Lanz & Precht – Ausgabe Siebenundsiebzig
#077

Ausgabe Siebenundsiebzig

Lanz & Precht / 24. Februar 2023 / 9 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Richard David Precht probt mit seinen Studenten der Musikhochschule Hans Eisler Aufführungen zu Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften — für ihn das bedeutendste Werk der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts und seine persönliche Bibel. Er erklärt, warum ihn Musils einzigartige Verbindung von Ingenieurswesen und Philosophie seit dem Studium fasziniert, und liefert eine charmante Kurzanleitung, wie man auf Partys so tun kann, als hätte man den 1.000-Seiten-Roman tatsächlich gelesen.

„Das kannst du dir auf den Nachtkasten legen, drin blättern und du findest immer wieder irgendeinen Satz, wo du denkst, I wish I had written this song. Das ist so schlau und so geistreich.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (9)

Der Mann ohne Eigenschaften

Der Mann ohne Eigenschaften

Robert Musil · 1930

Robert Musils unvollendeter Monumentalroman, erschienen ab 1930. Das Werk begleitet den Mathematiker Ulrich durch das Wien des Jahres 1913 und verbindet essayistisches Denken mit erzählerischer Brillanz. Musil entwirft ein Panorama der untergehenden k.u.k.-Monarchie und fragt nach den Möglichkeiten eines gelingenden Lebens.

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:01:03 „Machen wir Aufführungen zu Robert Musils Roman »Der Mann ohne Eigenschaften«. Das ist sozusagen dieses Jahrhundertbuch, über das ich meine sämtlichen Uni-Arbeiten geschrieben habe. Und das sozusagen das bedeutendste Werk der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts ist, das nur wenige gelesen haben.“

Precht erzählt, dass er mit seinen Studenten an der Musikhochschule Hans Eisler Aufführungen zu Musils Roman vorbereitet. Er bezeichnet das Buch als seine 'persönliche Bibel' und das bedeutendste Werk der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Er schwärmt von Musils Fähigkeit, naturwissenschaftliches und geisteswissenschaftliches Denken in ironischer Sprache zusammenzubringen.

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Wege zum Ruhm

Wege zum Ruhm

Stanley Kubrick · 1957

Frankreich im Ersten Weltkrieg. Die Ruhmsucht des General Mireau wird für seine Soldaten zum tödlichen Verhängnis: Er gibt Schießbefehl auf verloren geglaubte Teile seiner Bastion und hält Kriegsgericht über die eigenen Männer. Nur der couragierte Colonel Dax wagt es, sich dem machtgierigen Mireau entgegen zu stellen. Doch im Krieg kann es keine Gewinner geben.

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:05:58 „Es gibt einen faszinierenden Film von Stanley Kubrick, eine seiner allerersten Filme, die er gemacht hat, »Wege zum Ruhm«. Das ist der eindrucksvollste Kriegsfilm, den ich kenne. Und der handelt von diesem Abnutzungskrieg im Ersten Weltkrieg.“

Im Gespräch über den Abnutzungskrieg im Ersten Weltkrieg und die Parallelen zum Ukraine-Krieg empfiehlt Precht Kubricks frühen Antikriegsfilm. Er nennt ihn den eindrucksvollsten Kriegsfilm, den er kennt, und hebt hervor, dass der Film die Eitelkeit von Generälen thematisiert, die junge Menschen für minimale Geländegewinne verheizen.

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Chronik eines angekündigten Todes

Chronik eines angekündigten Todes

Gabriel García Márquez · 2007

Chronik eines angekündigten Todes (im Original Crónica de una muerte anunciada) ist ein Roman des kolumbianischen Schriftstellers Gabriel García Márquez. Er erschien erstmals 1981 in spanischer Sprache und wurde im selben Jahr ins Deutsche übersetzt. Der Roman spielt in verwandtem Umfeld zu demjenigen aus Hundert Jahre Einsamkeit; einige Personen finden in beiden Romanen zumindest intertextuelle Erwähnung.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:07:53 „Dann reden wir irgendwann über 300, 400, 500.000 Tote auf beiden Seiten. Eine ganze Generation junger Menschen, die da verheizt worden ist. Also die Vorstellung, dass man einen Abnutzungskrieg überhaupt ins Kalkül aufnimmt und sagt, naja, das wird jetzt wahrscheinlich so kommen. Das ist die Chronik einer angekündigten Katastrophe.“

Precht spricht über die Eskalationslogik des Ukraine-Kriegs und die drohenden Opferzahlen. Er verwendet die Wendung 'Chronik einer angekündigten Katastrophe' – eine deutliche Anspielung auf Gabriel García Márquez' Roman 'Chronik eines angekündigten Todes' (Crónica de una muerte anunciada), um die Vorhersehbarkeit der Tragödie zu unterstreichen.

