Macht und Ohnmacht nach dem Vibe Shift
Ijoma Mangold, Lars Weisbrod
Live aufgezeichnet bei einem Festival in Berlin — ohne Nina Pauer, die ausgerechnet 2025 noch Corona bekommen hat — geht es um den großen Vibe Shift: Jene tektonische Verschiebung, bei der vermeintlich selbstverständliche Diskurse und Weltbilder plötzlich nicht mehr funktionieren, ohne dass schon klar wäre, was an ihre Stelle tritt. Die Frage, ob man das Ganze als kulturelle Befreiung oder als Backlash und Rechtsrutsch lesen muss, zieht sich als produktive Spannung durch das Gespräch.
„Man merkt nur, was Altes bröckelt weg. Aber es ist auch noch nicht so ganz klar, was das Neue ist, was danach kommt.“
Erwähnte Medien (10)
Niall Fergusons Vibe-Shift-Essay
Niall Ferguson · 2026
Do many prominent leftists—especially those with a green veneer—give you the impression that they are morally presumptuous, personally untrustworthy, and intellectually overwhelmed? Then you've come to the right place. This book focuses not on the often annoying leftist issues, but on the actors themselves: What mental characteristics do they bring with them, how one-sided are left-wing groups, and what gaps in knowledge are the result? We take a look at the leftists' errors in reasoning, confli...
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:12:28 „Mir ist der Begriff das erste Mal begegnet, natürlich prompt nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten, in einem Essay des schottischen Historikers Niall Ferguson. Und der bezieht sich dann wiederum auf Pop-Distinktionskritiker, daher hat er den Begriff, aber wendet ihn an auf die veränderte Lage, politische Lage.“
Ijoma Mangold nennt einen Essay von Niall Ferguson als die Quelle, durch die ihm der Begriff Vibe-Shift erstmals begegnet ist. Ferguson habe den Begriff aus der Pop-Distinktionskritik übernommen und auf die politischen Umwälzungen nach Trumps Wahl angewandt — den Sturz der französischen und deutschen Regierung, die Neuordnung in Nahost. Der zentrale Satz daraus: 'Politics is downstream culture'.
Machtdispositiv-Konzept (aus Überwachen und Strafen / Sexualität und Wahrheit)
Michel Foucault · 2019
Es ist eine Sensation und »ein postumes Wunder« (L'Express): Dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Tod des Autors erscheint der vierte und letzte Band von Sexualität und Wahrheit – Michel Foucaults großangelegter Geschichte der Sexualität und Meilenstein philosophischer Forschung im 20. Jahrhundert. Die Geständnisse des Fleisches, von Foucault noch auf dem Sterbebett vollendet, schließt an die legendären Vorgängerbände an und zeugt einmal mehr von der Ausnahmestellung dieses Denkers.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:14:39 „Das, was uns zum Beispiel normativ einleuchtet, hat sehr viel mit diesem, Michel Foucault würde sagen, Machtdispositiv zu tun, wie gerade definiert wird, was gut und was böse ist.“
Ijoma Mangold nutzt Foucaults Begriff des Machtdispositivs, um zu erklären, dass unser Denken und Urteilen unbewusst von den herrschenden kulturellen Normen einer Epoche geprägt wird – als theoretische Rahmung für das Vibeshift-Phänomen.
The White Lotus
Mike White · 2021
The White Lotus folgt dem Aufenthalt verschiedener Gäste in exklusiven Resorts der fiktiven Hotelkette "The White Lotus". Jede Staffel spielt an einem anderen Ort und begleitet eine Woche im Leben der Hotelgäste und des Personals – von der Ankunft bis zu einem meist tragischen Ende. Hinter der glamourösen Fassade entspinnen sich persönliche Dramen, zwischenmenschliche Konflikte und gesellschaftliche Spannungen, die langsam eskalieren.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:21:01 „Sydney Sweeney ja in der ersten Staffel von der tollen Serie White Lotus mitgespielt hat. Und rückblickend denkt man, eigentlich ist das schon der Anfang vom Vibe-Shift. Weil White Lotus spielt ja auch gerade in der ersten Staffel sehr damit, dass sie und ihre Freundin so woke Begriffe haben, aber sie meinen sie eigentlich gar nicht mehr so.“
Lars Weisbrod nutzt die Serie White Lotus als frühes kulturelles Symptom des Vibe-Shifts. Er argumentiert, dass bereits in der ersten Staffel die Figuren woke Begriffe nur noch als zynische Floskeln verwenden, ohne moralische Überzeugung dahinter. Die Serie wird so zum Beleg für einen kulturellen Wandel, der schon vor Trump sichtbar war.
