Ein Opfer für die Göttin
Sabine Rückert, Andreas Sentker & Ursula März
Bevor es zur Live-Aufnahme vom Zeit-Podcast-Festival in Berlin geht, liefern die Hosts ein Update zum Fall der Richterin K.: Der Bundesgerichtshof hat ihr Urteil wegen Rechtsbeugung und Verwahrungsbruch aufgehoben und an das Landgericht Hagen zurückverwiesen — Unterlassen wiege juristisch weniger schwer als aktives Handeln, die Strafe von drei Jahren und zehn Monaten sei zu hoch bemessen. Sabine Rückert rechnet mit einer Bewährungsstrafe, denn allein der berufliche Absturz — kein Richteramt, keine Staatsanwaltschaft, nicht einmal die Anwaltszulassung — sei existenzvernichtend genug.
„Sie ist von großer Höhe abgestürzt und muss sich jetzt völlig neu orientieren in ihrem Leben.“
Erwähnte Medien (5)
Die Richterin und ihr Kartenhaus
Die Richterin K. wurde wegen Rechtsbeugung und Prokrastination verurteilt – das Urteil wurde aber vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Eine Aktualisierung eines Falles aus ZEIT Verbrechen mit den neuesten Entwicklungen.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:00:52 „Ja, es geht um das Urteil gegen die Richterin und ihr Kartenhaus. Man kann das nochmal nachhören. Die Richterin K., Frau K., wurde ja wegen Prokrastination, also wegen Verschleppung ihrer Fälle, wegen Rechtsbeugung unter anderem verurteilt vom Landgericht Hagen.“
Sabine Rückert verweist auf eine frühere Folge des eigenen Podcasts ZEIT Verbrechen, in der der Fall der Richterin K. behandelt wurde. Sie aktualisiert den Fall, weil der Bundesgerichtshof das Urteil inzwischen aufgehoben und an das Landgericht Hagen zurückverwiesen hat.
Immer wieder aufstehen
Monica Seles · 2011
Monica Seles erzählt in ihrer Autobiografie von dem Messerangriff, der sie 1993 auf dem Tennisplatz traf. Das Buch dokumentiert, wie dieses traumatische Ereignis ihr Leben und ihre Karriere nachhaltig veränderte – trotz der physisch moderaten Verletzung verlor sie ihre sportliche Dominanz nie wieder zurück. Eine eindringliche Darstellung von Trauma, Verarbeitung und den psychischen Folgen einer plötzlichen Gewalt.
🗣 Andreas Sentker zitiert daraus bei ⏱ 00:25:23 „Ich habe aus diesem Buch, aus Ihrer Autobiografie, die auf Deutsch unter dem Titel immer wieder aufstehen erschienen, ist eine kurze Passage mitgebracht, die das, glaube ich, ganz gut schildert. Ich wurde niedergestochen auf dem Platz vor 10.000 Zuschauern.“
Andreas Sentker liest eine längere Passage aus Monica Seles' Autobiografie vor, in der sie den Moment des Messerangriffs und den anschließenden Schockzustand beschreibt. Das Buch wird herangezogen, um zu zeigen, wie tiefgreifend das Trauma für Seles war – trotz der physisch relativ harmlosen Verletzung zerbrach ihre Welt und sie fand sportlich nie wieder zu alter Stärke zurück.
Showdown der Star-Anwälte
Der Hamburger Morgenpost-Artikel berichtet über einen Prozess zur Kindesentführung, in dem sich zwei befreundete Star-Anwälte als Gegner gegenüberstanden. Anwalt Otmar Kury tritt aus dem Verfahren aus und verlässt seinen Posten, während sein ehemaliger Freund und nun Prozessgegner Strate die Zeugen systematisch auseinandernimmt. Der Artikel schildert das Duell dieser beiden prominenten Juristen im Berufungsverfahren.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:43:32 „Und darüber hat die Hamburger Morgenpost damals berichtet, hier Showdown der Star-Anwälte. Und dem habe ich dann entnommen, dass die beiden Freunde waren und seit der dann nicht mehr.“
Anne Kunze zitiert ausführlich aus einem Artikel der Hamburger Morgenpost über den Prozess. Der Artikel beschreibt das Duell der befreundeten Star-Anwälte Strate und Kuri, die im Berufungsverfahren als Gegner aufeinandertrafen, und schildert, wie Kuri dem Nebenklagevertreter Strate die Zeugen systematisch zerlegte.
NDR-Dokumentation zum Fall Parche/Seles
NDR-Dokumentation über einen Gerichtsfall mit Fokus auf den Verteidiger Ottmar Kuri. Die Dokumentation beleuchtet dessen juristische Argumentation zu dem Fall und zeigt die Perspektive des Verteidigers auf das Urteil. Kuri verkörpert dabei eine souveräne und selbstbewusste Verteidigungshaltung.
🗣 Andreas Sentker empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:46:26 „Wer Ottmar Kuri einmal erleben möchte, dem empfehle ich eine NDR-Dokumentation, die jetzt gerade in der Mediathek steht. Er sagt da den Satz, ich kann in diesem Urteil keinen Rechtsfehler erkennen.“
Andreas Sentker empfiehlt eine aktuelle NDR-Dokumentation zum Fall Parche, die in der Mediathek verfügbar ist. Er hebt besonders den Auftritt des Verteidigers Ottmar Kuri hervor, dessen Mischung aus Suffisanz und Selbstüberzeugung ihn beeindruckt habe.
Bericht über den Attentäter von Rudi Dutschke
Gerhard Mautz
Am 11. April 1968 schoss ein junger Nazi Rudi Dutschke nieder. Die folgenden "Osterunruhen" waren die größten Demos in der Geschichte der Bundesrepublik. Und der Höhepunkt der Studentenbewegung der Sechzigerjahre.
🗣 Ursula März zitiert daraus bei ⏱ 00:54:39 „Gerhard Mautz, der legendäre frühere Gerichtsreporter des Spiegel, der schrieb über den Attentäter von Rudi Dutschke, als er ihn im Gerichtssaal zum ersten Mal gesehen hat. Ein Nichts schrieb er und er schrieb den wichtigen Satz, er gehört zu denen, die niemand auf der Rechnung hat.“
Ursula März zieht eine Parallele zwischen ihrem eigenen Eindruck von Günter Parche im Gerichtssaal und dem, was der legendäre Spiegel-Gerichtsreporter Gerhard Mautz über den Dutschke-Attentäter schrieb. Beide Täter wirkten als unscheinbare Nichtse, die niemand auf der Rechnung hatte – was sie laut März gerade so gefährlich und unkalkulierbar machte.