Die Justiz kratzt und beißt
Sabine Rückert, Andreas Sentker
In der vierten Folge zum Osnabrücker Justizskandal geht es um den Moment, in dem der Fall öffentlich wird: Ein vierseitiges Dossier in der Zeit legt offen, wie zwei unschuldige Männer wegen erfundener Vergewaltigungsvorwürfe jahrelang im Gefängnis saßen — und wie die niedersächsische Justiz auf die Enthüllung nicht etwa mit Selbstkritik reagiert, sondern mit Empörung über die Berichterstattung.
„Ich habe Unrecht im Namen des Volkes ohne ein Fragezeichen geschrieben, denn als ich dieses Dossier geschrieben habe, da wusste ich, dass ich im Recht war.“
Erwähnte Medien (5)
Unrecht im Namen des Volkes
Sabine Rückert
Sabine Rückert recherchierte einen Justizskandal, in dem zwei Männer aufgrund der Falschaussage einer psychisch erkrankten Frau zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Ihr vierseitiges Dossier in der ZEIT vom Mai 2002 löste eine Überprüfung des Falls aus. Das Verfahren wurde später wiederaufgenommen und führte 2005 zum Freispruch beider Unschuldigen.
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:02:15 „Und vor mir liegt etwas, nämlich ein Artikel aus der Zeit vom 2. Mai 2002. Ein großes Dossier, vier Seiten lang überschrieben. Unrecht im Namen des Volkes. Das war sozusagen so richtig der Stein ins Wasser, oder?“
Das vierseitige Dossier in der ZEIT vom 2. Mai 2002 ist das zentrale Dokument dieser Episode. Sabine Rückert legte darin ihre Recherchen zu zwei unschuldig verurteilten Männern offen, die auf Basis der Falschaussage einer psychisch erkrankten jungen Frau zu Haftstrafen verurteilt worden waren. Der Artikel löste einen massiven Aufruhr in der niedersächsischen Richterschaft aus und führte letztlich zur Wiederaufnahme des Verfahrens und zum Freispruch beider Männer im Dezember 2005.
Streit – Feministische Rechtszeitschrift
STREIT ist eine 1983 gegründete feministische Rechtszeitschrift und die erste ihrer Art in Deutschland. Das autonome Projekt bietet eine Plattform für Juristen und Juristinnen, um rechtspolitische Entwicklungen zu kommentieren und die Rechte von Frauen zu stärken. Die Zeitschrift prägt seit über 40 Jahren die feministische Rechtsdiskussion durch fundierte Analysen, Gerichtsentscheidungen und internationale Perspektiven – werbefrei und mit Kunstwerken von Frauen in der Printausgabe. Mit Unterstützung der Pro Civibus-Stiftung und des Frauenreferats Frankfurt wurde die Website neu gestaltet und bietet nun sukzessive alle Ausgaben im Open-Access-Format an. Abonnenten erhalten zusätzlich zum Printheft auf Wunsch das gesamte Heft als PDF.
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:34:47 „Streit, feministische Rechtszeitschrift.“
Im Zusammenhang mit dem Wiederaufnahmeverfahren wird erwähnt, dass die zuständige Staatsanwältin dem Gericht neben ihrem Votum auch feministische Kampfschriften beigelegt hatte. Andreas Sentker identifiziert eine davon als die feministische Rechtszeitschrift 'Streit'. Die Beilage wird als Beleg dafür gewertet, dass ideologische Motive die juristische Bewertung beeinflusst haben könnten.
Das Sexuelle in der sexuellen Gewalt
· 2016
Über Mißbrauch und sexuelle Gewalt wird oft unsachlich diskutiert, weil die Ergebnisse der empirischen und theoretischen Forschung noch zu wenig berücksichtigt werden. Diesem Mangel versucht diese Arbeit abzuhelfen. Gestützt auf die angelsächsische Forschung entwickelt der Autor einen sozialisationstheoretischen Deutungsansatz, der aus der Sackgasse polarisierender Schuldzuweisungen hinausführt.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:34:50 „Ja und da wurde dann ein Beitrag, das sexuelle in der sexuellen Gewalt wurde dann da ausgebreitet, wurde da mitgeschickt und Männlichkeit und Gewalt, eine psychologisch und historisch-soziologische Reise in die Abgründe der Männlichkeit und so weiter.“
Sabine Rückert beschreibt die feministischen Schriften, die die Staatsanwältin dem Gericht zusammen mit ihrem Votum zur Wiederaufnahme beigelegt hatte. Dieser Beitrag aus der Zeitschrift 'Streit' wird als Beispiel für die ideologische Überfrachtung des Verfahrens angeführt.
Männlichkeit und Gewalt – Eine psychologische und historisch-soziologische Reise in die Abgründe der Männlichkeit
· 2011
Studienarbeit aus dem Jahr 2008 im Fachbereich Pädagogik - Pädagogische Psychologie, Note: 1,0, Universität Potsdam (Department Erziehungswissenschaft), Veranstaltung: Männlichkeit, Sexualität und Gewalt, Sprache: Deutsch, Abstract: Gewaltverbrechen sind heutzutage in allen Industrienationen noch immer an der Tagesordnung.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:34:50 „Ja und da wurde dann ein Beitrag, das sexuelle in der sexuellen Gewalt wurde dann da ausgebreitet, wurde da mitgeschickt und Männlichkeit und Gewalt, eine psychologisch und historisch-soziologische Reise in die Abgründe der Männlichkeit und so weiter.“
Ein weiteres feministisches Schriftstück, das die Staatsanwältin zusammen mit ihrem Votum an das Gericht geschickt hatte. Rückert sieht darin den Beweis, dass die Fehlurteile aus ideologischen Gründen aufrechterhalten werden sollten – zulasten der zu Unrecht verurteilten Männer.
Handbuch der Borderline-Störungen
· 2018
Das Referenzwerk zu Borderline-Störungen jetzt in der 2. Auflage Die bereits mit Spannung erwartete zweite Auflage des Werkes "Handbuch der Borderline-Störungen" – komplett überarbeitet und in weiten Teilen neu geschrieben – bietet das gesamte aktuelle Wissen zur Forschung, Diagnostik, Therapie und Lehre der Borderline-Störungen.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:38:58 „Es gibt ja auch in dem Handbuch für Borderline-Störungen, schreibt ein Psychiater, der mit dieser Patientengruppe zu tun hat, über die Rolle der Ärzte. Den Berichten von Realtraumata sollte primär immer Glauben geschenkt werden.“
Sabine Rückert zitiert aus einem Fachbuch über Borderline-Störungen, um das therapeutische Dilemma zu veranschaulichen: Therapeuten sind angehalten, den subjektiven Berichten ihrer Patienten zunächst Glauben zu schenken – auch wenn die Schilderungen abstrus erscheinen. Rückert argumentiert, dass genau diese Haltung dazu beitragen kann, dass Falschbeschuldigungen nicht erkannt werden, wenn empathisches Personal als Zeugen vor Gericht auftritt.