Dass das Virus in 10 Jahren weg ist, ist eine optimistische Annahme
Roman Pletter, Tina Hildebrandt & Karl Lauterbach
Im Gespräch mit Karl Lauterbach zeichnen Roman Pletter und Tina Hildebrandt das Porträt eines Ministers, der sich treu geblieben ist — im Guten wie im Problematischen. Hildebrandt erinnert sich an einen Besuch in Lauterbachs Wahlkreis Köln-Mülheim, wo er mit Polizeibeamten Nahkampftraining absolvierte und sich mit schief sitzender Brille in den Schwitzkasten nehmen ließ. Als Minister liest er nachts Studien, haut gelegentlich Sätze raus, deren Tragweite ihm erst im Nachhinein bewusst wird — und muss noch lernen, dass seine Worte jetzt eine ganz andere Wirkung haben.
„Er hat sich eigentlich überhaupt nicht verändert. Und das könnte natürlich auch Teil des Problems tatsächlich sein.“
Erwähnte Medien (3)
Rede Wladimir Putins zur Anerkennung der Donbass-Republiken
Wladimir Putin · 2024
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine: Historische Einordnung und geschichtspolitische Folgen Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die europäische Sicherheitsarchitektur grundlegend verändert. Zudem berührt er aber auch die Frage, ob sich bestehende Formen des Umgangs mit dem Nationalsozialismus in Deutschland und Europa im Zeichen des Krieges verschieben.
🗣 Karl Lauterbach referenziert „Ich habe mir das tatsächlich angeschaut und muss sagen, ich war bestürzt. Das hat auf mich schon den Eindruck gemacht, dass hier mit einer unfassbaren Bereitschaft, Menschen zu belügen, Menschen etwas vorzumachen, Menschen zu täuschen, mit einem unfassbaren Selbstbewusstsein, einer Selbstüberschätzung möglicherweise, mit einem offensichtlichen Narzissmus, der mit Händen zu greifen war, möglicherweise an das Pathologische schon grenzend.“
Lauterbach wird gefragt, ob er Putins einstündige Rede gesehen habe. Trotz extremen Zeitmangels habe er sie sich angeschaut, weil es eine historische Rede sei. Er beschreibt seinen Eindruck von narzisstischer Selbstinszenierung und sieht Putin als jemanden, der den Weltbetrieb im Kampf gegen Klimawandel und Pandemie aufhält, nur um Aufmerksamkeit zu erzwingen.
Bevor es zu spät ist: Was uns droht, wenn die Politik nicht mit der Wissenschaft Schritt hält
Karl Lauterbach · 2022
Wir leben in einer Zeit nie da gewesener Herausforderungen. Zum ersten Mal seit Beginn der Zivilisation ist sogar das Überleben der Menschen auf dem Planeten Erde gefährdet. Der sich beschleunigende Klimawandel macht das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels mit jedem Tag unwahrscheinlicher. Kipp-Punkte des Klimawandels werden von der Wissenschaft warnend beschrieben und trotzdem überschritten.
🗣 Karl Lauterbach zitiert daraus bei ⏱ 00:13:29 „Ich habe mich mit der Thematik noch im letzten Jahr einmal intensiver beschäftigt, habe auch ein Buch geschrieben, wo es um Klimawandel geht, wo ich mich intensiv mit der Frage beschäftigt habe, ist eigentlich in Deutschland die Energiedichte, Winddichte, also Onshore, Offshore und Photovoltaik, reicht das aus, dass wir für ein Industrieland, also in der Lage wären, autark, ohne Import von grüner Energie oder welcher Energie auch immer, können wir uns versorgen?“
Im Kontext der Debatte um Energieunabhängigkeit von Russland und die Energiewende verweist Lauterbach auf sein eigenes Buch über den Klimawandel. Er nutzt es als Beleg für seine These, dass Deutschland sich mit bestehender Technologie durch erneuerbare Energien vollständig selbst versorgen könnte und keine Atomkraft benötige.
Recherche zu Omikron-Hospitalisierungen im Wirtschaftsteil der Zeit
Die ZEIT-Recherche zeigt, dass bei etwa der Hälfte der mit Omikron hospitalisierten Patienten die Virusinfektion nicht der Grund für die Krankenhausaufnahme war. Der Artikel beleuchtet, wie diese statistische Verzerrung das deutsche Corona-Lagebild verfälscht und diskutiert die gesundheitlichen Auswirkungen einer Omikron-Infektion, auch wenn Impfungen vor schweren Verläufen schützen.
🗣 Roman Pletter referenziert bei ⏱ 00:36:45 „Also wir haben vergangene Woche, hatten zwei Kollegen im Wirtschaftsteil der Zeit, 20, 30 große Kliniken recherchiert, haben mit den Chefärzten gesprochen und die sagten, ein erheblicher Teil, ungefähr die Hälfte, der mit Omikron hospitalisierten Patienten sei explizit nicht wegen dieser Infektion dort, sondern wegen anderer Themen.“
Roman Pletter konfrontiert Lauterbach mit einer Recherche aus dem Wirtschaftsteil der ZEIT, in der Redakteure 20 bis 30 große Kliniken befragt hatten. Das zentrale Ergebnis: Etwa die Hälfte der mit Omikron hospitalisierten Patienten lag nicht wegen Corona im Krankenhaus, sondern aus anderen Gründen. Lauterbach reagiert darauf differenziert und argumentiert, dass auch Patienten, die 'mit' statt 'wegen' Omikron eingeliefert werden, eine deutlich schlechtere Prognose hätten.