Lanz & Precht – Ausgabe Fuenfundachtzig
#085

Ausgabe Fuenfundachtzig

Lanz & Precht / 21. April 2023 / 8 Medien

Markus Lanz & Richard David Precht

Die Episode dreht sich um Deutschlands verschlafenen Glasfaserausbau: Bereits 1981 hatte die Regierung Schmidt beschlossen, Westdeutschland bis 2015 mit Glasfaser auszustatten — doch Helmut Kohl setzte stattdessen auf Kupferkabel, um das Privatfernsehen und damit seinen Duzfreund Leo Kirch zu fördern. Anhand eines Terra-X-History-Posts wird aufgedröselt, wie politische Gefälligkeiten und der Groll auf investigative Formate Deutschland digital ins Hintertreffen brachten.

„Die Regierung Schmidt hat 1981 beschlossen, dass Deutschland bis 2015 mit Glasfaseranschlüssen ausgestattet sein soll. Und heute sind wir ganz, ganz, ganz, ganz weit hinten, weil Kohl lieber das Privatfernsehen gefördert hat.“
🗣 Markus Lanz

Erwähnte Medien (8)

Väter der Klamotte

Väter der Klamotte

· 1973

Väter der Klamotte war eine Klamauk-Sendereihe, die größtenteils stumme Kurzfilmkomödien der 1910er- und 1920er-Jahre mit neuen, von Hanns Dieter Hüsch oder Hans Michael Rehberg gesprochenen deutschsprachigen Kommentaren und Dialogen präsentierte

🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:02:44 „Bestimmt auch deine Lieblingsserie, Väter der Klamotte.“

Im Gespräch über Leo Kirchs Medienimperium und dessen Rolle als Filmhändler neckt Markus Lanz Richard David Precht mit der Slapstick-Clip-Serie 'Väter der Klamotte', die zum Kirch-Programm gehörte. Die Erwähnung ist scherzhaft gemeint.

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Panorama

Panorama

ARD / NDR · 1953

Deutsches Nachrichtenmagazin mit investigativen Reportagen zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Panorama ist bekannt für tiefgründigen, kritischen Journalismus und prägt seit Jahrzehnten die deutsche Medienlandschaft mit aufdeckenden Recherchen und gesellschaftskritischen Analysen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:03:21 „Und Kohl hatte ja immer, weißt du ja auch, der hatte immer Stress mit öffentlich-rechtlichen, investigativen Formaten, Panorama und Monitor und so. Das ging ihm alles auf den Geist.“

Lanz erklärt, warum Helmut Kohl das Privatfernsehen gefördert hat. Als Gegenbeispiel nennt er die investigativen ARD-Magazine Panorama und Monitor, die Kohl kritisch begleiteten und ihm lästig waren.

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Monitor

Monitor

ARD / WDR · 1958

Investigative Dokumentarsendung des ARD/WDR. Monitor recherchiert gründlich zu Missständen und Skandalen in Deutschland – bekannt für langsame, Details-orientierte Erzählweise, die Komplexität nicht vereinfacht und Komplizenschaft geduldig offenlegt.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:03:21 „Und Kohl hatte ja immer, weißt du ja auch, der hatte immer Stress mit öffentlich-rechtlichen, investigativen Formaten, Panorama und Monitor und so. Das ging ihm alles auf den Geist.“

Im selben Atemzug wie Panorama erwähnt Lanz das WDR-Politmagazin Monitor als eines der investigativen Formate, die Kohl ein Dorn im Auge waren und die seine Präferenz für den Ausbau des Privatfernsehens mitbegründeten.

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Indiens tote Töchter

Indiens tote Töchter

Markus Lanz

Dokumentarische Reportage über weibliche Geburtstötungen in Indien und deren strukturelle Ursachen. Der Film untersucht den Zusammenhang zwischen der Mitgift-Tradition, Goldpreis-Spekulation und der Gefährdung von Mädchen durch Interviews mit betroffenen Müttern. Eine verstörendes Zeitzeugnis über ein großes Tabu und die systematische Geschlechterdiskriminierung in Südasien.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:14:17 „Mit Müttern dort gesprochen, das zerreißt dir wirklich das Herz. Das ist ein großes Tabu, ist auch schwierig mit jemandem sich darüber zu unterhalten. Indiens tote Töchter, ich glaube gibt es noch in der Mediathek, war damals ein sehr berührender Film.“

Markus Lanz erzählt von einer eigenen Reportage, die er in Chennai über die Tötung neugeborener Mädchen in Indien gedreht hat. Er beschreibt den Zusammenhang zwischen Mitgift-Tradition, Goldpreis-Spekulation und der Gefährdung von Mädchen – ein Erlebnis, das ihn nachhaltig geprägt hat.

