Hotel Matze – Joana Mallwitz – Warum berührt uns Musik so sehr
#441

Joana Mallwitz – Warum berührt uns Musik so sehr

Hotel Matze / 19. März 2025 / 11 Medien

Matze Hielscher & Gäste

Joana Mallwitz erzählt, wie sie als zutiefst introvertierter Mensch zur Dirigentin wurde — getrieben von dem Wunsch, das Gefühl des Wegfliegens beim Musikhören selbst zum Klingen zu bringen. Sie beschreibt, wie Komponisten ganze Welten bauen, durch die sie das Publikum führt, und warum sie auf der Bühne nie weinen darf: Ihre Aufgabe ist es, so zu dirigieren, dass das Publikum in Tränen ausbricht.

„Es gibt Stücke, bei denen breche ich in Tränen aus, wenn ich nur dran denke. Aber natürlich nicht, während ich das auf der Bühne dirigiere. Du willst auch nicht, dass ein Sänger heult beim Singen, sondern er soll so singen, dass du heulst.“
🗣 Joana Mallwitz

Erwähnte Medien (11)

Sinfonie Nr. 8 h-Moll D 759 (Die Unvollendete)

Sinfonie Nr. 8 h-Moll D 759 (Die Unvollendete)

Franz Schubert

Romantische Sinfonie mit zwei vollständig erhaltenen Sätzen, bekannt für ihre melancholische Eleganz und poetische Direktheit. Das Werk fasziniert durch seine emotionale Intensität und unvollendete Schönheit — ein Meisterwerk der klassischen Orchestermusik, das Generationen von Musikern inspiriert hat.

🗣 Joana Mallwitz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:15:57 „das erste war halt wirklich Schubert's Unverendete, aber es waren dann auch andere Werke, einfach zu sehen, was da für ein... Also diese unglaublichen Meisterwerke“

Joana Mallwitz beschreibt dieses Werk als den entscheidenden Moment ihrer Jugend, der sie dazu brachte, Dirigentin zu werden. Sie erlebte die Partitur im Frühstudiengang in Hannover und war von der emotionalen Direktheit überwältigt.

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Tristan und Isolde

Tristan und Isolde

Richard Wagner

Wagners monumentale romantische Oper über die tragische Liebe zwischen Tristan und Isolde. Das Werk gilt als Meilenstein harmonischer Innovation und musikalischer Tiefenwirkung. Mallwitz sieht darin eine freigelegte kosmische Harmonie, die nicht erfunden, sondern nur enthüllt wurde – ein Beispiel für die übermenschliche Kraft großer Musik.

🗣 Joana Mallwitz referenziert bei ⏱ 00:19:42 „Manchmal so bei manchen Musikwerken, ich habe das Gefühl, das ist eigentlich so eine Art Harmonie, die irgendwo im Weltall ist und irgendein Komponist hat halt geschafft, die freizukratzen. Und daraus ist dann Schubert's Unverändert entstanden oder oder Wagner's Tristan oder so.“

Mallwitz nennt Wagners Tristan neben Schuberts Unvollendeter als Beispiel für Musik, die wie eine im Weltall existierende Harmonie wirkt, die ein Komponist nur freigekratzt hat — nicht selbst erfunden. Sie nutzt das Werk, um ihre These zu illustrieren, dass große Musik etwas Übermenschliches hat.

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Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 (Unvollendete)

Sinfonie Nr. 7 h-Moll D 759 (Unvollendete)

Franz Schubert

Romantische Sinfonie mit nur zwei Sätzen, die durch ihre geheimnisvolle Tiefenwirkung besticht. Das Werk verkörpert eine spirituelle Kraft, die das Gefühl vermittelt, von etwas Größerem berührt zu werden. Mit ihrer Melancholie und Rätselhaftigkeit zählt sie zu den ausdrucksstärksten Symphonie-Werken der Romantik und hat generationenweise Musiker inspiriert.

🗣 Joana Mallwitz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:23:04 „Also dieses Stück wurde uns vorgelegt, ich war in so einem Frühstudiengang damals für Teenager. Und da lagen dann plötzlich diese Noten, zum Beispiel eben von Schubert. Bei diesem Stück, ich habe bis heute das Gefühl, dass einen da irgendwie was anhaucht aus einer anderen Welt.“

Schuberts Unvollendete ist das zentrale Werk des Gesprächs. Joana Mallwitz beschreibt sie als ihr musikalisches Erweckungserlebnis: Als 14-Jährige in einem Frühstudiengang las sie die Partitur und war so überwältigt, dass sie beschloss, Dirigentin zu werden. Sie empfindet das Stück als Berührung mit dem Jenseits — etwas, das sich ein Mensch nicht einfach ausdenken kann.

