Die Auferstehung des toten Lazarus
Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler
Die Episode verknüpft drei Erzählstränge rund um die Geschwister Martha, Maria und Lazarus aus Bethanien: von Marthas Küchenfrust im Lukas-Evangelium über Jesu provokante Hirtenrede bis zur Auferweckung des Lazarus im Johannes-Evangelium. Besonders spannend: Martha, zuvor als fleißiges Hausmütterchen gezeichnet, wird bei Johannes zur eigentlichen Apostelin — sie ist die Erste, die ein vollständiges Bekenntnis zu Jesus als Messias ablegt, noch vor den männlichen Jüngern. Dazwischen liest Sabine eine brillante Passage von Jack Miles vor, die erklärt, warum auf Jesu Terminkalender nur ein einziger Termin steht: seine Hinrichtung.
„Hier spielt jetzt die Martha nicht die Rolle des Heimchens am Herd, sondern umgekehrt. Sie geht raus, sie fährt den an, sie lässt ihn auch holen und jetzt wird sie zum Hauptapostel dieser Geschichte, weil die ist die erste, die ein vollständiges apostolisches Bekenntnis abgibt.“
Erwähnte Medien (7)
Yentl
Barbra Streisand · 1983
1904 in Osteuropa: Nach dem Tod ihres Vaters beschließt die junge Jüdin Yentl nach Yeshiva an die jüdische Schule für Priester zu gehen. Problem: Seinerzeit sind dort nur Jungs erlaubt, den Talmund zu studieren. Also schneidet sie sich kurzerhand die Haare ab und verkleidet sich als Mann, Anshel. Das geht solange gut, bis sie sich in einen Kommilitonen verliebt.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:08:07 „Wie heißt denn mit der Barbara Streisand dieser Film, wo sie sich in einen Mann verkleidet? Jentl. Ja, genau. Also ihr braucht nicht Jentl machen, sondern ihr könnt als Frauen an meiner Lehre teilnehmen.“
Johanna Haberer zieht eine Parallele zwischen der biblischen Geschichte von Martha und Maria und dem Film Yentl, in dem sich Barbra Streisand als Mann verkleidet, um studieren zu dürfen. Ihre Pointe: Jesus sagt den Frauen, dass sie sich nicht verkleiden müssen – sie dürfen als Frauen an seiner Lehre teilnehmen.
Messiah
· 2020
Im Mittleren Osten taucht ein Mann auf, der eine Schar von Menschen auf seine Seite zieht. Sie alle verbreiten ihre Überzeugung: Er ist der Messias. Handelt es sich tatsächlich um einen Gottgesandten oder doch eher um einen Betrüger, der die geopolitische Weltordnung durcheinanderbringen möchte? Wie reagiert die Gesellschaft auf den vermeintlichen Messias? Wie gehen die Medien mit den Behauptungen um? Was, wenn sie wahr sind?
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:08:17 „Es gibt übrigens in dem Film, den ich vor einigen Folgen empfohlen habe, Messiah. Da gibt es eine wunderbare Szene. Da sitzt er mit Männern im Kreis und lehrt und ist relativ unfreundlich.“
Sabine Rückert greift auf die Serie Messiah zurück, die sie bereits in einer früheren Folge empfohlen hat. Sie beschreibt eine Szene, in der der Messias-Charakter einen Mann aus seinem Lehrkreis wirft, weil dieser sich darüber lustig macht, dass eine Frau daran teilnehmen soll – eine direkte Parallele zur Rolle Marias als rabbinische Schülerin.
Christus. Eine Krise im Leben Gottes
Jack Miles · 1997
Die Liste der geschichtsbezogenen Filme und Serien beinhaltet Filme und Serien, die in einer früheren Epoche spielen oder ein historisches Ereignis behandeln. Werden mehrere Epochen berührt, erscheint der Eintrag entsprechend in diesen Epochen, sofern die Epoche wesentlich im Film oder in der Serie vorkommt. Zur Liste gehören nicht: Dokumentationen, Dokudramen; reine Genrefilme (Western, Mittelalter-, Abenteuerfilme etc.) ohne eigentlichen historischen Bezug; Darstellungen primär humoristischen...
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:17:06 „Aus meinem wunderbaren Jack Miles, Jesus-Biografie, da steht etwas Herrliches. Eine ganz wunderbare Passage, die wollte ich jetzt mal vorlesen.“
Sabine liest eine ausführliche Passage aus der Jesus-Biografie von Jack Miles vor, die erklärt, warum Jesus wie ein alter Mann wirkt, warum er nie Smalltalk betreibt und wie die Bibel als literarisches Werk die gesamte abendländische Literatur beeinflusst hat.
