Das Geheimnis hinter der Tür (3/5): Wohin mit der Leiche
Sabine Rückert & Alexander Rupflin
Alexander Rupflin erzählt den Auftakt einer mehrjährigen Kriminalgeschichte: Im Sommer 2017 trampt der junge Pole Lukas nach einer Trennung quer durch Europa und nutzt Couchsurfing für Übernachtungen — bis er in Hamburg landet und unwissentlich zur Schlüsselfigur bei der Aufklärung eines Verbrechens wird, bei dem jemand mit einer Leiche zusammenlebte.
„Meinem Gast Alexander Rupflin aber ist es gelungen, einen Menschen zu treffen, der mit einer Leiche lebte.“
Erwähnte Medien (7)
MHG-Studie (Studie zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige)
Die Studie untersucht das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige in Deutschland. Sie wurde 2014 von der katholischen Kirche in Auftrag gegeben und dokumentierte zwischen 1946 und 2014 insgesamt 1.670 beschuldigte Kirchenmänner und 3.677 betroffene Personen. Die Ergebnisse wurden 2018 veröffentlicht und bilden eine wichtige Grundlage für die Aufarbeitung institutioneller Missbrauchsfälle in der Kirche.
🗣 Alexander Rupflin referenziert bei ⏱ 00:05:05 „Es gab 2014 eine Untersuchung, die die Kirche in Auftrag gegeben hat. So eine Studie, die das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, ich zitiere, durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige ausloten sollten. Und im Jahr 2018 wurden die Ergebnisse dann präsentiert.“
Daniel Müller skizziert den Hintergrund des Falls und verweist auf die von der Kirche 2014 in Auftrag gegebene Missbrauchsstudie, deren Ergebnisse 2018 veröffentlicht wurden. Die Studie dokumentierte 1.670 beschuldigte Kirchenmänner und 3.677 Betroffene zwischen 1946 und 2014.
Rapport de la CIASE (Commission indépendante sur les abus sexuels dans l'Église)
Bericht der französischen Untersuchungskommission CIASE zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche seit 1950. Die Studie dokumentiert über 330.000 mögliche minderjährige Opfer von Missbrauch durch Priester und Laien und verdeutlicht das Ausmaß institutionalisierter Übergriffe als Vergleich zu deutschen Fällen.
🗣 Alexander Rupflin referenziert bei ⏱ 00:05:17 „In Frankreich gab es so eine unabhängige Untersuchungskommission und die hat festgestellt, dass in Frankreich seit 1950 über 330.000 minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester und Laien in der katholischen Kirche es gegeben haben könnte.“
Die französische Untersuchung wird als Vergleich herangezogen, um zu zeigen, dass die deutschen Zahlen vermutlich nur die Spitze des Eisbergs darstellen
Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Frankreich (CIASE-Bericht)
Der CIASE-Bericht dokumentiert eine unabhängige französische Untersuchung zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Er ermittelte über 330.000 minderjährige Opfer seit 1950 und charakterisiert das Problem als Massenverbrechen. Der Bericht ist relevant als Vergleichsmaßstab zur Einordnung der tatsächlichen Dimension des Missbrauchs in Deutschland, die vermutlich deutlich höher liegt als offizielle Zahlen suggerieren.
🗣 Alexander Rupflin referenziert bei ⏱ 00:06:23 „In Frankreich gab es so eine unabhängige Untersuchungskommission und die hat festgestellt, dass in Frankreich seit 1950 über 330.000 minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester und Laien in der katholischen Kirche es gegeben haben könnte. Das wird dort als Massenverbrechen bezeichnet.“
Anne Kunze vergleicht die deutschen Zahlen mit den französischen Ergebnissen, um die Dimension des Missbrauchs einzuordnen. Sie argumentiert, dass die offiziellen deutschen Zahlen nur die Spitze des Eisbergs seien und verweist auf die französische Kommission, die über 330.000 Opfer ermittelte.
Spotlight
Tom McCarthy · 2015
Ein einfacher Artikel in der Boston Globes setzt eine Kettenreaktion in Gang: Es wird berichtet, dass es in Boston einen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche gab. Chefredakteur Marty Baron vermutet, dass hier noch mehr passiert sein kann und setzt ein Team, bestehend aus Walter Robinson, Michael Rezendes, Sacha Pfeiffer und Matt Carol, auf die Recherche an. Das Team deckt eine Reihe von Missbräuchen auf und will sie an die Öffentlichkeit bringen.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:21:02 „Ich muss die ganze Zeit an einen Film denken. Ich weiß nicht, ob ihr den kennt. Der heißt Spotlight und der basiert auf einer wahren journalistischen Recherche vom Investigativteam des Boston Globe. Und in diesem Film wird gezeigt, wie gesagt wahrhaft, dass die Journalisten einen jahrzehntelangen Skandal innerhalb der katholischen Kirche aufgedeckt haben.“
Daniel Müller zieht eine direkte Parallele zwischen dem besprochenen Fall im Bistum Trier und dem Film Spotlight, der die Aufdeckung systematischen Missbrauchs in der katholischen Kirche in Boston durch Journalisten zeigt. Er betont die Gemeinsamkeiten: systematische Vertuschung, Versetzung von Tätern und die Machtlosigkeit der Opfer gegenüber der Institution.
