Von Dämonen und Besessenen
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
Diese Folge widmet sich den Dämonenaustreibungen im Neuen Testament — angefangen mit der Geschichte, in der Jesus Dämonen in eine Schweineherde fahren lässt, die sich daraufhin ins Meer stürzt. Überraschend: Im Hebräischen gibt es gar kein Wort für Dämonen, das Konzept ist ein griechischer Import aus der Welt von Homer, Platon und Hesiod. Die Hosts spüren dem Zusammenhang zwischen antiker Dämonenvorstellung und dem nach, was heute als psychiatrische Erkrankung verstanden würde.
„Im Hebräischen gibt es kein Wort dafür. Das ist so ein Import wahrscheinlich aus dem Griechischen.“
Erwähnte Medien (7)
Theogonie
Hesiod · 2017
Hesiod: Theogonie Entstanden im 7. Jahrhundert v. Chr. Hier in der Übers. v. Rudolf Peppmüller, Halle a.d.S.: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1896. Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2017. Textgrundlage ist die Ausgabe: Hesiodos. Übers. v. Rudolf Peppmüller, Halle a. d. S.: Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, 1896. Die Paginierung obiger Ausgabe wird in dieser Neuausgabe als Marginalie zeilengenau mitgeführt.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:04:30 „Der kommt vor bei Hesiod, der kommt bei Platon vor, der kommt bei Homer vor. Also aus dieser Erzählwelt kommt es.“
Johanna Haberer ordnet den Begriff 'Daimonos' in die griechische Geistesgeschichte ein und nennt Hesiod als eine der antiken Quellen. Bei Hesiod seien Dämonen eher gute Geister, die gegen Unrecht helfen — eine ganz andere Vorstellung als die bösen Geister im Neuen Testament.
Odyssee
Homer
Homers Epos über die zehnjährige Irrfahrt des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg. Auf seiner Heimreise nach Ithaka begegnet er Kyklopen, Sirenen und anderen Gefahren. Eines der Gründungswerke der europäischen Literatur.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:05:23 „Oder es ist ganz wertfrei, bei Homer ist die allgemeine Bezeichnung für unbekannte Gottheit. Der Odysseus fährt da in der Gegend rum und trifft dann ab und zu mal Unbekannte.“
Johanna Haberer erklärt, dass bei Homer der Begriff 'Daimon' wertfrei als allgemeine Bezeichnung für unbekannte Gottheiten verwendet wird. Sie verweist auf Odysseus' Begegnungen als Beispiel, um den Bedeutungswandel des Dämonenbegriffs von der griechischen Antike bis zum Neuen Testament nachzuzeichnen.
Werke und Tage / Theogonie
Hesiod · 2012
Hesiod, um 700 vor Christus im ärmlichen Böotien ("Rinderland") lebend, ist nur wenig jünger als Homer. Obwohl er von der hexametrischen Epik der "Ilias" und der "Odyssee" stark beeinflusst ist, bietet er in seinen beiden Werken "Vom Ursprung der Götter" und "Werke und Tage" etwas völlig Neues: Zum ersten Mal in der europäischen Literaturgeschichte tritt uns ein Autor als Person entgegen.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:05:50 „Der kommt vor bei Hesiod, der kommt bei Platon vor, der kommt bei Homer vor. Also aus dieser Erzählwelt kommt es.“
Hesiod wird als Quelle genannt, bei der Dämonen als gute Geister beschrieben werden, die gegen Unrecht helfen
Symposion
Platon · 2011
Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenportät aus dem Metzler Philosophen Lexikon. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Schönheit und Liebe sind die zentralen Themen im ›Symposion‹ und im ›Phaidros‹, den beiden poetischsten und – passend zum Thema – sinnlichsten Platonischen Dialogen.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:05:50 „Der kommt vor bei Hesiod, der kommt bei Platon vor, der kommt bei Homer vor.“
Platon wird als Quelle für das Dämonenkonzept genannt – bei ihm sind Dämonen den Göttern untergeordnet; auch Eros als Dämon wird erwähnt, was auf das Symposion verweist
Erinnerungen einer Überflüssigen
Lena Christ · 2018
Lena Christ (1881-1920) war eine bayerische Schriftstellerin. Heute ist Lena Christ als bedeutende deutsche und bairische Autorin anerkannt. Mit Erinnerungen einer Überflüssigen, Die Rumplhanni und Matthias Bichler schuf sie drei bleibende Werke. Beeindruckend ist unter anderem die Verarbeitung ihrer eigenen Beobachtungen und Erlebnisse in ihren Büchern, die einen tiefen Einblick in das ärmliche Leben der Arbeiterklasse, der Dienstboten und der Landbevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts geben.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:14:37 „Ich habe auch was mitgebracht. Und zwar lese ich zurzeit ein Buch von Lena Christ. Lena Christ ist eine bayerische Schriftstellerin und lebte Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts, ist also über 100 Jahre tot.“
Sabine Rückert liest aktuell ein Buch von Lena Christ und nutzt eine Passage daraus, um die Behandlung psychisch Kranker in bayerischen Klöstern Ende des 19. Jahrhunderts zu illustrieren. Sie liest eine längere Stelle über ein zwölfjähriges Mädchen namens Margret vor, das im Kloster eingesperrt, geschlagen und gequält wurde, weil es sich weigerte, religiöse Texte zu lesen — ein direkter Bezug zum Thema Besessenheit und Dämonenaustreibung.
