga reagiert interessiert und sagt, sie würde das Buch gerne lesen, da es ihrem eigenen Denken sehr nahekomme.

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Why I'm No Longer Talking to White People About Race

Why I'm No Longer Talking to White People About Race

Reni Eddo-Lodge · 2020

'Every voice raised against racism chips away at its power. We can't afford to stay silent. This book is an attempt to speak' *Updated edition featuring a new afterword* The book that sparked a national conversation. Exploring everything from eradicated black history to the inextricable link between class and race, Why I'm No Longer Talking to White People About Race is the essential handbook for anyone who wants to understand race relations in Britain today.

🗣 Tsitsi Dangarembga zitiert daraus bei ⏱ 00:51:41 „Nach Eddo Lodge gehören dazu behinderte Menschen, Schwarze, Frauen und nicht-binäre Menschen, LGBTQ-Menschen und Menschen aus der Arbeiterklasse. Schwarzer Feminismus stellt sich eingeebnete Spielfelder vor. Er demontiert alle Kategorien, die auf demografischen Merkmalen basieren.“

In der Lesung aus Dangarembgas Buch wird Reni Eddo-Lodge als Referenz für die intersektionale Vision des schwarzen Feminismus zitiert. Dangarembga stellt Eddo-Lodges Aufzählung marginalisierter Gruppen in den Kontext ihrer These, dass schwarze Feministinnen aufgrund ihrer vielfältigen Unterdrückungserfahrungen besonders geeignet seien, eine Bewegung für eine gerechtere Gesellschaft anzuführen. Der Name erscheint im Transkript leicht verzerrt als 'René Adolodge' und 'Eddo Lodge'.

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Rede/Brief König Leopolds II. an die belgischen Missionare im Kongo

Rede/Brief König Leopolds II. an die belgischen Missionare im Kongo

Leopold II. von Belgien · 1867

Leopold II. (* 9. April 1835 in Brüssel; † 17. Dezember 1909 auf Schloss Laeken, Brüssel; eigentlich Leopold Ludwig Philipp Maria Viktor, französisch Léopold Louis Philippe Marie Victor, niederländisch Leopold Lodewijk Filips Maria Victor) aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha war bis 1865 Herzog von Brabant und Prinz von Belgien und folgte seinem Vater Leopold I. auf den Thron des Königreichs Belgien.

🗣 Tsitsi Dangarembga referenziert bei ⏱ 00:59:58 „Es gibt diese berühmte Botschaft von König Leopold II. von Belgien zu den belgischen Menschen im Kongo, wo er sagt, auch den Missionären, You must be brave and understand that the people know what is right and they know what is wrong.“

Dangarembga zitiert das berühmte Dokument Leopolds II. im Kontext einer Diskussion über LGBTQ-Rechte und Feminismus als westlichen Import. Sie nutzt es als Beleg dafür, dass afrikanische Gesellschaften eigene moralische Systeme hatten, die von Kolonisatoren bewusst ignoriert wurden.

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Becoming Black

Becoming Black

Ines Johnson-Spain · 2019

In den 1960er Jahren erzählt ein weißes Ehepaar, das in Ostdeutschland lebt, seinem dunkelhäutigen Kind, dass seine Hautfarbe nur ein Zufall sei. Als Teenager entdeckt es zufällig die Wahrheit. Jahre zuvor kam eine Gruppe afrikanischer Männer zum Studieren in ein nahe gelegenes Dorf. Sigrid, eine ostdeutsche Frau, verliebte sich in Lucien aus Togo und wurde schwanger. Doch sie war bereits mit Armin verheiratet. Das Kind ist die togolesisch-ostdeutsche Filmemacherin Ines Johnson-Spain.

🗣 Tsitsi Dangarembga empfiehlt aktiv bei ⏱ 01:03:48 „I had the privilege to work with one of Germany's upcoming and great filmmakers, Ines Johnson-Spain, who made a documentary about her own experience of being an African German child, growing up in the GDR and then also becoming a young adult in unified Germany. And she made a film called Becoming Black.“

Als Antwort auf die Frage einer Mutter eines afro-deutschen Kindes, wie sie ihr Kind stärken könne, empfiehlt Dangarembga diesen Dokumentarfilm ausdrücklich. Der Film behandelt die Erfahrung, als afro-deutsches Kind in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland aufzuwachsen. Dangarembga betont, sie habe mit Johnson-Spain zusammengearbeitet und finde den Film sehr empfehlenswert.

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His Dark Materials (Der Goldene Kompass)

His Dark Materials (Der Goldene Kompass)

Philip Pullman · 2002

His Dark Materials ist eine Romanreihe des Autors Philip Pullman, bestehend aus Northern Lights (1995) (deutsch Der Goldene Kompass, The Golden Compass in den USA), The Subtle Knife (1997) (deutsch Das Magische Messer) und The Amber Spyglass (2000) (deutsch Das Bernstein-Teleskop). Die deutsche Übersetzung ist beim Carlsen Verlag und beim Heyne Verlag erschienen.

🗣 Tsitsi Dangarembga referenziert bei ⏱ 01:16:41 „Es hat mich an Philipp Pullmans Dark Materials erinnert, mit der Art, wie die Seele des Sohnes und des Kindes zerstört wird, glaube ich.“

Ein Zuschauer aus dem Publikum zieht eine Parallele zwischen Dangarembgas Metapher des Empire als Guillotine, das Menschen von ihrer Sprache, Kultur und ihrem Land abtrennt, und Pullmans Trilogie, in der Kindern die Seele abgetrennt wird. Die Verbindung unterstreicht die Brutalität kolonialer Entwurzelung.

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YouGov-Umfrage zum Britischen Empire (2014)

YouGov-Umfrage zum Britischen Empire (2014)

YouGov

YouGov-Umfrage (2014) zur britischen Wahrnehmung des Imperiums. 59% der Briten bewerten das Empire positiv. Die Studie dokumentiert, dass imperiale Logik in westlichen Gesellschaften tief verankert bleibt und illustriert die Notwendigkeit von Dekolonisierung.

🗣 Tsitsi Dangarembga referenziert bei ⏱ 01:23:28 „Eine Umfrage von 2014 ergab, dass 59 Prozent der Briten der Meinung sind, das Empire sei etwas, auf das man stolz sein könne. Eine Praxis, die ein halbes Jahrtausend überdauert hat, ist schwer auszurotten.“

In der abschließenden Lesung aus dem Buch wird die Umfrage als Beleg dafür angeführt, dass die imperiale Logik in westlichen Gesellschaften weiterhin tief verankert ist und Dekolonisierung dringend notwendig bleibt.

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