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Das Zeitalter des Zorns

Das Zeitalter des Zorns

Pankaj Mishra · 2017

Wie können wir den Ursprung des Hasses erklären, der unsere Welt überzieht – von Amokläufern über den IS bis hin zu Donald Trump, von rachsüchtigem Nationalismus bis zu Rassismus und Frauenfeindlichkeit in den Sozialen Medien? Der britisch-indische Intellektuelle Pankaj Mishra gibt in seinem neuen Buch eine überraschende Erklärung. Indem er zunächst den Blick bis hin zurück ins 18.

🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:15:34 „Kulturhistoriker, Schriftsteller, der mal ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben hat, das Zeitalter des Zorns, in dem er versucht hat, die Wurzeln des Terrorismus zu erklären, vor einigen Jahren. Sehr gutes Buch dazu.“

Richard David Precht stellt den indischen Autor Pankaj Mishra vor, mit dem er kürzlich ein Gespräch geführt hat. Er beschreibt dessen bekanntestes Buch als gelungenen Versuch, die Wurzeln des Terrorismus aus der Kolonialgeschichte heraus zu erklären – Terroristen empfänden ihren Kampf noch immer als Freiheitskampf gegen westliche Hegemonie.

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Bland Fanatics

Bland Fanatics

Pankaj Mishra · 2020

The renowned political theorist presents "a bracing, global understanding of the specious conceits of our times" in these provocative essays (Kanishk Tharoor, The New Republic ). In America and in England, faltering economies at home and failed wars abroad have generated a political and intellectual hysteria. It is a derangement manifested in a number of ways: nostalgia for imperialism, xenophobic paranoia, and denunciations of an allegedly intolerant left.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:21 „Und er hat im letztem Buch geschrieben, in erster Linie eigentlich über die Engländer und die englische Kolonialgeschichte. Und er wirft den Engländern vor, dass sie ihre Verbrechensgeschichte nicht adäquat aufgearbeitet haben im Vergleich zu den Deutschen.“

Precht unterscheidet explizit zwischen Mishras 'sehr erfolgreichem Buch' (Das Zeitalter des Zorns) und seinem 'letzten Buch', das sich mit der englischen Kolonialgeschichte und mangelnder Aufarbeitung beschäftigt. Die inhaltliche Beschreibung – Kritik an Englands fehlendem Umgang mit kolonialer Schuld – passt zu Mishras Essayband 'Bland Fanatics' (2020).

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Das Kommunistische Manifest

Das Kommunistische Manifest

Karl Marx · 2025

Das Kommunistische Manifest, erstmals 1848 veröffentlicht, prägte nicht nur die Arbeiterbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts, sondern wurde auch zu einem zentralen Bezugstext zahlreicher linker Theorien und Bewegungen weltweit. In prägnanter Sprache analysieren Marx und Engels die gesellschaftlichen Klassenverhältnisse und entwickeln das Ziel einer klassenlosen, kommunistischen Gesellschaft.

🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:27:59 „Immer wurde zitiert, so in meiner Kindheit und Jugend, dieser Satz aus dem Kommunistischen Manifest, das Endziel des Kommunismus ist die Weltherrschaft.“

Precht erinnert an die antikommunistische Rhetorik seiner Jugend, in der konservative Kreise das Kommunistische Manifest zitierten, um linke Positionen zu diskreditieren. Er nutzt das als Kontrast zu China heute, das zwar autokratisch, aber nicht ideologisch missionarisch auftrete – anders als der historische Kommunismus.

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Die Neuerfindung der Diktatur

Die Neuerfindung der Diktatur

Kai Strittmatter · 2018

China ist Boomland, längst einer der Motoren der Weltwirtschaft. Innenpolitisch blieb das Land dabei immer autoritär, außenpolitisch zurückhaltend. Doch unter Xi Jinping, dem mächtigsten Staats- und Parteichef seit Mao, erfindet sich der autoritäre Staat neu, in offener Konkurrenz zum Westen. China marschiert nun selbstbewusst in die Welt, gleichzeitig gewährt sich sein System ein Update mit den Instrumenten des 21. Jahrhunderts.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:37:38 „Ich habe mit Kai Strittmatter ein sehr gutes Buch, ich weiß nicht, ob du das kennst, die Neuerfindung der Diktatur. Ein Kollege von der Süddeutschen, der lange China-Korrespondent war, der feiert Annalena Baerbock. Und sagt, höchste Zeit, dass einer mal klar redet, weil das tun die Chinesen ihrerseits auch.“

Im Kontext der Debatte über Baerbocks konfrontativen Auftritt gegenüber China bringt Lanz das Buch als Gegenposition zu Prechts Kritik ein. Strittmatter, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, verteidigt darin und öffentlich Baerbocks klare Sprache gegenüber Peking — die Chinesen könnten das ab und wüssten dann, woran sie seien. Lanz nutzt das Buch, um zu zeigen, dass es unter China-Kennern durchaus eine andere Einschätzung gibt als Prechts Plädoyer für diplomatische Zurückhaltung.

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