Es gibt Positionen, die im Kern menschenfeindlich sind
Roman Pletter & Jan Böhmermann, Markus Lanz
Vor der Bundestagswahl 2021 treffen Jan Böhmermann und Markus Lanz im Hamburger Michel aufeinander — und geraten in einen hitzigen Schlagabtausch über False Balance in den Medien: Böhmermann hinterfragt, ob Lanz' Einladungen von umstrittenen Corona-Wissenschaftlern wie Hendrik Streeck und Alexander Kekulé journalistisch verantwortbar sind, während Lanz die Verengung des Meinungskorridors verteidigt und warnt, abweichende Stimmen pauschal zu ächten. Dazwischen diskutieren sie das Ende der Ära Merkel, die Macht der Unterhaltung in der Politik und die Frage, welche Kontrollmechanismen Entertainer brauchen, denen plötzlich politische Verantwortung zugeschrieben wird.
„Wenn du dann immer wieder mit den gleichen und denselben Phrasen konfrontiert bist, dann muss irgendwann halt der Phrasenmäher kommen.“
Erwähnte Medien (11)
Gomorra
Roberto Saviano · 2018
"Ce ne sont pas les camorristes qui choisissent les affaires, mais les affaires qui choisissent les camorristes. La logique de l'entreprenariat criminel et la vision des parrains sont empreintes d'un ultralibéralisme radical. Les règles sont dictées et imposées par les affaires, par l'obligation de faire du profit et de vaincre la concurrence. Le reste ne compte pas. Le reste n'existe pas.
🗣 Roman Pletter zitiert daraus bei ⏱ 00:21:31 „Das ist das Level von literarischen Weltstars, wie Roberto Saviano, der Autor von Gomorra, der Fernsehserie und des Buches.“
Roman Pletter vergleicht Jan Böhmermanns Twitter-Reichweite von 2,3 Millionen Followern mit der von literarischen Weltstars und nennt Roberto Saviano als Referenzgröße. Das Buch wird als Beleg für die enorme digitale Reichweite Böhmermanns herangezogen.
Oder sollen wir es lassen?
Der Artikel behandelt die Frage nach der Legitimität von privaten Rettungsorganisationen im Mittelmeer. Die umstrittene Überschrift, die das Thema polemisch zuspitzte, löste massive Kritik aus und wurde von der ZEIT später als Fehlleistung eingestanden. Der Beitrag beleuchtet die ethischen und rechtlichen Dimensionen der Seenotrettung von Flüchtlingen und Migranten.
🗣 Jan Böhmermann zitiert daraus bei ⏱ 00:33:24 „Legendär der Zeitsatz, oder sollen wir es lassen? Sie wissen in Bezug auf die Rettung von Geflüchteten.“
Böhmermann bringt die berüchtigte ZEIT-Überschrift als Beispiel für problematische journalistische Zuspitzung ins Gespräch. Die Überschrift stand über einem Pro-und-Contra zur Seenotrettung und löste massive Kritik aus. Pletter räumt ein, dass die Überschrift eine 'Fehlleistung' war, für die sich die ZEIT in aller Form entschuldigt habe.
Ist Alexander Kekulé ein Hochstapler?
Der Artikel beleuchtet die kontroverse Rolle von Professor Alexander Kekulé. Während er in der Öffentlichkeit als renommierter Corona-Experte bekannt ist, kritisieren Kollegen und seine Universität sein tatsächliches Forschungsengagement und sein Verhalten in wissenschaftlichen Diskursen. Der Spiegel stellt die Frage, ob Kekulé ein legitimer Erklärer oder eher ein Polarisierer ohne substanzielle wissenschaftliche Tätigkeit ist.
🗣 Jan Böhmermann zitiert daraus bei ⏱ 00:39:46 „Herr Kekulé hatte im Spiegel eine Geschichte, wo er als Hochstapler diffamiert wurde. Das finde ich steil. Und zwar mit Fragezeichen. Wenn so ein Titel muss ich Giovanni nicht erzählen, ein Titel mit Fragezeichen hinten versehen ist, ist Alexander Kekulé ein Hochstapler, dann wissen wir alle, dass die juristische Abteilung im Hintergrund sehr, sehr intensiv gearbeitet hat.“
Im Streitgespräch über False Balance verteidigt Lanz seine Einladung von Kekulé und kritisiert im Gegenzug den Spiegel. Er argumentiert, dass das Fragezeichen im Titel ein juristischer Notausgang sei und die Geschichte Kekulé diffamiert habe. Er nutzt den Spiegel-Artikel als Gegenbeispiel gegen Böhmermanns Vorwurf der False Balance.