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Rambo

Rambo

Ted Kotcheff / Sylvester Stallone · 2008

John Rambo lebt seit langer Zeit zurückgezogen in Thailand. Das benachbarte Birma ist seit 60 Jahren im Würgegriff eines blutigen Bürgerkrieges. Im Kampf gegen die dort herrschende Unmenschlichkeit sucht ein Team von freiwilligen Helfern Rambo auf um sich von ihm ins Zielgebiet bringen zu lassen. Zunächst abgeneigt willigt Rambo schließlich ein. Bereits kurze Zeit später wird das besuchte Dorf brutal niedergemacht. Fast alle Einwohner werden getötet, nur das Helferteam gerät in Gefangenschaft.

🗣 Richard David Precht erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:10:12 „Also 58.000 amerikanische Soldaten und überleg mal an all die Filme, die es gibt. Auch über das, was du gerade sagtest, selbst die Rambo-Filme. Das ist ja das gleiche Motiv und es gibt ja ganz, ganz viele andere. Also das große US-amerikanische Trauma der Kriegsheimkehrer, der Kriegsgeschädigten.“

Precht erwähnt die Rambo-Filme als Beispiel für das kulturelle Verarbeiten des Kriegsheimkehrer-Traumas nach dem Vietnamkrieg. Er nutzt sie als Referenz, um zu verdeutlichen, wie tief das Trauma von 58.000 gefallenen US-Soldaten die amerikanische Gesellschaft und Popkultur geprägt hat.

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Weiße Raben

Weiße Raben

· 2005

Neun Jahre Krieg in Tschetschenien. Ein schmutziger, sinnloser Krieg. Ein Krieg des verletzten russischen Reiches. Ein Krieg, an dem viele verdienen. Ein Krieg, von dem keiner gerne spricht. Die Beziehung zu Russland ist wichtiger. Man ist froh, dass der Krieg ein neues Etikett bekommen hat: Kampf gegen den Terrorismus. Das klingt gesund und gerecht.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:10:25 „Und ich habe ja hier schon mal gesprochen vom Tschetschenien-Krieg. Diese eindrucksvolle Dokumentation, weiße Raben, was den russischen Soldaten wurde, die in Tschetschenien eingesetzt wurden und solche Grauen gesehen haben, erlebt haben, durchgeführt haben und so weiter.“

Precht verweist auf eine Dokumentation über russische Soldaten im Tschetschenien-Krieg, um die psychischen Folgen von Kriegseinsätzen zu verdeutlichen. Er zieht eine Parallele zum Ukraine-Krieg und den Traumata, die auf beiden Seiten entstehen.

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Strukturwandel der Öffentlichkeit

Strukturwandel der Öffentlichkeit

Jürgen Habermas · 1965

**The Structural Transformation of the Public Sphere: An Inquiry into a Category of Bourgeois Society* (German: *Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft*) is a 1962 book by the philosopher Jürgen Habermas. It was translated into English in 1989 by Thomas Burger and Frederick Lawrence.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:20:35 „Er hat schon sehr früh ein sehr kluges Buch über Medien geschrieben, der Strukturwandel der Öffentlichkeit, seine Habilitationsschrift. Dem er also sehr gut versucht hat zu erklären, inwiefern Medien eine zentrale Rolle für das Funktionieren oder Nicht-Funktionieren von Demokratie hinspielen.“

Precht erklärt Lanz die Bedeutung von Jürgen Habermas und nennt dessen Habilitationsschrift als Beispiel für sein wegweisendes Werk. Er betont, dass die darin behandelte Frage nach der Rolle der Medien für die Demokratie heute 'spannender denn je' sei.

