Vom Alltag in der Schwerelosigkeit
Adam Soboczynski, Iris Radisch
In der Weihnachtsausgabe dreht sich das Zitat der Woche um einen ersten Kuss im Neonlicht einer Notaufnahme — Anlass für eine lebhafte Debatte über echte Romantik versus kommerzialisierte Gefühlsinszenierung. Die Pointe: Gerade das radikal Unromantische, der existenzielle Überrumpelungsmoment ohne Kerzenlicht und Vorbereitung, könnte der eigentlich romantische Augenblick sein — doch selbst dieses Gegenprogramm droht bereits wieder zum Kitsch zu werden.
„Wo ist Liebe wirklich spannend? Natürlich nicht bei Kerzen und wenn man das ewig vorbereitet hat. Nein, man ist in der Notaufnahme und vielleicht in einem existenziellen Augenblick, auf den es keine Vorbereitung gab.“
Erwähnte Medien (7)
Kein Grund, gleich so rumzuschreien
Martin Suter, Benjamin von Stuckrad-Barre
Gemeinsames literarisches Projekt von Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre, das die Autoren in einer Lesereise präsentieren. Sie sprechen Passagen aus verschiedenen Perspektiven, mischen jede Abend das Programm neu und nehmen unterschiedliche Rollen an.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:04:19 „Die beiden haben ein Gesprächsband veröffentlicht, das haben sie schon mal gemacht vor ein paar Jahren. Da heißt es kein Grund gleich so rumzuschreien“
Früheres Gesprächsbuch der beiden Autoren, als Vorgängerwerk des aktuell besprochenen Buches erwähnt
Alle sind so ernst geworden
Martin Suter, Benjamin von Stuckrad-Barre
Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre unterhalten sich über: Badehosen, Glitzer, Äähm, Hochzeiten, LSD, Teufel, Gott, Madonna, Arbeit, Ibiza, Kochen, Rechnungen, Siri, Fotos, Mundharmonika, Geldscheine, Verliebtheit, Wiedersehen.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:04:19 „Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre. Ein etwas älterer Herr, großer Erfolgsautor, Martin Suter, Benjamin von Stuckrad-Barre“
Aktuelles Gesprächsbuch der beiden Autoren, aus dem das Zitat der Woche stammt – wird ausführlich besprochen als unterhaltsames Buch über Alltag, Liebe und Verlust
Umlaufbahn
Samantha Harvey
Neun Monate auf der Internationalen Raumstation: Ein Roman über eine sechsköpfige Besatzung, deren kosmische Perspektive die Fragilität der Erde und gewohnte Konzepte von Raum und Zeit in Frage stellt.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:12:07 „Samantha Habe hat mit diesem kleinen, ungefähr 200 Seiten starken Buch den Bookerpreis dieses Jahr gewonnen. Und jetzt habe ich es gelesen und ich muss dir sagen, ich war dir noch nie für etwas so dankbar in diesem Podcast, wie für diesen Buchtipp.“
Das Buch ist das zweite Hauptwerk der Episode und wird enthusiastisch besprochen. Der Roman schildert die Erlebnisse einer sechsköpfigen Besatzung auf der ISS über neun Monate. Iris Radisch ist zutiefst beeindruckt von der kosmischen Perspektive, die gewohnte Kategorien von Raum und Zeit aufsprengt. Die Sprecher diskutieren die philosophischen Implikationen, die Fragilität der Erde und Parallelen zum Nature Writing.
