Lanz & Precht – Revolution – wann gelingt sie und wann nicht?
#228

Revolution – wann gelingt sie und wann nicht?

Lanz & Precht / 16. Januar 2026 / 8 Medien

Markus Lanz, Richard David Precht

Ausgehend von den aktuellen Protesten im Iran sprechen die beiden darüber, wann Revolutionen gelingen — und warum sie es meist nicht tun. Precht schildert die paradoxe Stimmung unter Iranern: Nach 46 Jahren Mullah-Regime wünschen sich manche sogar den Schahsohn Reza Pahlavi zurück, nicht aus Sehnsucht nach Demokratie, sondern schlicht nach einem Ende der Hyperinflation und Wirtschaftssanktionen. Der Blick weitet sich auf die französische und russische Revolution, die zeigen, dass der Sturz eines Regimes noch lange keinen guten Zustand danach garantiert.

„Es war eine heroische Leistung der Iraner, dass sie den furchtbaren Schah in die Wüste geschickt haben, aber nach 46 Jahren islamischer Diktatur denkt man sich, naja, dann im Zweifelsfall doch wieder den Sohn.“
🗣 Richard David Precht

Erwähnte Medien (8)

F Artikel

Fünf Bedingungen für erfolgreiche Revolutionen

Jack Goldstone

Der Artikel untersucht die Iran-Proteste anhand von Jack Goldstones wissenschaftlicher Theorie über erfolgreiche Revolutionen. Der amerikanische Politikwissenschaftler identifiziert fünf Bedingungen, die für eine erfolgreiche Revolution notwendig sind, und der Text analysiert, inwiefern diese auf die aktuelle Situation im Iran zutreffen. Dabei wird auch Goldstones These berücksichtigt, dass Revolutionen eher ein längerfristiger Prozess als ein einzelnes Ereignis darstellen und im Schnitt 20 Jahre dauern.

🗣 Lanz referenziert bei ⏱ 00:03:40 „Es gibt einen amerikanischen Politikwissenschaftler, Jack Goldstone, der sich sehr viel wirklich wissenschaftlich mit Revolutionen beschäftigt. Und er sagt, es gibt fünf Bedingungen, damit so eine Revolution erfolgreich sein kann.“

Lanz zitiert Goldstones Theorie über die fünf Bedingungen für erfolgreiche Revolutionen und wendet sie auf die Lage im Iran an. Goldstone wird auch später zitiert mit der These, Revolutionen seien kein Ereignis, sondern ein Prozess, der im Schnitt 20 Jahre dauert.

Zum Artikel bei Frankfurter Rundschau Details
Artikel über die Lage im Iran

Artikel über die Lage im Iran

Ali Fathullah Nejat

Ali Fathullah Nejat, ein in Iran geborener Experte, analysiert in seinem FAZ-Artikel die Ursachen der aktuellen Protestwelle im Iran. Im Unterschied zu den Protesten vor drei Jahren, die politisch motiviert waren (etwa durch den Tod von Mahsa Amini), sieht Nejat diesmal die katastrophale wirtschaftliche Lage als entscheidenden Treiber. Hohe Inflation, Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit haben breite Bevölkerungsschichten mobilisiert. Diese Verschiebung vom politischen zum ökonomischen Protest macht die aktuelle Bewegung in ihrer sozialen Breite und Dynamik anders als frühere Wellen.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:05:26 „Ein kluger Mann, der einen interessanten Artikel dieser Tage vor allen Dingen in der FAZ veröffentlicht hat und der genau beschreibt, was da passiert. Im Gegensatz zu dem, was vor drei Jahren dort die Auslöser der Proteste waren, ist es diesmal eindeutig einfach die wirtschaftliche Lage des Landes.“

Markus Lanz spricht über Ali Fathullah Nejat, einen in Iran geborenen Experten, mit dem er sich intensiv über die aktuelle Lage im Iran ausgetauscht hat. Nejats FAZ-Artikel analysiert die Ursachen der aktuellen Proteste und kommt zum Schluss, dass diesmal — anders als vor drei Jahren — vor allem die katastrophale Wirtschaftslage der Auslöser ist.

