Afrika - Der vergessene Kontinent
Markus Lanz, Richard David Precht
Frisch zurück aus dem Senegal, wo sie für eine Migrations-Reportage recherchiert haben, widmen sich die beiden den Klischees und Zerrbildern, die Europa von Afrika hat. Lanz erzählt, wie ihn die Gesichter der Menschen in Dakar und zuvor in Syrien bis tief in die Nacht am Bildschirm nicht loslassen — und wie der Moloch Dakar mit seinen Millionen, von denen viele nirgendwo registriert sind, einen regelrecht umhaut. Dabei wird schnell klar: Afrika ist kein ferner Kontinent, sondern ein Ort, an dem sich gerade Europas eigene Zukunft entscheidet.
„Du siehst den Schmerz der Leute und du siehst, was die Umstände mit den Leuten machen. Du kannst das alles in diesen Gesichtern lesen.“
Erwähnte Medien (8)
Die Bremer Stadtmusikanten
Brüder Grimm · 2023
“Was siehst du, Grauschimmel?” fragte der Hahn. “Was ich sehe?” antwortete der Esel, “einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen daran und lassen’s sich wohl sein.” - “Das wäre was für uns,” sprach der Hahn. “Ja, ja, ach, wären wir da!” sagte der Esel. Da ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müßten, um die Räuber hinauszujagen und fanden endlich ein Mittel.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:15:43 „Das ist schlicht die Hoffnung auf ein besseres Leben. Also Bremer Stadtmusik. Wenn du so willst.“
Lanz nutzt das Grimm-Märchen als Metapher für die Motivation senegalesischer Migranten: Etwas Besseres als den Tod findest du überall – genau wie die Tiere im Märchen, die vor ihrer ausweglosen Lage fliehen.
Regierungserklärung von Friedrich Merz
Friedrich Merz · 2025
Bundeskanzler Friedrich Merz will die Bundeswehr zur 'stärksten Armee in Europa' machen, aber es fehlt an Personal. Russland wird in den nächsten vier bis fünf Jahren, so ist aus dem Verteidigungsministerium zu hören, Deutschland angreifen können. Uwe Nerger gibt den Bürgerinnen und Bürgern einen Überblick über die Wehrpflicht seit ihrer Einführung in beiden Teilen Deutschlands. Danach spannt er einen Bogen von der Aussetzung bis zum heutigen Wehrdienstgesetz.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:55 „So und jetzt denke ich an die Regierungserklärung von Friedrich Merz, der gesagt hat, wir werden auch die Zusammenarbeit mit unseren südlichen Nachbarn in Afrika voranbringen. Diese Nachbarschaft müssen wir aktiv gestalten. Das gilt für die Wirtschaftspolitik. Es gilt auch bei der Kontrolle von Migration und der Bewahrung von Frieden und Sicherheit.“
Precht zitiert aus der Regierungserklärung von Friedrich Merz, um einen Kontrast aufzuzeigen: Während Lanz gerade die dramatischen Zustände der Migration aus dem Senegal geschildert hat, fragt Precht kritisch, wie Merz' vage Ankündigung, Migration kontrollieren und die Zusammenarbeit mit Afrika gestalten zu wollen, konkret umgesetzt werden soll. Er nutzt das Zitat als rhetorischen Aufhänger für seine Skepsis gegenüber der Umsetzbarkeit.
Bücher von Bernhard Schimmack (über Afrika und Tierwelt)
Bernhard Schimmack
Sachbücher über die ostafrikanische Tierwelt und Naturlandschaften. Die Werke prägen seit Generationen das Verständnis Afrikas durch detaillierte Reiseberichte und faszinierende Darstellungen der Fauna und Flora.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:25:34 „Mein Bild von Tansania war geprägt von den Büchern von Bernard Schimmack. Ich gehöre dieser Generation, an der ein Afrika-Bild quasi mit Schimmacks Reisen nach Afrika und seiner Beschreibung der Tierwelt angefangen haben.“
Precht beschreibt, wie seine Vorstellung von Tansania durch die Afrika-Bücher dieses Autors geprägt wurde. Der Name ist vermutlich ein Transkriptionsfehler – gemeint ist wahrscheinlich Bernhard Grzimek, der für seine Bücher über die ostafrikanische Tierwelt berühmt ist.
Wetten, dass..?
