Endlich wird es Frühling!
Maja Beckers, Alexander Cammann
In der Sachbuchausgabe diskutieren Maja Beckers und Alexander Cammann drei Neuerscheinungen: Dieter Thomäs sprachphilosophischen Essay "Post – Nachruf auf eine Vorsilbe", Patricia und Hertha Luegers "Bardame gesucht, Zimmer vorhanden" sowie den wiederentdeckten Naturklassiker "Stunden auf dem Land" von Susan Fenimore Cooper. Zum Einstieg sezieren sie Douglas Rushkoffs "Survival of the Richest" – ein Buch von 2022, das angesichts von Elon Musks Regierungseinfluss geradezu prophetisch wirkt.
„Jene, die es mit fragwürdigen Methoden an die Spitze geschafft haben, wollen nicht zurückblicken und sehen, welche Verwüstung sie hinterlassen haben. Sie brauchen eine Exit-Strategie und ziehen es möglicherweise vor, sich eine Zukunft auszumalen, in der sie gezwungen sind, sich von denen abzuschotten, die sie ausgebeutet haben.“
Erwähnte Medien (9)
Post. Nachruf auf eine Vorsilbe
Dieter Thomé · 2025
Bei der Vorsilbe Post- handelt es sich um die erfolgreichste Erfindung der Geistes- und Sozialwissenschaften seit 1945. Zum weltweiten Einsatz kommt sie in Großwörtern wie Posthistoire, Postmoderne oder Postkolonialismus sowie in zahllosen weiteren Kombinationen. Offensichtlich ist es Trend geworden, sich in die Nachzeit einer Vorzeit zu versetzen. Doch nicht hinter jedem Erfolg steckt eine gute Idee.
🗣 Alexander Cammann zitiert daraus bei ⏱ 00:00:42 „Einmal sprechen wir über Dieter Thome, der hat ein Buch geschrieben mit dem schönen Titel Post, Nachruf auf eine Vorsilbe, erschienen im Surkamm Verlag.“
Eines der beiden Hauptbücher der Episode. Thomé, Philosoph und ehemaliger Professor in St. Gallen, untersucht systematisch die Vorsilbe 'Post' als erfolgreichste Erfindung der Geistes- und Sozialwissenschaften seit 1945. Er widmet sich vor allem Posthistoire, Postmoderne und Postkolonialismus und kritisiert, dass Post-Begriffe eine zu starke Rückwärtsgewandtheit ausdrücken, statt die Gegenwart als gestaltbares Abenteuer zu begreifen.
Stunden auf dem Land
Susan Fenimore Cooper · 2022
Longtemps tenu à l’écart de la scène universitaire française, James Fenimore Cooper semble y faire son retour : que Le Dernier des Mohicans figure au programme de l’agrégation d’anglais (2015-2017) en est moins l’amorce que le signal. Cooper revient, donc, avec ce roman qui, comme les autres contes de Bas-de-Cuir, ...
🗣 Alexander Cammann zitiert daraus bei ⏱ 00:01:04 „Und unser Klassiker stammt heute von Susan Fenimore Cooper, Stunden auf dem Land, erschienen ebenfalls bei Mattes & Seitz.“
Das Buch wird als Klassiker der Episode angekündigt, der am Ende besprochen werden soll. Es erscheint bei Mattes & Seitz. Die inhaltliche Besprechung erfolgt vermutlich im zweiten Teil des Transkripts.
Survival of the Richest – Warum wir vor den Tech-Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars sicher sind
Douglas Rushkoff · 2025
Spätestens seit der Allianz von Donald Trump und Elon Musk ist klar: Die Tech-Milliardäre sind nicht nur die reichsten Männer der Welt, es geht ihnen auch um politische Macht und um die radikale Umgestaltung von Gesellschaft und Natur. Als Douglas Rushkoff eine Einladung in ein exklusives Wüstenresort erhält, nimmt er an, dass er dort über Zukunftstechnologien sprechen soll. Stattdessen sieht er sich Milliardären gegenüber, die ihn zu Luxusbunkern und Marskolonien befragen.
