Unter Pfarrerstöchtern – Was Jesus mit Kafka zu tun hat
#124

Was Jesus mit Kafka zu tun hat

Unter Pfarrerstöchtern / 17. Mai 2024 / 5 Medien

Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler

Die Episode widmet sich der Hochzeit zu Kana — dem ersten Wunder Jesu im Johannesevangelium, bei dem Wasser zu Wein wird. Sabine Rückert zieht eine verblüffende Parallele zu Kafka: Die absurden, traumhaften Dialoge zwischen Jesus und seiner Mutter erinnern an kafkaeske Zeichenhaftigkeit, bei der die Herrlichkeit des Lebens um uns liegt, aber nur von denen erkannt wird, die hinschauen. Johanna Haberer entfaltet, wie das Johannesevangelium den gesamten Auftritt Jesu nicht als Leidensgeschichte, sondern als Hochzeitsfest rahmt — und schließt mit einem Interview mit dem Astronomen Martin Rees über die Wunder des Universums.

„Was wäre in der christlichen Religionsgeschichte nicht alles anders gewesen, wenn wir nicht der Leidensspur gefolgt wären, sondern der Hochzeitsspur. Vielleicht wäre das ein sehr viel lustigeres Christentum geworden.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (5)

Rashomon

Rashomon

Akira Kurosawa · 1950

Drei Menschen suchen vor einem Wolkenbruch in einer Tempelruine Schutz: ein Zen-Priester, ein Holzfäller und ein Knecht. Ihr Gespräch kreist um ein grausiges Verbrechen: Ein berüchtigter Bandit überfiel ein Ehepaar, tat der Frau vor den Augen des gefesselten Mannes Gewalt an und tötete ihn dann.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:03:47 „Da gibt es doch einen Film, wo es um Zeugen geht, wo ein Unfall beobachtet wird. Es gibt immer wieder so Film-Kaleidoskope, wo ein und dasselbe geschehen aus den verschiedenen Richtungen. Ein Unfall oder sonst was. Das ist ein ganz berühmter Film, der Name fällt mir jetzt nicht ein.“

Johanna Haberer und Sabine Rückert suchen nach dem Namen eines berühmten Films, in dem ein Ereignis aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Sie nutzen diesen Vergleich, um die Entscheidung der frühen Kirche zu erklären, vier unterschiedliche Evangelien nebeneinander stehen zu lassen statt ein Einheitsevangelium zu schaffen. Der Filmtitel fällt ihnen nicht ein, gemeint ist sehr wahrscheinlich Kurosawas 'Rashomon'.

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G Buch

Gibs auf

Franz Kafka

Kafkas Parabel "Gibs auf" zeigt die Absurdität menschlicher Kommunikation: Ein Mann fragt einen Schutzmann nach dem Weg und erhält eine rätselhaft ausweichende Antwort. Die Theologin Sabine Rückert verbindet diese kafkaeske Dialogführung mit der rätselhaften Kommunikation zwischen Jesus und seiner Mutter bei der Hochzeit zu Kana, um grundlegende Fragen zur Verständlichkeit und Sinnhaftigkeit von Austausch zu untersuchen.

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:06:59 „Ich lese jetzt mal einen Text vor aus Kafka, an den dieser Text mich irgendwie erinnert. Ich kann dir nicht genau sagen, warum, aber es hat was miteinander zu tun. Es war sehr früh am Morgen, die Straßen rein und leer, ich ging zum Bahnhof.“

Sabine Rückert vergleicht die Hochzeit zu Kana aus dem Johannesevangelium mit der Prosa Franz Kafkas. Sie liest die kurze Parabel 'Gibs auf' vor, in der ein Mann einen Schutzmann nach dem Weg fragt und eine absurd-abweisende Antwort erhält. Die unvermittelte, scheinbar zusammenhanglose Kommunikation zwischen Jesus und seiner Mutter erinnert sie an genau diese kafkaeske Dialogführung.

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Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg

Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg

Franz Kafka · 2017

Die Zürauer Aphorismen sind 109 Aphorismen von Franz Kafka, die vom September 1917 bis zum April 1918 entstanden. Max Brod stellte sie unter den Titel „Betrachtungen über Sünde, Hoffnung, Leid und den wahren Weg“.

🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:15:02 „Ich habe noch eine Kafka-Passage, an die mich dieses Wunder erinnert und die geht so. Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt, aber verhängt in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit.“

Sabine liest einen zweiten Kafka-Aphorismus vor, der zum Motiv der verborgenen Herrlichkeit im Johannesevangelium passt – die Fülle liegt bereit, aber nur wer sie beim richtigen Namen ruft, kann sie erkennen

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Dossier über die Zelle

Dossier über die Zelle

Der Artikel behandelt eine neue Methode der Reproduktionsmedizin, die mitochondriale Erbkrankheiten verhindern könnte. Dabei wird eine Ersatz-Eizelle verwendet, um die Weitergabe von Erbkrankheiten über die Mitochondrien-DNA zu unterbinden. Das Verfahren ist in der wissenschaftlichen Gemeinschaft jedoch hochumstritten.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:27:51 „Also wir haben mal ein Dossier gehabt in der Zeit über die Zelle. Was eine Zelle so leistet, das ist unvorstellbar. Diese kleinen Kraftwerke, das Immunsystem, was das für ein unvorstellbares Wunderwerk ist.“

Im Gespräch über die Frage, warum die Bibel Wundergeschichten braucht, argumentiert Sabine Rückert, dass die Natur selbst voller Wunder sei. Als Beispiel verweist sie auf ein Dossier der ZEIT über die biologische Zelle, das sie offenbar tief beeindruckt hat – die Leistungen einer einzelnen Zelle seien bereits unvorstellbar.

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Interview mit Martin Rees: Sie sind Sternenstaub, sie sind nuklearer Abfall

Interview mit Martin Rees: Sie sind Sternenstaub, sie sind nuklearer Abfall

Christina Rietz

Aus der Christ-und-Welt-Beilage: Interview mit dem Astronomen Martin Rees über Urknall, Multiversum und sein paradoxes Verhältnis zu Religion. Der 82-Jährige, mit 27 Ehrendoktortiteln ausgezeichnet, erklärt sich als praktizierenden Christen, der nicht glaubt.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:31:07 „Der Interviewte, den kannst du hier sehen, ist ein älterer, sehr soignierter Herr. Sie sind Sternenstaub, sie sind nukleare Abfall, sagt er zu der Interviewerin. Er ist Martin Rees, 82 Jahre alt, ist Astronom, der Queen und trägt 27 Doktorentitel Ehrenhalber. Glaubt er an die Außerirdischen und was ist mit der Unsterblichkeit, fragt ihn Christina Rietz.“

Sabine liest ausführlich aus einem Interview in Christ und Welt mit dem britischen Astronomen Martin Rees vor, um das Thema Wunder in einen kosmologischen Kontext zu stellen

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