Recherche der Rhein-Zeitung zum Missbrauchsfall im Saarland
Im Missbrauchsfall des 2022 verstorbenen Priesters Edmund Dillinger aus dem Bistum Trier hat die Staatsanwaltschaft Saarbrücken das Privathaus des Geistlichen durchsucht. Die Ermittler suchten nach Hinweisen auf mögliche Tatbeteiligte, da Dillinger jahrzehntelang Jugendliche und junge Erwachsene missbraucht haben soll. Der Fall wurde erst durch einen Fund des Neffen öffentlich, woraufhin die Ermittlungen wieder aufgenommen wurden. Die Durchsuchung sollte weitere Erkenntnisse in dem Missbrauchsfall liefern, der sich in Saarbrücken zugetragen hat.
🗣 Alexander Rupflin referenziert bei ⏱ 00:29:14 „Er hat noch im Auto den Chefredakteur der Rheinzeitung angerufen. Die Rheinzeitung ist die erste Zeitung, die darüber berichtet hat, die auch in dem Haus war. Die haben eine Geschichte gemacht, es hat einen Riesensturm der Entrüstung ausgesucht“
Die Berichterstattung der Rhein-Zeitung wird als erste Veröffentlichung des Falls erwähnt, die letztlich die Strafverfolgungsbehörden auf den Plan rief
Bericht über den Fall Dillinger
Der Bericht dokumentiert, wie die Kirche im Missbrauchsfall Dillinger lange Zeit untätig blieb und Aufarbeitung verhinderte. Erst die Berichterstattung der Rheinzeitung über den Fall löste einen öffentlichen Aufschrei aus und führte schließlich zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen die Verantwortlichen.
🗣 Sabine Rückert referenziert bei ⏱ 00:29:17 „Er hat noch im Auto den Chefredakteur der Rheinzeitung angerufen. Die Rheinzeitung ist die erste Zeitung, die darüber berichtet hat, die auch in dem Haus war. Die haben eine Geschichte gemacht, es hat einen Riesensturm der Entrüstung ausgesucht und das hat die Strafverfolgungsbehörden dann ins Spiel gebracht.“
Anne Kunze schildert den Wendepunkt des Falls: Nachdem der Neffe Steffen Dillinger von der kirchlichen Aufarbeitungskommission enttäuscht wurde, rief er noch auf der Heimfahrt den Chefredakteur der Rheinzeitung an. Die daraus entstandene Berichterstattung löste einen öffentlichen Aufschrei aus und brachte die Strafverfolgungsbehörden dazu, das Haus zu durchsuchen.
Der Exorzist
William Friedkin · 1973
Regan MacNeill, zwölfjährige Tochter der berühmten Filmschauspielerin Chris MacNeill, leidet seit kurzem unter hysterischen, von heftigen Krämpfen begleiteten Wutausbrüchen. Als die versammelte, hochdotierte Ärzteschar Hilflosigkeit demonstriert und die Anfälle eskalieren, sucht Mutter MacNeill die Hilfe katholischer Geistlicher. Zwei herbeieilende Jesuitenpater diagnostizieren teuflische Besessenheit und verschreiben dem Teenager einen klassischen Exorzismus.
🗣 Sabine Rückert erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:47:31 „Als ich das letzte Mal da war, es ist jetzt schon eine Weile her, bin ich übrigens hingefahren und er hat ein Filmplakat, gut sichtbar, in eine der Scheiben geklebt vom Exorzisten. Also der Neffe ist eine ganz eindrucksvolle Figur und hat auch einen dunklen Humor, möchte ich mal sagen.“
Anne Kunze erzählt, was der Neffe Steffen Dillinger mit dem Haus des verstorbenen Onkels gemacht hat. Beim Leerräumen hat er ein Filmplakat von 'Der Exorzist' gut sichtbar in eine Fensterscheibe geklebt – ein Ausdruck seines dunklen Humors angesichts des Grauens, das in dem Haus stattgefunden hat.