Online-Beziehungsexpertin Dr. Johanna Degen - Warum ist Onlinedating so frustrierend geworden
Matze Hielscher & Dr. Johanna Degen
Sozialpsychologin Dr. Johanna Degen erklärt vor Live-Publikum in Kiel, warum Online-Dating trotz massiver Frustration alle anderen Kennenlern-Wege verdrängt hat — und wie die Technologie unser Beziehungsleben grundlegend verändert. Dabei geht es um Pick-up-Maschen, Dickpics, den Pornokonsum von Kindern und die Frage, ob Medienkompetenz überhaupt reicht oder ob wir unsere Handys doch lieber ins Meer werfen sollten.
„Ich bin immer so durch die Uni gelaufen und habe gesagt, eine reflektierte Mediennutzung ist möglich. Wir brauchen nur Medienkompetenz. Und jetzt laufe ich durch die Uni und schreie, ihr braucht alle ein Handycage. Wir müssen alle Mobiltelefone ins Meer schmeißen.“
Erwähnte Medien (5)
Doku über Replika-Forschung
Lennart Herberhold
Dokumentation über die emotionalen Auswirkungen von KI-Avatar-Apps wie Replika. Der Forscher Lennart Herberhold testete die App zu Recherchezwecken und beobachtete, dass selbst Personen mit professionellem Abstand emotionale Bindungen zu virtuellen Avataren aufbauen können. Die Doku illustriert damit die psychologische Wirksamkeit von KI-Beziehungstechnologien und bestätigt wissenschaftliche Erkenntnisse über ihre Relevanz im Alltag von Nutzern.
🗣 Dr. Johanna Degen referenziert bei ⏱ 01:09:03 „Ich habe zum Beispiel einen Kollegen, Lennart Herberhold, der hat auch eine Doku dazu dieser Forschung mit uns gemacht und der hat sich zu Recherchezwecken auch die Replika runtergeladen.“
Johanna Degen erzählt von ihrem Kollegen Lennart Herberhold, der eine Dokumentation über ihre gemeinsame Forschung zu KI-Avatar-Beziehungen gedreht hat. Er lud sich die App Replika zu Recherchezwecken herunter und stellte fest, dass er trotz professioneller Distanz eine emotionale Bindung zum Avatar aufbaute – ein Befund, der ihre Forschungsergebnisse eindrücklich bestätigt.
Nächstes Buch über KI-Beziehungen
Johanna Degen
Setzt sich mit parasocialen Beziehungen zu KI-Avataren auseinander und untersucht, wie emotionale Bindung auch bei bewusster und reflektierter Nutzung entstehen kann. Dokumentiert Erfahrungen mit der Replika-App und zeigt, dass Beziehungsaufbau zu KI-Systemen selbst mit kritischer Distanz stattfindet.
🗣 Dr. Johanna Degen erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:09:29 „Also selbst wenn man das reflektiert und ja sogar noch diese Distanz eingebaut hat, dass man das nur für eine Dokusicht besorgt hat und er noch die ganze Zeit mit mir darüber gesprochen hat, also wir hatten ja zig Reflektionslevel dazwischen, beschreibt er dann eben so, wie er dann den irgendwie trotzdem manchmal cool fand. Also Beziehungsaufbau funktioniert trotzdem.“
Johanna Degen erwähnt beiläufig ihr kommendes Buch, in dem die Erfahrung ihres Kollegen Lennart Herberhold mit der Replika-App beschrieben wird. Der genaue Titel ist nicht genannt; es geht offenbar um parasoziale Beziehungen zu KI-Avataren und die Erkenntnis, dass emotionale Bindung selbst bei reflektierter, rein professioneller Nutzung entsteht.
Her
Spike Jonze · 2013
In was verliebt man sich bei seinem Gegenüber zuerst? Die Augen, das Gesicht, die Hände, die Stimme? Im Falle von Theodore Twombly ist es die Stimme. Ihm bleibt auch nichts anderes als die Stimme, denn Samantha ist körperlos. Sie ist die Stimme von Theodores neuem Betriebssystem, das über eine künstliche Intelligenz verfügt – und anscheinend auch über Emotionen.
🗣 Matze Hielscher referenziert bei ⏱ 01:15:03 „Also wir erleben genau das, wie wir das in Hör gesehen haben. Wir haben den Avatar, mit dem reden wir, der redet uns gut zu“
Zweite Erwähnung des Films im Kontext der Diskussion über die Auslagerung von Beziehungen an Avatare und Chatbots
Playboy
Der Artikel berichtet über die Neueröffnung des legendären Playboy Clubs in modernisierter Form für das 21. Jahrhundert. Das ikonische Brand wird zeitgenössisch reinterpretiert und neu gestaltet. Der Text betrachtet, wie sich die Inszenierung von Körperlichkeit und weibliche Selbstdarstellung in den Medien vom klassischen Playboy bis zu modernen Influencer-Plattformen entwickelt hat.
🗣 Matze Hielscher erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:25:01 „Früher kenne ich das mit den komischen Kalendern oder Playboys und was es nicht alles gab. Und jetzt erlebe ich aber Influencerinnen oder auch Influencer, die sich dann selbst im Grunde genauso darstellen und sich das aber unter einer feministischen Flagge.“
Matze Hielscher zieht einen Vergleich zwischen der heutigen Selbstinszenierung von Influencern auf Plattformen wie OnlyFans und früheren Formen der Sexualisierung in Medien. Er nennt Playboy als Beispiel für die Vorgängergeneration dieser Kultur und fragt, wo für Johanna Degen die Grenze zur Sexarbeit und Selbstobjektivierung beginnt.
Sozioprudenz
· 2020
Sozioprudenz ist die Lehre von der sozialen Klugheit. Sie reicht zurück bis in die ältesten Texte der Menschheit und begleitet seit jeher unser Handeln als Ratschlag für das richtige Verhalten in sozialen Situationen. Wer musste nicht schon einmal einen geselligen Abend organisieren, in der Familie Streit schlichten oder ein passendes Geschenk aussuchen? Soziologie und Sozialpsychologie stellen viele Erkenntnisse über soziale Beziehungen bereit – Sozioprudenz macht sie für den Alltag nutzbar.
🗣 Dr. Johanna Degen referenziert bei ⏱ 01:34:13 „Sozioprudenz ist ein Kollege, der hat das Buch geschrieben, da stehen auch so ein paar Experimente drin, der macht das auch. Und dann machen die irgendwas, gehen zusammen zelten, gehen wandern ohne GPS, also ohne Handy, machen eine Party mit Leuten, die sie vorher nicht kannten.“
Johanna Degen beschreibt Sozialexperimente, die sie mit Studierenden über vier Monate durchführt, um reale soziale Begegnungen zu fördern. Dabei verweist sie auf einen Kollegen, der das Buch 'Sozioprudenz' geschrieben hat und ähnliche Experimente durchführt. Das Buch enthält Anleitungen für solche sozialen Experimente wie gemeinsames Zelten, Wandern ohne Handy oder Partys mit Fremden.