Gregor Gysi - Welches Gefühl versuchen Sie zu vermeiden
Matze Hielscher & Gäste
Gregor Gysi spricht über seine Mittelpunkte im Leben — vom Alleinsein über die Existenzkrise seiner Partei bis zu den großen Kriegen und der unvollendeten deutschen Einheit. Zwischendurch blitzt sein typischer Humor auf, etwa wenn er zugibt, als Politiker Fragen grundsätzlich nicht zu beantworten, sondern einfach über das zu reden, was ihm gerade einfällt.
„Ich bin ja Politiker. Wir beantworten ja nicht Fragen, sondern reden über das, was uns gerade einbezieht.“
Erwähnte Medien (8)
Ein Leben ist zu wenig
Gregor Gysi · 2017
Ein Leben ist zu wenig" ist Gregor Gysis autobiografisches Werk über sein Leben und das seines Vaters. Das Buch erforscht persönliche Wendepunkte und philosophische Reflexionen, eingeleitet durch den prägnanten Satz des Vaters, dass es so viele Mittelpunkte der Erde gibt wie Menschen. Das Werk ist relevant für Leser, die sich für die Lebensgeschichte eines prominenten deutschen Politikers und Denkers interessieren.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:02:08 „Ich habe einen Satz gelesen oder Sie haben den geschrieben in Ihrem Buch von Ihrem Vater. Es gibt so viele Mittelpunkte auf der Erde wie Menschen. Das fand ich einen ganz, ganz schönen Satz.“
Matze Hielscher zitiert zu Beginn des Gesprächs einen Satz aus Gregor Gysis Buch, in dem dessen Vater sagt, es gebe so viele Mittelpunkte auf der Erde wie Menschen. Gysi korrigiert, dass sein Vater dabei einen Schriftsteller zitiert habe. Der Satz dient als Einstieg in ein Gespräch über persönliche Lebensmittelpunkte.
Nachruf auf Klaus Gysi
Der Spiegel
Der Spiegel veröffentlichte einen Nachruf auf Klaus Gysi, den Vater des Politikers Gregor Gysi. Der Artikel charakterisiert Gysi als weltmännisch und linientreu. Gregor Gysi kommentiert diese Charakterisierung selbstironisch und beschreibt sich selbst als weltmännisch, aber nicht ganz linientreu.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:34:11 „Über Ihren Vater hat der Spiegel zum Nachruf geschrieben, er war weltmännisch und linientreu.“
Matze Hielscher zitiert den Nachruf des Spiegel auf Gregor Gysis Vater Klaus Gysi. Die Formulierung 'weltmännisch und linientreu' wird zum Ausgangspunkt eines Wortspiels, in dem Gysi seine eigene DDR-Haltung als 'weltmännisch und nicht ganz linientreu' beschreibt.
Rede am Alexanderplatz (4. November 1989)
Gregor Gysi · 2008
Das zweibändige Handbuch ist die erste umfassende Gesamtdarstellung der literarischen Verarbeitung von "Wende" und deutscher "Einheit". Band I informiert zunächst ausführlich über den sich nach 1989 rapide verändernden Literaturbetrieb, sprachliche Aspekte der "Wende" und wesentliche Feuilletondebatten. Im Zentrum stehen exemplarische Analysen wichtiger Essays, Tagebücher und Autobiografien, Protokolle, Erzählungen, Romane, Gedichte und Dramen u.a.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:49:42 „Also ich habe mir natürlich angeguckt, noch mal Ihre Rede am Alexanderplatz am 4.11.89, was ich wirklich beachtlich fand. Also das noch mal so zu sehen. Ich war damals zehn.“
Matze Hielscher erwähnt, dass er sich Gysis historische Rede auf der Großdemonstration am Alexanderplatz vom 4. November 1989 angesehen hat – die größte nicht-staatliche Demonstration in der DDR-Geschichte mit rund 500.000 Teilnehmern. Gysi erzählt daraufhin, dass es seine erste große Rede war und er sich alles aufgeschrieben hatte.
Der Drahtzieher (Spiegel-Titelgeschichte)
Der Spiegel
Der Spiegel-Artikel behandelt die mediale Inszenierung von Gregor Gysi als Parteichef der PDS in den frühen 1990er Jahren. Während andere Medien wie die FAZ zunächst die Reformfähigkeit der Partei anerkannten, prägte der Spiegel ein negatives Image Gyisis als "Drahtzieher". Der Artikel wirft Fragen zur Medienentscheidungsgewalt auf und deren Einfluss auf die politische Akzeptanz in der Öffentlichkeit.
🗣 Gregor Gysi referenziert bei ⏱ 00:59:37 „Der Drahtzieher. Das war am 3. Oktober 1990 schon, sehr früh. Es war so, dass erst nachdem ich zum Parteichef gewählt wurde, die FAZ und die sagen, das ist wirklich eine Reform, da könnt ihr ja wirklich was verändern etc. Und der Spiegel entschied, dass man mich und meine Partei nicht mehr braucht.“
Matze Hielscher spricht Gysi auf eine große Spiegel-Titelgeschichte an, die ihn als 'Drahtzieher' darstellte. Gysi ordnet den Artikel politisch ein: Während FAZ und andere zunächst die Reformfähigkeit der PDS anerkannten, habe der Spiegel entschieden, dass Gysi und seine Partei nicht mehr gebraucht würden. Der Artikel wurde laut Gysi hunderttausendfach gebührenfrei in Leipzig verteilt.
