Der Tod im Rückspiegel
Sabine Rückert, Andreas Sentker
Am 14. Juli 2003 rast ein schwarzer Mercedes mit über 220 km/h auf der A5 bei Karlsruhe auf einen Kia zu, dessen Fahrerin — eine 21-jährige Mutter — vor Schreck das Steuer herumreißt, die Kontrolle verliert und mit ihrer zweijährigen Tochter tödlich gegen einen Baum prallt. Der Fall wurde zum Jedermann-Fall, der wochenlang die Republik beschäftigte, weil er jeden hätte treffen können — auf der Opfer- wie auf der Täterseite.
„Es war ein Fall, der ein Jedermann-Fall war und ich glaube deswegen wurde er auch so berühmt, weil es jeden hätte treffen können, sowohl auf der Opfer- als auch auf der Täterseite.“
Erwähnte Medien (4)
Und täglich grüßt das Murmeltier (Groundhog Day)
Harold Ramis · 1993
Es ist der 2. Februar, Murmeltiertag: Für eine Reportage über das alljährliche Wettervorhersage-Ritual verschlägt es den sarkastischen, verbitterten, stets miesgelaunten und unfreundlichen Wettermann Phil Connors, seine Produzentin Rita und den Kameramann Larry in das kleine Provinznest Punxsutawney. Ein ganz normaler Tag. Phil berichtet vom Murmeltier, das alljährlich aus seinem Bau gelockt wird, um das Wetter der kommenden Zeit vorherzusagen.
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:00:21 „Vielleicht haben Sie sich bei den letzten Folgen so ein bisschen wie bei täglich grüßt das Murmeltier gefühlt, weil immer wieder der Fall Amelie auftauchte.“
Andreas Sentker verwendet den Filmtitel als Redewendung, um zu beschreiben, dass in den letzten Folgen immer wieder derselbe Fall behandelt wurde. Es handelt sich um eine beiläufige Referenz auf die Komödie von 1993, in der Bill Murray denselben Tag immer wieder erlebt.
Tod im Vorüberfahren
Sabine Rückert
Der Artikel berichtet über den Gerichtsprozess gegen einen Autobahnraser, der auf der A5 bei Karlsruhe zwei Menschen durch rücksichtsloses Fahren tötete. Gerichtsreporterin Sabine Rückert schildert den Fall mit bewusster Einbeziehung ihrer persönlichen Eindrücke aus dem Verhandlungssaal. Die Veröffentlichung löste eine außergewöhnlich große Leserreaktion aus, die die Redaktion mit einer ganzen Seite Leserbriefen dokumentierte.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:37:21 „Ja, ich habe eine unglaubliche Menge Post bekommen nach diesem Artikel. Der hieß Tod im Vorüberfahren. Ich habe dann auch, so wie ich jetzt hier spreche, so habe ich damals auch geschrieben. Also ich habe meine persönlichen Eindrücke da durchaus mit einfließen lassen in den Text, weil davon lebt ja auch die Gerichtsberichterstattung.“
Sabine Rückert spricht über ihren ZEIT-Artikel über den Fall Rolf F., der auf der A5 bei Karlsruhe zwei Menschen durch Raserei tötete. Der Artikel löste eine enorme Leserreaktion aus – so viele Briefe, dass die Redaktion eine ganze Seite nur für Leserbriefe einrichtete. Rückert beschreibt, dass sie bewusst persönliche Eindrücke aus dem Gerichtssaal einfließen ließ.
Autotestbericht in der ZEIT
Über den Autobahnraser Rolf F., der wegen fahrlässiger Tötung zu anderthalb Jahren Haft verurteilt wurde, schrieb vorvergangene Woche unsere Gerichtsreporterin Sabine Rückert. Ihr Bericht fand ein heftiges Echo. Wir dokumentieren das Für und Wider in gekürzter Form
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:56 „Ich erinnere mich aber ebenfalls daran, dass ich in der gleichen Woche in ihrer Zeitung einen Autotestbericht las, der genau von der von Sabine Rückert beschriebenen darwinistischen Raser-Mentalität geprägt war. Der von ihnen damit beauftragte Journalist fuhr mit seinem Mitfahrer angeblich so schnell, so meine Erinnerung an den Artikel, dass ihn die Polizei im Zweifelsfall für den Mittelstreifen halten würde.“
Eine Leserin kritisiert in ihrem Brief an Rückert die Doppelmoral der ZEIT: In derselben Woche, in der über den tödlichen Raserunfall berichtet wurde, erschien ein Autotest, der die Raserei geradezu feierte. Rückert bestätigt, dass es damals regelmäßig Autotests in der ZEIT gab, und räumt ein, dass die Veröffentlichung in diesem Kontext unangemessen war.
Pro und Contra: Tempolimit 130
Der Artikel behandelt eine Debatte innerhalb der EU über strengere Regelungen für Fahranfänger. Im Fokus steht ein Vorschlag für ein generelles oder für Fahranfänger geltendes Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen. Deutschlands Verkehrsminister Wissing lehnt diesen Vorschlag ab und blockiert damit eine EU-weite Vereinbarung zur Reform der Führerscheinregeln.
🗣 Andreas Sentker erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:48:09 „Wir hatten, das ist gar nicht so lange her, ein Pro und Contra in der Zeit zu Tempolimit 130. Der Vorschlag ist jetzt gerade wieder auf dem Tisch. Würdest du den unterschreiben?“
Gegen Ende des Gesprächs leitet Andreas Sentker von der Raser-Thematik zu einer aktuellen politischen Debatte über. Er verweist auf einen Pro-und-Contra-Beitrag in der ZEIT zum Tempolimit 130, der die grundsätzliche Frage aufwirft, ob Deutschland ein Tempolimit braucht – Sabine Rückert bejaht dies entschieden.