Europa nach der Wahl - Klima als Verlierer
Markus Lanz & Richard David Precht
Die Episode springt von der Vorfreude auf die Fußball-EM zur bitteren Brexit-Bilanz — keines der Versprechen wurde eingelöst, stattdessen Zölle, lange Passkontrollen und politische Bedeutungslosigkeit — und landet schließlich bei den Schockwellen der Europawahl, wo 28 Prozent der unter 30-Jährigen keine etablierte Partei mehr wählten.
„Das Einzige, was sie erreicht haben, ist, die Briten müssen sich jetzt wieder beim Spanienurlaub ewig lange in die Passkontrolle reinstellen, müssen Zölle auf EU-Produkte zahlen, müssen akzeptieren und hinnehmen, dass die große europäische Politik einen Bogen um sie macht.“
Erwähnte Medien (12)
A Treatise of Human Nature
David Hume · 2004
One of the most significant works of Western philosophy, Hume's Treatise was published in 1739-40, before he was thirty years old. A pinnacle of English empiricism, it is a comprehensive attempt to apply scientific methods of observation to a study of human nature, and a vigorous attack upon the principles of traditional metaphysical thought.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:15:10 „Also es gibt einen Satz von David Hume, der heißt, es widerspricht nicht der Natur des Menschen, dass ich mir lieber den Untergang der ganzen Welt wünsche, als einen Ritz an meinem Finger.“
Precht nutzt Humes berühmtes Zitat aus dem 'Treatise of Human Nature', um zu erklären, warum Menschen kleine persönliche Unannehmlichkeiten höher bewerten als die drohende Klimakatastrophe. Er argumentiert, dass genau diese menschliche Eigenschaft – eigene Wehwehchen über globale Katastrophen zu stellen – den Kampf gegen den Klimawandel so schwierig macht.
Fragen eines lesenden Arbeiters
Bertolt Brecht
Brechts klassisches Gedicht stellt die Frage, wer wirklich hinter den großen Leistungen der Geschichte steckt – nicht die Herrscher, sondern die einfachen Arbeiter. Das Werk wird häufig im Deutschunterricht behandelt und verdeutlicht die unsichtbare Arbeit, die Machthaber ausblendet. Seine kritische Perspektive lässt sich auf heutige Themen wie die Klimakrise übertragen, um zu zeigen, wer die realen Kosten unseres Konsums trägt.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:17 „Du kennst doch von Berthold Brecht das Gedicht »Fragen eines lesenden Arbeiters«. Das macht eigentlich jeder irgendwann mal im Deutschunterricht. Da fragt sich angeblich der lesende Arbeiter, ja, wer baute das siebentorige Theben? Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt oder Cäsar eroberte Gallien?“
Precht führt Brechts bekanntes Gedicht als Vorlage für sein eigenes Klimawandel-Gedicht ein. Brechts Grundidee – dass hinter den großen Leistungen der Geschichte die unsichtbare Arbeit der einfachen Menschen steckt – überträgt Precht auf die heutige Klimakrise, um zu zeigen, wer die wahren Kosten unseres Konsums trägt.
Fragen einer denkenden Schülerin
Richard David Precht · 2003
Long in preparation and in considerable demand, here are the essential poems and prose of one of the giants of 20th century world literature. Following an authoritative introduction by Reinhold Grimm, the volume includes German and English poems on facing pages.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:16:50 „Und dann habe ich mit meiner Schwester mal vor drei, vier Jahren das Gleiche übertragen auf unsere heutige Situation und auf den Klimawandel. Und das möchte ich dir jetzt mal in Gänze vortragen. Fragen einer denkenden Schülerin.“
Precht trägt ein eigenes Gedicht vor, das er zusammen mit seiner Schwester im Stil von Brechts 'Fragen eines lesenden Arbeiters' geschrieben hat. Das Gedicht überträgt Brechts Methode – unbequeme Fragen an die Mächtigen zu stellen – auf Klimawandel, Konsumverhalten und globale Ungerechtigkeit. Es thematisiert Smartphone-Produktion, SUVs, Fleischkonsum und die Folgen für den globalen Süden.