Porträt über Hendrik Streeck
Porträt des Virologen Hendrik Streeck, der während der Pandemie zur öffentlichen Figur wurde. Der Spiegel-Artikel untersucht, wer Streeck wirklich ist, jenseits seiner Darstellung in Medien und öffentlichen Debatten. Das Porträt basiert auf einer monatelangen Begleitung des Wissenschaftlers durch die Redaktion.
🗣 Jan Böhmermann erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:41:18 „Derselbe Spiegel, der Hendrik Streeck monatelang für ein Porträt begleitet hat.“
Lanz weist auf einen Widerspruch hin: Dieselbe Spiegel-Redaktion, die ihm False Balance vorwirft, weil er Streeck einlädt, hat Streeck selbst monatelang für ein ausführliches Porträt begleitet und ihm damit ebenfalls ein großes Forum gegeben.
Gangelt-Studie
Hendrik Streeck
Die Gangelt-Studie war eine epidemiologische Untersuchung des Virologen Hendrik Streeck, die zu Beginn der COVID-19-Pandemie die Corona-Dunkelziffer in der Gemeinde Gangelt analysierte. Die Studie erregte weltweites Interesse und prägte die frühe wissenschaftliche Debatte zur Pandemie, war aber auch Gegenstand wissenschaftlicher Kontroversen. Sie gilt bis heute als bedeutender Beitrag zur Pandemieforschung.
🗣 Jan Böhmermann referenziert bei ⏱ 00:41:28 „Hendrik Streeck, Entschuldigung, ist Direktor der Virologie in Bonn, ist ein weltweit anerkannter Wissenschaftler, vor allen Dingen im Bereich von HIV, ist jemand, dessen Gangelstudie weltweit auf große Resonanz und auf großes Interesse gestoßen ist.“
Lanz verteidigt Streeck als seriösen Wissenschaftler und führt die Gangelt-Studie als Beleg für dessen wissenschaftliche Reputation an. Die Studie untersuchte früh in der Pandemie die Corona-Dunkelziffer in der Gemeinde Gangelt und stieß auf weltweites Interesse, war aber auch umstritten.
Hölle, Hölle, Hölle
Wolfgang Petry
Wolfgang Petrys Klassiker „Hölle, Hölle, Hölle" wird im Podcast humorvoll als möglicher Wahlkampfsong für Annalena Baerbock vorgeschlagen. Der Schlager erhält damit eine politische Dimension als Anspielung auf die turbulenten Wahlkampfrealitäten der Grünen-Kandidatin.
🗣 Jan Böhmermann zitiert daraus bei ⏱ 01:06:12 „Ich finde Annalena Baerbock, Wolfgang Petry, Hölle, Hölle, Hölle. Wahnsinn.“
Im Rahmen eines spielerischen Song-Zuordnungsspiels schlägt Jan Böhmermann den Schlager 'Hölle, Hölle, Hölle' von Wolfgang Petry als passenden Wahlkampfsong für Annalena Baerbock vor – offenbar als humorvolle Anspielung auf den turbulenten Wahlkampf der Grünen-Kandidatin.
Wunder gibt es immer wieder
Katja Ebstein
Wunder gibt es immer wieder ist ein 1970 von Christian Bruhn und Günter Loose geschriebener Schlager. In der Version von Katja Ebstein war er der deutsche Beitrag zum Eurovision Song Contest 1970, wo er den dritten Platz belegte.
🗣 Roman Pletter zitiert daraus bei ⏱ 01:06:51 „Ist eine Sängerin, die Sie vielleicht gar nicht mehr kennen, weil... Bin erst Mitte 20. Katja Eppstein, Wunder gibt es immer wieder.“
Roman Pletter schlägt 'Wunder gibt es immer wieder' von Katja Ebstein als Song vor, der sowohl zu Armin Laschet als auch zu Olaf Scholz passe – beide bräuchten im Wahlkampf 2021 gewissermaßen ein Wunder. Pletter witzelt dabei über sein angeblich junges Alter.