Politics is downstream of culture (Zitat/These)
Niall Ferguson · 2021
“Every single American needs to read Michael Knowles’s Speechless. I don’t mean ‘read it eventually.’ I mean: stop what you’re doing and pick up this book.” —CANDACE OWENS "The most important book on free speech in decades—read it!” —SENATOR TED CRUZ A New Strategy: We Win, They Lose The Culture War is over, and the culture lost. The Left’s assault on liberty, virtue, decency, the Republic of the Founders, and Western civilization has succeeded.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:26:37 „Absolut, aber da würde ich dann doch nochmal an Niall Fergusons Satz erinnern, Politics is downstream culture. Diese Phänomene, die du zu Recht beschreibst und inkriminierst, dem ging natürlich voraus, dass wir in Deutschland und in Europa in den vergangenen Jahren überhaupt nicht ausreichend realisiert haben, wie stark der Überdruss in den USA ist.“
Ijoma Mangold zitiert Niall Fergusons bekannten Satz 'Politics is downstream of culture', um zu argumentieren, dass der kulturelle Überdruss an Wokeness der politischen Machtverschiebung hin zu Trump vorausging. Er nutzt das Zitat als Brücke zwischen dem kulturellen Vibeshift und den politischen Konsequenzen.
Youth Mode: A Report on Freedom (Normcore-Trendbericht)
K-Hole · 2020
Die Strategien der Tech-Elite Ein paar gleichgesinnte, überreiche CEOs aus Silicon Valley und aus China spielen derzeit Gott. Sie arbeiten daran, alles zu automatisieren, was automatisiert werden kann. Und wir spielen alle mit, wickeln unser Berufs-, Sozial- und Liebesleben über ihre Algorithmen ab und werden dabei zu ihren Komplizen.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:39:47 „In New York ein Künstlerkollektiv, die nannten sich K-Hole. Und die haben damals ein Wort geprägt, das war dann so in den 10er Jahren, das hieß Normcore. K-Hole hat sich nämlich verstanden als ein Künstlerkollektiv, was so Trendberichte veröffentlicht, aber auch mit einem Augenzwinkern.“
Lars Weisbrod erzählt die Vorgeschichte des Begriffs Vibeshift und erklärt, dass das New Yorker Künstlerkollektiv K-Hole mit ihren ironischen Trendberichten den Begriff Normcore prägte, bevor Mitglied Sean Monahan später den Vibeshift-Essay schrieb.
Vibeshift (Substack-Essay)
Sean Monahan · 2026
A masterclass in telling stories - and how they shape our world - from the internationally renowned narrative expert To command narrative is to control a sometimes frightening power. What is it that turbocharges some tales, and how is it possible to harness that potency? John Yorke has revolutionised our understanding of story structure. In this new book he delves deeper – into how to put that structure to work in the world.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:41:07 „Einer aus diesem Künstlerkollektiv, das sich dann aufgelöst hat, der heißt Monaghan, hat dann so ein Substack-Newsletter veröffentlicht. Und hat zum zweiten Mal einen Treffer gelandet, weil er 2021, glaube ich schon, in seinem Substack ist er wirklich nur so drei Absätze, einen Text geschrieben hat, dass ein Vibeshift kommt.“
Lars Weisbrod erklärt die Begriffsgeschichte des Wortes 'Vibeshift'. Sean Monahan, ehemaliges Mitglied des New Yorker Künstlerkollektivs K-Hole (bekannt für den Begriff 'Normcore'), prägte 2021 in einem kurzen Substack-Text den Begriff. Weisbrod beschreibt den Essay als etwas mysteriös und teilweise unverständlich, aber kulturell einflussreich – Niall Ferguson habe den Begriff später für politische Zwecke übernommen.