Das Fest
Lucy Fricke
Über die Lebenskrise, die uns der fünfzigste Geburtstag schenkt Der einst gefeierte und inzwischen als Kassengift geltende Filmregisseur Jakob wird alt und glaubt, alles verloren zu haben. Seine Karriere ist vorbei, seine letzte Beziehung über zehn Jahre her, die Haare sind grau, der Körper schwach und der Kopf ohne Ideen. Es gibt nichts zu feiern, verkündet er dann auch am Morgen seines Geburtstages. Doch seine beste Freundin Ellen ist anderer Meinung.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:23:18 „Ja, das zweite Buch ist von der Autorin Lucy Fricke und es heißt Das Fest. Es ist im Klassenverlag erschienen, verkauft sich wahnsinnig gut, wie ich gesehen habe. Hat auch einen bestimmten Grund und der Grund ist, dass dieses Buch sehr unterhaltend ist, sehr unterhaltsam ist.“
Der Roman handelt vom 50. Geburtstag eines erfolglosen Regisseurs namens Jakob in Berlin, der an diesem Tag von seiner Freundin Ellen durch arrangierte Begegnungen mit Menschen aus seiner Vergangenheit geführt wird. Die Sprecher loben die Slapstick-Elemente, die filmische Qualität und das spezielle Berlin-Porträt der 90er und Nullerjahre.
Filme von Jim Jarmusch
Jim Jarmusch
Jim Jarmusch ist ein amerikanischer Independent-Regisseur, dessen Filme im Roman "Das Fest" von Lucy Fricke erwähnt werden. In einer Szene schaut der Protagonist Jakob mit einer Freundin klassische Jarmusch-Filme im Kino an, was auf das reale Werk des Filmemachers verweist. Die Seite bietet einen Überblick über seine Filmographie für Interessierte.
🗣 Adam Soboczynski referenziert bei ⏱ 00:26:38 „Dann geht er mit einer anderen Freundin ins Kino, die gucken die alten Jarmusch-Filme.“
Im Gespräch über Lucy Frickes Roman 'Das Fest' beschreibt Iris Radisch den Tagesablauf des Protagonisten Jakob an seinem 50. Geburtstag. An einer Station geht er mit einer Freundin ins Kino, wo sie alte Jarmusch-Filme schauen. Die Erwähnung ist beiläufig, verweist aber auf das reale Filmwerk des amerikanischen Independent-Regisseurs.
Combat
Albert Camus
Das Buch untersucht Albert Camus' Tätigkeit als Chefredakteur der Zeitung Combat während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die reale Zeitung diente Camus als Vorlage für die fiktive Zeitung Espoir in seinem Roman. Das Werk verbindet Camus' journalistische und literarische Werke miteinander.
🗣 Iris Radisch erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:29:02 „die Zeitung, für die Camus ja verantwortlich war, sowohl im Widerstand als auch in der Nachkriegszeit, der Combat kommt hier vor. Als Espoir“
Die von Camus geleitete Zeitung Combat wird als reales Vorbild für die fiktive Zeitung Espoir im Roman erwähnt
Die Mandarins von Paris
Simone de Beauvoir · 2024
Die Mandarins von Paris (frz. Les Mandarins) ist ein Schlüsselroman von Simone de Beauvoir aus dem Jahr 1954. Er wurde im gleichen Jahr mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Die Mandarins von Paris beleuchtet das Leben und Wirken einiger französischer Linksintellektueller während des Zweiten Weltkrieges und in der Zeit nach 1945. Er gilt als Chronik des Existenzialismus. Das Magazin Der Spiegel zählt den Roman zu den besten 100 zwischen 1925 und 2025.
🗣 Iris Radisch referenziert bei ⏱ 00:32:22 „Und zwar ist es von Simone de Beauvoir, die Mandarins von Paris. Und das Tolle ist, es ist eben nach fast 70 Jahren neu übersetzt worden ins Deutsche von Amélie Thoma und Claudia Marquardt. Das liest sich so frisch, das liest sich so heutig.“
Im Klassiker-Segment stellt Maja Beckers die Neuübersetzung von Beauvoirs wichtigstem Roman vor, der 1954 erschien. Der Schlüsselroman spielt im Pariser Intellektuellenmilieu der Nachkriegszeit – mit kaum verhüllten Porträts von Sartre, Camus und Beauvoir selbst – und verhandelt die Verantwortung der Intellektuellen, den Umgang mit dem Stalinismus und radikale neue Lebens- und Liebesformen. Beide Gesprächspartner sind begeistert von der Raffinesse des multiperspektivischen Erzählens und der erstaunlichen Aktualität des Stoffs.