Ausgabe Siebzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Zum Dreikönigstag tauchen Lanz und Precht in die Ursprünge der Heiligen Drei Könige ein — Richard David Precht erklärt, warum sie als Könige gar nicht in der Bibel vorkommen, sondern erst im Mittelalter dazu wurden, während im Matthäusevangelium nur Sterndeuter aus dem persischen Kulturkreis auftauchen. Daraus entspinnt sich eine warmherzige Erinnerung an Lanz' Kindheit als Sternsinger in Südtirol: mit Schneeketten zu abgelegenen Bergbauernhöfen fahren, in teure Ferienhäuser deutscher Touristen spähen und dafür Kekse und Tee kassieren — ein dolomitisches Bullerbü, wie Precht es nennt.
„Immer wenn du von Südtirol erzählst, hat das sowas von Kinderbuch, dass man sich irgendwie wünscht, so eine Kindheit hätte ich auch lange gehabt.“
Erwähnte Medien (10)
Bullerbü
Astrid Lindgren · 2012
In Bullerbü gibt es nur drei Höfe. Dort spielen die 6 Kinder von früh bis spät.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:03:10 „Also so ein dolomitisches Bullerbü irgendwie.“
Precht vergleicht Lanz' idyllische Kindheitserinnerungen aus Südtirol mit der heilen Welt aus Astrid Lindgrens Bullerbü-Büchern. Es ist eine beiläufige kulturelle Referenz, um die bilderbuchhafte Qualität von Lanz' Erzählungen zu charakterisieren.
Winnetou / Der Schuh des Manitu
Karl May · 2015
Old Shatterhand kann sich nur in letzter Not aus den Flammen eines in Brand geratenes Öllagers retten und Winnetou lernt die Schmerzen der Liebe kennen. Die Abenteuer die Winnetou und Old Shatterhand zu bestehen haben, gehen in die zweite Runde.
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:07:18 „Ich kenne die Geschichte von Karl May. Beim Schuh springt er doch mit Rieh zu seinem Achterbarhengst über so eine Schlucht. Ich wusste gar nicht, dass er das sozusagen aus den Dolomiten geklaut hat. Karl May hat doch überall geklaut, das wissen wir doch.“
Als Lanz die Dolomitenlegende vom Grafen Prack erzählt, der mit seinem Pferd über eine Schlucht springt, erkennt Precht die Parallele zu einer Karl-May-Szene, in der eine ähnliche Schluchtüberquerung vorkommt. Precht merkt scherzhaft an, dass Karl May bekanntlich überall abgeschrieben habe.
Gelassenheit
Wilhelm Schmid · 2014
Gelassenheit ist in jeder Lebensphase ein Gewinn, insbesondere aber beim Älterwerden. Dieses Buch zeigt in zehn Schritten den Weg zu ihr auf. Es scheint an ihr zu fehlen: Die fortschreitende Moderne wühlt die Menschen dermaßen auf und wirbelt ihr Leben so sehr durcheinander, dass die Sehnsucht nach Gelassenheit wächst. Sie war ein großer Begriff seit der Antike. In der Moderne aber geriet sie in Vergessenheit.
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:10:41 „Du kennst Wilhelm Schmid, Philosophen. Ich habe mich vor Jahren mal mit dem über dessen schönes Buch unterhalten. Gelassenheit, das heißt auch genau so. Und er sagt, Gelassenheit ist das, was wir gewinnen, wenn wir älter werden.“
Im Gespräch über die Sehnsucht nach Gelassenheit in krisenreichen Zeiten empfiehlt Lanz das Buch des Philosophen Wilhelm Schmid. Er greift dessen zentrale These auf, dass Gelassenheit mit dem Alter kommt – laut Schmid beginne das ab 60 und werde mit 70 immer besser. Lanz nutzt das Buch als Rahmen für seine eigene Reflexion über Lebenserfahrung und innere Ruhe.