🗣 Alexander Cammann zitiert daraus bei ⏱ 00:01:16 „Und der stammt diesmal von Douglas Rushkoff aus dem Buch Survival of the Richest – Warum wir vor den Tech-Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars sicher sind. Erschienen bei Surkamp.“
Das Buch wird in der Rubrik 'Der erste Satz' vorgestellt. Rushkoff, Medientheoretiker an der New York University, beschreibt darin das Mindset der Tech-Milliardäre, die sich Exit-Strategien für globale Katastrophen zurechtlegen. Die Sprecher betonen die prophetische Qualität des 2022 erschienenen Buchs angesichts der aktuellen politischen Lage in Washington unter Trump und Musk.
Vom Glück der Moderne
Dieter Thomé · 2017
Ganz selbstverständlich gehen wir davon aus, autonom zu sein. Und wir denken, dass ein Leben, in dem wir wichtige Dinge gegen unseren Willen tun müssten, kein gelungenes sein kann. Wahr ist aber auch: Zahlreiche Aspekte unseres Leben sind gar nicht frei gewählt. Das gilt für viele soziale Beziehungen ebenso wie für so manche Situation, in die wir einfach hineingeraten sind. Die Alltagserfahrung lehrt uns, dass Selbstbestimmung zwar durchaus gelingen kann, aber eben auch häufig scheitert.
🗣 Maja Beckers zitiert daraus bei ⏱ 00:10:21 „Und er hat eine Reihe Bücher geschrieben, die, ich will eigentlich nicht sagen lebensnah, sondern mehr so lebensanalytisch sind vielleicht. Also vom Glück der Moderne hieß eins, welches Glücksversprechen steckt noch in der Moderne oder kann da noch eingelöst werden.“
Wird als eines der früheren Bücher von Dieter Thomé genannt, um sein Werk und seinen Stil einzuordnen. Es geht um die Frage, welche Glücksversprechen die Moderne noch einlösen kann.
Erzähle dich selbst. Lebensgeschichte als philosophisches Problem
Dieter Thomé · 2007
Dieter Thomés philosophisches Werk untersucht die fundamentale Rolle, die das Erzählen für die Konstitution unserer Lebensgeschichte spielt. Die Frage, wie wir uns selbst durch Narrative verstehen und konstruieren, steht im Zentrum dieser Analyse. Das Buch beleuchtet, inwieweit unser Selbstverständnis von der Art abhängt, wie wir unsere Erlebnisse und Erfahrungen in eine zusammenhängende Geschichte einweben.
🗣 Maja Beckers zitiert daraus bei ⏱ 00:10:36 „Erzähle dich selbst, Lebensgeschichte als philosophisches Problem hieß ein anderes Buch. Welche Rolle spielt das Erzählen im Leben?“
Wird als weiteres Werk Thomés erwähnt, um seine thematische Bandbreite zu illustrieren. Es behandelt die philosophische Frage, welche Rolle das Erzählen der eigenen Lebensgeschichte spielt.
Puer Robustus. Eine Philosophie des Störenfrieds
Dieter Thomé · 2016
Dieter Thomäs großes Buch verhilft einem in Vergessenheit geratenen Störenfried zu einem Comeback: dem puer robustus, dem kräftigen Knaben, der sich nicht an die Regeln hält, der aneckt, aufbegehrt und auch mal zuschlägt. Jahrhundertelang hat er die Gemüter erhitzt. Hobbes und Rousseau, Schiller und Diderot, Marx, Freud, Carl Schmitt und viele andere sahen in ihm eine Schlüsselfigur, an der sich ein Zentralproblem der politischen Philosophie entscheidet: das Verhältnis von Ordnung und Störung.
🗣 Maja Beckers zitiert daraus bei ⏱ 00:10:44 „Und Puer Robustus, eine Philosophie des Störenfrieds, war, glaube ich, das letzte 2016 auch eine ganz lustige Geschichte sozusagen des Querdenkers, vielleicht bevor der Begriff anders besetzt wurde während der Pandemie.“
Das letzte Buch Thomés vor 'Post', erschienen 2016. Der Sprecher ordnet es als unterhaltsame philosophische Geschichte des Querdenkers ein und merkt an, dass der Begriff 'Querdenker' damals noch unbelastet war.
