Unter Pfarrerstöchtern – Der Turmbau zu Babel
#006

Der Turmbau zu Babel

Unter Pfarrerstöchtern / 14. Februar 2020 / 6 Medien

Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler

Bevor der Turmbau zu Babel dran ist, klären die beiden erst einmal, was die fünf Bücher Mose überhaupt sind — und wer sie geschrieben hat. Johanna Haberer erklärt, dass Mose selbst kaum der Autor war: Die Texte entstanden vermutlich als Redaktion im babylonischen Exil um 580–530 v. Chr., speisen sich aber aus mündlichen Überlieferungen, die weit älter sind und auch in der mesopotamischen Umwelt kursieren. Was sie von anderen Schöpfungserzählungen unterscheidet, ist die konsequente Pointe auf den einen, unsichtbaren, nicht darstellbaren Gott — ein radikaler Kontrast zu den vielen, menschenähnlichen Göttern der Nachbarvölker.

„Die andere Völker auch erzählt haben, die aber immer eine bestimmte Pointe auf den einzigen jüdischen Gott haben — auf den einzigen Gott, der nach hebräischer Vorstellung der einzige Herrscher ist und ein unsichtbarer, nicht in irgendein Standbild zu packender Gott, sondern dessen Namen wir kennen.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (6)

Das Wesen des Christentums

Das Wesen des Christentums

Ludwig Feuerbach · 1841

Feuerbach argumentiert, dass Gottesvorstellungen Projektionen menschlicher Wünsche und besten Eigenschaften sind. Das Werk analysiert, wie Menschen ihre idealen Qualitäten in die Figur Gottes projizieren und damit ein falsches Bewusstsein ihrer selbst schaffen.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:09:18 „Ja, das sagt der Philosoph Feuerbach zum Beispiel im 19. Jahrhundert. Der sagt, alle Gottesvorstellungen sind eine Projektion des Menschen. Und der Mensch projiziert sozusagen seine hellen Seiten in Gott.“

Als Sabine Rückert fragt, ob nicht der Mensch Gott nach seinem Bilde geschaffen habe statt umgekehrt, verweist Johanna Haberer auf Feuerbachs berühmte Projektionsthese. Der Buchtitel wird nicht explizit genannt, aber Feuerbachs zentrale These aus seinem Hauptwerk wird inhaltlich korrekt wiedergegeben.

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Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen

Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen

Yuval Noah Harari · 2017

In seinem Kultbuch Eine kurze Geschichte der Menschheit erklärte Yuval Noah Harari, wie unsere Spezies die Erde erobern konnte. In „Homo Deus“ stößt er vor in eine noch verborgene Welt: die Zukunft. Was wird mit uns und unserem Planeten passieren, wenn die neuen Technologien dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörerische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben? Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten ...

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:19:49 „Homo Deus würde der Autor Harari sagen, der Mensch wird Gott. Das ist das Thema.“

Haberer zitiert Hararis Konzept 'Homo Deus' als moderne Version des biblischen Themas: Der Mensch strebt danach, gottgleich zu werden – dieselbe Hybris, die im Turmbau zu Babel beschrieben wird.

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Homo Deus

Homo Deus

Yuval Noah Harari · 2024

Step into the future with Yuval Noah Harari’s groundbreaking book, Homo Deus: A Brief History of Tomorrow. Discover how humanity’s next chapter may be defined by the pursuit of immortality, artificial intelligence, and ultimate happiness, as we attempt to transcend our biological limitations. Harari challenges everything we know about the future of humankind, revealing the possibility that we might soon become gods ourselves.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:20:02 „Selbstbestimmung, Weltherrschaft der Menschen. Homo Deus würde der Autor Harari sagen, der Mensch wird Gott. Das ist das Thema. Und Gott fühlt sich und bedroht. Gott merkt, dass er keine Rolle mehr spielt und dass seine Ordnungen und Regeln keine Rolle mehr spielen.“

Im Gespräch über den Turmbau zu Babel und den wiederkehrenden biblischen Konflikt zwischen menschlichem Streben und göttlicher Ordnung zieht Johanna Haberer eine direkte Verbindung zu Hararis These: Der Mensch, der sich selbst zum Gott erhebt, ist kein modernes Phänomen, sondern ein uraltes Motiv, das bereits in der Genesis verhandelt wird.

