Longevity: Ein gutes oder lieber ein langes Leben?
Markus Lanz & Richard David Precht
Der Auftakt dreht sich um Prechts größtes Talent — schlafen, am liebsten im Zug zwischen Düsseldorf und Berlin, weil alles, was er ohne Powernap schreibt, langweilig wird. Von dort Sprung zu Ostern: Jesus verkündete ursprünglich nicht seinen Tod, sondern den Weltuntergang, und erst Paulus musste den Kreuztod nachträglich als Sühne für die Erbsünde umdeuten, damit aus einer gescheiterten Prophezeiung das Christentum werden konnte.
„Jesus hatte ja nicht seinen Tod verkündet, sondern er hatte den Weltuntergang verkündet.“
Erwähnte Medien (7)
Anthropologie in pragmatischer Hinsicht
Immanuel Kant
"Anthropology from a Pragmatic Point of View essentially reflects the last lectures Kant gave for his annual course in anthropology, which he taught from 1772 until his retirement in 1796. The lectures were published in 1798, with the largest first printing of any of Kant's works. Intended for a broad audience, they reveal not only Kant's unique contribution to the newly emerging discipline of anthropology, but also his desire to offer students a practical view of the world and of humanity's pla...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:17:17 „Und der fühlte sich bemüßigt, im hohen Alter ein Buch darüber zu schreiben. Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. Das ist ein bisschen ein witziger Titel. Also er fand den bestimmt witzig, weil Anthropologie würde man jetzt erwarten. Er schreibt ein Buch über die Entstehung des Menschen und wie der Mensch zum Mensch wurde.“
Precht zieht eine Parallele zwischen der modernen Longevity-Bewegung und Immanuel Kants diszipliniertem Lebensstil in Königsberg. Kant, der selbst für seinen strikt geregelten Tagesablauf bekannt war, schrieb im hohen Alter dieses Buch mit praktischen Ratschlägen für ein gutes Leben — darunter die Pointe, dass Langlebigkeit vor allem davon abhänge, wie lange man an Dingen Spaß habe, etwa durch Hobbys wie Singvögel züchten oder Uhren sammeln.
So lebt der Mensch (Radiolessung)
André Malraux
Radiolessung von André Malraux' Roman „So lebt der Mensch" aus der Sendung „Wir lesen vor". Eine ergreifende literarische Lessung eines französischen Klassikers für Literaturbegeisterte.
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:20:58 „Da kam dann immer um die gleiche Zeit, irgendwie so am frühen Nachmittag, wir lesen vor. Und da wurde vorgelesen von André Malraux der Roman So lebt der Mensch. Mein Gott, was für ein ergreifendes Buch.“
Precht erzählt von seiner Zivildienstzeit, in der er eine Kirche ausmalte und dabei die Radiosendung 'Wir lesen vor' hörte, in der Malraux' Roman vorgelesen wurde. Die Sendung war ein festes Ritual seines Tagesablaufs.
So lebt der Mensch
André Malraux · 2017
Einzigartige Sammlung deutschsprachiger Exil-Publikationen. Der Katalog des Exilarchivs der Deutschen Bibliothek verzeichnet insgesamt 6.900 Veröffentlichungen deutschsprachiger Emigranten, deren Bücher zwischen 1933 und 1950 im Ausland erschienen sind. Ausführlich beschrieben werden vor allem von Exilierten verfasste Werke in Erstausgaben, Nachauflagen und Übersetzungen sowie von Exilierten herausgegebene, übersetzte, illustrierte und gestaltete Bücher.
🗣 Richard David Precht empfiehlt aktiv bei ⏱ 00:21:04 „Und da wurde vorgelesen von André Malraux der Roman So lebt der Mensch. Mein Gott, was für ein ergreifendes Buch. Ich habe den nie gelesen. Sag warum. Ganz, ganz großes Kino.“
Precht erzählt von seiner Zivildienstzeit, als er eine Kirche ausmalte und dabei im Radio die Sendung 'Wir lesen vor' hörte, in der Malraux' Roman vorgelesen wurde. Das Buch, das auf Malraux' Erfahrungen im Indochina-Krieg basiert, wurde für Precht prägend — er gewann daraus die These, dass man spielt, um zu verlieren, weil das Verlieren ein intensiveres existenzialistisches Gefühl sei als das Gewinnen. Precht ordnet Malraux als Vorläufer des Existenzialismus ein, der Camus und Sartre zentral beeinflusst habe.
