Müssen wir mehr Prometheus wagen
Lars Weisbrod, Ijoma Mangold
Zum Jahresauftakt 2026 nehmen sich die beiden Guillermo del Toros Netflix-Verfilmung von Frankenstein vor — ein Film, den sie "so lala" finden, der aber als Sprungbrett in den unsterblichen Literaturmythos von Mary Shelley dient. Von der Uckermark aus, wo Ijoma Mangold allein in seiner Bauernhütte sitzt und bei jedem Knarzen ans Monster denkt, entspinnt sich ein Gespräch über Silicon Valley, KI und die Frage, was Prometheus mit der Gegenwart zu tun hat.
„Dieses Monster ist eines, mit dem man sich identifiziert und vor dessen Heimsuchung man sich tatsächlich nicht fürchtet.“
Erwähnte Medien (12)
Unscripted
Benjamin Berndt
Listen as Jordino and his friends just have a good talk... That's it ENJOY :)
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:10:36 „Es gibt so bestimmte Podcasts, in die ich aus verschiedenen Gründen gerne reinhöre. Einer der Gründe ist aber auch, dass ich das Gefühl habe, dass da immer eine besondere Lingo gesprochen wird. Und schon deswegen ist es interessant, von Unscripted. Kennst du Unscripted Podcast?“
Ijoma Mangold erwähnt den Podcast Unscripted als Quelle für sprachliche Trends und neue Redewendungen. Er empfiehlt Lars eine Folge mit einem Kölner Steuerberater und Lars empfiehlt ihm im Gegenzug die Folge mit Wolfgang M. Schmid.
Frankenstein
Mary Shelley
*Frankenstein; or, The Modern Prometheus* is an 1818 novel written by English author Mary Shelley. Frankenstein tells the story of Victor Frankenstein, a young scientist who creates a sapient creature in an unorthodox scientific experiment. Shelley started writing the story when she was 18, and the first edition was published anonymously in London on 1 January 1818, when she was 20. Her name first appeared in the second edition, which was published in Paris in 1821.
🗣 Lars Weisbrod empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:20:18 „Und dann erwähnte ich kurz Frankenstein, das 1818 erschienene Buch, der Roman von Mary Shelley. Und der Satz hing mir so nach, vor allem, weil ich, glaube ich, erst nach Aufzeichnung dieser Halloween-Folge gesehen habe, dass es auf Netflix eben eine neue Frankenstein-Verfilmung gibt.“
Frankenstein ist das zentrale Werk der gesamten Episode. Lars Weisbrod erzählt, wie er sich vornahm, den Roman erst im englischen Original zu lesen, bevor er die Netflix-Verfilmung schaut. Beim Lesen entdeckte er, wie stark das Buch in der Romantik verwurzelt ist, und tauschte sich darüber intensiv mit Ijoma Mangold aus.
The Vampyre
John William Polidori · 2015
A Short and Chilling Romantic tale of the Legends of the Vampire “In many parts of Greece it is considered as a sort of punishment after death, for some heinous crime committed whilst in existence, that the deceased is not only doomed to vampyrise, but compelled to confine his infernal visitations solely to those beings he loved most while upon earth—those to whom he was bound by ties of kindred and affection.—A supposition alluded to in the "Giaour.” ― John William Polidori, The Vampyre; a Tale...
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:26:05 „Einer der Typen kommt nämlich mit einer Vampirgeschichte zurück, von der es heißt, es sei die erste Vampirgeschichte, die diese Motive so verknüpft, dass der Vampir nicht irgendwie sowas aus dem Balkan halb animalisches ist, sondern ein Aristokrat.“
Ijoma Mangold erzählt, dass aus demselben verregneten Sommer am Genfer See 1816 neben Frankenstein auch die erste moderne Vampirgeschichte hervorging. Besonders amüsiert ihn, dass das Werk zunächst unter Lord Byrons Namen veröffentlicht wurde, obwohl alle in der Vampirfigur Byron erkannten.
Frankenstein; or, The Modern Prometheus
Mary Shelley · 1999
The California edition of the Pennyroyal Press "Frankenstein" unites the dark side of Barry Moser's art with the classic 1818 text of Mary Shelley's tale of moral transfiguration. In a vivid sequence of woodcuts, the reader witnesses the birth of the "monster" as Moser shapes him from darkness and gives him a form simultaneously ghastly in its malice and transfixing in its suffering.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:27:41 „Mary Shelley schreibt eben da die Urfassung oder den Anfang oder einen Teil von Frankenstein und arbeitet das später aus zu diesem Roman. Und wir merken schon, das ist jetzt wirklich der leckerste Stoff für das literaturgeschichtlich gebildete Feuilleton.“
Frankenstein ist das zentrale Werk dieser Podcast-Folge. Die Sprecher diskutieren seine Entstehungsgeschichte am Genfer See 1816, seinen Status als erstes Science-Fiction-Werk und vergleichen die Motive des Romans mit der Verfilmung von Guillermo del Toro. Lars Weisbrod betont, dass Mary Shelley keinen übernatürlichen Grusel wollte, sondern etwas, das in den Begriffen der Wissenschaft denkbar wäre.
