Das sind die Regeln – like it or leave it
Roman Pletter & Cem Özdemir
Cem Özdemir, damals noch Bundeslandwirtschaftsminister, spricht am Vorabend der Europawahl 2024 in Hamburg über extreme Pendelschläge in der europäischen Politik: In den Niederlanden zeichnen sich überraschend starke Ergebnisse für Grüne und Sozialdemokraten ab, während gleichzeitig in anderen Ländern eine historisch starke Rechtsaußen-Fraktion im Europaparlament droht. Nebenbei gibt Özdemir Einblicke in den Alltag eines Ministers unter Bewachung — vor jedem Auftritt warten schon die Traktoren.
„Die Unterschiede, die wir untereinander haben und die wir auch zu Recht haben — die sind immer jeweils kleiner wie der gemeinsame Unterschied, den wir haben oder haben sollten gegenüber allen radikalen Fanatikern.“
Erwähnte Medien (8)
Interview mit Hans-Georg Gadamer
Interview mit dem Philosophen Hans-Georg Gadamer über die Grundlagen gelingender Gesprächsführung. Gadamer betont, dass echte Kommunikation voraussetzt, dass wir die Möglichkeit anerkennen, unser Gegenüber könnte recht haben. Der Artikel diskutiert, wie philosophische Haltungen zur Überwindung der Verrohung politischer Debatten und zur Wiederherstellung von echter Dialogfähigkeit beitragen können.
🗣 Cem Özdemir zitiert daraus bei ⏱ 00:04:46 „Der Philosoph Gadamer hat mal mit 100 Jahren in einem Interview im Spiegel gesagt, Voraussetzung fürs Gespräch ist ja, dass der andere Recht haben könnte.“
Özdemir spricht über die Verrohung der politischen Auseinandersetzung und den Verlust von Neugierde auf die Position anderer. Er zitiert den Philosophen Gadamer aus dessen bekanntem Spiegel-Interview im hohen Alter, um zu illustrieren, dass echte Gesprächsbereitschaft die Möglichkeit einschließen muss, dass das Gegenüber recht haben könnte.
Recherche zu pro-palästinensischen Protesten und russischer Einflussnahme
Es gibt hier einen Daten-Mismatch: Der Artikel-Titel spricht von **Corona-Protesten und Querdenker**, aber Zitat und Kontext behandeln **pro-palästinensische Proteste und russische Einflussnahme**. Das sind zwei völlig unterschiedliche Themen. Welche Informationen soll ich für die Beschreibung verwenden? - Den Titel (Corona/Querdenker)? - Das Zitat + Kontext (Palästina/Moskau)? - Oder ist hier beim Datenimport etwas schiefgelaufen?
🗣 Cem Özdemir referenziert bei ⏱ 00:16:58 „Ich habe jetzt auf der Herfahrt Tagesspiegel gelesen, da war ein Artikel darüber drin, die pro-palästinensischen Proteste. Aber interessant war zu lesen, dass der Tagesspiegel ja eine Recherche gemacht hat, wie sehr eben eine ausländische Macht, in dem Fall Moskau, auch versucht hat, das für ihre Zwecke zu missbrauchen.“
Özdemir berichtet von einem Tagesspiegel-Artikel, den er auf der Anreise nach Hamburg gelesen hat. Die Recherche zeigt, wie Moskau versucht, pro-palästinensische Proteste in Deutschland für eigene geopolitische Zwecke zu instrumentalisieren. Er nutzt den Artikel als Beleg dafür, dass bei kontroversen Themen regelmäßig ausländische Einflussnahme eine Rolle spielt.
Kolumnen und Artikel von Bernd Ulrich in der Zeit
Bernd Ulrich
Bernd Ulrich untersucht das Paradoxon zwischen unserem Wissen über die Klimakrise und der Untätigkeit dagegen. Er analysiert psychologische Faktoren wie Stolz, Ehre und die Sehnsucht nach Normalität, die uns von konsequentem Handeln abhalten. Der Artikel ist relevant, weil er über bloße Faktenvermittlung hinausgeht und die emotionalen und identitätären Barrieren der Klimapolitik beleuchtet, die oft stärker wirken als rationale Argumente.
🗣 Roman Pletter erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:24:41 „Sie haben, glaube ich, zu viel Bernd Ulrich gelesen in der Zeit. Bernd Ulrich schreibt das ja immer gern. Und er schreibt ja immer sehr hart über mich. Ich lese es auch und finde es immer sehr anregend, teile es aber gar nicht.“
Pletter wirft Özdemir scherzhaft vor, er habe zu viel Bernd Ulrich gelesen, nachdem Özdemir argumentiert, die Grünen würden den Bürgern kaum noch etwas zumuten. Ulrich ist als Zeit-Autor bekannt für seine fordernde Haltung in der Klimapolitik. Özdemir kontert, dass Ulrich zwar hart über ihn schreibe, er die Texte aber anregend finde, ohne sie inhaltlich zu teilen.
Brockhaus
· 2012
Die Brockhaus Enzyklopädie ist ein mehrbändiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache, das zuletzt von dem zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Wissen Media Verlag herausgegeben wurde. Bis Anfang 2009 wurde die Enzyklopädie von F. A. Brockhaus bzw. vom Mannheimer Verlag Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG herausgegeben. Seine ersten Vorläufer erschienen im 18. Jahrhundert bei Löbel und Franke als Conversations-Lexikon.
