Wahlkampf in den USA - Demokratie am seidenen Faden
Markus Lanz & Richard David Precht
Vier Monate vor der US-Wahl schalten Lanz und Precht nach Washington zu ZDF-Korrespondent Elmar Thewissen, der die Lage nach Bidens desaströsem Debattenauftritt einordnet. Thewissen, der Biden lange als sicheren Sieger sah, beschreibt, wie dessen sichtbarer Verfall seit dem G7-Gipfel alles ins Wanken bringt — während das antiquierte Parteiensystem einen kurzfristigen Kandidatenwechsel fast unmöglich macht.
„Seit dem G7-Gipfel hat man den Eindruck, da ist nochmal richtig was passiert und jetzt wirkt er halt tatsächlich nicht mehr gesund.“
Erwähnte Medien (5)
Artikel über Bidens Rücktritt
Die New York Times forderte in einem vielbeachteten Leitartikel Präsident Joe Biden auf, aus der Präsidentschaftswahl 2024 auszusteigen. Nach Bidens schwachem Auftritt beim ersten TV-Duell im Juni 2024 intensivierte die NYT ihre Berichterstattung massiv – Leitartikel, Meinungsbeiträge und Nachrichtenartikel drängten Biden zum Rückzug. Diese Kampagne gilt als Beispiel für den medialen Druck, der letztlich zum Rückzug Bidens im Juli 2024 führte. Die Berichterstattung wurde von Medienkritikern als ungewöhnlich einseitig und koordiniert wahrgenommen.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:22:03 „wie viele Artikel hat die New York Times in den letzten Tagen darüber geschrieben, dass er eigentlich jetzt abdanken sollte. Ich glaube in über 200 Artikeln ging es nur um dieses eine Thema.“
Lanz verweist auf die massive Berichterstattung der New York Times, die in über 200 Artikeln Bidens Rückzug forderte, als Beispiel für die einseitige Medienberichterstattung
Artikel über Bidens Führerschein-Abgabe
Ein Kommentar auf Spiegel Online zieht eine Parallele zwischen Joe Biden und einem geliebten Großvater, dem die Familie den Führerschein wegnehmen muss – weil er selbst nicht einsieht, dass es Zeit ist aufzuhören. Der Text bezieht sich auf die Debatte um Bidens geistige Fitness und Eignung für ein weiteres Präsidentschaftsmandat. Das Bild des 'Opas mit dem Führerschein' funktioniert als eingängige Metapher für politisches Loslassen-Können. Der Artikel wurde von Markus Lanz in seiner Sendung als prägnante Zusammenfassung der Biden-Nachfolgediskussion zitiert.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:26:43 „Ich glaube, die Kollegen von Spiegel Online waren es, die sagten, es ist höchste Zeit, dass der geliebte Opa den Führerschein abgibt.“
Lanz zitiert einen Spiegel-Online-Kommentar, der Bidens Situation mit einem Großvater vergleicht, der den Führerschein abgeben sollte
The Mule
Clint Eastwood · 2018
Earl Stone, ein fast 90-jähriger Mann, steht kurz vor der Zwangsschließung seines Geschäfts. In diesem Moment wird ihm ein scheinbar einfacher Job als Fahrer angeboten – tatsächlich wird Earl damit aber zum Drogenkurier eines mexikanischen Kartells. Seine Arbeit macht er so gut, dass er danach eine noch größere Ladung transportieren soll – wofür er allerdings auch einen Aufpasser des Kartells zur Seite gestellt bekommt.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:27:49 „Also mich erinnert das so ein bisschen an den Ausdruck Mule, den viele von dem Clint Eastwood Film kennen und das ja in Amerika ein Begriff ist für einen störschen, starrsinnigen alten Mann.“
Precht zieht den Vergleich zu Clint Eastwoods Film, um Joe Bidens Sturheit zu beschreiben, mit der dieser sich weigert, trotz offensichtlicher Alterserscheinungen seine Kandidatur aufzugeben. Der Begriff 'Mule' steht dabei für einen starrsinnigen alten Mann.
Interview mit einer Verfassungsrechtlerin aus Baltimore
Interview mit einer Verfassungsrechtlerin über das Supreme-Court-Urteil zur präsidialen Immunität in den USA. Die Expertin erörtert die rechtlichen Konsequenzen der Entscheidung, wonach ein Präsident für im Amt begangene Handlungen nicht strafrechtlich verfolgt werden kann. Das Interview zeigt die extremen Implikationen dieser Rechtsprechung, unter der ein Präsident theoretisch sogar schwere Verbrechen begehen könnte, ohne juristisch zur Verantwortung gezogen zu werden.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:32:23 „Ich habe dieser Tage einmal ein Interview mit einer Verfassungsrechterin aus Baltimore gelesen. Die sagte auf die Frage, wäre es denn möglich, dass dann jemand wie Trump, wenn man sagt, alles was ein Präsident tut, das ist ja im Grunde auch so ein altes Zitat eines Nixon-Beraters, nichts ist illegal, wenn ein Präsident es tut.“
Lanz bezieht sich auf ein Interview, in dem eine Verfassungsrechtlerin die weitreichenden Konsequenzen des Supreme-Court-Urteils zur präsidialen Immunität erläutert. Die Expertin erklärt darin, dass ein Präsident theoretisch sogar die Ermordung politischer Gegner anordnen könnte, ohne strafrechtliche Konsequenzen zu fürchten – was Lanz sichtlich schockiert.
Project 2025
Heritage Foundation · 2026
Umfassendes politisches Manifest der Heritage Foundation (konservativer Thinktank) für einen tausendseitigen Masterplan zum kompletten Umbau des US-Staatssystems. Sieht Austausch von 50.000 Beamten und Loyalitätsprüfungen zu Trump vor — zentraler Plan für einen autoritären Systemumbau.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:57:58 „Und der im Hintergrund etwas laufen hat, über das ich vor einiger Zeit das erste Mal gehört habe, das Project 2025. Das ist sozusagen eine Idee eines erzkonservativen Thinktanks, dieser Heritage Stiftung, eine ultrareiche Denkfabrik. Eine Art, wie soll man sagen, intellektuelle Vorfeldorganisation der MAGA, der Make America Great Again Bewegung von Trump.“
Markus Lanz beschreibt das Project 2025 als tausendseitigen Masterplan der Heritage Foundation zum kompletten Umbau des amerikanischen Staatssystems. Er erklärt, dass rund 400 Personen daran mitgeschrieben haben und es vorsieht, etwa 50.000 Beamte auszutauschen und auf Loyalität zu Trump zu prüfen. Das Dokument wird als zentrale Blaupause für einen möglichen autoritären Umbau der USA diskutiert.