Der Drahtzieher
Ein kritischer Artikel des SPIEGEL von Oktober 1990, der sich gegen Gregor Gysi und die PDS wendete. Der Beitrag wurde massenhaft kostenlos in Leipzig verteilt und war Teil einer öffentlichen Kampagne gegen die Partei kurz nach der deutschen Wiedervereinigung.
🗣 Gregor Gysi referenziert bei ⏱ 00:59:54 „Der Drahtzieher. Das war am 3. Oktober 1990 schon, sehr früh. Der Spiegel entschied, dass man mich und meine Partei nicht mehr braucht. Das war der Hintergrund für den Artikel der Drahtseher. Der wurde hunderttausendfach gebührenfrei verteilt in Leipzig.“
Gysi erzählt von einem Spiegel-Artikel mit dem Titel 'Der Drahtzieher', der kurz nach der Wiedervereinigung erschien und sich gegen ihn und die PDS richtete. Der Artikel wurde massenhaft in Leipzig verteilt und war Teil einer Kampagne gegen seine Partei, nachdem die FAZ zunächst positiv über die Reformbemühungen berichtet hatte.
Der heiße Stuhl
"Der heiße Stuhl" war eine Krawall-Talkshow, die von 1989 bis 1994 auf RTLplus lief und mit 159 Ausgaben den Vorreiter des kontroversen Talkshow-Genres im deutschen Fernsehen markierte. Das Konzept basierte auf dem "Alle gegen einen"-Prinzip: Ein Gast mit provokanter These musste sich gegen fünf Gegner unter der Moderation von Olaf Kracht und Ulrich Meyer heftig debattierend behaupten. Bekannte Teilnehmer waren unter anderem Angela Merkel und Regisseur Rosa von Praunheim, der 1991 einen Skandal auslöste, indem er Hape Kerkeling und Alfred Biolek öffentlich outete. Ab Ende 1993 entstand mit einer Kinderversion ein Ableger, in dem Erwachsene gegen Kinder antraten. Ein Neustart unter dem Namen "Natascha Zuraw" wurde 2008 versucht, konnte aber nicht an den ursprünglichen Erfolg anknüpfen.
🗣 Gregor Gysi referenziert bei ⏱ 01:01:24 „Und das war, als ich Komitees für Gerechtigkeit vorschlug, um Ostinteressen besser vertreten, artikulieren und durchsetzen zu können. Und da kam ich bei RTL auf den heißen Stuhl. Da gab es vier Leute, die mich beschimpfen sollten.“
Gysi beschreibt seinen Auftritt in der RTL-Sendung 'Der heiße Stuhl' als Wendepunkt seiner öffentlichen Akzeptanz im Osten. In der Sendung konterte er einen Staatssekretär mit dem Wortspiel über 'Ahnung' und 'Ahnungen', was ihm breite Sympathien einbrachte – am nächsten Tag klopften ihm in Eisfeld die Menschen auf die Schulter statt ihn zu beschimpfen.
Talk im Turm
Erich Böhme
Klassische deutschsprachige Talkshow mit bekannten Gästen zu gesellschaftlichen Themen. Der Moderator ist bekannt für seinen direkten, kraftvollen Moderationsstil, bei dem Gäste Einladungen kaum ablehnen konnten. Gesprächssendung mit prominenter Beteiligung und öffentlichem Interesse.
🗣 Gregor Gysi referenziert bei ⏱ 01:05:39 „Und da half mir zum Beispiel, dass Erich Böhme, der den Talk im Turm machte, mich irgendwie mochte. Immer wieder ein. Und der war so ein Haudegen, da hat sich keiner getraut, Nein zu sagen, wenn er das vorschlug.“
Gysi erzählt, wie der Moderator Erich Böhme ihm regelmäßig Auftritte in der Talkshow 'Talk im Turm' ermöglichte. Böhme setzte Gysis Einladungen gegen Widerstände durch, was Gysi half, seine öffentliche Akzeptanz aufzubauen – er brachte eine 'Doppelquote', weil sowohl Fans als auch Gegner einschalteten.
Wetten, dass..?
Frank Elstner, Thomas Gottschalk · 1981
In der erfolgreichen Fernsehshow sind viele Prominente zu Gast und nationale wie internationale Musik-Acts treten auf. Doch im Mittelpunkt stehen die äußert skurrilen Wetten, die häufig den Moderator sowie die Gäste staunen lassen.
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:20:47 „Markus Lanz hatte ja mit, den habe ich auch interviewt, der hat Wetten, dass? moderiert, wie Sie wissen, und hat ja danach auch einiges einstecken müssen. Und er sagte mir, dass was seitdem bei ihm ist, dass er sehr große Schwierigkeiten hat, Menschen zu vertrauen.“
Matze Hielscher erwähnt die TV-Show 'Wetten, dass..?' im Kontext von Markus Lanz' Erfahrung als Moderator. Er zieht eine Parallele zwischen Lanz' Vertrauensproblemen nach öffentlicher Kritik und Gysis Erfahrungen mit Anfeindungen, um zu fragen, ob Gysi ähnliche Schwierigkeiten hat, Menschen zu vertrauen.