Gladiator
Ridley Scott · 2000
Der gefeierte römische Feldherr Maximus wird vom sterbenden Kaiser Marcus Aurelius gebeten, seine Nachfolge anzutreten. Um dies zu verhindern, tötet Aurelius’ Sohn seinen Vater und ordnet die Exekution von Maximus und seiner Familie an. Maximus gelingt die Flucht. Verwundet wird er von einem Sklavenhändler gefangen genommen und muss sich fortan als Gladiator beweisen. Als Kampfmaschine hat er schließlich nur noch ein Ziel: Rache an seinem Peiniger zu nehmen …
🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:18:06 „Ja, also ein später Stoiker. Kaiser. Ja, und ist da im Germanienfeld so, blutig, dreckig, so wie man den aus Gladiator kennt.“
Precht verweist beiläufig auf den Film Gladiator, um das Bild von Marc Aurel als Feldherr in Germanien zu illustrieren. Die Referenz dient als kultureller Anknüpfungspunkt, den beide Gesprächspartner teilen.
Selbstbetrachtungen
Marc Aurel · 2012
Marc Aurel: Selbstbetrachtungen • Für die eBook-Ausgabe neu editiert • Voll verlinkt, und mit detailliertem Inhaltsverzeichnis • Mit ausführlichen Erläuterungen im Anhang • Mit Bildergalerie der berühmtesten Skulpturen Marc Aurels in Museen überall auf der Welt »Als ›Ta eis heautón‹ wurden diese Aufzeichnungen zusammengefasst, was etwa heißt: ›Das an sich selbst Gerichtete‹, ›Das zu sich selbst Gesagte‹.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:18:21 „Und angeblich hat er dann da in Germanien hinter der Front in aller Ruhe dieses Büchlein geschrieben, das ein zeitloser Klassiker geworden ist und in dem alle Weisheiten der Gelassenheit drinstehen. Der Toleranz, der Feindesliebe, der Achtung vor dem Anderen.“
Die Selbstbetrachtungen von Marc Aurel sind ein zentrales Thema des Gesprächs über das Revival der stoischen Philosophie. Precht stellt die provokante These auf, dass Marc Aurel das Werk möglicherweise gar nicht selbst verfasst hat, da es in krassem Widerspruch zu seiner Rolle als Christenverfolger und Kriegsführer steht. Lanz ordnet das Buch in aktuelle Parallelen ein – Pandemien, Klimawandel, Kriege.
De Bello Gallico (Der Gallische Krieg)
Julius Caesar · 2025
De Bello Gallico is a seminal work of historical and political literature, offering a firsthand account of Julius Caesar's campaigns in Gaul during the 1st century BCE. More than a simple chronicle of military conquests, the text serves as both a detailed record of strategy and a subtle piece of political propaganda, crafted to reinforce Caesar's authority and justify his actions to the Roman Senate and people.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:19:31 „Ich könnte viele Beispiele von Texten, also ob Cäsar den Gallischen Krieg da selbst, den Bello Gallico da selbst verfasst hat oder ob er den diktiert hat oder ob der sinngemäß in Gesprächen geschrieben wurde, so wie heute Politiker sich ihre Bücher schreiben lassen.“
Precht zieht Caesars 'De Bello Gallico' als Parallele heran, um seine These zu untermauern, dass antike Texte oft nicht von ihren angeblichen Autoren selbst geschrieben wurden. Er vergleicht das mit der modernen Praxis, dass Politiker ihre Bücher von Ghostwritern schreiben lassen.
Elemente
Euklid
Die Elemente (im Original Στοιχεῖα Stoicheia „Anfangsgründe“) sind eine Abhandlung des griechischen Mathematikers Euklid (3. Jahrhundert v. Chr.), in der er die Arithmetik und Geometrie seiner Zeit zusammenfasst und systematisiert. Das Werk zeigt erstmals musterhaft den Aufbau einer exakten Wissenschaft, da die meisten Aussagen aus einem begrenzten Vorrat von Definitionen, Postulaten und Axiomen hergeleitet und bewiesen werden. Die Elemente wurden zweitausend Jahre lang als akademisches Lehrbuch...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:19:46 „Oder das berühmteste Beispiel, der berühmteste Mathematiker der Antike, Euclid, wo die gesammelte mathematische Weisheit der Antike drin ist in dem Buch von Euclid, ist höchstwahrscheinlich nicht mal eine Person gewesen.“
Precht nennt Euklids Werk als weiteres Beispiel für seine These, dass berühmte antike Texte nicht unbedingt von einer einzelnen Person stammen. Er argumentiert, dass Euklid möglicherweise gar keine reale Einzelperson war, sondern dass unter seinem Namen das gesammelte mathematische Wissen der Antike zusammengetragen wurde.
