Episoden von ZEIT Verbrechen
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R wie Revision
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge des ABC des Verbrechens erklärt die Runde den Unterschied zwischen Berufung und Revision: Während bei der Berufung der gesamte Prozess neu aufgerollt wird, prüft die Revision nur das schriftliche Urteil auf Rechtsfehler — etwa Widersprüche, Lücken oder Verstöße gegen Denkgesetze. Als anschauliches Beispiel dient der Fall Amelie, in dem ein Senat übersah, dass zwischen angeblicher Vergewaltigung und daraus resultierender Schwangerschaft 21 Monate lagen.
P wie Psychiater und Psychologen
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In der 20. Folge des ABC des Verbrechens geht es um die Rolle von Psychiatern und Psychologen vor Gericht. Gutachter kommen dann zum Einsatz, wenn die eigene Sachkunde des Gerichts nicht ausreicht — etwa bei Zeugen mit Persönlichkeitsstörungen oder bei Taten, die Jahrzehnte zurückliegen. Da Psychologie und Psychiatrie keine exakten Wissenschaften sind, bleiben ihre Einschätzungen letztlich Wertungsfragen — und das Gericht darf sein Urteil niemals an einen Sachverständigen auslagern, auch wenn das in der Praxis immer noch zu häufig vorkommt.
P wie Prozess
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge des ABC des Verbrechens erklärt Leon Kruse den Ablauf eines Strafprozesses — vom Betreten des Saals durch das Gericht über die Anklageverlesung bis zur Vernehmung aller Zeugen und Sachverständigen, die dem Mündlichkeitsgrundsatz folgend alles nochmals live vortragen müssen. Yves-Georg Müller erläutert, warum die Frage, ob ein Angeklagter schweigen oder aussagen sollte, vor allem bei einer Freispruchsstrategie entscheidend wird — denn wer auf einen Freispruch setzt, verschenkt mit einem Geständnis nichts, riskiert aber mit einer Aussage alles.
N wie Nebenklage und O wie Opfer
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In dieser Folge des ABC des Verbrechens erklären die Strafverteidiger, was Nebenklage bedeutet: Opfer bestimmter Straftaten können sich mit eigenem Anwalt aktiv am Verfahren beteiligen. Ein konkreter Fall macht die Bedeutung greifbar — eine Frau wurde auf einer Party sexuell bedrängt, doch die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren mit fragwürdiger Begründung ein, woraufhin erst ein Klageerzwingungsantrag vor dem Oberlandesgericht zur Anklage führte.
M wie Motiv
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Beim Buchstaben M des ABC des Verbrechens nimmt sich Anne Kunze gemeinsam mit Sabine Rückert das Motiv vor — und landet schnell bei der provokanten These, dass die meisten Zuhörer selbst schon straffällig geworden sind, sei es durch Ladendiebstahl in der Jugend oder Nötigung im Straßenverkehr. Von dort spannt sich der Bogen zu den großen Fragen: Sterbehilfe als Tötung aus Barmherzigkeit, der Einfluss von Habgier oder Armut auf das Strafmaß und die Aufforderung, bei der Beurteilung von Straftaten einen Schritt zurückzutreten.
M wie Mord
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In der 16. Folge des ABC des Verbrechens widmet sich Anne Kunze gemeinsam mit Daniel Müller dem Buchstaben M — und damit dem Mord. Sie arbeiten die einzelnen Mordmerkmale durch, die eine vorsätzliche Tötung vom Totschlag zum Mord machen: Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs und weitere qualifizierende Umstände. Am Fall des Kannibalen von Rotenburg zeigt sich dabei, wie juristisch vertrackt selbst scheinbar eindeutige Fälle sein können — die erste Verurteilung lautete nur auf Totschlag, weil sich die sexuelle Befriedigung nicht auf die Tötungshandlung selbst, sondern auf das spätere Ansehen des Videos bezog.
L wie Lügen
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
In Folge 15 des ABC des Verbrechens dreht sich alles um die Lüge im Strafrecht. Die Hamburger Strafverteidiger Yves Georg und Leon Kruse erklären, warum sie von ihren Mandanten stets die volle Wahrheit einfordern — anders als viele Kollegen, die lieber selbst eine plausible Version konstruieren. Am Beispiel eines falschen Alibis zeigt Yves Georg, wie gefährlich Halbwahrheiten vor Gericht werden können, während Leon Kruse klarstellt: Eine Wahrheitspflicht für Angeklagte gibt es im deutschen Recht schlicht nicht.
K wie Kausalität
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Anhand der fiktiven Geschichte von Emma, die ihren faulen Freund Mathis mit Pflanzengift im Cocktail umbringen will, werden verschiedene Varianten durchgespielt, um das Prinzip der Kausalität im Strafrecht zu erklären. Dabei zeigt sich: Selbst wenn Mathis nach der Rettung von einem Bus überfahren wird, haftet Emma nicht für seinen Tod — wohl aber für den Mordversuch. In einer zweiten Variante stirbt Mathis am Gift, hätte aber im selben Moment auch einen Herzinfarkt erlitten — als sogenannte hypothetische Ersatzursache ändert das nichts an Emmas Schuld.
Der Sklave
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Ein Mann mit geringem Selbstbewusstsein verliert nach seiner Abfindung von den Berliner Verkehrsbetrieben durch Spielsucht alles — und gerät dann in eine Abhängigkeit, die juristisch als Ausbeutung der Arbeitskraft nach Paragraf 233 StGB verhandelt wird. Reporterin Anne Kunze zeichnet das Bild eines kindhaften Sonderlings, der Mitte 30 in einer Suchttherapie seine erste Partnerin findet, womit das Unheil erst richtig beginnt.
J wie jugendliche Straftäter
Sabine Rückert, Andreas Sentker, Anne Kunze, Daniel Müller & Gäste
Im Rahmen des ABC des Verbrechens erklärt Rechtsexperte Daniel Müller, warum in Deutschland die Strafmündigkeit bei 14 Jahren liegt — ein Alter, ab dem der Gesetzgeber Kindern zutraut, Unrecht einzusehen und danach zu handeln. Am Fall der getöteten Zwölfjährigen aus Freudenberg entzündet sich die Debatte, ob eine Herabsetzung der Altersgrenze sinnvoll wäre, doch die Runde warnt eindringlich: Gefängnis reißt Kinder aus ihrem sozialen Umfeld, knüpft kriminelle Kontakte und erhöht die Rückfallquote — besser ausgestattete Jugendämter wären der wirksamere Schutz.