Unter Pfarrerstöchtern – Wer hat, dem wird auch noch gegeben
#136

Wer hat, dem wird auch noch gegeben

Unter Pfarrerstöchtern / 01. November 2024 / 9 Medien

Sabine Rückert, Johanna Haberer, Erzähler

In dieser Folge geht es um das Gleichnis von den anvertrauten Talenten aus dem Matthäus-Evangelium — die Geschichte eines reichen Mannes, der seinen Knechten Vermögen anvertraut, bevor er verreist. Bevor sie ins Gleichnis selbst einsteigen, erkunden die Schwestern, was Gleichnisse eigentlich sind: Das griechische Wort Parabolä bedeutet "etwas daneben legen", eine Alltagsgeschichte neben die eigentliche Botschaft. Um die zeitlose Kraft dieser Erzählform zu zeigen, liest Johanna Haberer Goethes Zauberlehrling vor — ein Gleichnis, das jeder kennt, aber dessen Weisheit sich je nach Lebensphase immer neu erschließt.

„Man erzählt aus dem Alltag eine Geschichte und legt sie neben die eigentliche Sache, die man zum Thema machen möchte.“
🗣 Johanna Haberer

Erwähnte Medien (9)

Der Zauberlehrling

Der Zauberlehrling

Johann Wolfgang von Goethe

Goethes berühmte Ballade erzählt von einem Lehrling, der über seine Fähigkeiten hinauswächst und beim Versuch, magische Kräfte zu kontrollieren, das Chaos heraufbeschwört. Die Geschichte thematisiert menschliche Hybris und den Verlust der Kontrolle über selbst entfesselte Kräfte. Sie steht damit in direkter Parallele zu Frankensteins Monster – beide Werke warnen vor den Konsequenzen, wenn Menschen versuchen, Naturgewalten zu beherrschen.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:02:49 „Wenn du zum Beispiel den Zauberlehrling von Goethe nimmst. Das ist ein Gleichnis. Das ist einer der berühmtesten Texte von Goethe. Soll ich mal einen Moment vorlesen draus?“

Johanna Haberer nutzt Goethes Ballade als Beispiel dafür, wie Gleichnisse funktionieren: Man erzählt eine Alltagsgeschichte und legt sie neben die eigentliche Botschaft. Sie liest eine längere Passage vor, um zu zeigen, wie der Zauberlehrling etwas lostritt, dessen Folgen er nicht absehen kann — eine existenzielle Erfahrung, die sie mit den biblischen Gleichnissen parallelisiert.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
Nathan der Weise

Nathan der Weise

Gotthold Ephraim Lessing

Nathan the Wise (original German title: Nathan der Weise) is the last play published by Gotthold Ephraim Lessing. The play was published in 1779; its world premiere took place only in 1783, two years after Lessing's death, at the Döbbelinsches Theater in Berlin. It is a fervent plea for religious tolerance.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:04:52 „dieses weltberühmte Ringparabel, Paraboleien, die Lessing geschrieben hat, wo es um die Gleichberechtigung der Religionen geht“

Die Ringparabel aus Lessings Nathan der Weise wird als weiteres berühmtes Beispiel für eine Parabel angeführt

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
Nathan der Weise

Nathan der Weise

Gotthold Ephraim Lessing

Lessings Drama "Nathan der Weise" enthält die Ringparabel, die zeigt, dass die drei abrahamitischen Religionen ursprünglich eins waren und gleichberechtigt nebeneinander stehen. Der Text hilft zu verstehen, dass vermeintliche Religionskonflikte künstlich sind und auf gemeinsamen Grundlagen beruhen. Für Hadija Haruna-Oelker war das Werk als Kind zentral, um ihre dual-religiöse Prägung zwischen Islam und Katholizismus nicht als Widerspruch zu erleben.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:05:16 „Es gibt auch noch zum Beispiel dieses weltberühmte Ringparabel, Paraboleien, die Lessing geschrieben hat, wo es um die Gleichberechtigung der Religionen geht. Und dass die Religion, die am tolerantesten ist, die Gott am liebsten ist, im Grunde genommen, ist ja das die Botschaft.“

Johanna Haberer führt Lessings Ringparabel als weiteres Beispiel für die literarische Tradition der Gleichnisrede an. Sie ordnet sie in eine Linie ein, die von Jesus über die Aufklärung bis heute reicht, und betont, dass Gleichnisse auch eine Form der Widerstandsliteratur sein können.