Zum Artikel bei FAZ Details
Landesvaters Abendlied

Landesvaters Abendlied

Dieter Süverkrüp · 1967

Satirisches Politiklied von 1967 zum Schah-Besuch, das den makabren Kontrast zwischen märchenhaftem Kitsch und brutaler Herrschaft beschreibt. Gilt als textlich und musikalisch bedeutender Klassiker der deutschen Protestmusik, der Generationen geprägt hat.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:22:35 „Also ich habe heute Morgen noch in Erinnerung an meine Kindheit und Jugend mit Lincoln, sang es gut, mir ein Lied auf YouTube angehört, was ich seit meiner Kindheit nicht mehr gehört habe. Das heißt Landesvaters Abendlied. Das hat Dieter Süperkröpf geschrieben zur Zeit des Schabesuchers.“

Richard David Precht erzählt, dass er sich das Lied aus Kindheitserinnerungen auf YouTube angehört hat. Das Lied stammt aus der Zeit des Schah-Besuchs 1967 und beschreibt satirisch-makaber den Kontrast zwischen dem märchenhaften Kitsch um den Schah und seiner brutalen Herrschaft. Precht lobt es als textlich und musikalisch große Leistung und sagt, er sei damit sozialisiert worden.

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Als die goldene Abendsonne

Als die goldene Abendsonne

Historisches SA-Lied, das als musikalische Vorlage für Süverkrüps "Landesvaters Abendlied" diente. Precht erwähnt es im Kontext der Satire auf den Schah: Süverkrüp wählte bewusst diese sentimentale, kitschige Melodie als ironische Grundlage für seinen makabren Text, um die Mentalität der 1960er-Jahre-Deutschen zu parodieren. Das Lied handelt von der Bestattung eines SA-Kameraden und repräsentiert eine bestimmte politische und kulturelle Ästhetik der NS-Zeit.

🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:23:59 „Ich habe dann gegoogelt und gesehen, dass dieses Lied auf den Text eines alten SA-Liedes getextet ist. Es gibt ein SA-Lied, das heißt Als die goldene Abendsonne und handelt irgendwie von der Bestattung irgendeines SA-Kameraden.“

Precht erwähnt das SA-Lied als musikalische Vorlage für Süverkrüps 'Landesvaters Abendlied'. Er erklärt, Süverkrüp habe bewusst diese kitschig-sentimentale Melodie gewählt, weil sie den Gemütszustand der Bild-Zeitung-lesenden Deutschen der 1960er Jahre widerspiegelte — als ironische Grundfolie für seinen makabren Text über den Schah.

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Revolutionen: Wie sie entstehen, wann sie erfolgreich sind und was sie für die Zukunft bedeuten

Revolutionen: Wie sie entstehen, wann sie erfolgreich sind und was sie für die Zukunft bedeuten

Jack Goldstone · 1991

What can the great crises of the past teach us about contemporary revolutions? Arguing from an exciting and original perspective, Goldstone suggests that great revolutions were the product of 'ecological crises' that occurred when inflexible political, economic, and social institutions were overwhelmed by the cumulative pressure of population growth on limited available resources.

🗣 Markus Lanz empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:32:10 „Die arabische Rebellion damals, 2011, die wird ja, so beschreibt das Jack Goldstone in dem Text, wird ja von vielen als gescheitert abgetan. Jetzt muss man sagen, gut, das Regime in Syrien ist am Ende jetzt doch noch gestürzt. Also sind wir vielleicht zu ungeduldig in unserem Urteil über Revolutionen?“

Markus Lanz bezieht sich wiederholt auf einen Text von Jack Goldstone über Revolutionen, der als roter Faden durch das Gespräch dient. Goldstone argumentiert darin, dass Revolutionen kein einzelnes Ereignis, sondern ein Prozess sind, der im Schnitt 20 Jahre dauert. Lanz nutzt Goldstones Thesen, um die Frage zu diskutieren, ob der arabische Frühling wirklich gescheitert ist oder ob westliche Ungeduld das Urteil verzerrt.