Prediger Salomo
· 1864
Biblisches Weisheitsbuch mit starken stoischen Einflüssen. Der Text verbreitet eine fatalistische Weltsicht – "Es gibt nichts Neues unter der Sonne" – und reflektiert stoische Gedanken zu Ewigkeit und Wiederkehr statt originär jüdisch-religiöser Traditionen.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:26:23 „Was im Prediger Salomo abgebildet ist. Der Prediger Salomo aus der Bibel ist von Stoikern geschrieben. Der ist nicht von religiösen Juden geschrieben, sondern das ist ein stoischer Text, der da eingewandert ist. Und da ist es, es gibt nichts Neues unter der Sonne.“
Precht überrascht mit der These, dass der Prediger Salomo kein originär jüdisch-religiöser Text sei, sondern ein stoischer Text, der in die Bibel eingewandert ist. Er nutzt das berühmte Zitat 'Es gibt nichts Neues unter der Sonne', um die stoische Idee der ewigen Wiederkehr und des fatalistischen Weltenlaufs zu illustrieren.
Anarchy, State, and Utopia
Robert Nozick · 1974
Robert Nozick's Anarchy, State, and Utopia is a powerful, philosophical challenge to the most widely held political and social positions of our age -- liberal, socialist and conservative. "Individuals have rights," Nozick writes in his opening sentence, "and there are things no person or group may do to them without violating their rights." The work that follows is a sophisticated and passionate defence of the rights of the individual as opposed to the state.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:33:09 „Du kennst bestimmt diese ultimative Glücksmaschine, die Robert Nozick sich mal ausgedacht hat. Robert Nozick, 60er, 70er Jahre, amerikanischer Philosoph, konservativer amerikanischer Philosoph. Und der sich gesagt hat, wenn es jetzt so eine Glücksmaschine gäbe, wenn man da drin ist, wenn man da reinsteigt, dann hat man im Leben immer nur positive Erlebnisse.“
Precht führt Robert Nozicks berühmtes Gedankenexperiment der 'Experience Machine' ein, um zu zeigen, warum eine perfekte virtuelle Welt niemand wirklich wollen würde. Er erzählt, wie er die Frage einmal vor 1000 IT-Spezialisten in München stellte und nur 8 bereit gewesen wären einzusteigen – obwohl sie alle beruflich an genau solchen Optimierungen arbeiten. Das Gedankenexperiment stammt aus Nozicks Hauptwerk 'Anarchy, State, and Utopia'.
Stanford Commencement Speech 2005
Steve Jobs · 2022
In Europa gibt seit dem 19. Jahrhundert eine erkennbare Bewegung hin zum Buddhismus. Nachdem die ersten Kreise sich vor allem mit Texten auseinandergesetzt hatten, folgte die Bewegung des Meditationsbuddhismus und in der Folge der Tibetische Buddhismus, Christen entdeckten den Zen. Mit der Achtsamkeitsbewegung erreichte der Buddhismus schließlich den Mainstream; ein Wandel in der gesellschaftlichen Religionswahrnehmung sowie wichtige Persönlichkeiten wie Thich Nhat Hanh oder der Dalai Lama präge...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:41:01 „Den zweiten Satz kennt man in der Trivial-Version von Steve Jobs, dass man jeden Tag so leben sollte, als wenn es der letzte wäre. Das ist ja im Grunde genommen daraus abgeleitet. Und man kann daran sehen, dass all diese Weisheiten 2000 Jahre alt sind.“
Precht ordnet Steve Jobs' berühmten Rat, jeden Tag so zu leben, als wäre es der letzte, als popularisierte Variante einer 2000 Jahre alten stoischen Weisheit ein. Er nutzt den Vergleich, um zu zeigen, dass die Kerngedanken der Stoiker bis heute in der Populärkultur nachwirken – auch wenn unklar bleibt, ob sie die Menschheit wirklich weiser gemacht haben.