Lanz & Precht – Ausgabe Achtundsechzig
#068

Ausgabe Achtundsechzig

Lanz & Precht / 23. Dezember 2022 / 9 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Einen Tag vor Heiligabend erzählt Richard David Precht die Geschichte vom Großinquisitor aus Dostojewskis Die Brüder Karamasow — eine Parabel, in der Jesus im Spanien des 16. Jahrhunderts zurückkehrt und von der Kirche nicht gefeiert, sondern als Störenfried verhaftet und zum Tode verurteilt wird. Die Geschichte wird zum Ausgangspunkt einer Reflexion darüber, wie die institutionalisierte Kirche sich von ihrem eigenen Kern entfernt hat — von einer Religion der Liebe zu einer Religion der Macht.

„Das Letzte, was die Welt jetzt noch gebrauchen könnte, wäre, dass Jesus zurückkommt. Die Kirche hätte so eine Ordnung errichtet, über so viele Jahrhunderte, mit all den Schwierigkeiten. Und jetzt käme er und wird das alles durcheinander bringen.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (9)

Die Brüder Karamasow

Die Brüder Karamasow

Fjodor Dostojewski · 2018

Der Großinquisitor ist das fünfte Kapitel des fünften Buches aus dem Roman Die Brüder Karamasow von Fjodor Dostojewski, das auch separat unter demselben Titel veröffentlicht worden ist. Zur Inhalt: Die Brüder Iwan und Aljoscha Karamasow treffen sich in einem Gasthaus. Der jüngere Aljoscha ist ein tief gläubiger Mönch, während Iwan ein atheistischer Intellektueller ist. Er erzählt die Binnenerzählung über den Großinquisitor. Diese handelt davon, dass Jesus Christus im Sevilla des 16.

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:12 „Und die habe ich das erste Mal gelesen, da war ich 18. Da habe ich die Brüder Karamasoff versucht zu lesen. Dostoyevsky. Und wenn man das Buch liest, dann ist man konfrontiert mit tausenden von Namen und die haben im Russischen auch immer noch Koseformen und das ist ein ziemlicher Kampf.“

Precht erzählt seine Lieblingsweihnachtsgeschichte und greift dafür auf Dostojewskis Roman zurück. Er beschreibt ausführlich das Kapitel vom Großinquisitor, in dem der Atheist Ivan seinem Bruder Aljoscha eine Parabel über die Wiederkehr Jesu zur Zeit der spanischen Inquisition erzählt. Für Precht ist diese Geschichte deshalb so stark, weil sie realistisch zeigt, dass die institutionalisierte Kirche Jesus als Störfaktor beseitigen würde.

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Per Anhalter durch die Galaxis

Per Anhalter durch die Galaxis

Douglas Adams · 1979

Science-Fiction-Komödie über einen unfreiwilligen Weltraum-Reisenden, der nach der Zerstörung der Erde durchs Universum treibt. Das Buch vereint absurde Philosophie mit humorvollen Szenarien und etabliert das Motto 'Don't Panic' als Antwort auf die Absurdität der Existenz.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:07:32 „Genügt es nicht zu sehen, dass ein Garten zum Beispiel dass der einfach schön ist, ohne dass man dann auch noch glaubt, dass irgendwelche Feen darin wohnen. [...] Das ist schön. Douglas Adams. Ah, okay. Das ist schön. Ja, Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxie.“

Lanz zitiert Douglas Adams mit einem Satz über die Schönheit der Natur ohne religiöse Überhöhung, um ketzerisch die Frage aufzuwerfen, ob Spiritualität und Religion wirklich notwendig sind. Precht erkennt das Zitat sofort und ordnet es Douglas Adams' bekanntestem Werk zu.

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Why God Won't Go Away

Why God Won't Go Away

Andrew Newberg

"Why have we humans always longed to connect with something larger than ourselves? Why does consciousness inevitably involve us in a spiritual quest? Why, in short, won't God go away? Theologians, philosophers, and psychologists have debated this question through the ages, arriving at a range of contradictory and ultimately unprovable answers. But in this new book, researchers Andrew Newberg and Eugene d'Aquili offer an explanation that is at once profoundly simple and scientifically precise: T...

