ZEIT Verbrechen – Lena Christ (2/2): Der Untergang
#204

Lena Christ (2/2): Der Untergang

ZEIT Verbrechen / 23. Juli 2024 / 9 Medien

Sabine Rückert, Andreas Sentker

Im zweiten Teil über Lena Christ geht es um die Frage, was in ihren berühmten Erinnerungen einer Überflüssigen tatsächlich stimmt. Sabine Rückert berichtet von einem Treffen mit Lena Christs Urgroßenkelinnen in München, die einen Brief ihres Vaters mitbrachten — darin die Beteuerung des als Peiniger dargestellten Anton Laix, vieles sei erfunden. Tatsächlich lassen sich einige Figuren und Ereignisse im Buch als frei hinzugedichtet nachweisen, etwa die siamesischen Zwillinge beim Großvater oder der angebliche Aufenthalt im Irrenhaus.

„Wann immer ich aus meinem Leben erzähle, werden bestimmte Ereignisse kleiner oder größer. Sie verändern sich jedenfalls in der Art und Weise, wie ich sie erzähle.“
🗣 Andreas Sentker

Erwähnte Medien (9)

Erinnerungen einer Überflüssigen

Erinnerungen einer Überflüssigen

Lena Christ · 2018

Lena Christ (1881-1920) war eine bayerische Schriftstellerin. Heute ist Lena Christ als bedeutende deutsche und bairische Autorin anerkannt. Mit Erinnerungen einer Überflüssigen, Die Rumplhanni und Matthias Bichler schuf sie drei bleibende Werke. Beeindruckend ist unter anderem die Verarbeitung ihrer eigenen Beobachtungen und Erlebnisse in ihren Büchern, die einen tiefen Einblick in das ärmliche Leben der Arbeiterklasse, der Dienstboten und der Landbevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts geben.

🗣 Andreas Sentker empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:00:42 „Wir haben, Sabine, über ein wahnsinniges Buch gesprochen, über die Erinnerung einer Überflüssigen von Lena Christ, in dem sie ihre Kindheit, ihre Jugend, ihr ganzes Leben schildert. Und wir sind ganz tief in diese entsetzlichen Ereignisse eingestiegen, die sie dabei berichtet, von ihrer Mutter misshandelt, gefoltert.“

Das autobiografische Buch von Lena Christ ist das zentrale Werk dieser Podcast-Folge. Sentker fasst zusammen, worum es in der ersten Folge ging: Lena Christs Schilderung ihrer traumatischen Kindheit und Jugend. In dieser zweiten Folge soll nun untersucht werden, was an ihren Erinnerungen stimmt und wie ihr Leben weiterging.

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Artikel über Lena Christ in der Süddeutschen Zeitung vom 2. März 2012

Artikel über Lena Christ in der Süddeutschen Zeitung vom 2. März 2012

Lena Christ (1881–1920) ist eine der bekanntesten bayerischen Schriftstellerinnen, bekannt für autobiografisch geprägte Werke wie 'Erinnerungen einer Überflüssigen'. In ihren Büchern schilderte sie ihren Stiefvater Anton Leix als gewalttätigen und übergriffigen Mann. Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 2. März 2012 griff diese Darstellung erneut auf und bezeichnete Anton Leix als Vergewaltiger und Übeltäter. Christs Enkel Helmut Leix empfand dies als Verleumdung seiner Familie und verfasste daraufhin einen empörten Brief an seine Töchter.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:07:38 „Das ist der Vater von Martina und Sabine und er hat vor Wut über einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 2. März 2012, hat er diesen Brief an seine beiden Töchter geschrieben. Großvater wird wieder in den Dreck gezogen, ist die Zusammenfassung.“

Ein Zeitungsartikel in der Süddeutschen Zeitung von 2012 über Lena Christ löste bei ihrem Enkel Helmut Leix so große Empörung aus, dass er einen Brief an seine Töchter verfasste. Der Artikel stellte seinen Großvater Anton Leix erneut als den Vergewaltiger und Übeltäter aus Christs Buch dar.

