ZEIT Verbrechen – Der Fluch des letzten Willens
#076

Der Fluch des letzten Willens

ZEIT Verbrechen / 09. März 2021 / 8 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker & Martina Keller

Im Mittelpunkt steht ein niederländischer Fall, der die Grenzen zwischen Mord und Erlösung auslotet: Eine schwer demente Frau hatte per Patientenverfügung Euthanasie verlangt — doch als sie getötet wurde, folgte eine Mordanklage, die schließlich mit einem Freispruch durch das höchste Gericht endete. Journalistin Martina Keller hat den Fall recherchiert und entfaltet die moralische Sprengkraft einer Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt.

„Es ist eine Geschichte, in die ich hineingegangen bin und dachte, ich weiß, was ich denke. Und als ich herauskam, war ich mir nicht mehr sicher, was ich denken soll.“
🗣 Andreas Sentker

Erwähnte Medien (8)

ZEIT Verbrechen – Das zweite Buch

ZEIT Verbrechen – Das zweite Buch

Sabine Rückert / Andreas Sentker · 2020

Zweites Buch zum ZEIT Verbrechen Podcast: Ein Sammelband mit ausgewählten Kriminalfällen, illustriert durch Originalzeitungsartikel, Aktenauszüge, historische Fotos und Beiträge von Podcast-Gästen.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:35 „Ja, wir haben ja bereits ein Fanbuch herausgebracht vor einem Jahr, das sehr gut angekommen ist. Und daraufhin hat der Verlag beschlossen, gut, wir machen ein zweites und das kommt jetzt raus in ein paar Tagen.“

Sabine Rückert und Andreas Sentker besprechen ihr neues, zweites Buch zum Podcast, das ausgewählte Kriminalfälle mit Originalartikeln, Aktenauszügen und Fotos enthält. Es wird als Nachfolger des ersten Buches vorgestellt, wobei diesmal auch Texte von Podcast-Gästen enthalten sind.

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D Doku

Dokumentarfilm/Beitrag des niederländischen Fernsehens zum Euthanasie-Fall

Der niederländische Fernsehfilm dokumentiert einen Euthanasie-Fall und zeigt das Zimmer der betroffenen Patientin in einem Pflegeheim in Den Haag. Die Aufnahmen vermitteln einen visuellen Eindruck der Lebensumstände und des Alltags in der Einrichtung. Der Film dient als wichtiges Zeitzeugnis für die Diskussion ethischer und medizinischer Fragen am Lebensende.

🗣 Martina Keller referenziert bei ⏱ 00:17:30 „Also man sieht später, habe ich das gesehen, in dem Film des niederländischen Fernsehens, einen großen Raum mit einem großen Schrank, einem Pflegebett, zwei Korbstühlen und einem Blick durch Fenster ins Grüne.“

Martina Keller beschreibt das Zimmer der Patientin im Pflegeheim in Den Haag und verweist dabei auf einen Film des niederländischen Fernsehens, in dem der Raum zu sehen war. Der Film dokumentiert offenbar den Euthanasie-Fall, über den im Podcast gesprochen wird.

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Life's Dominion

Life's Dominion

Ronald Dworkin

Philosophisches Werk zur Bioethik, das sich mit dem Konflikt zwischen Autonomie und gegenwärtigem Erleben auseinandersetzt. Durch ein Gedankenexperiment einer demenzkranken Patientin erörtert es, ob der früher geäußerte Wille einer Person oder ihr aktuelles Wohlbefinden ethisch Vorrang haben sollte.

🗣 Martina Keller referenziert bei ⏱ 00:22:28 „Den Grundkonflikt, den kann man sehr schön beschreiben mit einem Gedankenexperiment, das der Philosoph Ronald Dworkin bereits 1993 mal angestellt hat. Dworkin hat den Fall einer 55-jährigen Patientin namens Margot diskutiert, die schwer dement ist. Eine erfundene Figur.“

Martina Keller greift auf ein berühmtes Gedankenexperiment des Philosophen Ronald Dworkin zurück, um den ethischen Grundkonflikt des Falls zu verdeutlichen: Was wiegt schwerer – der früher formulierte Wille einer Person oder ihr aktuelles, scheinbar zufriedenes Erleben im Zustand der Demenz? Dworkin argumentierte, dass der frühere, autonome Wille Vorrang haben sollte. Das Gedankenexperiment stammt aus Dworkins Werk von 1993.