Frankenstein (Guillermo del Toro Film)
Guillermo del Toro · 2025
Dr. Victor Frankenstein, ein brillanter, aber egoistischer Wissenschaftler, erweckt in einem monströsen Experiment eine Kreatur zum Leben, die letztendlich zum Untergang sowohl des Schöpfers als auch seiner tragischen Schöpfung führt.
🗣 Ijoma Mangold empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:30:59 „Guillermo del Toro ist wirklich ein souveräner Regisseur im Umgang mit Motiven und sie in die Gegenwart zu transportieren. Die Geschichte erzählt sich bei ihm wie folgt und du kannst dann auch späterhin immer die Abweichung zum Shelley-Original markieren, die ja dann hochinteressant sind.“
Ijoma Mangold erzählt ausführlich die Handlung von Guillermo del Toros Frankenstein-Verfilmung mit Oscar Isaac als Viktor Frankenstein. Die Sprecher vergleichen del Toros Version mit dem Original und kritisieren den hinzuerfundenen 'Trauma-Plot' als abgedroschen. Der Film bildet zusammen mit dem Roman das Hauptthema der Episode.
Die große Science-Fiction-Geschichte
Dietmar Dath · 2016
›Venus siegt!‹ – In der bearbeiteten und um 150 Seiten erweiterten Taschenbuchausgabe erzählt Dietmar Dath seine futuristische Geschichte des Sozialismus zu Ende. Auf dem Planeten Venus findet in einigen Hundert Jahren ein gewaltiges soziales Experiment statt. Man will herausfinden: Gibt es eine Form des Zusammenlebens, in der Menschen, Roboter und künstliche Netzintelligenzen gleichberechtigt miteinander leben können? In einer Revolution haben die Bewohner der Venus die irdische Herrschaft abge...
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:41:23 „Dietmar Daht in seiner großen Science Fiction Geschichte erzählt, das ist auch das Vorwort, was sie dazu geschrieben hat, verstanden oder so, muss man sie da verstehen, sagt, sie sollten sich damals Geistergeschichten ausdenken, aber sie wollte keinen übernatürlichen Grusel.“
Lars Weisbrod zitiert Dietmar Daths Science-Fiction-Geschichte als Quelle für die These, dass Mary Shelley bewusst keinen übernatürlichen Horror, sondern wissenschaftlich denkbaren Schrecken schreiben wollte – und Frankenstein damit zum ersten Science-Fiction-Werk machte.
Parallelbiografien (Bioi paralleloi)
Plutarch · 1909
Eine Biografie (auch Biographie; altgriechisch βιογραφία biographía, Kompositum aus βίος bíos „Leben“ und -graphie, sinngemäß „Aufschreiben des Lebens“) ist die Beschreibung des Lebens einer Person. Biografien können mündlich oder schriftlich die Lebensgeschichte eines Menschen nachzeichnen. Ein Sonderfall ist die vom Betreffenden selbst verfasste Autobiografie, eventuell mit Unterstützung eines Ghostwriters. Manchmal werden Autobiografien dem Testament beigefügt; es soll vom Leben eine Spur übr...
🗣 Lars Weisbrod referenziert bei ⏱ 00:44:03 „Von irgendwelchen Plutarch-Bänden, da kenne ich mich nicht aus, da bin ich nicht ganz verstanden, was das genau ist. Es gibt, glaube ich, nur diese Doppelbiografien.“
Plutarchs Parallelbiografien sind eines der drei Bücher, die Frankensteins Monster im Roman findet. Ijoma Mangold erklärt, dass Plutarch immer einer griechischen Figur eine römische gegenüberstellte, weshalb man sie Parallelbiografien nennt.
Paradise Lost
John Milton · 2003
Since its publication by Odyssey Press in 1935, Hughes' richly annotated edition -- revised in 1962 -- remains the preferred text of many instructors.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:44:29 „Und natürlich sage ich das, weil wir schon drüber gesprochen haben und es überall in diesem Stoff Anspielungen darauf gibt. Paradise Lost von Milton, also ein großes Werk der englischen Dichtung.“
Paradise Lost ist das dritte Buch, das Frankensteins Monster in der Tasche findet. Lars Weisbrod betont, dass Miltons Werk überall in der Frankenstein-Geschichte Anspielungen hinterlässt – der Untertitel 'The Modern Prometheus' und die Schöpfungsthematik verweisen direkt darauf.