🗣 Cem Özdemir erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:34:46 „Mir hätte geholfen, wenn die Schule eine Ganztagesschule gewesen wäre und wir nicht noch x Geld für Nachhilfe hätten ausgeben müssen und es vom Zufall abhängt, ob deine Eltern zu Hause ein Brockhaus stehen haben, die Zeit abonniert haben oder halt funktionale Analphabeten sind.“
Özdemir spricht über seine Kindheit in einer migrantischen Arbeiterfamilie und die Bildungsungleichheit in Deutschland. Der Brockhaus dient als Symbol für den Bildungsvorsprung bessergestellter Familien – wer Nachschlagewerke zu Hause hatte, war bei den Hausaufgaben klar im Vorteil gegenüber Kindern wie ihm.
Wolf-Biermann-Ausstellung (Finissage)
Retrospektive des deutschen Liedermachers und Künstlers Wolf Biermann, prominenter Dissident der DDR. Die Ausstellung dokumentiert sein künstlerisches Werk und dessen kulturhistorische Bedeutung für Deutschland.
🗣 Cem Özdemir zitiert daraus bei ⏱ 00:39:43 „Ich war neulich bei der Finissage der Wolf-Biermann-Ausstellung, da war sie auch. Also wir haben offensichtlich auch ein paar gemeinsame Interessen.“
Im Rahmen des Entweder-Oder-Spiels zwischen Angela Merkel und Olaf Scholz erwähnt Özdemir beiläufig, dass er kürzlich bei der Finissage einer Wolf-Biermann-Ausstellung war, wo er auch Angela Merkel getroffen habe. Er nutzt die Anekdote, um zu zeigen, dass er trotz seiner klaren Präferenz für Scholz auch gemeinsame Interessen mit Merkel teilt.
Kicker
Kicker ist Deutschlands führendes Sportmagazin mit Fokus auf Fußball. Es erscheint regelmäßig mit Spielberichten, aktuellen Tabellen, Mannschaftsaufstellungen und taktischen Analysen. Das Magazin richtet sich an Fußballfans und gilt als Standard-Referenz für Fußballinformationen im deutschsprachigen Raum.
🗣 Cem Özdemir erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:49:29 „Ich habe den Kicker abonniert und schneide immer aus dem Sportteil der Zeitung den Sportteil aus. Und gebe ihn immer meinem Sohn und sage immer, du musst das für mich lesen.“
Özdemir erzählt von seinem Erziehungstrick, um seinen Sohn zum Lesen zu bringen: Er hat das Sportmagazin Kicker abonniert und gibt seinem Sohn die Sportartikel mit der Bitte, ihn über Fußball-Taktiken zu beraten – damit er bei Interviews keine peinlichen Wissenslücken zeigt. Eine humorvolle, persönliche Anekdote.
Vogue
Condé Nast
Condé Nast ist ein internationaler Medienkonzern mit einem großen Portfolio von Magazinen, das vom New Yorker bis zur Vogue reicht. Der Verlag steht beispielhaft für große internationale Medienhäuser, die ähnliche Transformationsprobleme im digitalen Zeitalter bewältigen müssen wie deutsche Verlage wie Gruner und Jahr.
🗣 Cem Özdemir erwähnt beiläufig bei ⏱ 00:56:18 „Das hat schon auch Ursachen, dass eine Debatte, wir haben ja vorher über Vogue gesprochen, das Übermaß schadet.“
Im Kontext einer Diskussion über Meinungsfreiheit und die Wahrnehmung, man dürfe nicht mehr alles sagen, verweist Özdemir auf ein früheres Gesprächsthema rund um die Vogue. Er nutzt es als Beispiel dafür, dass ein Übermaß an Debatte schaden kann. Das eigentliche Vogue-Gespräch fand in einem früheren Teil der Episode statt.
Bibel (Matthäus 7)
· 1903
Bibeltext aus der Bergpredigt Jesu mit zentralen Lehren über Demut und gegenseitige Urteilsfähigkeit. Die Worte warnen davor, andere zu verdammen: Mit welchem Maßstab man misst, wird man selbst gemessen. Eine Maxime gegen Vorschnelligkeit und für Selbstreflexion.
🗣 Cem Özdemir zitiert daraus bei ⏱ 00:59:27 „Und auf einmal hörte ich da Dinge, die kamen mir interessant vor. Nicht praktizierend, aber so dieses Jesuswort, was siehst du aber dem Schwitter im Auge deines Bruders, du wirst nicht gewahr des Balkens deinem eigenen. Richtet nicht auf, dass ihr nicht gerichtet werdet. Mit dem Maß, mit dem du misst, mit dem wirst du gemessen werden.“
Özdemir erzählt, wie er als Kind aus einer muslimischen Familie im evangelischen Religionsunterricht saß und dort biblische Worte hörte, die ihn nachhaltig prägten. Er zitiert die Bergpredigt Jesu aus dem Matthäusevangelium und wendet diese Maximen direkt auf den Fall Boris Palmer an — man solle Menschen nicht für immer abschreiben.