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Langsames Entschwinden

Langsames Entschwinden

Inge Jens · 2016

Walter Jens litt ein Jahrzehnt lang an Demenz. Der einst wortgewaltige Gelehrte versank zunehmend in eine Welt jenseits der Sprache, jenseits der Gedanken. Er starb am 9. Juni 2013. Seine Frau Inge Jens, mit der er mehr als ein halbes Jahrhundert zusammenlebte, hat ihn in seiner Krankheit begleitet und ihn, unterstützt von anderen Menschen, bis zuletzt gepflegt.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:33:57 „Und Martina, die Szene, die du vorhin beschrieben hast von der fiktiven Patientin Margot, die da sitzt und im Krimi liest, die erinnert mich an eine Szene von Walter Jens, die Inge Jens dann beschrieben hat. Nämlich sie entdeckt ihren Mann im Lesesessel sitzend, ganz normal in seiner Wohnung, also da, wo er immer gelesen hat und stellt dann fest, er hält das Buch falsch rum.“

Andreas Sentker referenziert Inge Jens' Beschreibungen des Lebens mit ihrem an Demenz erkrankten Mann Walter Jens. Die ergreifende Szene – der legendäre Rhetorik-Professor, der sein Buch falsch herum hält – wurde von Inge Jens in ihren Aufzeichnungen festgehalten und steht sinnbildlich für den schleichenden Verlust der intellektuellen Fähigkeiten.

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Artikel über den Fall der Demenzpatientin und Walter Jens

Artikel über den Fall der Demenzpatientin und Walter Jens

Martina Keller

Martina Keller verbindet in ihrem ZEIT-Artikel einen aufsehenerregenden niederländischen Sterbehilfe-Fall – bei dem eine Demenzpatientin auf Basis einer früheren Patientenverfügung getötet wurde – mit der Geschichte des deutschen Rhetorik-Professors und Schriftstellers Walter Jens, der jahrelang an schwerer Demenz litt. Inge Jens, seine Frau, hat das gemeinsame Leben mit dem Erkrankten öffentlich beschrieben, darunter bewegende Szenen des Verlusts von Sprache und Persönlichkeit. Der Artikel stellt die ethische Frage, wie verbindlich Vorausverfügungen bei Demenz sein können, wenn der Betroffene nicht mehr zustimmungsfähig ist. Er ist relevant im Kontext der deutschen Debatten um aktive Sterbehilfe und Selbstbestimmung am Lebensende.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:34:29 „Du hast es auch in deinem Artikel aufgenommen, denn es gibt sehr intensive Beschreibungen, gerade von Inge Jentz.“

Andreas Sentker bezieht sich auf einen ZEIT-Artikel von Martina Keller, der den niederländischen Sterbehilfe-Fall mit der Geschichte von Walter Jens verknüpft. In dem Artikel werden auch Inge Jens' Beschreibungen des Lebens mit ihrem dementen Mann verarbeitet, darunter die berührende Szene, wie der frühere Großintellektuelle ein Buch falsch herum hält.

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Artikel über Sterbehilfe und Demenz

Artikel über Sterbehilfe und Demenz

Martina Keller

Martina Keller untersucht die Motive hinter Sterbehilfewünschen und zieht dabei Daten aus Oregon heran, wo assistierter Suizid seit 1997 legal ist. Eine Erhebung aus 2017 zeigt, dass rund die Hälfte der Menschen, die Sterbehilfe beantragten, als Hauptmotiv angaben, ihrer Umwelt nicht zur Last fallen zu wollen – nicht Schmerzen oder unheilbare Krankheit. Der Artikel beleuchtet die gesellschaftliche Dimension des Sterbewunsches und diskutiert, inwiefern soziale Scham und das Gefühl, eine Bürde zu sein, den Sterbewunsch bei Menschen mit Demenz oder schwerer Erkrankung beeinflussen. Damit hinterfragt Keller kritisch, ob Sterbehilfe wirklich Selbstbestimmung fördert oder ob strukturelle Drücke – familiäre, finanzielle, soziale – Menschen in diese Entscheidung drängen.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:38:09 „Du hast ja immer wieder über Sterbehilfe geschrieben bei uns in der Zeit, Martina. Aber du hast in einem anderen Text geschrieben, dass die Hälfte der Menschen, die um Sterbehilfe gebeten haben, im Jahr 2017 angegeben haben, sie wollten ihrer Umwelt nicht mehr zur Last fallen.“

