Ausgabe Fuenfundneunzig
Markus Lanz & Richard David Precht
Zwischen Bücherstapeln auf einer Yogamatte kniend philosophiert Precht über die Gegenwartsschrumpfung — Hermann Lübbes Idee, dass die Halbwertszeit von Wissen immer kürzer wird und selbst Fachbücher nach wenigen Jahren kalter Kaffee sind. Lanz bringt den KI-Pionier Jürgen Schmidhuber ins Gespräch, dessen Grundlagenforschung an der TU München in den 90ern die heutigen Sprachassistenten ermöglichte — und der davon ausgeht, noch zu Lebzeiten ein künstliches Wesen zu erleben, das intelligenter ist als er selbst.
„Die Weisheiten von heute, die sind schon in zwei, drei Jahren der kälteste Kaffee der Welt.“
Erwähnte Medien (3)
Im Zug der Zeit: Verkürzter Aufenthalt in der Gegenwart
Hermann Lübbe
Hermann Lübbe untersucht in diesem Artikel das Phänomen der Gegenwartsschrumpfung: die kontinuierlich schrumpfende Halbwertszeit von Wissen in modernen Gesellschaften. Je schneller sich Informationen verändern und neue Erkenntnisse entstehen, desto kürzer bleibt bestehendes Wissen gültig. Das Konzept erklärt, warum kontinuierliches Lernen und Anpassung an neue Gegebenheiten zunehmend notwendig werden und ist zentral für das Verständnis von Wissensvergänglichkeit in der heutigen Zeit.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:02:14 „Er stammt von Hermann Lübbe. Er ist ein großer deutscher Philosoph. Und von dem stammt der Begriff Gegenwartsschrumpfung. Er sagt, dass die Halbwertszeit von Wissen, dass die immer kürzer wird.“
Richard David Precht erläutert das Konzept der 'Gegenwartsschrumpfung' des Philosophen Hermann Lübbe, wonach die Gültigkeitsdauer von Wissen immer kürzer wird. Er nennt Lübbe einen großen deutschen Philosophen und ordnet den Begriff in eine Diskussion über die Vergänglichkeit von Bücherwissen ein.
Gaia-Hypothese
James Lovelock · 2000
In this classic work that continues to inspire many readers, Jim Lovelock puts forward his idea that the Earth functions as a single organism. Written for non-scientists, Gaia is a journey through time and space in search of evidence in support of a radically different model of our planet. In contrast to conventional belief that life is passive in the face of threats to its existence, the book explores the hypothesis that the Earth's living matter influences air, ocean, and rock to form a comple...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:05:07 „James Lovelock ist der berühmteste Vertreter dieser Richtung, dieser englische Allround-Wissenschaftler, der damals diese Geyer-Hypothese, die war so in den 80er, 90ern total.“
Richard David Precht ordnet den KI-Forscher Jürgen Schmidhuber als 'Technozentristen' ein und kontrastiert ihn mit dem Biozentriker James Lovelock, dessen Gaia-Hypothese die Erde als beseelten Organismus begreift. Die Erwähnung dient der philosophischen Einordnung verschiedener Weltanschauungen im Kontext der KI-Debatte.
Der Osten: eine westdeutsche Erfindung
Dirk Oschmann · 2023
»Der Osten hat keine Zukunft, solange er nur als Herkunft begriffen wird.« Was bedeutet es, eine Ost-Identität auferlegt zu bekommen? Eine Identität, die für die wachsende gesellschaftliche Spaltung verantwortlich gemacht wird? Der Attribute wie Populismus, mangelndes Demokratieverständnis, Rassismus, Verschwörungsmythen und Armut zugeschrieben werden? Dirk Oschmann zeigt in seinem augenöffnenden Buch, dass der Westen sich über dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch immer als Norm definiert und d...
🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:27:58 „Der Osten, eine westdeutsche Erfindung. Es ist ein großartiges Buch, in dem er genau darüber schreibt. Man sagt, ich wollte eigentlich keines der üblichen Bücher darüber schreiben, wie schlimm im Osten alles ist. Weil eigentlich ist eben nicht der Osten sein Thema, sondern, und das ist entscheidend, der Westen.“
Markus Lanz empfiehlt das Buch von Dirk Oschmann als Beleg für die These, dass die Probleme zwischen Ost- und Westdeutschland vor allem durch westdeutsche Arroganz und mangelnde Repräsentation entstanden sind. Richard David Precht hatte zuvor ausführlich die Herablassung des Westens gegenüber ostdeutschen Biografien kritisiert, und Lanz greift Oschmanns Buch als pointierte Zusammenfassung genau dieser Argumentation auf.