Eine vergiftete Liebe
Sabine Rückert, Andreas Sentker & Thomas Melzer
Amtsrichter Thomas Melzer schildert den Fall einer jungen Frau Mitte 30, die wegen Wohnungseinbruchsdiebstahls angeklagt wurde — ein Tatbestand, den der Bundestag vor sechs Jahren zum Verbrechen mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe hochgestuft hat. Was auf den ersten Blick nach Boulevard klingt, entpuppt sich als Fall mit doppeltem Boden, bei dem der Richter bereits nach 27 Minuten Verhandlung große Schwierigkeiten hatte, die verschärfte Gesetzeslage mit dem Menschen in Einklang zu bringen, der da vor ihm saß.
„Auf den ersten Blick wirkt sie ja so etwas Boulevardesque und man könnte meinen, das passt dann nicht zur Zeit. Aber auf dem zweiten Blick hat die Geschichte dann doch mindestens einen doppelten Boden und deswegen finde ich sie so gut erzählbar.“
Erwähnte Medien (2)
Artikel über den Fall Maria und Wim
Anne Kunze
Im neuen Livetalk haben Sabine Rückert und Anne Kunze Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Das zugeschaltete Publikum konnte Fragen stellen. Sehen Sie hier die Aufzeichnung.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:43:08 „Dazu muss man vielleicht sagen, dass es am 4. Mai 2023 erschienen ist, dein Text.“
Sabine Rückert erwähnt einen am 4. Mai 2023 erschienenen Text von Anne Kunze, in dem der besprochene Fall verschriftlicht wurde. Der genaue Titel und das Publikationsmedium werden nicht genannt, es handelt sich aber vermutlich um einen ZEIT-Artikel über den Kriminalfall.
Geschlossene Gesellschaft (Huis clos)
Jean-Paul Sartre
In Sartres existentialistischem Meisterstück sitzen drei Verstorbene in einem geschmacklosen Hotelzimmer fest, aus dem es kein Entkommen gibt. Ohne physische Qualen werden sie durch ein psychologisches Machtspiel gequält, in dem ihre Lebenslügen und Charakterfehler gnadenlos offengelegt werden. Sartre reimagiert die Hölle nicht als Ort der äußeren Bestrafung, sondern als innere Gefangenschaft durch die Unmöglichkeit, dem anderen zu entfliehen. Die neue deutsche Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel bewahrt die existenzialistische Tiefe des Textes, während sie ihn behutsam in die Gegenwart transportiert.
🗣 Sabine Rückert zitiert daraus bei ⏱ 00:43:56 „Ich möchte mit dem Satz von Jean-Paul Sartre schließen, der in seinem Theaterstück »Geschlossene Gesellschaft« den wunderbaren Satz eingebaut hat, »Die Hölle sind immer die anderen.« Und wie man sich gegenseitig die Hölle machen kann, haben wir heute von dir erfahren dürfen.“
Sabine Rückert schließt die Episode mit einem Zitat aus Sartres Theaterstück, das sie als Fazit auf den besprochenen Fall anwendet. Die berühmte Sentenz über die Hölle, die immer die anderen sind, dient ihr als pointierte Zusammenfassung der destruktiven Beziehungsdynamik zwischen Maria und Wim.