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Smells Like Teen Spirit

Smells Like Teen Spirit

Nirvana

Smells Like Teen Spirit ist ein Song der US-amerikanischen Rockband Nirvana, der im September 1991 veröffentlicht wurde. Er ist die erste Singleauskopplung ihres Albums Nevermind und gilt als der Titel, der Grunge im Allgemeinen und Nirvana im Speziellen zum Durchbruch verhalf.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 00:26:38 „Meine Musik, meine Urknallmusik, war, würde ich behaupten, Nirvana, Smells Like Teen Spirit. Im Fernsehen sehen diesen Typen da mit seinem Pullover und dann geht das los und da stehen die Cheerleader. Und da habe ich eine Connection gespürt auch.“

Matze Hielscher teilt sein eigenes musikalisches Erweckungserlebnis als Gegenstück zu Mallwitz' Schubert-Moment. Er beschreibt, wie er als Jugendlicher das Musikvideo sah und Kurt Cobains Schmerz, Wut und Arroganz spürte — obwohl er den Text kaum verstand. Die Musik gab seinen eigenen Problemen mit Eltern und Lehrern plötzlich einen Soundtrack.

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Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 (Italienische)

Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 (Italienische)

Felix Mendelssohn Bartholdy

Die Sinfonie Nr. 4 in A-Dur op. 90, „Italienische“ (MWV N 16) von Felix Mendelssohn Bartholdy entstand 1833 und zählt heute zu den beliebtesten und meistgespielten Orchesterwerken des Komponisten. Die Spieldauer beträgt je nach Interpretation etwa 28 bis 34 Minuten.

🗣 Joana Mallwitz referenziert bei ⏱ 00:41:53 „Du kannst dich nicht jetzt hinstellen und sagen, hey, wir spielen morgen irgendwie Mendelssohns Italienische und lass mal einfach offen sein und gucken, was kommt. Das ist beliebig. Das ist beliebig und das ist der absolut größte Scheiß.“

Mallwitz erklärt ihr Ideal der Konzertpraxis: Man müsse vorher alles analysieren, proben und planen – und dann im Konzert alles vergessen und offen sein. Die Italienische dient als Gegenbeispiel: Sich ohne Vorbereitung hinzustellen und auf Intuition zu vertrauen, sei nicht Freiheit, sondern Beliebigkeit.

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Das Rheingold

Das Rheingold

Richard Wagner

Wagner-Oper Das Rheingold – Ein Einblick in die Spontaneität und das Vertrauen zwischen Dirigentin und Orchester. Der Text beschreibt einen magischen Moment, in dem das Orchester ein unerwartetes Accelerando spielte, das nicht vorher abgesprochen war, aber perfekt gelang. Es zeigt, wie künstlerische Offenheit und gegenseitiges Vertrauen zu unvergesslichen Leistungen führen.

🗣 Joana Mallwitz referenziert bei ⏱ 00:43:02 „Das war im Rheingold, in der Oper, in den Wagner. Und wir hatten das natürlich geprobt. Und man weiß auch, es gibt ja viele Dinge, auf die man Rücksicht nimmt. Und auch, welches Tempo ist gut für den Sänger und so weiter.“

Mallwitz erzählt von einem magischen Konzertmoment, in dem sie und das Orchester im Graben spontan ein viel größeres Accelerando spielten als je zuvor geprobt – ohne dass sie es anzeigen musste. Sie nutzt diese Rheingold-Aufführung als Beispiel dafür, wie Vertrauen und Offenheit im Moment zu etwas führen können, das über das Geplante hinausgeht.

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Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Ludwig van Beethoven

Die Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67 von Ludwig van Beethoven entstand 1807/08, zeitgleich mit der 6. Sinfonie, und ist Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz und Andreas von Rasumowski gewidmet. Die Sinfonie ist auch unter dem (umstrittenen) Beinamen „Schicksalssinfonie“ bekannt und wurde am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien uraufgeführt. Beethovens „Fünfte“ zählt heute zu den berühmtesten Werken der klassischen Musik.

🗣 Joana Mallwitz referenziert bei ⏱ 00:55:43 „Also, nimm mal Anfang 5. Sinfonie Beethoven. Jeder kennt das. Ist laut, ist eine bestimmte Tonart, ist ein bestimmter Takt und so weiter. Aber wie schnell ist es genau? Wie lang hältst du die Formate? Ist es da-da-da-da, da-da-da-da oder ist es bam-bam-bam-ba?“

Mallwitz veranschaulicht am berühmten Schicksalsmotiv, wie viel Interpretationsspielraum selbst in scheinbar eindeutigen Noten steckt. Tempo, Länge der Fermaten, Artikulation – all das seien Entscheidungen, die nur der Dirigent für das Gesamtwerk treffen könne und die das Stück grundlegend verändern.

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Rigoletto

Rigoletto

Giuseppe Verdi

Rigoletto ist Verdis Oper von 1851 nach Victor Hugos Drama über den Hofnarr Rigoletto, dessen Plan, den verführerischen Herzog von Mantua zu rächen, tragisch scheitert und zum Tod seiner eigenen Tochter führt. Die Oper erkundet Themen von Rache, Familie und Liebe mit einigen der berühmtesten musikalischen Nummern des Opernrepertoires, besonders der Arie La donna è mobile.