Klima-Rahmenkonvention der Vereinten Nationen
Die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) von 1992 ist ein internationales Abkommen zur Bekämpfung des Klimawandels, das auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Sie markierte einen historischen Wendepunkt, ab dem die Realität des menschengemachten Klimawandels unbestreitbar war und bildete die Grundlage für globale Klimaschutzmaßnahmen.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:26:21 „Also 1992 haben die Vereinten Nationen die Klima-Rahmen-Konvention herausgebracht, in der sie der Welt unmissverständliche Forschungsergebnisse präsentiert haben. Das heißt also, in dem Moment war eigentlich allen klar, wohin der Hase läuft.“
Precht nennt die UN-Klimarahmenkonvention von 1992 als historischen Wendepunkt, ab dem der Klimawandel wissenschaftlich unbestreitbar war. Er nutzt sie als Ausgangspunkt für seine Rechnung, dass seit diesem Zeitpunkt ebenso viel CO2 ausgestoßen wurde wie in den Jahrtausenden davor.
Earth in the Balance
Al Gore · 2013
Al Gore leads the charge against climate change, the world's greatest threat, in an incendiary new foreword to this timeless classic that launched his environmental career. If you want to know Gore, you need this book!
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:26:58 „Also wenn man überlegt, seit der Zeit, Al Gore hat damals sein Buch über den Klimawandel veröffentlicht. War ein Riesenthema, Al Gore, ziemlich beliebte Type, der Dicke fürs Klima, wo man sagt, hier die USA, großer Umweltsünder und ausgerechnet amerikanischer Vizepräsident tritt auf und kämpft für das Klima und so weiter und entfacht auch Glut in den Herzen derjenigen, die irgendwie den Grünen fern waren.“
Precht spricht über die Geschichte des Klimabewusstseins seit den 1990er Jahren und darüber, dass trotz prominenter Mahner wie Al Gore die CO2-Emissionen seither nicht gesunken, sondern massiv gestiegen sind. Das Buch dient als Beleg dafür, dass das Wissen um den Klimawandel seit Jahrzehnten existiert, aber keine ausreichende Verhaltensänderung bewirkt hat.
Die unbewohnbare Erde
David Wallace-Wells · 2019
Die heute schon spürbaren und die schlimmstmöglichen Folgen der Klimaerwärmung sind das Thema des Journalisten David Wallace-Wells in diesem spektakulären Report. Wie kann und wird das Leben auf der Erde in nur 40, 50, 60 Jahren aussehen? Sicher ist: Heutige Teenager und Kinder werden noch erleben, wie sich die Bedingungen für die Menschheit auf der Erde dramatisch verschlechtern, sie werden erleben, wie sie in Teilen unbewohnbar wird.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:34 „Ich zitiere mal aus einem Buch, das heißt Die unbewohnbare Erde von David Wallace Wells, ein US-amerikanischer Journalist, der aus einem Essay ein Buch gemacht hat, ein Essay, der über 10 Millionen Mal gelesen wurde. Und da versucht er mal zu erklären, was bedeutet das eigentlich, 1 Grad, 2 Grad, 3 Grad, nur mal damit uns beiden klar ist, worüber hier geredet wird.“
Precht zitiert ausführlich aus Wallace-Wells' Buch, um die konkreten Folgen verschiedener Erwärmungsstufen greifbar zu machen: Wassermangel für 400 Millionen Menschen bei 2 Grad, Verdorrung Südeuropas bei 3 Grad, jährliche Nahrungsmittelkrisen bei 4 Grad. Das Buch dient als zentrale Quelle, um den Ernst der Klimakrise mit Zahlen zu untermauern.
The Uninhabitable Earth
David Wallace-Wells · 2019
#1 NEW YORK TIMES BESTSELLER • “The Uninhabitable Earth hits you like a comet, with an overflow of insanely lyrical prose about our pending Armageddon.”—Andrew Solomon, author of The Noonday Demon NAMED ONE OF THE BEST BOOKS OF THE YEAR BY The New Yorker • The New York Times Book Review • Time • NPR • The Economist • The Paris Review • Toronto Star • GQ • The Times Literary Supplement • The New York Public Library • Kirkus Reviews It is worse, much worse, than you think.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:34 „Ich zitiere mal aus einem Buch, das heißt Die unbewohnbare Erde von David Wallace Wells, ein US-amerikanischer Journalist, der aus einem Essay ein Buch gemacht hat, ein Essay, der über 10 Millionen Mal gelesen wurde.“
Precht erwähnt, dass dem Buch ein Essay vorausging, der über 10 Millionen Mal gelesen wurde. Der 2017 im New York Magazine erschienene Essay war einer der meistgelesenen Artikel in der Geschichte des Magazins und löste eine breite Debatte über Klimakommunikation aus.
