ZEIT Verbrechen – Auf dem Pulverfass
#119

Auf dem Pulverfass

ZEIT Verbrechen / 18. Oktober 2022 / 4 Medien

Daniel Müller, Anne Kunze

Anne Kunze und Daniel Müller rollen den Fall Daniel H. auf, dessen Messertod im August 2018 in Chemnitz eine politische Erschütterung auslöste — vom erzwungenen Abgang des Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen bis zu bürgerkriegsähnlichen Szenen auf den Straßen. Daniel Müller zeichnet den Weg vom euphorischen Willkommen am Münchner Hauptbahnhof 2015 bis zur feindseligen Polarisierung einer Gesellschaft nach, die sich über die Migrationsfrage in zwei unversöhnliche Lager gespalten hat.

„In Chemnitz standen sich beide Seiten dann wirklich literally gegenüber wie Bürgerkriegsparteien, beide vollkommen überzeugt von ihrer Art, diese Migration zu begreifen.“
🗣 Daniel Müller

Erwähnte Medien (4)

Interview mit Hans-Georg Maaßen zu den Chemnitzer Ausschreitungen

Interview mit Hans-Georg Maaßen zu den Chemnitzer Ausschreitungen

Bild-Zeitung

Der Artikel behandelt die umstrittenen Aussagen des damaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen zu den Ereignissen in Chemnitz. Maaßen bestritt in einem Interview mit der BILD-Zeitung das Vorhandensein von organisierten „Hetzjagden". Der Beitrag dokumentiert Maaßens Position zu dieser kontrovers diskutierten Debatte.

🗣 Daniel Müller referenziert „Dass der dem rechten Flügel der CDU nahe Hans-Georg Maaßen, damals Verfassungsschutzpräsident war, quasi in einem Bild-Zeitungsinterview sagte, das habe es nicht gegeben, es gäbe überhaupt keine Beweise für Hetzjagden.“

Müller beschreibt, wie der damalige Verfassungsschutzpräsident Maaßen gezielt die Bild-Zeitung als Kanal wählte, um Hetzjagden in Chemnitz zu bestreiten. Müller deutet das als bewusste politische Agenda, da Maaßen wusste, dass seine eigenen Mitarbeiter die Lage anders einschätzten.

Zum Artikel bei BILD Details
Interview mit Barbara Ludwig zur Chemnitz-Verurteilung

Interview mit Barbara Ludwig zur Chemnitz-Verurteilung

Der Artikel berichtet über den Rückzug der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig nach 13 Jahren im Amt. Die rechtsextremen Unruhen nach dem Tod von Daniel H. in Chemnitz stellten ihre größte politische Herausforderung dar. Ludwig geriet in Kritik, da sie sich öffentlich eine Verurteilung im Prozess wünschte, statt sich auf rechtsstaatliche Prinzipien zu beschränken.

🗣 Daniel Müller referenziert bei ⏱ 00:25:50 „Die ansonsten politisch unauffällige SPD-Bürgermeisterin, damalige Bürgermeisterin Barbara Ludwig, hat damals in einem Gespräch mit der TAZ kurz vor Prozessbeginn gesagt, sie wünsche sich natürlich eine rechtsstaatliche Aufklärung, aber noch mehr würde sie sich eine Verurteilung wünschen.“

Daniel Müller schildert, wie politische Akteure den Prozess um den Tod von Daniel H. in Chemnitz beeinflussten. Er zitiert ein konkretes Interview der damaligen Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig mit der TAZ, in dem sie sich öffentlich eine Verurteilung wünschte – für Müller ein Beleg dafür, dass rechtsstaatliche Prinzipien zugunsten politischer Beruhigung aufgegeben wurden.

Zum Artikel bei taz Details
Recherchen zu den Hetzjagden in Chemnitz

Recherchen zu den Hetzjagden in Chemnitz

Süddeutsche Zeitung

Das sächsische Landeskriminalamt bestätigt in einem vertraulichen Bericht, dass es bei den Chemnitz-Ausschreitungen 2018 tatsächlich zur gezielten Jagd auf Migranten kam – eine Einschätzung, die Recherchen von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR stützen. In Mobilfunk-Chats von Rechtsextremen aus der Region finden sich explizite Verabredungen zu Gewalt gegen vermeintliche Migranten, wobei die Täter selbst vom Begriff „Jagd" sprachen – noch bevor die öffentliche Debatte darüber entstand. Der mutmaßliche Rädelsführer der Gruppe „Revolution Chemnitz", Christian K., prahlte in mehreren Nachrichten damit, Migranten „erwischt" und Übergriffe begangen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat gegen K. inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung eingeleitet, während sich die Verteidiger der Beteiligten zu den Vorwürfen nicht äußern möchten. Diese Chatprotokolle klären erstmals systematisch die lange umstrittene Frage, ob es an den Chemnitzer Demonstrationen zu organisierten Hetzjagden kam – und trugen ehemals zur Entlassung des Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen bei.

🗣 Daniel Müller referenziert bei ⏱ 00:39:17 „Da hat sich die Süddeutsche Zeitung sehr verdient gemacht mit einigen Recherchen, die auch Videos ausgegraben haben, die das bewiesen.“

Daniel Müller spricht über den Streit um den Begriff 'Hetzjagd' nach den Chemnitzer Ausschreitungen 2018. Er verweist auf Recherchen der Süddeutschen Zeitung, die durch ausgegrabene Videos belegten, dass es tatsächlich Jagden auf Menschen gegeben hatte — entgegen der Behauptung von Verfassungsschutzpräsident Maaßen.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
Ich will nicht nach Berlin

Ich will nicht nach Berlin

Kraftklub

Kraftklub ist eine fünfköpfige Rap-Rock-Band aus Chemnitz. Die Musik wird meist als eine Mischung aus Indie, Punkrock und Rap bezeichnet.

🗣 Daniel Müller erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:42:46 „Wie große Künstler aus Chemnitz, Kraftklub, die daherkommen, die ja auch gesungen haben, wir wollen nicht nach Berlin, die stolz auf ihre Stadt sind, die vor Ort auch was bewirken wollen gegen die rechten Kräfte.“

Im Kontext des 'Wir sind mehr'-Konzerts in Chemnitz 2018 erwähnt Müller die Band Kraftklub und ihren Song als Ausdruck von Lokalpatriotismus. Die Band stammt aus Chemnitz und engagiert sich gegen rechte Kräfte in ihrer Heimatstadt — der Song steht symbolisch für ihren Stolz auf die Stadt.

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