Lanz & Precht – Ausgabe Zwanzig
#020

Ausgabe Zwanzig

Lanz & Precht / 14. Januar 2022 / 5 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Zum Einstieg erzählt Richard David Precht aus dem Kölner Tonstudio, wo er gerade vier Tage lang sein neues Buch über die Arbeitsgesellschaft als Hörbuch einliest — eine kraftraubende Dreier-WG mit Toningenieur inklusive. Dann wird es technikhistorisch: Vor genau 15 Jahren stellte Steve Jobs das erste iPhone vor, und die beiden fragen sich, wie ein kleines Gerät zwei Milliarden Mal verkauft werden und dabei die Welt so fundamental verändern konnte — wobei Precht zugibt, bei neuer Technik stets eine Dekade hinterherzuhinken.

„Ich war so der Letzte in meinem Umfeld, der ein Handy hatte. Und ich weiß auch noch, als ich mein erstes Handy bekam, 1997, auf dringendes Anraten eines Freundes, ich würde das brauchen. Ich selber hatte gar nicht das Gefühl, dass ich das brauche. Ich dachte, so wichtig bin ich nicht.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (5)

Erkenne die Welt – Eine Geschichte der Philosophie

Erkenne die Welt – Eine Geschichte der Philosophie

Richard David Precht · 2015

Vierbändiges Nachschlagewerk zur Philosophiegeschichte, das die historischen Denkwege von den Ursprüngen bis zur Gegenwart nachzeichnet. Das Werk vermittelt nicht nur philosophische Antworten, sondern zeigt den Weg zum eigenständigen kritischen Denken – als Anleitung zum tieferen Verstehen der Welt.

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:00:38 „Bei meiner Philosophiegeschichte mache ich das nicht selber. Da habe ich einen ganz, ganz tollen Sprecher, Brutto Primus, den ich verehre.“

Precht erwähnt seine mehrbändige Philosophiegeschichte als Kontrast zu seinem neuen Buch – bei der Philosophiegeschichte lässt er einen professionellen Sprecher lesen, während er Sachbücher mit eigenen Positionen selbst einspricht.

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Collapse: How Societies Choose to Fail or Succeed

Collapse: How Societies Choose to Fail or Succeed

Jared Diamond · 2005

This title has been removed from sale by Penguin Group, USA.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:05:38 „Die Besiedlung Grönlands durch die Wikinger von Island aus hat 400, 500 Jahre gut funktioniert, weil die Welt sich damals in einer kleinen Warmzeit befand. Und die Wikinger haben dann Schafe und Rinder gezüchtet in Grönland. Und irgendwann wurde es immer kälter. Und was haben sie gemacht? Sie haben ihre Anstrengungen intensiviert, um weiterhin Rinder zu züchten und weiterhin Schafe zu züchten und sind daran zugrunde gegangen, statt ihr Leben umzustellen und von den Inuit zu lernen, wie man Robben jagt.“

Precht erzählt ausführlich die Geschichte der Wikinger auf Grönland, die sich nicht an veränderte Bedingungen anpassten und untergingen – das zentrale Beispiel aus Jared Diamonds Buch 'Collapse'. Er nutzt es als historische Parallele zum Nokia-Moment und zur Unfähigkeit etablierter Unternehmen, disruptive Veränderungen zu erkennen.

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10xDNA – Das Mindset der Zukunft

10xDNA – Das Mindset der Zukunft

Frank Thelen · 2020

Die Digitalisierung war erst der Anfang. Jetzt startet die größte Revolution der Menschheitsgeschichte. Flugtaxis, autonome Fahrzeuge, 3D-gedruckte Häuser, Fleisch aus dem Labor – was nach Science-Fiction klingt, ist bereits Realität. Wir stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters: Auf der Basis der Digitalisierung werden Technologien wie künstliche Intelligenz, 3D-Druck, 5G, Quantencomputer und synthetische Biologie unsere Welt tiefgreifend verändern.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:07:10 „Ich habe das einem sehr interessanten Buch von Frank Thelen mal entnommen. Es gibt ein tolles Buch von Frank, wo er diese Skalierungs- und diese Disruptionsprozesse beschreibt.“

Markus Lanz spricht über den Nokia-Moment und den Kodak-Moment als Beispiele für Unternehmen, die disruptive Innovationen verschlafen haben. Er verweist auf ein Buch von Frank Thelen, in dem diese Skalierungs- und Disruptionsprozesse beschrieben werden, als Quelle für seine Beispiele.

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Summa Technologiae

Summa Technologiae

Stanisław Lem · 2013

Summa technologiae faßt die zur Zeit greifbaren Ergebnisse der futurologischen Wissenschaft zusammen und entwickelt neue, bei uns bis dahin noch nicht bekannte Konzeptionen. Das Buch handelt von einigen möglichen »Zukünften« der menschlichen Zivilisation. Die Futurologie ist keine Wissenschaft, sondern Schlachtfeld widerstreitender Interessen.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:15:55 „Also der klügste Denker über die Zukunft überhaupt, Stanislav Lem, der große Futurologe Stanislav Lem, spricht immer von der Technologiefalle. Er schreibt auf der einen Seite von all den fantastischen Möglichkeiten, die man kriegt und auf der anderen Seite, womit man das bezahlt.“

Precht zitiert Stanisław Lem als den bedeutendsten Zukunftsdenker und dessen Konzept der 'Technologiefalle' – die Idee, dass jede technische Errungenschaft fantastische Möglichkeiten bietet, aber immer auch einen Preis hat. Precht nutzt dieses Konzept, um die Ambivalenz des Smartphones zu beschreiben: mehr Möglichkeiten, aber auch totale Abhängigkeit.

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Die Gesellschaft der Singularitäten

Die Gesellschaft der Singularitäten

Andreas Reckwitz

Andreas Reckwitz untersucht in diesem Werk, wie die Digitalisierung traditionelle Rollen aufgelöst hat: Durch Smartphones und Internetplattformen kann heute jeder zum Kulturproduzenten werden, nicht nur passiv konsumieren. Diese Demokratisierung führt zu einer beispiellosen Überproduktion digitaler Inhalte und stellt zentrale Fragen zur kulturellen Wertbildung in der Spätmoderne. Das Buch bietet einen kritischen, soziologischen Blick auf die Konsequenzen dieser technologischen Verschiebung für Gesellschaft und Kultur.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:17:26 „Andreas Reckwitz, der berühmte Soziologe, hat ein tolles Buch gemacht, die Gesellschaft der Singularitäten. Ich lese dir mal einen Satz daraus vor. In der digitalen Spätmoderne ändert sich das grundlegend… Denn jeder Rezipient kann nun zum Produzenten werden.“

Markus Lanz zitiert ausführlich aus Reckwitz' Buch, um die These zu untermauern, dass das Smartphone jeden zum Kulturproduzenten gemacht hat – mit der Folge einer gewaltigen Überproduktion digitaler Kulturelemente. Precht diskutiert anschließend kritisch Reckwitz' Begriffe 'Spätmoderne' und 'Überproduktion' und sieht darin einen kulturpessimistischen Unterton.

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