🗣 Joana Mallwitz referenziert bei ⏱ 01:10:07 „Der eine Moment, den ich gerade meinte, das war eine Vorstellung von Regoletto. Das heißt, da muss ich schon so bestimmt vier Jahre im Beruf gewesen sein, als das Stück kam, wo ich zum ersten Mal in einer Vorstellung so ein Gefühl hatte von, oh, das Dirigieren an sich macht ja sogar irgendwie Spaß.“

Joana Mallwitz erzählt von ihrem ersten wirklich guten Moment als Dirigentin. Eine Vorstellung von Verdis Rigoletto war der Wendepunkt, an dem sie zum ersten Mal Freude am Dirigieren selbst empfand. Sie hebt die geniale Architektur der Komposition hervor, die sie von einem Tanzrhythmus in den nächsten trug.

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Momentum

Momentum

· 2015

Die schöne und geheimnisvolle Diebin Alex Farraday lässt sich von ihrem ehemaligen Partner zu einem letzten Coup überreden. Doch sie muss alsbald feststellen, dass es bei dem Raub nicht nur um Diamanten geht, sondern auch um einen USB-Stick, auf dem sich höchst wichtige Informationen über einen Senator befinden, die dem Politiker zum Verhängnis werden könnten. Diese sind so brisant, dass auch vor brutalem Mord nicht zurückgeschreckt wird.

🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:14:21 „Ich habe dich in der Dokumentation Momentum gesehen und da sieht man dich so kurz vorm Auftritt. Und da habe ich gedacht, boah, die ist ja kurz vor einer Panikattacke. Also man konnte sehen oder auch wirklich fühlen, boah, das ist jetzt gleich für dich ein krasser Moment, da rauszugehen.“

Matze Hielscher bezieht sich auf eine Dokumentation über Joana Mallwitz, in der man sie unmittelbar vor einem Auftritt sieht. Die Szene zeigt ihre intensive körperliche Anspannung und schweres Atmen kurz bevor sie auf die Bühne geht. Matze nutzt diese Beobachtung als Einstieg in das Thema Lampenfieber und Bühnenpräsenz.

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Azzurro

Azzurro

Adriano Celentano

Azzurro ist der Titel eines italienischen Liedes, das Paolo Conte zusammen mit Michele Virano nach einem Text von Vito Pallavicini komponiert hat und der erstmals 1968 von Adriano Celentano zusammen mit dem Lied Una carezza in un pugno als Single veröffentlicht wurde. Die Platte erreichte Platz eins der italienischen M&D-Charts und wurde zur meistverkauften Single des Jahres 1968. Der Liedtext handelt von Tagträumen und Fernweh an einem Sommertag in der Stadt sowie der Sehnsucht nach einer fernen Liebschaft. <a href="http://www.last.fm/music/Adriano+Celentano/_/Azzurro">Read more on Last.fm</a>.

🗣 Joana Mallwitz erwähnt beiläufig bei ⏱ 02:09:47 „Aber wir haben da gegrölt und Azzurro in Pomerito. Wir waren die allerbeste Klassengemeinschaft. Das war genial. Das war total der Hack.“

Joana Mallwitz erzählt von ihrer italienischen Lehrerin, die die ganze Klasse italienische Popsongs und Volkslieder auswendig lernen ließ. Azzurro war eines dieser Lieder. Die Methode führte dazu, dass die Klasse nicht nur besser Italienisch lernte, sondern auch zur besten Klassengemeinschaft zusammenwuchs — ein Erlebnis, das Mallwitz bis heute als Beleg für die verbindende Kraft von Musik anführt.

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Die lustige Witwe

Die lustige Witwe

Franz Lehár

Die Lustige Witwe ist eine 1905 uraufgeführte Operette des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Lehár mit Libretto von Viktor Léon und Leo Stein. Das Werk basiert auf Henri Meilhacs französischer Komödie von 1861 und erzählt von einer wohlhabenden Witwe, deren Heimatland versucht, sie mit einem geeigneten Mann zu verheiraten, um ihren Reichtum im Land zu halten. Die Operette erzielte seit ihrer Uraufführung in Wien außergewöhnlichen internationalen Erfolg und wird bis heute regelmäßig aufgeführt und aufgenommen. Zu den bekanntesten Musiknummern gehören das Vilja-Lied, der Walzer „Merry Widow" und die Arie „Da geh' ich zu Maxim's".

🗣 Joana Mallwitz referenziert bei ⏱ 02:14:54 „Ich habe in Frankfurt vor einigen Jahren jetzt schon Lustige Witwe dirigiert, Operette. Und dann sind meine Eltern mal in die Vorstellung gekommen. Und mein Vater war hinterher so aufgelöst, also so hatte ich ihn noch nie gesehen.“

Mallwitz erzählt eine persönliche Familiengeschichte: Als sie in Frankfurt die Operette dirigierte, besuchte ihr Vater die Vorstellung und war zutiefst berührt — seine Mutter (Mallwitz' Oma) hatte diese Operettenmelodien immer zu Hause gesungen, und es war die früheste Erinnerung des Vaters an die Stimme seiner Mutter. Die Anekdote dient als emotionaler Beweis für Mallwitz' These, dass Melodien und Stimmen über Generationen hinweg in Erinnerung bleiben.

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