🛒 Amazon * 🔍 Google Details
Nur zwei Prozent sind hochbegabt

Nur zwei Prozent sind hochbegabt

Christian Weber

Nicholas Hudson von der australischen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation geht der Frage nach, ob sich künstlerische Qualität in Musik objektiv messen lässt. Anhand von digitaler Komprimierung untersuchte er, wie gut sich verschiedene Musikgenres ohne Informationsverlust verdichten lassen – klassische Meisterwerke wie Beethovens 3. Symphonie ließen sich dabei auf 40 Prozent reduzieren, während Pop und Rock etwa 60 Prozent benötigten und reiner Zufallslärm 86 Prozent. Hudson folgert daraus, dass musikalische Schönheit auf einem objektiven Prinzip basiert: das menschliche Gehirn empfindet es besonders angenehm, wenn es in komplexen Signalen einfache Muster erkennt – ein evolutionärer Vorteil seit der Urzeit. Damit hätte Musik eine rationalere Grundlage als lange angenommen, nämlich das Komplexitätsgefälle zwischen anfänglicher Wahrnehmung und kognitiver Auflösung.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:17:57 „Ich war nämlich im Archiv und habe natürlich nach modernen Tangenten zu den Talenten besucht und bin auf eine Intelligenzforscherin namens Elisabeth Stern gestoßen, die von der Süddeutschen Zeitung im letzten vergangenen Jahr interviewt worden ist. Unter der Überschrift, nur zwei Prozent sind hochbegabt, unterhält sie sich da mit einem Herrn Christian Weber über Geistesgaben und Talente.“

Sabine Rückert liest ausführlich aus einem Interview der Süddeutschen Zeitung mit der ETH-Intelligenzforscherin Elisabeth Stern vor. Das Interview dient als moderne Brücke zum biblischen Gleichnis der Talente: Intelligenz ist ungleich verteilt, stark genetisch bedingt, und die Kinder von Genies sind oft keine Leuchten — was die Nüchternheit des Gleichnisses über die ungleiche Verteilung von Gaben unterstreicht.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
V Studie

Virtue signaling among victims of unfair treatment

Ekin Ok

Die Psychologin Ekin Ok untersucht in dieser Studie das Phänomen der moralischen Selbstdarstellung bei Opfern unfairer Behandlung. Die Forschung analysiert den Zusammenhang zwischen narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen und der Tendenz, den eigenen Opferstatus öffentlich zu machen.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:04 „Das Team um die Psychologin Ekin Ok schreibt in einer neuen Studie im Fach Journal of Personality and Social Psychology“

Die Studie wird im Kontext des Artikels von Sebastian Herrmann zitiert und untersucht den Zusammenhang zwischen narzisstischen Persönlichkeitsmerkmalen und der Reklamation des Opferstatus

🎓 Google Scholar 📄 Original Details
Helft mir gefälligst

Helft mir gefälligst

Sebastian Herrmann

Sebastian Herrmanns Artikel aus der Süddeutschen Zeitung untersucht, wie narzisstische und manipulative Menschen sich bewusst als Opfer von ungerechten Verhältnissen inszenieren. Der Text zeigt auf, welche psychologischen Strategien dabei zum Einsatz kommen, um Sympathie zu erlangen und eigene Vorteile durchzusetzen. Herrmann analysiert dieses manipulative Verhaltensmuster systematisch und ordnet es psychologisch ein.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:28:04 „Jetzt habe ich aber auch noch einen wunderbaren Text aus der Süddeutschen Zeitung da, aus dem Wissensressort von 2020, von einem gewissen Herrn Herrmann. Sebastian Herrmann, helft mir gefälligst, heißt es. Narzisstische und manipulative Menschen stellen sich besonders häufig als Opfer von ungerechten Verhältnissen dar.“

Sabine Rückert zitiert ausführlich einen Artikel aus dem Wissensressort der Süddeutschen Zeitung von 2020, verfasst von Sebastian Herrmann. Der Artikel behandelt, wie narzisstische und manipulative Menschen sich als Opfer inszenieren, um Vorteile zu erlangen. Rückert nutzt den Text, um das Verhalten des faulen Knechts im Gleichnis der Talente psychologisch einzuordnen.