Steh auf, wenn du am Boden bist
Die Toten Hosen
Die Toten Hosen (Pseudonym: Die Roten Rosen) ist der Name einer Musikgruppe aus Düsseldorf, die sich aus der deutschen Punkbewegung entwickelt hat und 1982 gegründet wurde. Die Band spielt Rockmusik mit überwiegend deutschen Texten und Elementen aus dem Punkrock. Neben der Berliner Musikgruppe Die Ärzte ist sie eine der kommerziell erfolgreichsten deutschen Bands mit Wurzeln im Punkrock. Sie veröffentlichte bis November 2020 siebzehn Studioalben, acht Konzertalben und sieben Kompilationen.
🗣 Roman Pletter zitiert daraus bei ⏱ 01:07:08 „Und tote Hosen, steh auf, wenn du am Boden bist. Das hat Scholz demonstriert und Laschet hat das noch vor sich.“
Roman Pletter ergänzt den Toten-Hosen-Song als weiteren Wahlkampfvorschlag und nutzt den Titel als Metapher: Olaf Scholz habe bereits bewiesen, dass er sich von Rückschlägen erholen könne, während Armin Laschet diese Prüfung noch bevorstehe.
Gegen den Staat
Rocco Schamoni
"Gegen den Staat" ist ein Schlager des Hamburger Künstlers Rocco Schamoni, mit dem Jan Böhmermann die neue Staffel von ZDF Magazin Royale eröffnet hat. Das Lied fungiert als programmatisches Statement für sanfte Subversion und den Mut, nicht immer im Konsens zu folgen. Böhmermann würdigt den zu Unrecht unterschätzten Song als musikalische Aufforderung zu kritischem Denken.
🗣 Jan Böhmermann zitiert daraus bei ⏱ 01:07:12 „Wir haben die neue Staffel des ZDF Magazin Royale, weil wir auch über Songs geredet haben, programmatisch mit dem völlig zu Unrecht, viel zu selten gespielten Schlager des Hamburger Künstlers Rocco Schamoni gestartet, gegen den Staat.“
Jan Böhmermann erwähnt, dass er die neue Staffel seiner Sendung mit Rocco Schamonis Lied 'Gegen den Staat' eröffnet hat. Er beschreibt den Song als programmatisch – freundlich subversiv und als Aufforderung, nicht immer im Konsens mitzugehen. Böhmermann hält den Song für zu Unrecht unterschätzt.
Building a Bridge to Your Heart
Wax
Wax war der Name eines Popduos in den 1980er Jahren. Es bestand aus dem ehemaligen 10cc-Musiker Graham Gouldman und dem Sänger Andrew Gold. In den USA wurden sie als Wax UK gelistet.
🗣 Jan Böhmermann zitiert daraus bei ⏱ 01:07:34 „Auf die Melodie von Building a Bridge to Your Heart von Wax. Also so eine Mischung aus, ja vielleicht so ein bisschen freundlich, subversiv, vielleicht mal wieder überlegen, ob man nicht immer im Konsens mitgeht.“
Jan Böhmermann erklärt, dass Rocco Schamonis 'Gegen den Staat' auf der Melodie des 80er-Jahre-Popsongs 'Building a Bridge to Your Heart' von Wax basiert. Die Kombination aus eingängiger Pop-Melodie und subversivem deutschen Text macht für Böhmermann den besonderen Reiz des Stücks aus.
Nee, was war dat früher en superjeile Zick
Klassischer Kölner Karnevalssong mit nostalgischer und wehmütiger Stimmung. Der Text seufzt nach 'besseren Zeiten' und wurde in diesem Kontext politisch als Seitenhieb auf rückwärtsgewandte Politik genutzt – ein Lied zwischen Ausgelassenheit und Melancholie.
🗣 Jan Böhmermann erwähnt beiläufig bei ⏱ 01:07:52 „Ich glaube, Armin Laschet muss eigentlich doch sein, dieser berühmte Kölner Karnevalssong. Ne, was war das früher? Ne, super, ja, letztlich. Nee, was war das früher für eine supergeile Zeit? Mit Tränen in den Augen schaue ich manchmal noch zurück. Das ist die Überschrift seines neuen Zukunftsteams.“
Für Armin Laschet wird der berühmte Kölner Karnevalssong vorgeschlagen, dessen nostalgischer Rückblick auf vergangene gute Zeiten als Seitenhieb auf Laschets politische Ausrichtung dient. Der Sprecher kommentiert spitz, dies sei 'die Überschrift seines neuen Zukunftsteams' – eine Partei, die vor allem zurückblicke statt nach vorne zu schauen.