Frank Elstner, Thomas Gottschalk · 1981
In der erfolgreichen Fernsehshow sind viele Prominente zu Gast und nationale wie internationale Musik-Acts treten auf. Doch im Mittelpunkt stehen die äußert skurrilen Wetten, die häufig den Moderator sowie die Gäste staunen lassen.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:44:42 „Es gab mal eine Sendung mit dem schönen Namen Wetten, dass? Auch ich hatte damit mal was zu tun. Es war eine unglaublich erfolgreiche Spielesendung, die sich Frank Elstner, schöne Grüße an der Stelle, mal ausgedacht hatte. Millionen von Zuschauern und alle saßen da und haben Wetten, dass? geguckt, wenn das im Fernsehen lief.“
Lanz erzählt die Geschichte von Karl-Heinz Böhm, der in der Sendung Wetten, dass..? eine Wette verlor und daraufhin nach Afrika ging, um dort eine Stiftung zu gründen. Die Show dient als Ausgangspunkt für eine Erzählung über Böhms humanitäres Engagement in Äthiopien und das westliche Afrika-Bild, das durch Mitleid und Katastrophenbilder geprägt ist.
Sissi
Ernst Marischka · 1955
Der österreichische Kaiser Franz Joseph ist verliebt. Jedoch nicht in Prinzessin Nené, die seine Mutter Erzherzogin Sophie für ihn als zukünftige Kaiserin Österreichs ausgesucht hat. Sissi, die jüngere Schwester von Nené ist das Mädchen, dem er sein Herz schenken will. Franz Joseph ist hingerissen von ihrer Anmut und Schönheit.
🗣 Markus Lanz erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:44:55 „Und da saß damals Karl-Heinz Böhm, berühmter Schauspieler, kennt man aus den Sissi-Filmen und so weiter. Kaiser Franz.“
Karl-Heinz Böhm wird als Schauspieler eingeordnet, der vor allem durch seine Rolle als Kaiser Franz Joseph in den Sissi-Filmen bekannt war. Lanz nutzt diese Referenz, um zu erklären, wer Böhm war, bevor er dessen humanitäres Engagement in Äthiopien schildert.
Afrikas Elektromobilitätsrevolution
Während Europa über das Ende des Verbrennungsmotors diskutiert, schafft Afrika Fakten: Äthiopien verbietet Benziner, Kenia elektrifiziert Oldtimer – und eine „eigene“ E-Automarke startet.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:47:42 „Und ich habe vor einiger Zeit im Handelsblatt darüber gelesen, die schrieben, Afrikas Elektromobilitätsrevolution ist zumindest in einigen Ländern in vollem Gang. Weil Kenia hat halt all das, was man dafür braucht. Viel Sonne, eine wachsende Unternehmerkultur und den Willen, sich technologisch zu emanzipieren.“
Lanz zitiert einen Handelsblatt-Artikel über die Elektromobilitätsrevolution in Afrika, insbesondere in Kenia und Äthiopien. Er nutzt den Artikel als Beleg für seine These, dass Afrika nicht nur ein Kontinent der Armut ist, sondern auch technologische Erfolgsgeschichten hervorbringt – etwa eigene E-Motorräder, Elektrobusse und die Umrüstung von Verbrennern.
Zitat von Desmond Tutu über Missionare und Kolonialismus
Desmond Tutu · 2011
In the Words of Desmond Tutu is a collection of some of Nobel Peace Prize laureate Archbishop Desmond Mpilo Tutu’s most famous and inspiring quotes and it conveys the intelligence, dignity, steadfastness and much admired wit with which he goes about his work. In doing so it shows how he has come to symbolise and indeed mould a growing movement for global justice.
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 01:06:57 „Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten und wir schlossen die Augen. Und als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt. Wir hatten die Bibel und sie das Land.“
Lanz zitiert auf Anregung von Precht ein berühmtes Zitat von Desmond Tutu, das die koloniale Landnahme unter dem Deckmantel der Missionierung zusammenfasst.
Als die ersten Missionare nach Afrika kamen
Desmond Tutu · 2017
Was wollten die Deutschen in der Südsee und in Afrika? Waren sie brutale Eroberer oder »sanfte Herren«? Antworten findet Bestsellerautor Guido Knopp am Kilimandscharo, im »Südseeparadies« von Samoa und Neuguinea, aber auch in der blutigen Niederschlagung der Hereroaufstände in Deutsch-Südwestafrika. Anhand der Geschichten von Glücksrittern und Abenteurern, von schwarzen Stammeskriegern und weißen Generälen entsteht ein eindringliches Bild von Aufstieg und Niedergang der deutschen Kolonien.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 01:06:58 „Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besaßen sie die Bibel und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten und wir schlossen die Augen. Und als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt. Wir hatten die Bibel und sie das Land.“
Precht zitiert zum Abschluss der Sendung Desmond Tutu, um die historische Schuld der Kolonialmächte gegenüber Afrika auf den Punkt zu bringen. Das Zitat fasst die Enteignung und Ausbeutung durch die Kolonialisierung zusammen.