Sabine Rückert verweist auf einen früheren Artikel von Martina Keller in der ZEIT, in dem eine Erhebung aus dem US-Bundesstaat Oregon zitiert wird. Diese Statistik zeigt, dass ein Hauptmotiv für den Sterbewunsch nicht Schmerzen, sondern die Angst ist, anderen zur Last zu fallen – ein Aspekt, der die Diskussion um Sterbehilfe ethisch verkompliziert.

Zum Artikel bei ZEIT Online Details
Stellungnahme Demenz und Selbstbestimmung

Stellungnahme Demenz und Selbstbestimmung

Deutscher Ethikrat · 2025

Anhand ausgewählter klinischer Situationen in der Neuromedizin zeigt dieses Buch, wie die wissenschaftliche Reflexion auf dem Gebiet der Neuroethik praktisch angewendet werden kann. Es richtet sich primär an Ärztinnen und Ärzte sowie an alle anderen Gesundheitsberufe, die in den Bereichen der Neuromedizin mit ethischen Fragen konfrontiert sind, die sich speziell in ihrem Tätigkeitsbereich ergeben.

🗣 Martina Keller zitiert daraus bei ⏱ 00:41:59 „Der Deutsche Ethikrat hat sich mit dem Thema Demenz und Selbstbestimmung befasst und hat das so formuliert. Werde der Mensch mit seiner geistigen Leistung gleichgesetzt, so heißt das in der Stellungnahme, dann müsse Demenz als Zerstörung des Menschen erscheinen. Wenn er aber auch als empfindendes und soziales Wesen verstanden werde, dann richtet sich der Blick auf noch vorhandene Ressourcen.“

Martina Keller zitiert die Stellungnahme des Deutschen Ethikrats, um die zentrale philosophische Frage der Diskussion zu verdeutlichen: Wird der Mensch auf seinen Intellekt reduziert, erscheint Demenz als Zerstörung der Person. Der Ethikrat argumentiert dagegen, dass auch nichtperfekte Selbstbestimmung oder Reste davon rechtlich schutzwürdig seien.

Zum Artikel bei Gyenno.ch Details
Demenz. Abschied von meinem Vater

Demenz. Abschied von meinem Vater

Tilman Jens · 2009

Walter Jens und die Reise ins Vergessen – Chronik eines langsamen Abschieds - »O welch ein edler Geist ist hier zerstört«: Deutschlands größter Rhetoriker verstummt - Ein bewegendes Buch über Auslöser und Auswirkungen einer grausamen Krankheit Das allmähliche Vergessen begann im Jahr 2004, nur wenige Wochen nachdem in den Medien ausführlich diskutiert wurde, dass Walter Jens 1942 Mitglied der NSDAP gewesen ist.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:47:30 „Dass sein Sohn Tillmann Jens die Demenz als eine Art Verdrängung seines Vaters angesehen hat. Nämlich kurz vorher, kurz bevor die ersten Anzeichen kamen, ist bekannt geworden, dass Walter Jens Mitglied der NSDAP war, ist sein Mitgliedsausweis aufgetaucht. Und Tilman Jens hatte die Mutmaßung, dass sein Vater vor lauter Scham ins Vergessen geraten ist.“

Andreas Sentker referenziert die umstrittene These von Tilman Jens, der in seinem Buch die Demenz seines Vaters Walter Jens als Verdrängungsreaktion auf die Enthüllung seiner NSDAP-Mitgliedschaft deutete. Diese Interpretation wurde von Inge Jens vehement abgelehnt und löste eine öffentliche Kontroverse über den Umgang mit dem erkrankten Rhetorik-Professor aus.

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