Das Gesetz des Baggers
Sabine Rückert, Andreas Sentker & Fritz Zimmermann
Ein Mieter aus Mannheim wendet sich hilfesuchend an die ZEIT — zunächst wird sein Anliegen als wenig dringlich eingestuft, doch als sich Investigativreporter Fritz Zimmermann durch die Aktenberge arbeitet, entpuppt sich der Fall als ebenso absurd wie tiefgreifend. Die Geschichte führt mitten in die schnurgerade vom Reißbrett geplante Innenstadt Mannheims, wo statt Straßennamen nur Zahlen und Buchstaben die Orientierung bestimmen.
„Je länger ich las, desto fassungsloser stand ich tatsächlich vor diesem Fall.“
Erwähnte Medien (4)
ZEIT-Artikel über den Mannheimer Mietrechtsfall (Klaus Wegner vs. Dieringer und Scheidel)
Fritz Zimmermann
Ein Mannheimer Mieter kämpft jahrelang gegen das Bauunternehmen Dieringer und Scheidel um sein Mietrecht – und behält recht. Der Investigativjournalist Fritz Zimmermann der ZEIT hat diesen ungewöhnlichen Mietrechtsstreit recherchiert und dokumentiert, wie David gegen Goliath angetreten ist. Der Fall zeigt, dass auch ein einzelner störrischer Mieter gegen ein großes Unternehmen Erfolg haben kann, wenn das Recht auf seiner Seite ist.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:01:23 „Und ich habe die Sache weitergegeben an die lieben Kollegen in Berlin mit der Bitte, mal ihre Einschätzung zu äußern und ob sie der Sache nachgehen wollen. Und die haben das jetzt auch nicht für super dringlich gehalten, sodass es noch ein bisschen gedauert hat, bis wir uns dann auf die Sache eingelassen haben. Umso schöner wurde es dann, als sie dann tatsächlich in der Zeit stand.“
Die gesamte Podcast-Folge basiert auf einem Investigativartikel, den Fritz Zimmermann vom Investigativressort der ZEIT über den jahrelangen Mietrechtsstreit eines Mannheimer Mieters gegen das Bauunternehmen Dieringer und Scheidel recherchiert und veröffentlicht hat. Sabine Rückert erzählt, wie der Fall ursprünglich bei ihr als Zuschrift ankam und dann an die Berliner Kollegen weitergegeben wurde.
Reportage über Klaus Wegner und den Abriss in Mannheim
Fritz Zimmermann
Mannheims Bauschutt aus den Nachkriegsjahren, der bei der Wiederaufbau nach der Zweiten Weltkriegszerstörung in der ganzen Stadt verteilt wurde, erweist sich bei archäologischen Ausgrabungen als unerwartet reiche Fundgrube. Das Archäologen-Team der Reiss-Engelhorn-Museen stieß bei Umgestaltungsarbeiten im Luisenpark 2021 und im alten Eisstadion 2024 auf wertvolle Objekte, die Aufschluss über Mannheims jüngste Geschichte geben. Unter den Funden befinden sich persönliche Gegenstände wie Andenkentassen und Weihwasserbecken ebenso wie Produktions- und Handelsgüter von heute verschwundenen Betrieben: eine Mineralwasserflasche der Fabrik Emil Schnarchendorff (1897–1943) und Porzellan der Mannheimer Porzellanmalerei Fritz Bensinger. Diese Fundstücke dokumentieren nicht nur das alltägliche Leben und die materiellen Werte vergangener Einwohner, sondern ermöglichen auch Rückschlüsse auf Mannheims Wirtschaftsgeschichte und helfen bei der Datierung archäologischer Schichten.
🗣 Fritz Zimmermann referenziert bei ⏱ 00:34:25 „Unser Text erschien ja im Dezember 2016 und zu dem Zeitpunkt fragte ich ihn, wie es jetzt weitergeht. Also das Landgericht urteilte, Kündigung nicht wirksam. Wir hatten also da den Zustand, die Wohnung war weg, aber er hatte letztinstanzlich Recht.“
Fritz Zimmermann verweist auf seinen eigenen, im Dezember 2016 veröffentlichten Text über den Fall Klaus Wegner – die journalistische Grundlage für diese Podcast-Episode. Der Artikel dokumentierte den damaligen Stand des Rechtsstreits: Wegner hatte vor dem Landgericht gewonnen, besaß aber keine Wohnung mehr.
Interview mit Klaus Wegner über seine Weinsammlung
Zeitungsinterview mit Klaus Wegner aus den 1990er-Jahren über seine Leidenschaft für Wein. Der Drechsler lagerte damals etwa 4000 Flaschen Wein in seinem Keller in der Mannheimer Innenstadt. Das Interview diente später als Nachweis für den Bestand seiner Weinsammlung in einem Schadensersatzverfahren um verschwundene Weine.
🗣 Fritz Zimmermann referenziert bei ⏱ 00:37:51 „Er hat früher auch mal in einem Wettbewerb als Weinexperte gewonnen und damals einer Regionalzeitung in den 90ern ein Interview gegeben. Er lagere in seinem Keller in Mannheimer Innenstadt 4000 Flaschen Wein.“
Im Zusammenhang mit der Schadensersatzklage über 215.000 Euro für verschwundene Weine erwähnt Zimmermann ein altes Zeitungsinterview aus den 1990er-Jahren. Darin hatte Wegner über seine 4000 Flaschen umfassende Weinsammlung gesprochen – dieses Interview diente im Prozess als Indiz dafür, dass tatsächlich wertvoller Wein im Keller gelagert worden war.
Interview mit einem Mitglied der Familie Scheidel über das Q6/Q7-Projekt
Das Familienunternehmen Diringer & Scheidel verkauft das Immobilienprojekt Q6/Q7 in der Mannheimer Innenstadt kurz vor dessen Eröffnung an den Münchner Investor BMO Real Estate Partners. Tobias Volckmann, Finanzvorstand von Diringer & Scheidel, bestätigt, dass die langfristigen geschäftlichen Interessen beider Parteien deckungsgleich sind. Der Verkauf ermöglicht es dem Familienunternehmen, sich von dem Großprojekt zu trennen, während der neue Besitzer das Stadtquartier langfristig übernimmt.
🗣 Fritz Zimmermann erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:39:06 „Es gibt ein Interview von einem aus der Familie Scheidel, glaube ich, der ganz früher mal über dieses Projekt sprach und eben erklärte, dass er schon ganz lange auf dieses Areal blickt und dass er die Chancen auf diesem Areal für die Stadt Mannheim sehe.“
Auf die Frage, ob er die Verantwortlichen persönlich kennengelernt habe, verweist Zimmermann auf ein älteres Interview mit einem Mitglied der Bauunternehmer-Familie Scheidel. Darin habe dieser seine Vision für das Areal beschrieben und betont, die Stadt Mannheim lebenswerter machen zu wollen – ein Kontrast zur Geschichte des zwangsweise obdachlos gewordenen Mieters Wegner.