Der verlorene Hirte
Sabine Rückert, Andreas Sentker
In Dorfen, einer Kleinstadt 45 Kilometer von München, missbrauchte ein evangelischer Pfarrer über Jahrzehnte hinweg Konfirmanden seiner winzigen Gemeinde — 850 Seelen inmitten einer katholischen Stadt. Sabine Rückert erfuhr durch ihre Schwester, eine Theologin beim Bayerischen Sonntagsblatt, von den Gerüchten und reiste nach Bayern, wo ihr die kirchliche Herkunft Türen öffnete, die Außenstehenden verschlossen blieben.
„Es gibt Leute, die haben eine Fähigkeit, sich zu verstellen. Die ist für einen normalen Menschen wie dich und mich eigentlich nicht nachvollziehbar.“
Erwähnte Medien (2)
ZEIT-Artikel über den Fall des Pfarrers S. in Dorfen
Sabine Rückert, Kuno Kruse
Investigativer Bericht über den Missbrauchsfall des Pfarrers Rainer S. in Dorfen. Der Artikel analysiert, wie der Pfarrer sein Vertrauen als Geistlicher ausnutzte und sein Fehlverhalten systematisch verschleierte.
🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:04:37 „Es gibt in deinem Text, du hast ihn damals mit Kono Kruse geschrieben, hast dann später weiter recherchiert. Es gibt einen wunderbaren Begriff darin, der heißt der Zauber der Konfirmation.“
Andreas Sentker verweist auf den ursprünglichen ZEIT-Artikel, den Sabine Rückert 1995 gemeinsam mit dem Kollegen Kuno Kruse über den Fall des pädophilen Pfarrers Rainer S. in Dorfen geschrieben hat. Der Artikel bildet die Grundlage der Podcast-Episode; Sentker liest später eine längere Passage daraus vor, in der das Lügengebäude des Pfarrers beschrieben wird.
Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
· 2002
Studienarbeit aus dem Jahr 2001 im Fachbereich Theologie - Biblische Theologie, Note: 1, Hochschule Hannover (Fachbereich II), Veranstaltung: Bibel - Neues Testament, Sprache: Deutsch, Abstract: Das Gleichnis vom verlorenen Schaf ist mir zum erstem Mal im Kindergottesdienst begegnet, allerdings kann ich mich nur noch an diese Tatsache erinnern, für Einzelheiten oder für die Erinnerung an die Art und Weise der Erzählung und Verarbeitung des Textes liegt das zu lange zurück.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 01:10:38 „So hieß damals das Stück, in Anlehnung an die Geschichte im Neuen Testament vom verlorenen Schaf. Im Neuen Testament in der Geschichte geht ja das Schaf verloren und der Hirte geht es dann suchen. Und hier ging der Hirte verloren und niemand hat ihn jemals wieder gefunden.“
Sabine Rückert erklärt den Titel ihres damaligen Artikels 'Der verlorene Hirte' als bewusste Umkehrung der neutestamentlichen Parabel vom verlorenen Schaf. In der biblischen Geschichte sucht der Hirte sein verlorenes Schaf — im realen Missbrauchsfall war es der Hirte (der Pfarrer) selbst, der sich verlor, und niemand hat ihn je zur Rechenschaft gezogen.