Zum Artikel bei Süddeutsche Zeitung Details
Knife

Knife

Salman Rushdie · 2024

Das Weltereignis: Salman Rushdie erzählt die Geschichte des Attentats auf ihn und schafft daraus große Literatur Im August 2022 wird Salman Rushdie während einer Lesung auf offener Bühne mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Mehr als dreißig Jahre nachdem das iranische Regime wegen seines Romans »Die satanischen Verse« eine Fatwa gegen ihn ausgesprochen hat, holt ihn die Bedrohung ein.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:11:32 „Salman Rushdie hat ein Buch geschrieben, das heißt Knife, Messer. Und da wird er interviewt von der Welt am Sonntag. Und die sagen zu ihm, Mr. Ruschti, Sie schreiben Ihr neues Buch, sei eine Abrechnung.“

Rückert zieht eine Parallele zwischen Salman Rushdies Buch 'Knife' und Lena Christs 'Erinnerungen einer Überflüssigen'. Rushdie beschreibt sein Buch als Messer, als Werkzeug, um nach dem Messerattentat die Kontrolle zurückzugewinnen. Rückert sieht dieselbe Motivation bei Lena Christ: Auch deren Buch war ein Akt der Rache und des Zurückschlagens.

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Interview mit Salman Rushdie in der Welt am Sonntag

Interview mit Salman Rushdie in der Welt am Sonntag

Salman Rushdie spricht in diesem Interview über sein Buch „Zwei Jahre Acht Monate", in dem er seine Erfahrungen unter der Fatwa von 1989 dokumentiert. Der Autor reflektiert darüber, ob er heute noch dieselbe Solidarität von Intellektuellen und der Gesellschaft erfahren würde wie damals vor 26 Jahren. Das Gespräch thematisiert die mangelnde Zivilcourage von Intellektuellen und hinterfragt die universelle menschliche Anfälligkeit für Hass – ein zentraler Gedanke, den Rushdie in seinem Werk verarbeitet. Der Artikel behandelt sowohl die historische Bedeutung der Fatwa als auch aktuelle gesellschaftliche Fragen zur Verteidigung von Meinungsfreiheit und intellektueller Integrität.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:11:32 „Ich habe kürzlich ein Interview gelesen mit Salman Rushdie. Und da musste ich an Lena Christ denken. Salman Rushdie hat ein Buch geschrieben, das heißt Knife, Messer. Und da wird er interviewt von der Welt am Sonntag.“

Rückert bezieht sich auf ein Interview der Welt am Sonntag mit Salman Rushdie, in dem er über die heilende und ermächtigende Kraft des Schreibens nach seinem Messerattentat spricht. Rückert nutzt Rushdies Aussagen als Schlüssel zum Verständnis von Lena Christs Motivation für ihre autobiografischen Erinnerungen.

Zum Artikel bei Welt Details
Lausdirndl-Geschichten

Lausdirndl-Geschichten

Lena Christ · 2022

Reproduktion des Originals.

🗣 Andreas Sentker referenziert bei ⏱ 00:13:34 „Das, was danach kommt, ist vergleichsweise harmlos. Die Laus-Dirndl-Geschichten. Wird kein großer Erfolg. Es gilt quasi als Kopie der Laus-Bubengeschichten von Ludwig Thoma.“

Sentker ordnet Lena Christs zweites Buch als vergleichsweise harmloses Nachfolgewerk ein, das keinen großen Erfolg hatte. Es wird als Nachahmung von Ludwig Thomas 'Lausbubengeschichten' beschrieben und brachte Christ vor allem Ärger ein, weil sich die Bürger von Glon darin wiedererkannten.