Jesus. Die Biografie
Jack Miles
Jack Miles analysiert Jesus als literarische Figur des Alten und Neuen Testaments und untersucht die Charakterentwicklung dieser zentral geschichtlichen Gestalt. Das Werk verbindet theologische Exegese mit literarischer Interpretation und beleuchtet die Bibel als Ursprung der westlichen Textauslegung. Miles' originelle Perspektive macht das Buch relevant für alle, die sich mit Religionsgeschichte, Bibelwissenschaft oder literarischer Interpretation auseinandersetzen.
🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:19:08 „Ich wollte nochmal etwas vorlesen. Das passt hier so wahnsinnig gut. Aus meinem wunderbaren Jack Miles, Jesus-Biografie, da steht etwas Herrliches. Eine ganz wunderbare Passage, die wollte ich jetzt mal vorlesen.“
Sabine Rückert liest eine ausführliche Passage aus Jack Miles' Jesus-Biografie vor, in der Miles beschreibt, wie Jesus als jemand wirkt, der alt geboren wurde und nie gewöhnliche Neugier zeigt. Die Passage mündet in eine These über die Bibel als Ursprung abendländischer Textexegese – dass alle fiktionale Literatur in gewissem Sinne 'verbiblicht' worden sei. Rückert ist sichtlich begeistert von der Beobachtung.
Vor dem Gesetz
Franz Kafka · 2010
Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Die provozierende Schlusspointe dieser Parabel lässt niemanden so schnell los. Unweigerlich gerät man ins Grübeln und Rekonstruieren, und dabei kommen nicht nur Juristen, Tora-Experten und Kabbalisten auf ihre Kosten.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:38:59 „Und es wird auch vorbereitet und er geht erstmal nicht hin und damit, so wird es also auch begründet. Das ist das größte Zeichen. Also es ist auch nochmal, um nochmal auf deinen wunderbaren Kafka-Text zurückzukommen, damit die Leute die Herrlichkeit sehen, steht da, ja?“
Johanna Haberer verweist auf einen Kafka-Text, den Sabine Rückert offenbar im ersten Teil der Episode vorgelesen hat. Sie zieht eine Parallele zwischen Kafkas Parabel und der Lazarus-Erzählung – in beiden geht es um das Sichtbarmachen einer verborgenen Herrlichkeit. Der genaue Kafka-Text wird in diesem Abschnitt nicht namentlich genannt.
Schlafesbruder
Joseph Vilsmaier · 1995
Ende des 18. Jahrhunderts In die Verlassenheit und Tristesse des abgelegenen Alpendorfs Eschberg wird ein Kind hineingeboren. Johannes Elias Alder ein Bastard, von den Eltern abgelehnt und von der inzestuösen Dorfgemeinde, allesamt dickköpfig und engstirnig, verachtet. Elias, das Kind mit den eigenartigen gelben Augen, wächst als Außenseiter auf und so bleibt seine göttliche Begabung, sein absolutes Gehör, unentdeckt.
🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:41:53 „Diese Parallelisierung von Schlaf und Tod, wie sie auch übrigens in der griechischen Tradition ist, Thanatos und Hypnos. Hypnos ist der Schlaf und Thanatos der Tod sind in der griechischen Mythologie Brüder. Gibt es doch diesen wunderbaren Film. Ja, Schlafesbruder heißt der. Schlafesbruder von Filzmeier.“
Im Gespräch über die Lazarus-Geschichte fällt Johanna Haberer die Parallelität von Schlaf und Tod auf, die auch in der griechischen Mythologie (Thanatos und Hypnos als Brüder) vorkommt. Das bringt sie auf den Film "Schlafesbruder" von Joseph Vilsmaier (sie sagt "Filzmeier"), der genau dieses Motiv behandelt.
Komm, o Tod, du Schlafes Bruder
Johann Sebastian Bach
Schlafes Bruder ist ein Roman des österreichischen Schriftstellers Robert Schneider aus dem Jahr 1992. Das Buch wurde ein internationaler Erfolg und bisher in 36 Sprachen übersetzt. Es handelt sich um einen klassischen Bildungsroman, dessen Held in dem von Inzucht und Doppelmoral geprägten ländlichen Milieu eines österreichischen Bergdorfs des 19. Jahrhunderts dem Leser einen grotesken Spiegel vorhält.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:42:04 „Ja, es gibt vor allem eine … Komm, oh tote Schlafesbruder. Das ist Bach. Das ist Bach, genau. Bachchoral.“
Als Johanna Haberer den Film "Schlafesbruder" erwähnt, ergänzt Sabine Rückert sofort die musikalische Quelle: den Bach-Choral "Komm, o Tod, du Schlafes Bruder", der das gleiche Motiv der Verwandtschaft von Schlaf und Tod aufgreift und dem Roman wie Film den Titel gab.