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Das Kapital

Das Kapital

Karl Marx

Die Serie "Meisterwerke der Literatur" beinhaltet die Klassiker der deutschen und weltweiten Literatur in einer einzigartigen Sammlung für Ihren eBook Reader. Lesen Sie die besten Werke großer Schriftsteller,Poeten, Autoren und Philosophen auf Ihrem Reader. Dieses Werk bietet zusätzlich * Eine Biografie/Bibliografie des Autors. Das Kapital.

🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:41:19 „Marx hat ja, das ist jetzt dein Thema Richard, in Bezug auf Revolution davon gesprochen, dass Gewalt sozusagen der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft ist, die mit einer neuen schwanger geht.“

Das von Lanz zitierte Marx-Bonmot über Gewalt als Geburtshelfer der Geschichte stammt aus dem ersten Band von 'Das Kapital' (Kapitel 24). Marx verwendet die Metapher dort im Kontext der ursprünglichen Akkumulation. Lanz nutzt das Zitat, um die These aufzustellen, dass Revolutionen historisch fast immer mit Gewalt verbunden waren.

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Der lange Weg nach Westen

Der lange Weg nach Westen

Heinrich August Winkler · 2000

Der zweite Band von Heinrich August Winklers deutscher Geschichte behandelt die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Diktatur, die über vier Jahrzehnte, in denen Deutschland in zwei Staaten geteilt war, und schließlich die Wiedervereinigung. Es ist eine Geschichte von Zusammenbrüchen und Neuanfängen, von Diktatur und Demokratie und auch des Nachdenkens über Deutschland - eine dramatische Geschichte, anschaulich und spannend dargestellt von einem Historiker und Publizisten, der auch in seinem ...

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:45:35 „Wenn man Leuten wie Heinrich August Winkler zum Beispiel, dem großen Historiker zuhört, dann sagt er ja, die Deutschen haben, und das geht offenbar zurück auf den 30-jährigen Krieg, die haben eine tiefsitzende Furcht, er beschreibt das so als Urtrauma der Deutschen, eine tiefsitzende Furcht vor Chaos, vor Anarchie, vor dem Kollaps aller Ordnung.“

Lanz zitiert den Historiker Heinrich August Winkler und dessen These, dass die Deutschen seit dem Dreißigjährigen Krieg ein Urtrauma tragen, das sie revolutionsscheu macht. Dies wird als Erklärung herangezogen, warum Deutschland im Vergleich zu Frankreich so wenige erfolgreiche Revolutionen hervorgebracht hat. Winklers Werk wird nicht namentlich genannt, aber die These stammt aus seiner historischen Analyse des deutschen Sonderwegs.

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Über die Revolution

Über die Revolution

Hannah Arendt · 1963

Klassische Analyse von Revolutionen mit Fokus auf die zentrale These: Revolutionen sind erst vollendet, wenn sie einen öffentlichen Raum der Freiheit erschaffen. Arendt untersucht, wie politische Systeme Freiheit ermöglichen oder verhindern.

🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:50:22 „Und Hannah Arendt sagt, eine Revolution ist erst dann wirklich vollständig, wenn am Ende ein öffentlicher Raum der Freiheit entsteht. Das heißt, es geht um dein Recht frei zu sein. Sie sagt sogar, die ganze Idee von Politik ist, dass du am Ende wahrhaft frei bist.“

Lanz zitiert Hannah Arendts zentrale These über Revolutionen: Dass sie erst dann vollendet sind, wenn sie einen öffentlichen Raum der Freiheit schaffen. Er verbindet dies mit der Geschichte von Winfried Kretschmann und dessen K-Gruppen-Vergangenheit und der Frage, wann jemand erkennt, dass ein System in Unfreiheit führt. Precht relativiert daraufhin Arendts Freiheitsbegriff als politisches Ideal.

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