Jüdische Altertümer (Antiquitates Judaicae)
Flavius Josephus · 1899
Flavius Josephus (altgriechisch Φλαύιος Ἰώσηπος Flavios Iṓsēpos; geboren 37/38 n. Chr. in Jerusalem; gestorben um 100 vermutlich in Rom) war ein jüdisch-hellenistischer Historiker. Als junger Priester aus der Jerusalemer Oberschicht hatte Josephus eine aktive Rolle im Jüdischen Krieg: Er verteidigte Galiläa im Frühjahr 67 gegen die römische Armee unter Vespasian. In Jotapata geriet er in römische Gefangenschaft. Er prophezeite dem Feldherrn Vespasian dessen künftiges Kaisertum.
🗣 Johanna Haberer zitiert daraus bei ⏱ 00:22:10 „Während zum Beispiel jetzt dieser in der hellenistischen Zeit lebende Jude Josephus, der hat ja unter den Römern gelebt, den hatten wir schon öfters, der beschreibt jetzt eine Heilung aus seiner Umwelt.“
Johanna Haberer zitiert den antiken jüdischen Historiker Josephus, um den Kontrast zwischen Jesus' Dämonenaustreibung und den üblichen Heilpraktiken der hellenistischen Zeit zu verdeutlichen. Bei Josephus wird eine aufwendige Heilung mit Ring, Wurzeln und Beschwörungsformeln Salomons beschrieben — ganz anders als Jesus, der nur ein Wort braucht.
Reportage über Missionare bei den Maasai in Tansania
Sabine Rückert
Mission in Afrika - bei dem Thema reagieren so manche Kritiker, auch Journalisten, empfindlich. Vielleicht deswegen, weil die wenigsten Kritiker Missionare überhaupt kennen. Eine ARD-Sendung über die Missionarin Angelika Wohlenberg - besser bekannt unter dem Namen "Mama Massai" - gab am Sonntag differenzierte Einblicke in die Welt der Mission in Afrika.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:24:00 „Jetzt habe ich auch eine Geschichte dabei, die ich selbst recherchiert habe, vor vielen Jahren, als ich bei der Zeit angefangen habe. Ich habe mich damals als junge Frau aufgemacht, nach Afrika, und habe dort geschrieben über Missionare. Aus diesem Text werde ich auch noch mal das eine oder andere Mal vorlesen, wenn wir zu der Mission kommen.“
Sabine Rückert liest ausführlich aus einer Reportage vor, die sie als junge Journalistin für Die Zeit über christliche Mission bei den Maasai in Tansania geschrieben hat. Der Text erzählt die Geschichte von Gideon Soombe, einem Maasai, der zum evangelisch-lutherischen Pfarrer wurde, und beschreibt das Phänomen massenhafter Besessenheitszustände bei Maasai-Frauen, die nur durch die christliche Taufe geheilt werden konnten. Die Reportage dient als Ausgangspunkt für die Diskussion über Dämonenaustreibung, Massenpsychosen und die Rolle des Christentums als Befreiung unterdrückter Frauen.