Émile oder Über die Erziehung
Jean-Jacques Rousseau · 1762
Philosophischer Erziehungsroman, der das Ideal einer natürlichen Erziehung begründet: dem Kind eine gute Umgebung schaffen, statt es aktiv zu prägen. Rousseaus Ansatz wird zur Grundlage der «Gärtner-Schule» der Pädagogik, im Gegensatz zur «Töpfer-Schule», die Kinder bewusst formt.
🗣 Richard David Precht zitiert daraus bei ⏱ 00:24:26 „Rousseau hat gesagt, nicht diejenigen Menschen haben am meisten gelebt, die am ältesten werden, sondern diejenigen, die am meisten gefühlt haben.“
Precht setzt dieses Rousseau-Zitat als Schlusspunkt gegen die Longevity-Bewegung. Er kontrastiert seine eigene intensiv gelebte, aber gesundheitlich unvernünftige Zivildienstzeit mit dem durchoptimierten Leben eines Bryan Johnson und lässt Rousseau das letzte Wort haben: Intensität des Erlebens schlägt bloße Lebensdauer.
Zitat zum frühen Aufstehen
Günther Ammann
Der österreichische Schlafpsychologe Günther Ammann hinterfragt die populäre Annahme, dass frühes Aufstehen automatisch zu Disziplin und Erfolg führt. Sein kritischer Blick auf die 5-Uhr-aufstehen-Bewegung hilft dabei zu hinterfragen, ob dieser Trend wissenschaftlich fundiert ist. Die Perspektive ist besonders relevant im Kontext von Schulzeiten, wo frühe Anfangszeiten sowohl Kindern als auch Lehrern Schwierigkeiten bereiten können.
🗣 Markus Lanz referenziert bei ⏱ 00:29:27 „Ich habe einen interessanten Satz des österreichischen Schlafpsychologen Günther Ammann gelesen, der dazu sagt, diese ganze Bewegung beruht auf der Annahme, dass früher Aufstehen Disziplin erzeugt und dass diese Disziplin dann automatisch zum Erfolg führt.“
Lanz zitiert den österreichischen Schlafpsychologen Günther Ammann aus einer nicht näher benannten Quelle, um die populäre '5-Uhr-aufstehen'-Bewegung kritisch einzuordnen. Ammanns Analyse dient als Überleitung zur Frage, ob der frühe Schulbeginn für Kinder und Lehrer überhaupt sinnvoll ist.
2001: Odyssee im Weltraum
Stanley Kubrick · 1968
Als im Jahr 2001 ein Monolith auf dem Mond entdeckt wird, wird diese Entdeckung als der Beweis für außerirdisches Leben gedeutet. Eineinhalb Jahre nach der Entdeckung des Monoliths werden 2 Astronauten, Bowman und Poole, mit dem Raumschiff Discovery zum Jupiter geschickt, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Das Raumschiff ist mit dem Supercomputer HAL-9000 ausgerüstet. Bald ergeben sich erste Komplikationen mit dem Computer...
🗣 Richard David Precht referenziert bei ⏱ 00:38:48 „Und wenn du schläfst, dann gibt es einige dieser Ich-Zustände, die dann so ganz allmählich, so ähnlich wie Vi Hell, dem Computer in Odyssey 2001, so abgeschaltet werden. Dieser so runterfällt.“
Precht erklärt, wie beim Einschlafen verschiedene Ich-Zustände nacheinander heruntergefahren werden, und vergleicht diesen Prozess mit der berühmten Szene aus Kubricks Film, in der der Computer HAL 9000 nach und nach abgeschaltet wird. Der Filmvergleich dient als anschauliche Metapher für das allmähliche Verschwinden des Bewusstseins.
Man kann das Leben nicht verlängern, man kann es nur verdichten
Roger Willemsen
Willemsens prägnanter Gedanke zum Gegensatz zwischen Lebensdauer und Lebensqualität, als emotionaler Höhepunkt einer Diskussion über Longevity. Das Zitat gewinnt durch seinen frühen Krebstod eine tiefe persönliche Bedeutung und wird zum Manifest für ein intensiv gelebtes Leben statt Lebensverlängerung.
🗣 Markus Lanz zitiert daraus bei ⏱ 00:49:03 „Es gibt einen schönen Gedanken, Richard, abschließend, der finde ich perfekt dazu passt, von Roger Willemsen. Man kann das Leben nicht verlängern, man kann es nur verdichten.“
Lanz schließt die Diskussion über Longevity und Lebensfreude mit einem Zitat von Roger Willemsen ab. Der Gedanke wird zum emotionalen Höhepunkt der Folge, da beide Hosts anschließend über Willemsens frühen Krebstod mit Anfang 60 sprechen und ihn als Vorbild für ein intensiv gelebtes Leben würdigen.