Artikel über den Vibeshift-Blogbeitrag
Der Begriff 'Vibeshift' wurde vom Kulturkritiker Sean Monahan in seinem Substack-Newsletter '8Ball' geprägt und beschreibt einen spürbaren kollektiven Stimmungswandel in der westlichen Populärkultur. Monahan argumentierte, dass sich nach Jahren des Ironismus und der Nostalgie eine neue kulturelle Energie entfaltet, die authentische Emotionalität und Direktheit bevorzugt. Die Financial Times griff das Konzept auf, nachdem der Begriff durch eine Berichterstattung im New York Magazine einem breiteren Publikum bekannt wurde. Der Artikel beleuchtet, wie sich dieser Wandel in Mode, Musik und sozialen Medien manifestiert.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:47 „Da gab es dann im New York Magazine einen Text wiederum über diesen Blogbeitrag und dadurch wurde das so bekannter.“
Lars Weisbrod erwähnt, dass das New York Magazine einen Artikel über Sean Monahans Substack-Text zum Vibeshift veröffentlichte, wodurch der Begriff einem breiteren Publikum bekannt wurde. Der genaue Titel und Autor werden nicht genannt.
Hyperpolitik
Anton Jäger · 2023
Die Ära der Postpolitik ist vorbei Dass die Politik wieder da ist, dass Debatten um Corona oder »Wokeness« längst über Twitter hinausgeschwappt sind, wird bestätigen, wer im Privaten heftige Streite erlebt. Nach einer Ära der Postpolitik, in der technokratisch verwaltet wurde, während die Bürger dies höchstens vom Sofa aus kommentierten, stehen wir vor einem allgegenwärtigen Zittern und Beben. Anton Jäger hat dafür den Begriff »Hyperpolitik« geprägt.
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:43:47 „Und Wognes und der Kulturkampf von rechts sind halt zwei Seiten einer Medaille, einer, um jetzt Anton Jäger wieder zu zählen, einer Hyperpolitik, die sich sozusagen in so einem leeren, symbolischen Kulturkampf verläuft.“
Lars Weisbrod greift auf Anton Jägers Konzept der 'Hyperpolitik' zurück, um seine These zu untermauern, dass Wokeness und der rechte Kulturkampf zwei Seiten derselben Medaille seien – ein leerer, symbolischer Kampf ohne substanzielle politische Veränderung. Die beiläufige Formulierung 'wieder zu zählen' deutet darauf hin, dass Jäger im Podcast schon früher erwähnt wurde.
Harry Potter (Franchise/Serie)
· 2026
Eine neue, treue Adaption der ikonischen und megaerfolgreichen Buchreihe von J. K. Rowling.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:14 „Sie müssen irgendwie gegen, weiß ich nicht, zu viele schwarze Figuren bei Harry Potter kämpfen, obwohl eigentlich angesagt schon wieder was Neues ist.“
Lars Weisbrod erwähnt die Harry-Potter-Neuverfilmung als Beispiel für den fortlaufenden Kulturkampf: Rechte echauffieren sich über diverse Besetzungen, obwohl der eigentliche Vibeshift laut Weisbrod schon über solche Debatten hinweggegangen sei. Er nutzt es als Beispiel für ein 'Krokodil im Kasperletheater' – also einen Akteur, der einen bereits überholten Kulturkampf weiterführt.
Harry Potter
J. K. Rowling · 2026
Eine neue, treue Adaption der ikonischen und megaerfolgreichen Buchreihe von J. K. Rowling.
🗣 Lars Weisbrod erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:46:43 „Warum ist denn jetzt Snape oder demnächst ist auch noch Harry Potter schwarz bei Things, das ist doch ganz doof, das wollen wir nicht, deswegen kaufen wir jetzt Warner Brothers und ändern das da alles.“
Lars Weisbrod nutzt die Kontroverse um die Neubesetzung der Harry-Potter-TV-Serie als Beispiel für das, was er als rechtes Kasperletheater auf Twitter bezeichnet – eine Empörungskultur, die seiner Meinung nach keine produktive Anti-Wokeness darstellt, sondern nur ein weiteres 'Krokodil im Kasperletheater' ist.