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Babylon Berlin

Babylon Berlin

Tom Tykwer / X-Filme · 2017

Rauschhafter Exzess und extreme Armut, Emanzipation und Extremismus stehen sich im Berlin der 20er-Jahre gegenüber. Für Kunst und Kultur sind es „Goldene Jahre“, gleichzeitig blüht das Verbrechen. Die deutsche Hauptstadt ist eine Weltmetropole voller Verlockungen und Abgründe. Noch ahnt kaum jemand, in welche Katastrophe der aufkommende Nationalsozialismus führen wird.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:22:50 „Babylon ist ja ganz berühmt in der Offenbarung des Johannes von der großen Hure Babylon, die Rede. Dann gibt es die Filmserie Babylon Berlin. Mit Babylon verbindet man immer so einen Sündenpfuhl.“

Sabine Rückert erwähnt die Serie beiläufig, als sie aufzählt, welche kulturellen Assoziationen der Name Babylon bis heute weckt – von der biblischen 'Hure Babylon' bis zur modernen TV-Serie. Es geht nicht um eine Empfehlung, sondern um die anhaltende Wirkungsmacht des Begriffs.

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Belsazar (Ballade)

Belsazar (Ballade)

Heinrich Heine · 1827

Heines Ballade „Belsazar" greift das biblische Menetekel-Motiv aus dem Buch Daniel auf und erzählt von dem babylonischen König Belsazar, Sohn des Nebukadnezar, der Babel beherrschte. Die Ballade ist bedeutsam, da Heine bewusst den Inhalt der Flammenschrift offenlässt und damit die Deutung dem Leser überlässt. Sie verbindet klassische Balladen-Tradition mit theologischen Fragen und zeigt Heines künstlerische Subtilität in der Verwendung biblischer Stoffe.

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:26:02 „es ist eine Ballade von Heinrich Heine und sie spielt mit einer biblischen Geschichte. Der Sohn des Nebukadnezar, Belsazar, beherrschte die Stadt Babel“

Rückert liest die komplette Ballade 'Belsazar' von Heinrich Heine vor, die das biblische Menetekel-Motiv aus dem Buch Daniel aufgreift. Sie würdigt Heines Entscheidung, den Inhalt der Flammenschrift bewusst wegzulassen.

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Belsazar

Belsazar

Heinrich Heine · 2005

Studienarbeit aus dem Jahr 2003 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Sprache: Deutsch, Abstract: Die Ballade war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts eine „Lieblingsgattung“ vieler Lehrer im Deutschunterricht. Dann jedoch kam sie in Verruf - „zu viel Pathos, zu sehr belastet durch ideologische Vergangenheit, zu viel Zusammenhang mit Tradition und Geschichtlichkeit“ 1 .

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:26:30 „Und die handelt von, die spielt in einer Zeit, es ist keine Geschichte, es ist eine Ballade von Heinrich Heine. Und sie spielt mit einer biblischen Geschichte, die genau zu dieser Zeit spielt, als die alten Israeliten verschleppt waren oder die Eliten der Israeliten verschleppt waren in Babylon.“

Sabine Rückert liest die vollständige Ballade von Heinrich Heine vor, um die biblische Geschichte des Königs Belsazar zu illustrieren, der das geraubte Tempelgerät der Hebräer schändet und daraufhin die Flammenschrift 'Mene, Mene, Tekel' an der Wand erscheint. Die Ballade dient als literarische Brücke zwischen der biblischen Erzählung aus dem Buch Daniel und der Diskussion über das babylonische Exil.

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