The Coming of Post-Industrial Society
Daniel Bell · 1976
In 1976, Daniel Bell's historical work predicted a vastly different society developing—one that will rely on the “economics of information” rather than the “economics of goods.” Bell argued that the new society would not displace the older one but rather overlie some of the previous layers just as the industrial society did not completely eradicate the agrarian sectors of our society.
🗣 Alexander Cammann referenziert bei ⏱ 00:19:45 „Unter anderem, was ich auch lustig fand, er nennt ja einen von Daniel Bell, dem großen Soziologen, der schon 1971 einen sehr lustigen Aufsatz darüber geschrieben hat über Soziologie. Die Vorsilbe Post, die auftauchen würde und jetzt wohl überall eine Renaissance erleben würde, was vorher der Begriff Jenseits, Beyond gehabt hätte.“
Im Kontext der Besprechung von Thomés 'Post' wird ein Aufsatz des Soziologen Daniel Bell von 1971 erwähnt, in dem Bell bereits beobachtete, dass die Vorsilbe 'Post' die zuvor populäre Vorsilbe 'Beyond/Jenseits' ablöste. Die Sprecherin findet es charmant, dass auch die Kritik am Post-Denken ihre eigene Vorgeschichte hat.
Bardame gesucht, Zimmer vorhanden
Patricia Lueger, Hertha Lueger · 2025
In den frühen 1980er-Jahren ist das Caprice in München der Hotspot erotischer Unterhaltung. Hier gehen Millionärssöhne genauso ein und aus wie Filmstars, Rechtsanwälte und Jedermänner. Die Frauen, die dort anschaffen, dürfen selbst bestimmen, was sie machen und mit wem. Und die Frau, die den Laden führt, macht das mit Hingabe und Hirn: Herta Lueger.
🗣 Alexander Cammann zitiert daraus bei ⏱ 00:21:03 „Ja, jetzt kommen wir zu einem nächsten und sehr anders gelagerten Buch. Das haben Patricia und Hertha Lueger geschrieben. Der Titel ist Bardame gesucht, Zimmer vorhanden, erschienen bei Mattes & Seitz.“
Das zweite Hauptbuch der Episode. Hertha Lueger, 1947 im Burgenland geboren, erzählt zusammen mit ihrer Tochter Patricia ihre Lebensgeschichte: vom ländlichen Österreich über eine frühe Scheidung nach München, wo sie zur erfolgreichen Domina und Clubbetreiberin wird. Die Sprecher betonen, dass das Buch weder romantisiert noch moralisiert, sondern den Moralwandel der Gesellschaft und eine ungewöhnliche Emanzipationsgeschichte zeigt.
Walden
Henry David Thoreau
Walden first published in 1854 as Walden; or, Life in the Woods) is a book by American transcendentalist writer Henry David Thoreau. The text is a reflection upon the author's simple living in natural surroundings. The work is part personal declaration of independence, social experiment, voyage of spiritual discovery, satire, and—to some degree—a manual for self-reliance. Walden details Thoreau's experiences over the course of two years, two months, and two days in a cabin he built near Walde...
🗣 Maja Beckers referenziert bei ⏱ 00:40:48 „Wir haben ja Thoreau, haben wir auch hier schon besprochen, voller Begeisterung. Aber jedenfalls, ich hätte auch den Eindruck, dass dieses seltsame, dieses existenzialistische Moment da bei Thoreau, also so leicht heroisch, ich alleine und die Natur und so weiter, dieses Moment ist hier ja gewechselt zu einer tatsächlichen Aneignung, Beschreibung.“
Thoreau wird als Vergleichsfigur zu Susan Fenimore Cooper herangezogen. Iris Radisch kontrastiert sein existenzialistisch-heroisches Naturerlebnis mit Coopers empathischer, wissenschaftlich fundierter Naturbeobachtung. Der Titel 'Walden' wird nicht explizit genannt, aber aus dem Kontext des Nature Writing und der vorherigen Besprechung im Podcast eindeutig referenziert.