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The Bomb: Presidents, Generals, and the Secret History of Nuclear War

The Bomb: Presidents, Generals, and the Secret History of Nuclear War

Fred Kaplan · 2021

From the author of the classic The Wizards of Armageddon and Pulitzer Prize finalist comes the definitive history of American policy on nuclear war—and Presidents’ actions in nuclear crises—from Truman to Trump. Fred Kaplan, hailed by The New York Times as “a rare combination of defense intellectual and pugnacious reporter,” takes us into the White House Situation Room, the Joint Chiefs of Staff’s “Tank” in the Pentagon, and the vast chambers of Strategic Command to bring us the untold stories—b...

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:33:12 „Sprengkraft, sagt Kaplan, 7000 Megatonnen. Das hätte ungefähr 200 Millionen Menschen getötet und zwar auf einen Schlag. Und es gab zeitweise, musst du dir mal vorstellen, 16.000 verschiedene Ziele, allein auf einmal.“

Lanz zitiert den Nuklearstrategie-Experten Fred Kaplan, um das Ausmaß der atomaren Bedrohung während des Kalten Krieges zu verdeutlichen. Die Zahlen – 7.000 Megatonnen Sprengkraft, 200 Millionen Tote, 700 Sprengköpfe allein auf Moskau – stammen aus Kaplans Arbeit über die amerikanische Atomkriegsplanung. Ein konkreter Buchtitel wird nicht genannt, die Fakten passen zu Kaplans bekanntem Werk über die nukleare Kriegsführung.

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Revanche. Wie Putin das bedrohlichste Regime der Welt geschaffen hat

Revanche. Wie Putin das bedrohlichste Regime der Welt geschaffen hat

Michael Thumann · 2023

Kaum einer kennt Russland besser als Michael Thumann, der seit über 25 Jahren aus Osteuropa für die ZEIT berichtet. Er legt nun ein atemberaubend geschriebenes Buch vor, das Russlands Absturz in eine zunehmend totalitäre Diktatur und den Weg in Putins imperialistischen Krieg aus nächster Nähe nachzeichnet. Das Motiv des Diktators und seiner Getreuen: Revanche zu nehmen für die demokratische Öffnung nach 1991 und die vermeintliche Demütigung durch den Westen.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:33:58 „Michael Thumann kürzlich bei uns hingewiesen, der ein fantastisches Buch über dieses Putin-Regime geschrieben hat, Kollege von der Zeit. Er sagte, da fangen die dann an, irgendwelche gut sichtbaren Verteidigungsdinge auf Dächer zu montieren, irgendwelche Raketen und so weiter.“

Lanz spricht über die Inszenierung militärischer Bedrohung in Moskau und zitiert den ZEIT-Korrespondenten Michael Thumann als Quelle. Thumann habe beschrieben, wie das Putin-Regime sichtbare Verteidigungsanlagen auf Dächern montiert und Gräben ausheben lässt, um der Bevölkerung einen äußeren Feind vorzugaukeln. Lanz nennt das Buch ausdrücklich 'fantastisch'.

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Manifest für Frieden

Manifest für Frieden

Alice Schwarzer, Sarah Wagenknecht · 2024

Wer den Frieden will, muss den Frieden vorbereiten Alle reden vom Krieg, vom Frieden reden zu wenige: Die weißen Tauben sind müde. Heribert Prantl begründet, warum wir eine neue Friedensbewegung, eine neue Entspannungspolitik und keinen dritten Weltkrieg brauchen – es wäre der letzte. Und er denkt darüber nach, wie die Zähmung der Gewalt, wie Entfeindung gelingen kann, wie wir Frieden lernen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:43:20 „Wenn ich dieses letzte Manifest von Sarah Wagenknecht zum Beispiel lese, wenn es da heißt, diese Eskalation der Rüstung, das muss jetzt endlich mal beendet werden, lieber Herr Bundeskanzler, denke ich, nee, warte mal, die Eskalation muss jetzt endlich mal beendet werden, lieber Wladimir Putin.“

Lanz kritisiert das Anfang 2023 veröffentlichte 'Manifest für Frieden' von Schwarzer und Wagenknecht. Er stört sich daran, dass die Aufforderung zur Beendigung der Rüstungseskalation an den deutschen Bundeskanzler gerichtet wird statt an Putin. Precht verteidigt das Manifest mit dem Argument, dass man als deutsche Staatsbürger nur auf die eigene Regierung einwirken könne.

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