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Mathias Bichler

Mathias Bichler

Lena Christ · 2018

Lena Christ (1881-1920) war eine bayerische Schriftstellerin. Heute ist Lena Christ als bedeutende deutsche und bairische Autorin anerkannt. Mit Erinnerungen einer Überflüssigen, Die Rumplhanni und Matthias Bichler schuf sie drei bleibende Werke. Beeindruckend ist unter anderem die Verarbeitung ihrer eigenen Beobachtungen und Erlebnisse in ihren Büchern, die einen tiefen Einblick in das ärmliche Leben der Arbeiterklasse, der Dienstboten und der Landbevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts geben.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:14:34 „Zählt aber dann zu den gelungenen Büchern. Also das wird kein großer Erfolg. Es spielt auch 100 Jahre vor Lena Christ. Also es ist eine historische Geschichte. Und sie beschreibt auch einen unehelichen kleinen Jungen, wie der aufwächst. So ein Entwicklungsroman ist das.“

Rückert bespricht Lena Christs historischen Entwicklungsroman, der 100 Jahre vor ihrer eigenen Zeit spielt. Sie findet das Buch zu folkloristisch und mag es persönlich nicht so gern, erkennt aber an, dass es zu den gelungenen Werken Christs gezählt wird.

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Die Rumplhanni

Die Rumplhanni

Lena Christ · 2012

Die Rumpelhanni ist ein Roman von Lena Christ über eine unehelich geborene Stallmagd, die während des Ersten Weltkriegs um ihren sozialen Aufstieg kämpft. Das Werk wird als unvergesslich gepriesen, da die Protagonistin Lena Christs eigenes Alter Ego verkörpert – jene Frau, die sie gerne gewesen wäre.

🗣 Sabine Rückert empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:15:39 „Und die Rumpelhanni ist ein unvorstellbar gutes Buch. Also das ist genauso wie die Erinnerungen einer Überflüssigen, das vergisst man nicht, dieses Buch, wenn man es einmal gelesen hat. Das ist sozusagen ihr alter Ego. Das ist die Lena Christ, die sie gerne gewesen wäre.“

Rückert schwärmt von diesem Roman als einem von Christs besten Werken. Die Protagonistin ist eine unehelich geborene Stallmagd, die zur Zeit des Ersten Weltkriegs um ihren sozialen Aufstieg kämpft. Rückert sieht in der Figur Lena Christs Alter Ego – die Frau, die sie gerne gewesen wäre.

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Der Weg der Lena Christ

Der Weg der Lena Christ

Peter Benedikt (Peter Jerusalem) · 2020

Peter Benedikt, das Pseudonym von Peter Jerusalem, schrieb eine Biografie über seine Frau Lena Christ. Das Werk bietet persönliche Einblicke in ihr Leben und ihre Persönlichkeit, basierend auf ihrer gemeinsamen Beziehung. Die Biografie ist eine wichtige zeitgenössische Quelle für das Verständnis von Lena Christ als Schriftstellerin und ihrer Lebensumstände im 19. Jahrhundert.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:24:02 „Peter Jerusalem hat ja dann später als Peter Benedikts ein Buch geschrieben, Der Weg der Lena Christ. Und da beschreibt er auch, dass sie also das Geld zum Fenster rausgeschmissen hätte und er angesteckt von ihr auch.“

Peter Jerusalem, Lena Christs zweiter Ehemann, schrieb unter dem Pseudonym Peter Benedikt eine Biografie über seine Frau. Darin schildert er sich selbst als ihren Mentor und Förderer, wobei Sentker diese Selbstdarstellung als zwiespältig einschätzt.

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Lena-Christ-Biografie

Lena-Christ-Biografie

Günther Göpfert · 2006

Das Leben der Marion Staneck schriftlich festgehalten durch Günther Kretzschmar.

🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:26:35 „In einer anderen Biografie von Günther Göpfert steht, die Jahre unter dem harten Regiment der Mutter, die unglückliche Ehe und die Zeit der Entbehrungen hatten Lena Christ gezeichnet. Körperlich, aber auch seelisch war sie besonders anfällig.“

Rückert zitiert aus einer Biografie von Günther Göpfert, um Lena Christs psychische Probleme zu belegen. Die Biografie schildert unter Berufung auf Zeitzeugen wie den Verlags-Direktor Cor Fitz Holm Episoden von Halluzinationen und Sinnestäuschungen bei der Autorin.

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