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:10:39 „Und das Buch von Newman heißt Why God Won't Go Away. Also warum uns der liebe Gott nicht verlässt, weil er sich in uns verankert hat, in unserem Gehirn.“

Precht erwähnt das Buch im Kontext einer Diskussion über Neurobiologen (Persinger und Newberg), die versucht haben, ein religiöses Zentrum im Gehirn nachzuweisen. Er findet deren These, Gott habe uns dieses Zentrum als 'Werkseinstellung' eingebaut, wenig überzeugend und kritisiert den neurowissenschaftlichen Ansatz der 80er/90er Jahre als zu simpel für so große Fragen.

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Die Bibel

Die Bibel

Die Bibel als Klassiker der Weltliteratur und religiöses Fundament – ein Werk, das in westlichen Kulturen ständig zitiert wird, vielen Menschen aber weitgehend unbekannt bleibt. Jan Böhmermann nennt sie als eine seiner größten Wissenslücken und beschreibt das Unbehagen, nicht mitreden zu können, wenn andere Bibelreferenzen einbauen. Eine Anleitung zum Nachschlagen für alle, die ihre Kulturkompetenz erweitern möchten.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:11:50 „Zumal die Bibel sich ja da selber nicht so ganz einig ist. Weil beim ersten Mal werden die, am Anfang der Priesterschrift wird der Mensch geschaffen. Da wird gar nicht gesagt, wie und wo. Und da sind auf einmal Mann und Frau da. Und dann wird nachher noch eine Geschichte nachgereicht mit diesem Schnitzwerk.“

Precht analysiert die Widersprüche in den biblischen Schöpfungsgeschichten, konkret zwischen der Priesterschrift und der zweiten Erzählung mit der Erschaffung Evas aus der Rippe Adams. Er ordnet diese als zwei verschiedene Überlieferungen ein, die 250 Jahre auseinanderliegen.

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Der Gotteswahn

Der Gotteswahn

Richard Dawkins · 2011

»Religion ist irrational, fortschrittsfeindlich und zerstörerisch.« Richard Dawkins, einer der einflussreichsten Intellektuellen der Gegenwart, zeigt, warum der Glaube an Gott einer vernünftigen Betrachtung nicht standhalten kann. Ein wichtiges Buch, das zu einem brennend aktuellen Thema eindeutig und überzeugend Position bezieht – brillant und bei aller Schärfe humorvoll. Entdecken Sie auch das Hörbuch zu diesem Titel!

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:12:20 „Du kennst doch Richard Dawkins. Absolut. Dieses großartige Buch der Gotteswahn zum Beispiel. Finde ich nicht ganz so großartig.“

Lanz bringt Dawkins' Bestseller als Beispiel für militanten Atheismus ins Gespräch und findet die Grundidee faszinierend, religiöse Überzeugungen rational zu hinterfragen. Precht widerspricht sofort und entwickelt daraus seine Kritik an Dawkins als 'Mullahdes Atheismus', der dieselbe Schwarz-Weiß-Logik benutze wie religiöse Eiferer.

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The Root of All Evil?

The Root of All Evil?

Richard Dawkins · 2006

Richard Dawkins' Dokumentarserie „The Root of All Evil?" untersucht die Auswirkungen von Religion auf die Gesellschaft und argumentiert, dass Religiosität eine zentrale Quelle für weltweite Konflikte darstellt. Die Serie ist bekannt für ihre kontroverse Werbeanzeige, die eine Welt ohne Religion imaginiert. Dawkins' These, dass Religionen Leid verursachen, wurde zum Ausgangspunkt intensiver Debatten über den Zusammenhang zwischen Glaube und Gewalt.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:13:08 „Dawkins hatte glaube ich mal, war das Channel 4? Ich glaube ja, in England so eine zweiteilige Serie. Ich glaube, die hieß die Wurzel allen Übels. Genau darum, dass Religion die Wurzel allen Übels ist.“

Lanz erinnert sich an Dawkins' Channel-4-Dokumentation und erzählt begeistert von deren berühmter Werbeanzeige: die Skyline von Manhattan mit den Twin Towers und dem Satz 'Stellen Sie sich eine Welt ohne Religion vor'. Er nutzt das als Aufhänger für die Diskussion, ob die Welt ohne Religion friedlicher wäre.