Zum Artikel bei Google.com Details
S Studie

Signaling Virtuous Victimhood as Indicators of Dark Triad Personalities

Ekin Ok

Studie der kanadischen Psychologin Ekin Ok über die Beziehung zwischen Opferstatus-Signalisierung und Dark Triad Persönlichkeitsmerkmalen (Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie). Die Forschung zeigt, dass Personen mit diesen Merkmalen vermehrt einen Opferstatus für sich reklamieren, um persönliche Vorteile daraus zu gewinnen.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:29:15 „Das Team um die Psychologin Ekin Ok schreibt in einer neuen Studie im Fach Journal of Personality and Social Psychology, Folgendes, den Status als Opfer für sich zu reklamieren, ist zunehmend populär und zu einem Vorteil geworden, so Ocks Forschungsgruppe, die am Immortality Lab der University of British Columbia arbeitet.“

Im Rahmen des Süddeutsche-Zeitung-Artikels zitiert Sabine Rückert eine Studie kanadischer Psychologen um Ekin Ok, veröffentlicht im Journal of Personality and Social Psychology. Die Studie zeigt, dass Menschen mit Merkmalen der 'dunklen Triade' (Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie) häufiger den Opferstatus für sich reklamieren, um daraus Vorteile zu ziehen.

🎓 Google Scholar 📄 Original Details
Der Tod des Iwan Iljitsch

Der Tod des Iwan Iljitsch

Leo Tolstoi · 1886

Tolstois Novelle erzählt von Iwan Iljitsch, dessen Leben und hoher gesellschaftlicher Status sich beim Sterben als Illusion entpuppen. Nur der einfache Knecht Gerasim bietet ihm elementaren Trost, während die standesgemäße Umwelt versagt. Das Werk illustriert, dass echte menschliche Zuwendung jenseits von Intellekt und Konvention liegt und dient als literarisches Beispiel für die Tiefenwirkung echter Mitmenschlichkeit in existenziellen Momenten.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:39:18 „Ich habe auch schon mal hier vorgelesen, Passagen aus dem Roman Der Tod des Ivan Ilyich. Und Der Tod des Ivan Ilyich, das ist so ein Roman, der genau davon handelt. Der wird am Schluss gefragt, was hast du gemacht in deinem Leben? Ein bitterer und finsterer über die russische Elite des 19. Jahrhunderts. Und sehr, sehr lesenswert. Man liest es in einem Nachmittag durch und man ist danach nachhaltig erschüttert.“

Sabine Rückert empfiehlt Tolstois Erzählung als literarische Auslegung des Gleichnisses von den anvertrauten Talenten. Die Novelle handelt davon, dass ein sterbender Mensch am Ende seines Lebens gefragt wird, was er daraus gemacht hat – genau die Bilanzfrage, die auch im Gleichnis gestellt wird. Rückert betont, dass man das Werk an einem Nachmittag lesen könne und danach nachhaltig erschüttert sei.

🛒 Amazon * 📕 Thalia 📚 Google Books Details
Artikel über assistierten Suizid eines Paares

Artikel über assistierten Suizid eines Paares

Ein Paar entscheidet sich gemeinsam für den assistierten Suizid, während beide zunehmend körperlich schwächer werden. Der Artikel beschreibt detailliert den Prozess und die emotionale Reise der beiden. Ein zentraler Nebensatz enthüllt, dass das Paar keine Beziehung mehr zu seinen Angehörigen hatte – ein Detail, das die ethische Dimension des Themas vertieft. Der Bericht dient als Grundlage für Diskussionen über Lebensbilanz, Sterbebegleitung und die gesellschaftliche Bedeutung von Beziehungen am Lebensende.

🗣 Johanna Haberer referenziert bei ⏱ 00:40:47 „Ich habe neulich auch in der Süddeutschen, das ist vielleicht ein Dreivierteljahr her oder ein Jahr her, einen Artikel gelesen über zwei Leute, die assistierten Suizid in Anspruch genommen haben. Und da wurde sehr genau beschrieben, wie die beide merken, dass sie immer schwächer werden.“

Johanna Haberer erinnert sich an einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung über ein Paar, das gemeinsam den assistierten Suizid wählte. Sie nutzt den Artikel, um die Gleichnis-Diskussion über Lebensbilanz zu vertiefen: Der entscheidende Nebensatz im Artikel – dass das Paar keine Beziehung mehr zu seinen Kindern hatte – zeige, wie fehlende menschliche Bindungen am Lebensende zur Einsamkeit führen.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
War die Extraktion dieser Folge gut?