The Nightmare of Romantic Idealism
Paul Cantor · 2006
Carol Dougherty traces a history of the Prometheus myth from its origins in Ancient Greece to its resurgence in the works of the Romantic era and beyond. Prometheus defied Zeus to steal fire for mankind and his story continues to make an appearance in art and literature to the present day.
🗣 Lars Weisbrod zitiert daraus bei ⏱ 00:54:30 „In meiner englischen Penguin English Library Ausgabe ist einfach hinten ein Essay zu Frankenstein drin, den ich dann gelesen habe. Und den fand ich tatsächlich sehr gut. Das war das Beste, was ich jetzt mitgelesen habe. Und zwar heißt der The Nightmare of Romantic Idealism und von Paul Kentor, einem Literaturwissenschaftler.“
Weisbrod empfiehlt einen Essay aus dem Anhang seiner Penguin-Ausgabe von Frankenstein. Der Text von Paul Cantor argumentiert, dass Mary Shelleys Roman nicht nur ein Werk der Romantik ist, sondern auch eine kritische Selbstbespiegelung der Romantik – insbesondere der romantischen Ideen vom Schöpfer und Genie. Weisbrod findet diese These fruchtbar für die Verbindung zur Silicon-Valley-Hybris.
Wissenschaftslehre
Johann Gottlieb Fichte · 1802
Die Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre (im Original Grundlage der gesammten Wissenschaftslehre) von 1794/95 ist das systematische Hauptwerk des Philosophen Johann Gottlieb Fichte und eines der zentralen Werke im nachkantischen Idealismus.
🗣 Ijoma Mangold zitiert daraus bei ⏱ 00:58:56 „Aus dem Athenäum-Fragment, glaube ich, stammt es, der Satz überliefert, die Französische Revolution, Fichtes Wissenschaftslehre und Goethes Wilhelm Meister sind die drei großen Tendenzen des Zeitalters.“
Fichtes Wissenschaftslehre wird als Teil des berühmten Athenäum-Fragments der Frühromantiker zitiert. Mangold nutzt das Fragment, um zu zeigen, wie die Romantiker Wissenschaft und Dichtung als gleichrangige weltverändernde Kräfte betrachteten – was seine These stützt, dass der romantische Schöpfermythos auch auf Ingenieure und Erfinder übertragbar ist.
Athenäum-Fragmente
Friedrich Schlegel · 2016
Friedrich Schlegel: Athenäums-Fragmente und andere Schriften Kritische Fragmente (Lyceums-Fragmente): Erstdruck in: Lyceum der schönen Künste (Berlin), 1. Bd., 2. Teil, 1797. Fragmente (Athenäums-Fragmente): Erstdruck in: Athenäum (Berlin), 1. Bd., 2. Stück, 1798. Ideen: Erstdruck in: Athenäum (Berlin), 3. Bd., 1. Stück, 1798. Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2016. Textgrundlage ist die Ausgabe: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe.
🗣 Ijoma Mangold referenziert bei ⏱ 00:58:56 „Von Schlegel und Novalis, aus dem Athenäum-Fragment, glaube ich, stammt es, der Satz überliefert, die Französische Revolution, Fichtes Wissenschaftslehre und Goethes Wilhelm Meister sind die drei großen Tendenzen des Zeitalters.“
Mangold verweist auf die Athenäum-Fragmente als Quelle des berühmten Zitats über die drei großen Tendenzen des Zeitalters. Die Fragmente der Frühromantiker dienen als Beleg dafür, dass die Romantik keine bloße Gegenbewegung zur Aufklärung war, sondern Wissenschaft, Politik und Dichtung als vereinte revolutionäre Kräfte dachte.
Parallele Lebensbeschreibungen (Doppelbiografien)
Plutarch · 2025
Unveränderter Nachdruck der Originalausgabe von 1863.
🗣 Ijoma Mangold erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:02:38 „Eines der drei Bücher, auf die das Monster im Wald stößt, neben Goethes Leiden des jungen Werther und Plutarchs Doppelbiografien, sei John Milton's Paradise Lost.“
Plutarchs Doppelbiografien werden als das dritte der drei Bücher erwähnt, die Frankensteins Monster im Wald findet. Die Erwähnung dient der vollständigen Aufzählung der literarischen Bildungsquellen des Monsters in Mary Shelleys Roman.