Spiegel-Titelgeschichte zur Wasserknappheit (2003)
Spiegel-Titelgeschichte von 2003, die vor globaler Wasserknappheit und zukünftigen Wasserkonflikten warnte. Der Artikel prognostizierte ernsthafte Versorgungsengpässe und wird im Podcast als Beispiel für alarmistische Prognosen erwähnt, die sich nicht immer bewahrheitet haben.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:32:40 „Ich meine, wenn du dich erinnerst, 2003 bereits hat der Spiegel, glaube ich, in einer Ausgabe berichtet über diese Wasserknappheit und sagte, der Welt geht das Wasser raus. Das war 2003 und titelte dann, vor wenigen Wochen in Zukunft könnte es Kriege um Wasser geben.“
Lanz führt eine Spiegel-Titelgeschichte von 2003 als Beispiel dafür an, dass alarmistische Prognosen nicht immer eintreten. Er argumentiert, dass die Menschheit anpassungsfähiger ist als oft dargestellt und kontrastiert die damalige Warnung vor Wasserknappheit mit positiven Entwicklungen beim globalen Trinkwasserzugang.
Spiegel-Titelgeschichte zur Wasserknappheit
Wasser ist ein wertvolles Gut. Eine Studie warnt: Zunehmende Knappheit könnte Deutschland bis 2050 bis zu 625 Milliarden Euro und Wettbewerbsfähigkeit kosten. Wasser müsse deshalb als strategische Ressource behandelt werden.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:37:08 „2003 bereits hat der Spiegel, glaube ich, in einer Ausgabe berichtet über diese Wasserknappheit und sagte, der Welt geht das Wasser raus. Das war 2003 und titelte dann, vor wenigen Wochen in Zukunft könnte es Kriege um Wasser geben.“
Lanz verweist auf eine Spiegel-Ausgabe von 2003, um zu zeigen, dass apokalyptische Vorhersagen zur Wasserknappheit sich nicht in diesem Ausmaß bewahrheitet haben
Attributionsstudie zur britischen Hitzewelle 2022
Friederike Otto
Wissenschaftliche Attributionsstudie, die belegt, dass die britische Hitzewelle 2022 mit Temperaturrekorden über 40 Grad Celsius ohne den menschengemachten Klimawandel nicht hätte stattfinden können. Die Forschung von Friederike Otto zeigt konkrete Auswirkungen der Erderwärmung auf extreme Wetterereignisse und trägt zum wissenschaftlichen Verständnis des Klimawandels bei.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:51:07 „Und sie hat das dann mal genauer untersucht, diese britische Hitze, und hat herausgefunden, eindeutiges Ergebnis ohne den Klimawandel, ohne diese Veränderung, hätte es diese 40 Grad in Großbritannien schlicht nicht gegeben.“
Markus Lanz stellt die Physikerin und Philosophin Friederike Otto vor, die in ihrer Wahlheimat Großbritannien den Klimawandel untersucht. Er zitiert ihre Forschungsergebnisse zur Hitzewelle, bei der erstmals über 40 Grad gemessen wurden, als Beleg für konkrete Auswirkungen des Klimawandels.
T-Online-Artikel über sinkende Ernteerträge
Der Artikel behandelt den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Getreideerträgen in Deutschland und global. Er befasst sich mit der verbreiteten Ansicht, dass steigende Temperaturen und Wetterextreme zu sinkenden Ernteerträgen führen. Der Bericht basiert auf Daten zu Erntemengen und analysiert die direkten Auswirkungen klimatischer Veränderungen auf die landwirtschaftliche Produktivität.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:53:52 „Anfang Juli, T-Online zuletzt, ist eine wirklich häufige Behauptung.“
Lanz verweist auf einen T-Online-Bericht als Beispiel für die verbreitete Behauptung, dass Ernteerträge durch den Klimawandel sinken, der er mit Gegendaten widerspricht
Artikel über sinkende Ernteerträge durch Klimawandel
Seit Jahren sinken in Deutschland die Erträge der Landwirte aufgrund des Klimawandels. Auch in diesem Jahr ist die Stimmung in den Betrieben getrübt.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:55:34 „Seit Jahren sinken die Erträge der Landwirte aufgrund des Klimawandels. Kannst du immer wieder in den Medien lesen. Anfang Juli, T-Online zuletzt. Das ist eine wirklich häufige Behauptung.“
Lanz verweist auf einen T-Online-Artikel, der die verbreitete These wiedergibt, die Ernteerträge der Landwirte sänken aufgrund des Klimawandels. Er nutzt diesen Artikel als Beispiel für eine Behauptung, die bei genauerer Betrachtung differenzierter ausfalle – die Getreideerträge in Deutschland hätten sich nach jahrzehntelangem Anstieg als stabil erwiesen. Der Verweis dient seiner Argumentation für eine präzisere, weniger alarmistische Berichterstattung.