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Imagine

Imagine

John Lennon

Imagine (englisch für: ‚Stell dir vor‘) ist ein Popsong von John Lennon. Die Ballade wurde im September 1971 auf seinem gleichnamigen Album Imagine sowie einen Monat später als Single veröffentlicht. Das Lied beschreibt die Vision einer Gesellschaft frei von Religion, Nationalismus und Besitz, ist ein Aufruf für den Frieden und gilt als eine Hymne der Friedensbewegung.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:30:08 „Wusstest du, es gibt doch diesen großartigen Song von John Lennon, Imagine. Wo er ja sozusagen genau über diese Utopien nachspricht. Und keine Religion. Genau. Stell dir vor, da gäbe es auch keine Religion. Es gab Zeiten, und ich vermute, es gibt sie immer noch, in denen dieser großartige Song von John Lennon in Amerika von bestimmten Radiostationen ohne diese Zeile gespielt wurde.“

Lanz bringt den Song als Beispiel dafür, wie weit die religiöse Radikalisierung in Amerika geht. Er beschreibt, dass evangelikale Radiostationen die Zeile über eine Welt ohne Religion aus dem Song herausschnitten – für ihn ein Beleg, wie kreationistisch und rückwärtsgewandt bestimmte christliche Strömungen in den USA geworden sind.

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Tractatus logico-philosophicus

Tractatus logico-philosophicus

Ludwig Wittgenstein · 2024

Le Tractatus Logico-Philosophicus de Ludwig Wittgenstein (1889-1951) est une oeuvre fondamentale de la philosophie analytique publiée pour la première fois en 1921. Wittgenstein y propose une théorie de la représentation linguistique et logique du monde ; selon lui, le monde est constitué de faits atomiques pouvant être représentés par des propositions élémentaires.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:31:08 „Ehrlich gesagt ist das ja eine Frage, die mich nicht interessiert. Das hängt damit zusammen, die gehört in den Bereich der sinnlosen Fragen nach Wittgenstein. Also Fragen, von denen man, egal was man darüber denkt, immer weiß, dass man es doch nicht weiß.“

Auf die Frage, ob es ein allmächtiges Wesen gibt, verweist Precht auf Wittgensteins Konzept der sinnlosen Fragen – also Fragen, die prinzipiell nicht beantwortbar sind. Dieses Konzept entstammt dem Tractatus, in dem Wittgenstein argumentiert, dass die meisten philosophischen Fragen keine echten Fragen sind, sondern Missverständnisse der Sprache. Precht nutzt dies, um zu erklären, warum ihn die Gottesfrage nicht interessiert.

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Kritik der reinen Vernunft

Kritik der reinen Vernunft

Immanuel Kant · 2021

Keine ausführliche Beschreibung für "Immanuel Kant’s Kritik der reinen Vernunft" verfügbar.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:31:18 „Kant hat das in seinen berühmten Antinomien, also in den Gegensatzpaaren, unauflösbaren Gegensatzpaaren gesagt, man kann sich nicht vorstellen, dass die Erde endlich ist. Das kann sich also nicht vorstellen, oder die Zeit gehört ja auch dazu, das Universum, aber vor allem die Zeit. Dass die Zeit endlich ist, können wir uns nicht vorstellen.“

Precht erklärt anhand von Kants Antinomien, warum die Frage nach dem Anfang der Welt oder der Zeit für das menschliche Denken unlösbar ist. Die Antinomien stammen aus Kants 'Kritik der reinen Vernunft' und beschreiben Widerspruchspaare, in die sich die Vernunft zwangsläufig verstrickt, wenn sie über das Unendliche nachdenkt. Precht nutzt das Argument, um zu begründen, warum bestimmte metaphysische Fragen auch in tausend Jahren unbeantwortet bleiben werden.

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